Wie bremsen Atome elektromagnetische Wellen?

Hallo,
im Vakuum breiten sich elektromagnetische Wellen ja mit der bekannten Lichtgeschwindigkeit aus. Sobald sie aber auf Materie treffen, wird ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit verlangsamt.
Welche Eigenschaft der Atome bremst nun aber das Licht?

Simple Stöße mit den Elektronen in der Atomhülle wohl nicht, des würde doch Reflexion und beim Durchgang des Lichtes durch die Materie die Streuung erklären.

Wenn es Energieniveaus in den Atomen gibt, die der Energie der elektromagnetischen Welle entsprechen, dann würde das Atom angeregt werden, dann entweder die Energie teilweise oder ganz absorbieren und den Rest (falls vorhanden) wieder ungerichtet als elektromagnetische Welle bzw. Photon emittieren.

Wie wird jetzt aber eine elektromagnetische Welle beim Durchgang durch Materie gebremst? Welche Eigenschaft der Materie macht das?
Wellentheoretisch ist die Sache klar: Die Elektronen in den Atomen/Molekülen sind eben nicht so stark aneinander gekoppelt, sodass sich eine Welle in Atomen mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten kann.

Die Quantenmechanik benutzt ja zur Klärung von solchen Phänomenen Energiepakete (Photonen) und Atom-/Molekülorbitale.
Kann hier jemand bitte diesen Sachverhalt der Lichtabbremsung bzw. Beschleunigung beim Austritt aus der Materie aus Sicht der Quantenmechanik erklären?

Vielen Dank
Gruß
Tim

Hallo,

auch (und gerade) in der Quantenmechanik gibt es den Wellencharakter.
Deine Frage läßt sich mit dem Huygensschen Prinzip beantworten:
Jeder Punkt einer (ebenen) Wellenfront ist seinerseits punktförmige Quelle von Kugelwellen, die einander gerade so überlagern, daß die (ebene) Wellenfront an jeder Stelle wieder rekonstruiert wird. So kann man sich die Ausbreitung von Wellen hilfsweise vorstellen.

Schickt man eine Welle durch eine riesige Vielzahl von Streuzentren hindurch, wird die Welle zwar an jedem Streuzentrum in alle Richtungen gestreut, allerdings überlagern sich alle gestreuten Wellen abseits der ursprünglichen Richtung destruktiv, und in Ausbreitungsrichtung konstruktiv, so daß viele Streuzentren die Welle nicht in alle Richtungen verteilen, sondern eher zusammenhalten.

Liegen diese Punkte in Materie, so werden die Elektronen durch das elektrische Feld der Lichtwelle zum Mitschwingen angeregt, allerdings phasenversetzt (verzögert, die Schwingung eilt dem Lichtfeld nach, da die Elektronen gebunden sind) und das Licht wird absorbiert. Ein schwingendes Elektron kann nun, je nach Material, die Lichtwelle wieder aussenden, aber eben phasenversetzt, also verzögert. Dies geschieht überall im Medium, und die verzögert ausgesendeten Wellen überlagern einander wieder gerade so, daß die ursprügliche Wellenfront rekonstruiert wird, jedoch „später“. Insgesamt ist das ein permanent stattfindender Prozess, der zur Folge hat, daß die Welle in einen Medium „gestaucht“ wird und dieses langsamer durchquert.

Quantenmechanisch wird die Energie im Medium nicht kontinuierlich, sondern photonenweise verschluckt und wieder ausgesendet, was jedoch nicht heißt, daß die Welleninformation verloren ginge; ein Photon ist beides: Welle und Teilchen. Und auch Photonen können interferieren.

Während dünne Gase nur bei ihren Übergängen absorbieren und emittieren (und genau bei diesen Frequenzen auch einen gigantischen Brechungsindex haben, siehe die Versuche zum Abbremsen einer Lichtwelle auch Schrittgeschwindigkeit), sind die Übergänge im Festkörper zu einem Kontinuum verbreitert und das gesamte Licht wird gebremst.

Gruß
Moriarty

Quantenmechanisch wird die Energie im Medium nicht
kontinuierlich, sondern photonenweise verschluckt und wieder
ausgesendet

Während dünne Gase nur bei ihren Übergängen absorbieren und
emittieren (und genau bei diesen Frequenzen auch einen
gigantischen Brechungsindex haben, siehe die Versuche zum
Abbremsen einer Lichtwelle auch Schrittgeschwindigkeit), sind
die Übergänge im Festkörper zu einem Kontinuum verbreitert und
das gesamte Licht wird gebremst.

Also ist die quantenmechanische Erklärung für die Verlangsamung der Ausbreitungsgeschwindigkeit einer elektromagnetischen Welle die, dass es eben Atom-/Molekülorbitale gibt, bei denen das Photon aufgenommen wird, kurze Zeit im angeregten Zustand verbleit und dann das ganze Photon wieder emittiert.
Jetzt kann ja die spontane Emission in alle Richtungen erfolgen. Es bleibt mir noch die Frage offen, wie die Richtung eines Lichtstrahles aber erhalten bleibt, wenn es durch ein Fenster geht.
Ist das dann so wie bei einem Laser, bei dem dann nachfolgende Photonen das angeregte Atom wieder abregen und das Photon die Richtung des abregenden Photons annimmt?

Oder ist es von vorneherein wahrscheinlich, dass ein Photon nach der Anregung und Emittierung wieder seinen ursprünglichen Impuls annimmt und zwar nicht nur vom Betrag her, sondern auch von der Richtung her aufgrund der Impulserhaltung?

Wie wäre es dann an einer Grenzfläche? Kann man mit dem oben beschriebenen Modell ebenfalls die Brechungserscheinungen beschreiben?
Wenn ja, wie?

Vielen Dank

Hallo,

der Fehler ist wohl, „quantenmechanisch“ mit „teilchenartig“ gleichzusetzen. Photonen oder Elektronen sind eben etwas Neues, das sich so verhält, wie wir es sowohl von Wellen als auch von Steinen aus unserem täglichen Leben kennen. Tatsächlich ist es nicht einfach zu erklären, wie Materie mit Licht wechelwirkt, wenn man nur die Bilder aus der Schule oder aus dem Fernsehen kennt.

Also ist die quantenmechanische Erklärung für die
Verlangsamung der Ausbreitungsgeschwindigkeit einer
elektromagnetischen Welle die, dass es eben
Atom-/Molekülorbitale gibt, bei denen das Photon aufgenommen
wird, kurze Zeit im angeregten Zustand verbleit und dann das
ganze Photon wieder emittiert.

Sehr vereinfacht gesprochen ja, ich bin mir aber nicht sicher, ob dieses Bild in einem Festkörper noch trägt. Das Medium wird wohl eher kontinuierlich und die Ausbreitung von EM Wellen in einem Dielektrikum per Quantenfeldtheorie beschrieben, so daß man gar nicht sagen kann: „Dieses Molekül hat gerade ein Photon verschluckt“. Das weiß man ja gar nicht. Wenn man „macht, daß man es weiß“, zB den Lichtstrahl fein bündelt, dann würde es sich vermutlich auch anders verhalten.

Jetzt kann ja die spontane Emission in alle Richtungen
erfolgen. Es bleibt mir noch die Frage offen, wie die Richtung
eines Lichtstrahles aber erhalten bleibt, wenn es durch ein
Fenster geht.

Man darf sich das nicht wie mit Murmeln vorstellen. Ein Photon kann durchaus mit sich selber interferieren, ist nach wie vor eine Welle und kann an vielen Streuzentren zugleich gestreut werden, eben so, daß die ganzen Streuwellen in ursprünglicher Richtung konstruktiv, in allen anderen Richtungen destruktiv interferieren, so daß die Richtung erhalten bleibt.
Ein Photon ist eben keine Kugel, die da so herumfliegt, sondern ist überall zugleich.
Mit der Quantentheorie ist das eben so eine Sache. Solange ich nicht fein genug hinsehe, kann ich auch nicht lokalisieren, wo ein Photon verschluckt oder wieder ausgesendet wird, ergo wird es dies überall gleichzeitig ein bischen passieren, und es verhält sich klassisch wie eine Welle (Stichwort: Doppelspaltexperiment)

Ist das dann so wie bei einem Laser, bei dem dann nachfolgende
Photonen das angeregte Atom wieder abregen und das Photon die
Richtung des abregenden Photons annimmt?

Wie gesagt, das Bild mit einer Murmel, die eine weitere Murmel herausschlägt, ist eigentlich nicht richtig. Man muß hier streng genommen schon die Welleneigenschaften im Auge behalten, um es zu verstehen.
Eine EM-Welle ist und bleibt eine Welle, selbst wenn sie so schwach ist, daß es nur für ein einzelnes Photon reicht.

Oder ist es von vorneherein wahrscheinlich, dass ein Photon
nach der Anregung und Emittierung wieder seinen ursprünglichen
Impuls annimmt und zwar nicht nur vom Betrag her, sondern auch
von der Richtung her aufgrund der Impulserhaltung?

Nein.

Wie wäre es dann an einer Grenzfläche? Kann man mit dem oben
beschriebenen Modell ebenfalls die Brechungserscheinungen
beschreiben?

Brechung ergibt sich daraus, daß die Welle sich im Medium langsamer ausbreitet. Wikipedia hat gute Illustrationen.

Wenn ja, wie?

Vielen Dank

Gruß
Moriarty

Hallo

Man sollte auch nicht die erhöhte Dielektrizitätskonstante in Materie vergessen, ebenso, wie es auch magnetische Eigenschaften in Materie gibt, die die Wellenausbreitung verlangsamen.

MfG

Hallo,

Man sollte auch nicht die erhöhte Dielektrizitätskonstante in
Materie vergessen, ebenso, wie es auch magnetische
Eigenschaften in Materie gibt, die die Wellenausbreitung
verlangsamen.

Das ist nur eine scheinbare, weil viel zu oberflächliche Erklärung. Was ist denn die Dielektrizitätskonstante anderes als eine Zusammenfassung unbekannter Eigenschaften und Phänomene? Erst die Möglichkeit, diese Konstante anhand der Gegebenheiten zu berechnen und die Faktoren dieser Berechnung würden die dahinter stehenden Vorgänge erklären.

Wobei ich nicht weiß, ob diese Faktoren überhaupt schon bekannt sind.

Gruß
loderunner