Vor nicht so langer Zeit gab es die Übernahme Vodaphone-Mannesmann und derzeit wird über HypoVereinsbank-BankAustria verhandelt. Beiden gemeinsam ist, daß der Kaufpreis in Aktien der übernehmenden Firma erlegt wird.
Meine Frage: Wie kommt die übernehmende Firma in den Besitz so vieler eigener Aktien?
Wenn durch Ausgabe neuer Aktien, dann wäre dies Kapitalerhöhung und der Kurs müsste fallen, wenn durch Zukauf an der Börse, würde eine Nachfrage entstehen und der Kurs müsste steigen.
Mich würde eine erklärende Antwort sehr freuen, besonders wenn sie in Umgangssprache und nicht in „nur Börsenprofis verständlichem Fachjargon“ gegeben wird.
Freundliche Grüße Rudolf
Hallo Rudolf,
es gibt kaum etwas Komplizierteres als das Deutsche Aktienrecht… Ich versuch’s deshalb so einfach wie möglich zu erklären (aber nicht lachen bitte!):
Eigentlich ist es in Deutschland verboten, eigene Aktien zu erwerben. Es gibt allerdings einige Ausnahmen, die wie üblich die Regel bestätigen, z. B.
- wenn durch den Erwerb von Eigenaktien ein schwerer, unmittelbar bevorstehender Schaden von der Gesellschaft abgewendet werden muß (Konkurs? feindliche Übernahme?),
- wenn der Kauf unentgeltlich erfolgt (an sich ein absoluter Schwachsinn, weil Aktien nicht unter dem Nennwert ausgegeben werden dürfen) oder wenn eine Bank mit dem Kauf eine sogenannte Einkaufskommision ausführt,
- im Falle einer Verschmelzung bzw. Gesamtrechtsnachfolge (wenn die Aktionäre abgefunden werden sollen),
- falls die Hauptversammlung die Einziehung der Aktien wegen der Herabsetzung des Kapitals beschließt,
- auch Banken und Finanzunternehmen dürfen eigene Aktien kaufen, allerdings nur zum Zwecke des Wertpapierhandels (das davon betroffene Kapital darf übrigens nicht mehr als 5 % des Grundkapitals betragen).
Es gibt noch einige andere Bestimmungen, aber die sind selbst mir zu hoch.
Wenn durch Ausgabe neuer Aktien, dann wäre dies
Kapitalerhöhung und der Kurs müsste fallen, wenn durch Zukauf
an der Börse, würde eine Nachfrage entstehen und der Kurs
müsste steigen.
Neue Aktien werden ja gerade NICHT rausgegeben, das wäre eine Kapitalerhöhung, weil die neuen Aktien nur gegen Kohle oder gegen Sacheinlagen (das Bewertungsverfahren ist langwierig, kompliziert und sauteuer). Eigentlich ist es so, daß die Gesellschaft die schon vorhandenen Aktien sozusagen zurückkauft.
Aus diesen (d. h. eigenen) Aktien stehen ihr allerdings keine Rechte zu. Also kann die Gesellschaft selbst in der Hauptversammlung nicht mitstimmen.
Ich hoffe, Du kannst mit meinem Chaos etwas anfangen.
Viele Grüße nach Wiesbaden
Tessa
Hallo Tessa,
zuerst einmal danke für die Antwort; leider bestätigt sie mir nur meine Befürchtungen, die mich eigentlich zu meiner Frage veranlaßt haben:
Um etwas zu kaufen, braucht man Geld. Entweder Eigenes oder Geliehenes oder zumindest eine Aussicht, demnächst an Geld heranzukommen. Über Barter-Handel wollen wir hier ja nicht diskutieren.
Bei meinem Beispiel HypoVereinsbank-BankAustria sind das so an die 6 Milliarden Euro, beim Beispiel Vodaphone-Mannesmann um eine Zehnerpotenz mehr! Das ist doch nicht wenig?
Wie Du schreibst, fällt es einer AG in Deutschland gar nicht so leicht, eigene Aktien zu erwerben. Wenn nun die HypoVereinsbank einen solch großen Stapel einkauft, würde doch deren Kurswert stark steigen? Das würde doch von Spekulanten bemerkt werden? Haben die tatsächlich soviele eigene Aktien in ihrer Kasse? Das würde doch vom „zu kaufenden“ Unternehmen (in dem Fall von der BankAustria) überprüft werden bevor man einem „Kauf“ ohne Geld zustimmt? Wie war den das mit Vodaphone-Mannesmann? Sind das echte Käufe oder nur private Vereinbarungen der Manager, die irgendjemandem von Nutzen sind?
Das sind viele neue Fragen aber jetzt habe ich vielleicht besser formuliert um zu zeigen, was mich interessiert.
Freundliche Grüße Rudolf
Horrido Rudolf…
Es sind eine Menge Fragen!! Was Tessa angeht: Den Teil den du nciht verstanden hast ist völlig einfach:
Wenn ein Unternehmen durch Aktienaufkäufe sozusagen „Feindlich Übernommen“ wird, müsste der Kurs steigen.( Bestes Beispiel Mannesmann). Das andere halt umgekehrt.
Ich bin Spekulant, doch kommt es schon manchmal vor( im mom hatte ich das problem mit CDnow, einer Inet Firma die online CDs vertreibt. Sie wird von Bertelsmann gekauft. Jetzt bietet mir Bertelsmann einen Pris von 3$ pro Aktie… ok nicht schlecht.)
Meistens ist das so, bei einer Übernahme wird den Aktienären einer Firma ein etwas höherer Kurs für ihre Aktie geboten als der aktuelle Kurswert ist, damit Interesse entsteht. Gut für den Spekulanten: Der Kurs wird nahe an den Abkaufpreis herangehen( manchmal auch überschreiten). So lässt sich schnell geld machen… aber nicht drauf verlassen, das Angebot muss gut genug sein.
So weit ich weiss sind es meist Aktienaufkäufe bei Firmenübernahmen. du hast das hohe Kapital angesprochen… schon mal überlegt wie viel ein Börsengang einer Firma einbringt?
Ausserdem muss die Firma ja nicht unbedingt 50 % oder so halten.
Ich kann nicht mehr weiter schreiben…
Bye
Hermann
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