Wie dumm sind Vögel?

Zugegeben, die Frage ist etwas reißerisch. Aber die Frage hinter folgenden Fallbeispiel interessiert mich wirklich:
Hätte ich einen Vogel, so einen ganz normalen Kanarienvogel, auf einer Atlantiküberquerung mit dem Traumschiff dabei und würde auf halber Strecke den Käfig öffnen… was macht dann dieser Vogel? Klar, der haut natürlich erstmal ab! Nach ein paar Sekunden des freien Fluges hat er das Schiff verlassen und sieht dann nichts Anderes mehr als Wasser, den Himmel und einen völlig leeren Horizont. Kein Fixpunkt sonst, kein Ort zum Landen, keine Futterquelle, kein Schlafplatz, keine Zuflucht… nichts! Es ist ein Flug ohne sichtbares Ziel, das er anpeilen könnte. Der Flug als solcher ist schon in diesem Moment absolut sinnlos. Kann er in diesem Moment begreifen, dass kein eingeschlagener Weg besser ist als der Ort, von dem er gerade startete? Die einzige Chance zu überleben ist das Schiff, von dem er sich entfernt.
Ich denke mir also, dass der Vogel dumm genug ist und kurz darauf zu den Fischen geht. Aber stimmt’s auch?

Gruß!
Tino

Hallo,
ich hatte einmal das Vergnügen, auf Teneriffa eine Vogelschau sehen zu dürfen. Während der Vorführung erklärte der Falkner, dass die Tiere schon deshalb immer wieder zurückkämen, weil die Entfernung zur nächsten Insel im Zusammenhang mit der Thermik für den Vogel unmöglich zu überwinden ist…wüssten die Vögel das nicht, würden sie es trotzdem versuchen…insofern würde ich nicht beschwören dass der Kanare wegfliegen würde…qed

und selbst wenn, wäre damit lediglich bewiesen, dass er zumindest nicht klüger ist, als so mancher Laienbergsteiger, der ohne die nötige Ausrüstung losmarschiert.

Grüssle
Suse

Hi,

Die für mich (Enten und Hühnerhalter) wahrscheinlichste Möglichkeit ist:
Losfliegen wird er auf jeden Fall.
Er wird nach einer gewissen Zeit entweder im Wasser versinken oder irgendwo auf dem Schiff landen, sofern er es „entdeckt“.
Er wird aber nicht realisieren, dass er von dort hergekommen ist.

Gruss,

Es kommt darauf an, was du als „dumm“ definierst. Ein Kanarienvogel ist kein Zugvogel sondern ein Standvogel. Das heisst, das er nicht (oder fast nicht)nach dem Magnetfeld der Erde o. Sterne navigieren kann. Er wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit zurückkommen (falls er seine körperlichen Kräfte nicht überschätzt ;o)Zugvögel sind aufgrund ihrer biologischen Ausstattung fähig, den Weg nach Hause mit den o. a. Navigationshilfen zu finden. Ich glaube nicht, dass sie einschätzen können, dass die Küste sooooo weit entfernt ist. Sie können nicht anders und würden fliegen bis sie vom Himmel fallen. Wer von den beiden jetzt dumm ist?
Keiner! Jeder macht, was ihm seine Gene mitgeben.

Patricia

Zugegeben, die Frage ist etwas reißerisch. Aber die Frage
hinter folgenden Fallbeispiel interessiert mich wirklich:
Hätte ich einen Vogel, so einen ganz normalen Kanarienvogel,
auf einer Atlantiküberquerung mit dem Traumschiff dabei und
würde auf halber Strecke den Käfig öffnen… was macht dann
dieser Vogel? …

Hallo,

individuelle Intelligenz ist nur eine Möglichkeit, zu überleben, und es ist noch nicht einmal sicher, ob sie eine Zukunft hat. Wesentlich ist die „Intelligenz“ der Evolution - die Lebewesen überlebensfähig auszustatten. Die Kanarienvögel werden nicht durch ihr Verhalten auf Kreuzfahrtschiffen aussterben, egal wie sich dabei anstellen, weil sie dort eher selten sind.

Es gibt meines Wissens Vogelarten, von denen ein Teil die mittelamerikanische Landenge entlang fliegt, ein Teil jedoch über den Golf von Mexiko. Dass das geht und kürzer ist, wenn auch viel riskanter, können sie beim ersten mal nicht wissen, aber wenn keiner ankäme, wäre die risikobereitere Modifikation ja längst ausgestorben. Auch so kann sinnvolles Verhalten entstehen.

Gruss Reinhard

Keiner! Jeder macht, was ihm seine Gene mitgeben.

Nein, nicht ganz: Ich würde es so formulieren: Jeder macht das, was er gelernt hat, und wie er (durch was auch immer, z. B. Umwelt, ect.) gefördert wurde. Die Gene setzen natürlich irgendwo Grenzen…

Iris

Erstma ein schönen Abend,

tja, schwierig zu sagen.

Um mit dem Kanarienvogen anzufangen: eine Mitstudentin hatte einen solchen, der durft FREI fliegen, d.h. aus der Bude raus. Er flog auf die Bäume, ums Wohnheim und suchte sich irgendein offenes Fenster um zurückzukommen. Alle wussten wo der Vogel hinkommt, hat immer geklappt.

Ich hatte einen Wellensittich, der konnte es nicht lassen in meinem Aquarium zu baden. Hm, Kaltwasser, ca. 16 Grad, außerdem Salzwasser. Ich musste ihn regelmäßig rausfischen.

Ich habe eine Rabenkrähe ca. 4 Jahre gepflegt. Sie war ca. 12 Wochen alt, als ich sie gefunden hatte.

Sie konnte nicht fliegen, da sie keine Schwungfedern hatte. Diese haben sich aber von Mauser zu Mauser besser ausgebildet und sie hat uns dann verlassen. Das war auch eigentlich das Ziel, obwohl es schön wäre, wenn sie mal wieder vorbei schaut.

Diese Krähe hat unserem Hund immer Futter geklaut, dann ein Loch in den Rasen gepickt, Futter rein, und Blätter drauf, damit wir das nicht sehen.

Da fällt mir grad noch ein, wir hatten auch einen Kater, wir mussten ihn leider einschläfern lassen. Er lag neben seinem Freßnapf auf der Terasse. Eine Amsel hat sich immer an seinem Fressen bedient, sie hat bemerkt, dass er sich nich darum kümmert, die Entfernung war ca. 30 cm, dumm oder kalkuliert???
. Die dosenöffner liefern ja nach.

Wie klug sind andere Tiere???

Ich habe mal 6 Wochen mit einer Maus gekämpft, bis ich sie lebend einfangen konnte, die Köder waren immer weg, die Fallen entschärft, wie???

Wie klug sind die Menschen???

So, Tino, vielleicht habe ich ja ein paar Aspekte geliefert.

Denk dran, die Tiere sind klüger als wir denken, nimm sie ernst!

Gruß Volker