Mit Parteispenden-Affäre sind die Vorkommnisse nur noch verharmlosend zu beschreiben. Fakt ist, daß sich Altkanzler Kohl Bargeld in die Hand drücken ließ, wie man einem Kellner Geld gibt, um sich gute Bedienung zu sichern oder sich für gute Bedienung zu bedanken.
Es gehört schon eine Menge Blauäugigkeit und Naivität dazu, zu glauben, daß damit nicht unmittelbar politische Entscheidungen gekauft wurden.
Außerdem scheint sich zu erhärten, daß aus dem Kanzleramt Akten über den Verkauf der Leuna-Chemie verschwunden sind. Das Ganze hat nichts mehr mit läßlichen Spendensünden zu tun. Vielmehr verdichtet sich bei mir der Eindruck, daß der Chef einschließlich seiner Crew eine korrupte und kriminelle Vereinigung bildete, die sich nach Herzenslust bediente und schmieren ließ. Wer diese Beurteilung nach den jetzt bekannten Sachverhalten für unangemessen hält, möge bitte eine besser passende Bezeichnung finden.
Jeder selbständige Handwerker weiß, daß ihm das Fell über die Ohren gezogen wird, wenn er anläßlich einer Betriebsprüfung etwas von verschwundenen Büchern brummelt.
Buchstäblich täglich gibt es neue Meldungen über Ministerialbeamte, die gleichzeitig für 7stellige Beträge als Berater tätig sind und unmittelbaren Einfluß auf politische Entscheidungsträger besitzen. Zu großen Teilen bleiben die Leute in den Ministerien auch nach einem Regierungswechsel an ihren Plätzen. Man muß deshalb damit rechnen, daß dort mit dem gleichen Geist und in gleicher Weise weitergemacht wird, vielleicht mit vorübergehend größerer Zurückhaltung.
Natürlich sitzen in den Ministerien auch nur Durchschnittsmenschen mit allen möglichen Schwächen. Deshalb darf man den moralischen Anspruch nicht höher ansetzen als anderweitig auch. Und eigentlich ist es ja Aufgabe des Parlaments, den Regierenden dauernd auf den Zehen zu stehen, Entscheidungswege einzusehen und zu kontrollieren. Aber entweder sind die Kontrollmöglichkeiten so schwach, daß nicht einmal Kriminelle und deren Machenschaften entdeckt werden oder die Kontrolleure schlafen oder sie werfen aus dem Glashaus nicht mit Steinen.
Was kann man gegen den verkommenen Haufen tun?
Es ist schlicht zum K…
Wolfgang