Wie berechne ich Umsatzsteuerlast als Exi-Gründer?

Guten Tag,
ich führe zur Zeit meine Liquiditätsplanung durch und bin mir nicht sicher mit welchen Umsatzsteuerzahlungen ich an das Finanzamt zu rechnen habe. In den ersten Monaten sind meine Ausgaben größer als meine Einnahmen. Bekomme ich dann Umsatzsteuer zurück?

Kann mir jemand gute Literatur zu diesem Thema empfehlen?

Mit freundlichen Grüßen

Ich war Selbstständiger. Die Antwort lautet schlicht JA. Es ist so, dass Du am Anfang mehr Umsatzsteuer herausbekommst als Du mit eigener Dienstleistung bzw. Ware einnimmst, doch der Spieß dreht schnell um. Wirtschaftsbetrüger machen sich diesen Umstand zunutze, dass sie sich im Ringverband Scheinrechnungen ausstellen und die Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückverlangen, Umsatzsteuer für etwas was nur auf Papier steht. An Deiner Stelle würde ich Investitionen auf ein Minimum reduzieren und lieber eine Mehrwertsteuerbefreiung in Anspruch nehmen. Dafür gibt einen Jahresfreibetrag, falls Du mit Deinem Umsatz darunter liegst, darfst Du ihn in Anspruch nehmen. Sobald Du ihn überschreitest, wirst Du im Folgejahr normal veranlagt. Gruss Johannes Handwerksmeister

Guten Tag,
ich führe zur Zeit meine Liquiditätsplanung durch und bin mir
nicht sicher mit welchen Umsatzsteuerzahlungen ich an das
Finanzamt zu rechnen habe.

das kannst du auch nur wissen, wenn deine umsätze schon feststehen…

In den ersten Monaten sind meine
Ausgaben größer als meine Einnahmen. Bekomme ich dann
Umsatzsteuer zurück?

ja, evtl., die aus den lieferantenrechnungen saldiert mit der aus deinen ausgangsrechnungen.

zum thema kleinunternehmerregelung nehme ich jetzt mal keine stellung, da man ja idr davon ausgehen sollte, dass die grenzen geknackt werden und hier auch nicht danach gefragt wurde…

gruß inder

An Deiner Stelle würde ich Investitionen auf ein Minimum reduzieren und
lieber eine Mehrwertsteuerbefreiung in Anspruch nehmen.

Meinst Du die Kleinunternehmer-Regelung?
Die ist auch für kleine Unternehmer nicht immer wirtschaftlich sinnvoll.
Ich bin z. B. froh, dass ich auf sie verzichtet habe.

Gruß jk

ich verstehe das irgendwie nicht… ist es dem „unternehmer“ letztendlich nicht egal ob sein kunde die mwst zahlt oder nicht?
ich meine die kleinunternehmerregellung ist doch völlig überbewertet, oder was hab ich noch für vorteile außer das ich evtl. weniger (was ich nicht ganz nachvollziehen kann) papierkram habe???!

mfg marc

Kleinunternehmen-Regelung
Hi, erstens entfällt eine Menge Papierkram. Zweitens kannst Du nicht zwangsveranlagt werden, wenn Du mit den Meldungen säumig bist. Drittens freuen sich die Kunden, dass sie bei Dir die MWst. sparen (letzlich sind sie versteckt über Materialkosten doch drinnen). Lästige Diskussionen um Schwarzarbeit etc. entfällt. Viertens ist der Gewinn höher siehe Beispiel.

Zweifelsohne ist es grundsätzlich wie bei mir, dass die Anfangsinvestionen bei Existenzgründung ein Vielfaches der Umsätze in den ersten Monaten und der sich daraus ergebenden MWSt. überschreiten. Am Anfang freut man sich über die Stange Geld, die vom Finanzamt zurückerstattet wird. Je länger Du aber im Geschäft bist, sinkt der Vorteil.

Vorteil der Kleinunternehmerregelung am Beispiel.Du bist Wiederverkäufer und kaufts etwas mit MWSt für 100 € ein und willst es mit 100 % wiederverkaufen.

Mit Kleinunternehmerreglung: 100 € /100*200= 200 € Endverkaufspreis, Gewinn 100 € MWSt. = 19 €

Mit Vorsteuerabzugsberechtigung Nettoeinkaufspreis 100 € /100*81 = 81,00 € Nettoeinkaufspreis * 2 = 162,00 € Nettowiederverkaufspreis + 168,08/81*19 MWSt. = 162,00 € Nettowiederverkaufspreis + 37,53 MWSt.= 199,53 € Gewinn 82 € MWSt. = 37,53 € MWSt. -Vorsteuer = 37,53 € - 19 € = 18,53 € ans Finanzamt

ich verstehe das irgendwie nicht… ist es dem „unternehmer“
letztendlich nicht egal ob sein kunde die mwst zahlt oder
nicht?

Egal ist da nix.
Wenn er als Kleinunternehmer arbeitet, darf er keine MwSt auf seine Rechnungen an die Kunden schreiben;
als Unternehmer (Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung) muss er Mehrwertsteuer draufschreiben.

ich meine die kleinunternehmerregelung ist doch völlig überbewertet,

In vielen Fällen ja. - oder besser gesagt: wirtschaftlich nicht sinnvoll.

oder was hab ich noch für vorteile außer das ich
evtl. weniger (was ich nicht ganz nachvollziehen kann)
papierkram habe???!

Für Kunden, die keine Vorsteuer abziehen können (Privatleute, Vereine, Behörden, …), kann das Angebot eines Kleinunternehmers deutlich günstiger sein; bzw. er kann mehr einnehmen.

Günstig ist das aber für den KU nur, wenn er wenig an Investitionen und Material benötigt (z. B. bei Begleitungs und Betreuungsdienstleistungen oder dem GelegenheitsGärtner, der mit einer Heckenschere und einem Besen seine sommerlichen Schnittdienste anbietet).
Ungünstig, wäre es für den Gelegenheits-DJ, der ab und zu sich und seine Anlage vermietet.

Etwas ausführlicher: http://www.klicktipps.de/gewerbe_faq.php#kleinuntern…

Gruß JK

Servus,

hast Du dabei auch dran gedacht, dass Kunden nicht grundsätzlich Endverbraucher sind, sondern auch Unternehmer dabei sein könnten?

Schöne Grüße

MM