Wie einigt man sich beim Preis einer Immobilie?

Hallo an alle,

ich bin im Begriff, mir eine Immobilie zu kaufen und hoffe, dass mir jemand mit seinem Rat zur Seite stehen kann.

Natürlich ist mir klar, dass sich der Preis einer Immobilie aus Angebot und Nachfrage ergibt. Ich frage mich allerdings, wie man sich bei Verhandlungen auf einen Preis einigt, d.h. wie ist der Ablauf bei der Preisfindung?

Demnächst habe ich einen Hausbesichtigungstermin und möchte dabei eventuell mit dem Makler einen vernünftigen Preis aushandeln.Ich wäre aus persönlichen Gründen bereit, den vollen Preis zu zahlen, weiß aber, dass der Marktwert des Hauses deutlich unter dem vorgeschlagenen Preis liegt (vernünftig wären m. M. n. 85 % des Preises).

Nun wäre ich ja schön blöd, wenn ich die Karten auf den Tisch lege und direkt den Höchstpreis zahle. Wenn ich jetzt aber einen niedrigen Preis vorschlage, muss ich doch davon ausgehen, dass der Makler nach weiteren Käufern sucht oder zumindest so tut, als ob es andere Käufer gibt, schließlich hat er trotz des hohen Preises mein Interesse geweckt. Wirkt es nicht lächerlich wenn man sagt „Bei 175.000 nehm ich es, aber bei 178.000 bin ich weg“? Beim Autokauf funktioniert das, weil man schnell ein identisches Auto findet und der Verkäufer nicht zulassen will, dass man wieder fährt, aber beim Hauskauf?

Dummerweise wird das Haus ja nicht versteigert. Dann könnte man ja einfach so lange bieten, bis kein anderer mehr dabei ist und der Marktpreis des Hauses wäre gefunden.

Wie verhält man sich also in so einem Fall, wenn man weder über den Tisch gezogen werden will, noch das Haus weggeschnappt haben möchte? Wie macht man ein Schnäppchen? Es geht mir nicht darum, mit welchen Gründen man den Preis mindert, davon habe ich selbst einige gefunden. Mir geht es wirklich nur darum, wie man in dieser Branche Preisverhandlungen führt.

Hoffentlich findet sich hier jemand ein, der mir helfen kann.

Gruß
D. Jung

Wie immer im Leben: Reine Nervensache :smile:

Also 10% sollte man immer abziehen, 20% gehen auch, aber man muss eben den Markt kennen.

Es ist halt auch Glückssache: Sammle doch erstmal Indizien, wie beliebt das Objekt wohl sein mag: Wie lange stand es drin/steht es noch drin? Gibt es Eigenschaften, die die meisten Menschen hassen (Lage?)?

Und dann kommt der Moment des Pokerns: Du sagst einen Preis und bleibst erstmal stur. Versuch es gar nicht erst mit Argumenten, denn die wird der Makler leicht wiederlegen (Ich find schon einen der das kauft.). Sag deinen Preis und erläutere ihn nicht weiter. Sei bereit zu gehen. Und dann warte mal ein paar Tage und schau dann weiter. :smile:

Wie verhält man sich also in so einem Fall, wenn man weder
über den Tisch gezogen werden will, noch das Haus
weggeschnappt haben möchte? Wie macht man ein Schnäppchen? Es
geht mir nicht darum, mit welchen Gründen man den Preis
mindert, davon habe ich selbst einige gefunden. Mir geht es
wirklich nur darum, wie man in dieser Branche
Preisverhandlungen führt.

Hi,

was heißt über den Tisch gezogen? Niemand wird gezwungen zu kaufen. Wie Du schon sagtest Angebot und Nachfrage.

Ob die Immobilie verhandelbar ist, hängt auch davon ab, wie schnell der Verkäufer veräußern muß. Muß er schnell veräußern ist er vermutlich eher zu Preisnachlässen bereit, als wenn er auf eine schnelle Veräußerung nicht angewiesen ist.

Ist die Ausstattung der Immobilie mit den zum Vergleich herangezogenen Immobilien vergleichbar?

Möglich wäre auch, das der Verkäufer einen höheren Preis ansetzt um dann auf den marktüblichen Preis zu kommen.

Am besten man fragt beim Makler nach ob Verhandlungsspielraum besteht und nennt einen Preis, mit dem Hinweis auf vergleichbare Objekte. Bei der Ansetzung des Preises wäre es hilfreich zu wissen, wie lange die Immobilie schon am Markt ist und ob der Verkäufer schnell verkaufen möchte. Stehen in der Lage der Immobilie noch weiter Objekte zum verkauf?

Gruß
Tina

Hallo nochmal,

danke für die schnellen und hilfreichen Tipps.

was heißt über den Tisch gezogen? Niemand wird gezwungen zu
kaufen. Wie Du schon sagtest Angebot und Nachfrage.

Naja, wenn der Verkäufer behauptet, andere wären bereit, einen höheren Preis zu zahlen, wird´s schwierig. Man weiß ja nicht wirklich wie viele Interessenten es noch gibt.
Es ist ja nicht so einfach, sich mal eben das nächste Objekt zu suchen. In anderen Branchen ist es simpel: Wenn ich ein Auto möchte, schaue ich bei Onlineportalen nach dem Wert und wenn es zu teuer ist, fahre ich zum nächsten Händler.
Bei Immobilien kann man aber weder einen klassischen Listenpreis suchen, noch kann man mal schnell ein neues Objekt finden. Außerdem finden Verhandlungen nicht an Ort und Stelle statt, sondern der Verkäufer hat in den folgenden Tagen genug Zeit, um mit anderen Interessenten zu verhandeln. Wenn man beim Autokauf einen zu niedrigen Preis ansetzt, kann man nachbessern, man einigt sich eben. Beim Hauskauf bekommt man das Haus aber weggeschnappt. Oder hält einen der Makler dabei auf dem Laufenden, in etwa „Hier sind Kaufinteressenten, die 5.000 € mehr zahlen würden, wären Sie breit, das zu überbieten?“

Ob die Immobilie verhandelbar ist, hängt auch davon ab, wie
schnell der Verkäufer veräußern muß.

Es handelt sich um ein Maklerbüro. Die haben Zeit, denke ich… Die ehemaligen Besitzer des Hauses scheinen mir auch nicht von Armut gebeutelt zu sein.

Bei der Ansetzung des Preises wäre es
hilfreich zu wissen, wie lange die Immobilie schon am Markt
ist und ob der Verkäufer schnell verkaufen möchte. Stehen in
der Lage der Immobilie noch weiter Objekte zum verkauf?

Das Objekt steht seit ca. 6 - 12 Monaten leer. Es handelt sich um eine sehr ländliche Gegend. Das ist gut, weil hier eher Leute weg- als hinziehen. Andererseits stehen auch nicht viele Objekte zum Verkauf und wenn, dann nur alte Häuser, deren Besitzer verstorben sind. Sowohl Angebot als auch Nachfrage sind hier also sehr gering, wie man damit umgeht, weiß ich leider nicht.

Gruß
D. Jung

Hallo,

klar sagen, dass man das Objekt sofort kaufen würde, wenn der Preis stimmt. Stimmt bedeutet: Du hast ein begrenztes Budget, da muss der Preis für das Objekt und die noch von Dir durchzuführenden Arbeiten und Materialien rein passen. Nicht mäkeln, was alles so furchtbar schlecht ist, aber klar und deutlich sagen, dass Du dieses oder jenes machen würdest, und Du dafür einen bestimmten Preis veranschlagst, der vom Budget runter geht.

Was dabei raus kommt sollte noch etwas unter dem liegen, was Du tatsächlich bereit bist zu zahlen, aber nicht Welten davon weg sein. So kannst Du noch ein wenig in der letzten Verhandlungsrunde drauf legen, ohne dass sich die andere Seite über den Tisch gezogen fühlt. Man sollte sich nicht die Blöße geben, dann plötzlich noch dicke Geldbündel rauszuziehen, nur um das Objekt unbedingt erwerben zu „dürfen“. Damit macht man sich dann erpressbar.

Weiterhin solltest Du klar sagen, dass Du einen bestimmten - eher engen - zeitlichen Horizont hast. Also entweder aus der Sache wird was in den nächsten 14 Tagen, oder die Sache platzt. Und auch da besser als guter Verlierer mit erhobenem Haupte aus der Geschichte raus gehen, als winsend und bettelnd dann 1001e Fristverlängerung zu gewähren, ständig am Telefon zu hängen, ob sich nicht doch noch was getan hat, …

Denke insbesondere an eine Sache: Wenn in der Gegend wenig Umsatz ist, dann landest Du ggf. bei einem zweiten Objekt wieder beim selben Makler. Und der weiß dann, mit wem er es zu tun hat. Entweder mit dem scharfsinnigen, geradlienigen Menschen mit klaren Preis- und Terminvorstellungen, oder mit dem sich windenden Würmchen, was um jeden Preis eine Immobilie haben will.

Gruß vom Wiz

Hallo mal wieder,

ich möchte mich nur noch einmal bei den drei wirklich hilfreichen Antworten bedanken.

Ich denke, ich bin nun „bereit“, die Verhandlungen zu führen, da mir alle Beiträge enorm weitergeholfen haben

Gruß und Dankeschön.
Dominik Jung

Hallo,
alles was an der Immobilie gut ist, braucht man eigentlich nicht.
Alles was schlecht ist, drueckt den Preis.
Bis ein anderer mehr bietet, das waere dann zu hoch gepokert.
Gruss Helmut

Es handelt sich um ein Maklerbüro. Die haben Zeit, denke
ich …

Gerade Makler haben keine Zeit - denn Zeit ist Geld. Ein Makler will nicht unbedingt monatelang Leute durch das Haus führen, um den Höchstpreis zu erzielen. Er will sozusagen den bestmöglichen Preis, der mit einem vernünftigen Arbeitsaufwand zu erzielen ist.

„Für Summe xx würde ich sofort abschließen!“ ist ein Satz, der durchaus elektrisierend wirken kann. Ich würde mal mit den 85 % anfangen, von denen Du gesprochen hast, und dem Makler eine kurze Frist - sieben Tage - setzen. Möglicherweise kommt er dsann mit einem Gegenangebot, das für dich akzeptabel ist.

Gruß,
Max

Hallo

ich kanns nur von meiner eigenen Warte aus sagen: Wir haben einmal ein Objekt aus dem Verkauf zurück gezogen, als die Angebote zu niedrig waren. Und ein zweites Mal hatten wir ein Haus als Erbengemeinschaft zu verkaufen und ein potentieller Käufer aus der Nachbarschaft meinte, billig einsteigen zu können und verwies auf „spottbillige viel bessere Angebote“ in nächster Nähe, um uns das Gefühl zu geben, nur aus Mitleid würde unser Objekt überhaupt in Frage kommen für ihn. Sein Gebot lag 40 % unter unserer „Aufrufpreis“ und 30 % unter unserem letztlichen Verkaufspreis.

Wir haben nur nachgefragt, warum er denn das spottbillige Objekt nicht gekauft hat. Haben ihn freundlich verabschiedet und das Haus ohne ein einziges Inserat an einen weiteren Interessenten zu einem für beide Seiten zufriedenstellenden Preis verkauft.

Der einstige Nachbar war dann stinksauer, als er das im Nachhinein erfuhr „warum man ihn denn nicht informiert habe“.

Ich sag nur: man kann auch zu hoch (bzw. zu niedrig) pokern. Nicht jeder muß zwangsverkaufen um jeden Preis.

Wir hatten den Markt 1 Jahr beobachtet und wußten sehr genau, wo vergleichbare Objekte preislich lagen.

Diese Beobachtungen sind sowohl für Verkäufer als auch für Käufer essentiell und hilft bei Verhandlungen, die beide Seiten zufrieden stellen können.

Wendy

Wir hatten den Markt 1 Jahr beobachtet und wußten sehr genau,
wo vergleichbare Objekte preislich lagen.

Diese Beobachtungen sind sowohl für Verkäufer als auch für
Käufer essentiell und hilft bei Verhandlungen, die beide
Seiten zufrieden stellen können.

ebend, das ist der Trick, den viele aber nicht hinbekommen und viele andere dazu veranlassen, erstmal 30% abzuschlagen :smile: