Hallo,
ich seh das schon ein bischen anders.
das hat mit Dummheit nichts zu tun. Man hat offensichtlich
erkannt, daß man mit der aktuellen Abonnentenzahl keinen
Blumentopf gewinnen, d.h. Gewinn machen kann. Die Ursache
dafür sieht man darin, daß die Sportschau einfach zeitlich
noch zu nah dran ist und sich daher viele potentielle
Abonnenten mit der Sportschau begnügten, anstatt 35 Euro für
das Fußballabo von Premiere zu löhnen (zzgl. 18 Euro GEZ zzgl.
18 Euro Kabelanschluß).
Sie haben doch im letzten Quartal erstmals schwarze Zahlen
geschrieben,
also daran kann es doch nicht gelegen haben.
ohne hier eine längere Bilanzanalyse machen zu wollen, gehe ich davon aus, daß Premiere dieses Jahr bestenfalls mit einem ausgeglichenen Ergebnis abschließen würde, wenn nächstes Jahr die WM nicht anstünde. So oder so wird das Ergebnis zum 3. Quartal bei der Ausschreibung keine große Rolle gespielt haben, weil die „Ausschreibung“ m.W. schon vor Ende des 3. Quartals begann.
Meiner Meinung nach ist das wesentliche Problem von Premiere,
dass
sie (wie Pro Sieben auch) mit ihrem HDTV (DVB-S2 & H264) auf
das
völlig falsche Pferd gesetzt haben.
Das Problem ist ein fundamentales. Die Erstausstrahlungsrechte für Deutschland für Filme und Serien sind einfach zu teuer, als daß sich das bei der erreichbaren Abonnentenzahl rechnen könnte. Es gibt in Deutschland Kabelfernsehen, analoges und digitales Antennenfernsehen, alles jeweils in Spitzenqualität und mit einer praktisch unbegrenzten Zahl von Sendern. Bei 80% der Deutschen ist die nächste Videothek nicht weit entfernt und die DVDs gibt’s inzwischen praktisch immer vor der Erstaustrahlung im (Bezahl-)TV.
Was bspw. jetzt bei Premiere Direkt für eine Handvoll Euro ausgestrahlt wird, ist bereits seit dem Sommer als DVD im Handel. Beispiel: In 80 Tagen um die Welt, erschienen auf DVD Ende August, Preis heute bei Amazon: 13,97 Euro.
Der einzige Bereich, bei dem Premiere einen Vorteil haben und an ihm verdienen kann, ist bei Veranstaltungen, die live übertragen werden können, also Sport, Konzerte und Raketenstarts.
Die Zielgruppe für Premiere im Bereich Bundesliga sind logischerweise die Leute, die zeitnah möglichst viele Spiele sehen wollen und dafür bereit sind, monatlich 35 Euro zu bezahlen, und diese Zahl wird umso kleiner, je geringer der Zeitabstand zwischen Zweitberichterstattung und Spielende wird sowie je umfangreicher die Zweitberichterstattung ist. Und das ist genau das Problem: Die Zahl ist zu gering bzw. der Preis zu hoch, solange die ARD-Sportschau um kurz nach 18 Uhr relativ ausführlich berichten kann.
Gruß,
Christian