Wie entsteht der Aktienkurs? Ganz konkret

Hallo!

Schon seit einiger Zeit frage ich mich, wie eigentlich der Kurs einer Aktie entsteht.

Na klar, je mehr Aktien verkauft werden sollen, desto geringer wird der Preis und umgekehrt.

Aber wie wird das eigentlich ganz konkret gemacht?

Tschuess, Sven.

ganz konkret.
Hi,

gehen wir mal zurück in die guten alten Zeiten, als sich die Händler und Makler auf dem Parkett tummelten. Dort gab es amtliche Kursmakler, die permanent für die „großen“ Aktien Kurse stellten. Wollte ein Händler 50 Veba-Aktien haben, hat er dies per Börsianer-Kauderwelsch dem Makler mitgeteilt und der hat daraufhin einen Verkaufskurs genannt. Zu dem Kurs kam dann das Geschäft zustande oder eben nicht. Wenn nun 50 Leute vor dem Makler standen und Veba-Aktien haben wollten und er vielleicht nur ein Zehntel dessen an Aktien im Verkauf hat, die nachgefragt wurden, wurde der Kurs solange raufgesetzt, bis Angebot und Nachfrage einigermaßen übereinstimmten.

Und heute machen das unsere Freunde, die Computer. Konkret: Alle auflaufenden Orders werden im Orderbuch erfaßt. Diejenigen, die von den Preisvorstellungen und Mengen zusammenpassen, werden ausgeführt, vereinfacht gesagt. An Tagen, an denen es „schlechte Nachrichten“ gibt, sind naturgemäß weniger Leute bereit, Aktien zu kaufen und somit müssen Verkaufswillige ihre Preisvorstellungen so weit nach unten revidieren, bis sich ein Dummer findet, der die Aktien dann schön billig einkaufen kann.

So funktioniert ´ne Dampfmaschin´.

Gruß
Christian

Hallo!

Gleich weiter im Modell…

Nun ists ja so, daß z.B. die VEBA-Aktie mit einem bestimmten Preis im Internet steht.
In dem Moment ist ja noch nicht klar, wie viele davon zum Verkauf zur Verfügung stehen.

Wenn ich nun doppelt so viel kaufen will, als vorhanden sind.
Wird mir dann eben nur die Hälfte der Bestellung gegeben oder verdoppelt sich mal eben der Preis, bevor der eigentliche Kauf abgewickelt wird?
Oder ist der angegebene Preis quasi nur ein augenblicklicher Orientierungswert, in dessen Nähe sich der Kaufpreis auf meine Anforderung hin bewegen wird?

Tschuess, Sven.

Hallöchen,

Nun ists ja so, daß z.B. die VEBA-Aktie mit einem bestimmten
Preis im Internet steht.

naja, eigentlich isses so, daß die VEBA-Aktie nirgendwo mehr steht, weil der Verein vor ein paar Jahren mit VIAG zu E.ON fusionierte. Ich hab die Aktie nur genommen, weil sie so schön zum historischen Umfeld paßte. :wink:

Der Preis, den Du findest, ist der Kurs, zu dem das letzte Geschäft abgewickelt wurde. Der Kurs des nächsten Geschäftes ist zwar möglicherweise ähnlich, aber nicht zwangsläufig. Schließlich kann der letzte Umsatz ja auch 1, 2 oder 6 Stunden vorher stattgefunden haben. Es gibt allerdings auch Online-Broker, die eine Kursgarantie anbieten, d.h. wenn Du innerhalb von x Minuten zuschlägst, bekommst Du den garantierten Kurs. Klingt für mich sehr nach unzulässiger Preisabsprache, aber die werden das schon geklärt haben.

In dem Moment ist ja noch nicht klar, wie viele davon zum
Verkauf zur Verfügung stehen.

Wenn ich nun doppelt so viel kaufen will, als vorhanden sind.

Dann wirst Du so oder so nur die Hälfte dessen bekommen, was Du willst. Passiert mir bei meinem Gehalt auch ständig :wink:

Wird mir dann eben nur die Hälfte der Bestellung gegeben oder
verdoppelt sich mal eben der Preis, bevor der eigentliche Kauf
abgewickelt wird?

Sowohl als auch, wobei verdoppeln wohl etwas unwahrscheinlich ist. Du bekommst nur die Hälfte, weil nicht mehr zum Verkauf steht. Wenn Du die Order aber ohne Limit reingibst, kann es Dir durchaus passieren, daß der Kurs in die Höhe geht. Das ist eines Risiken beim Börsengeschäft: Der Preis ist vorher nicht bekannt.

Gruß
Christian

Hallo!

Das ist eines der Risiken beim Börsengeschäft: Der Preis ist vorher nicht bekannt.

Ohe! Verblüffend! Aber schlüssig das Ganze. Jetzt sehe ich bedeutend klarer. Danke Dir!

Tschuess, Sven.

Hi Sven!

Schon seit einiger Zeit frage ich mich, wie eigentlich der
Kurs einer Aktie entsteht.

Na klar, je mehr Aktien verkauft werden sollen, desto geringer
wird der Preis und umgekehrt.

Aber wie wird das eigentlich ganz konkret gemacht?

Auch wenn schon einige Antworten gekommen sind, gebe ich trotzdem nochmal meinen Senf hinzu, denn … so ganz richtig sind die Antworten alle nicht (sorry, Leute :wink: )

Der Kurs (genauer: der Einheitskurs) errechnet sich in der Weise, daß alle angebotenen und nachgefragten Papiere mit den gewünschten Preisen in einer Art Liste zusammengestellt werden (die sog. Kursbasis). Dann wird der Kurs gesucht, zu dem die meisten Geschäfte (Stückzahlen) zustande kommen.

Ein einfaches Beispiel:

Im Markt liegen fünf Kauforders für eine Aktie, und zwar zu folgenden Kursen und Ordermengen:

Kaufe 100 zu 202 (zu 202 würden 400 Aktien gekauft)
Kaufe 100 zu 203 (zu 203 würden 300 Aktien gekauft)
Kaufe 50 zu 204 (zu 204 würden 200 Aktien gekauft)
Kaufe 50 zu 205 (zu 205 würden 150 Aktien gekauft)
Kaufe 100 zu 206 (zu 206 würden 100 Aktien gekauft)

Auf der Verkäuferseite liegen vier Orders vor:

Verkaufe 50 zu 203 (zu 203 würden 50 Aktien verkauft)
Verkaufe 200 zu 204 (zu 204 würden 250 Aktien verkauft)
Verkaufe 100 zu 205 (zu 205 würden 350 Aktien verkauft)
Verkaufe 150 zu 206 (zu 206 würden 500 Aktien verkauft)

Der maximale Umsatz bei dieser Konstellation läßt sich bei einem Kurs von 204 erzielen: 200 Kauf gegen 250 Verkauf. Damit wird der Aktienkurs auf 204 festgelegt, es werden 200 Stück gehandelt. Da zu dem Kurs aber noch 50 Aktien „Überhang“ im Markt sind, wird der Aktienkurs mit dem Kürzel „bB“ = „bezahlt Brief“ versehen, soll heißen: zu dem Kurs ist ein Geschäft getätigt worden, es waren aber noch weitere Aktien im Markt verfügbar (umgekehrt wäre ein „bG“ = „bezahlt Geld“)

Heute läuft vieles im Bereich der fortlaufenden Notierung ab. Sobald die Nachfrage auf ein entsprechendes Angebot trifft, wird das Geschäft abgewickelt (der Kursmakler muß darauf achten, daß keine Ausreißer passieren, etwa daß eine „Billigst“-Nachfrage einer Aktien, die zuvor noch bei 20 Euro notiert, nicht plötzlich mit einem Phantasiekurs eines Verkäufers zu 2000 Euro abgewickelt wird).

Das wär’s!
Hope it helps…

Grüße
Heinrich

echt krass konkret
Guten Morgen,

Auch wenn schon einige Antworten gekommen sind, gebe ich
trotzdem nochmal meinen Senf hinzu, denn … so ganz richtig
sind die Antworten alle nicht (sorry, Leute :wink: )

wenn Du das so siehst… Ich sehe es so: Ich habe es einfach und ohne Zahlen erklärt und damit meine Mühe in Grenzen gehalten und Du hast es mit Zahlen und aufwendig erklärt.

Ich stelle mir immer die Frage nach dem Kundennutzen. In diesem Falle ging es um die grundsätzlichen Prinzipien, aber Du hast es fein aus dem Lehrbuch abgeschrieben :wink:

Der Kurs (genauer: der Einheitskurs) errechnet sich in der
Weise, daß alle angebotenen und nachgefragten Papiere mit den
gewünschten Preisen in einer Art Liste zusammengestellt werden
(die sog. Kursbasis).

Dumm nur, daß der Kassakurs/Einheitskurs seit mittlerweile 3 Jahren keine Rolle mehr spielt, weil inzwischen Stückelungen, die nicht durch 50 oder 100 teilbar sind, variabel gehandelt werden.

Wer es nicht glaubt:
http://deutsche-boerse.com/INTERNET/EXCHANGE/ex_glos…

Gruß
Christian

Nachtrag
Link kaputt. Guckst Du hier:
http://www.google.de/search?q=einheitskurs&ie=ISO-88…

Erster Link ist gut.

Hi Heinrich,

Auch wenn schon einige Antworten gekommen sind, gebe ich
trotzdem nochmal meinen Senf hinzu, denn … so ganz richtig
sind die Antworten alle nicht (sorry, Leute :wink: )

Deine auch nicht zumindest nicht vollständig :wink:

Der Kurs (genauer: der Einheitskurs)…

Daß das schon fast historisch ist, hat EXC ja schon erwähnt :smile:

Heute läuft vieles im Bereich der fortlaufenden Notierung ab.
Sobald die Nachfrage auf ein entsprechendes Angebot trifft,
wird das Geschäft abgewickelt (der Kursmakler muß darauf
achten, daß keine Ausreißer passieren, etwa daß eine
„Billigst“-Nachfrage einer Aktien, die zuvor noch bei 20 Euro
notiert, nicht plötzlich mit einem Phantasiekurs eines
Verkäufers zu 2000 Euro abgewickelt wird).

Bei Xetra-Geschäften (bei gängigen Titeln die Regel) gibt es keinen Kursmakler. Es kann also passieren, wenn man eine große unlimitierte Order einstellt, daß man das ganze Orderbuch leer räumt und 20 - 30 % mehr zahlt, oder weniger bekommt.

Für kleinere Titel (z. B. Neuer Markt über Xetra) gibt es sogenannte Designated Sponsors, die für die von ihnen betreuten Titel immer einen Kauf- und einen Verkaufkurs stellen.

Außerdem gibt es die Möglichkeit Direktgeschäfte zwischen zwei Banken nachträglich in Xetra zu erfassen. Ein solcher Kurs ist dann frei ausgehandelt.

Am Parkett kann ein Makler auch für ein Einzelgeschäft einen Kurs stellen und die entsprechende Aufgabe übernehmen.

International gesehen gibt es bestimmt noch mehr Varianten der Kursfindung :smile:

Ciao

Uwe

Hi!

Ich fühle mich bereit, die nächste Stufe des Verständnisses zu erklimmen :smile:
Mir ist unbklar, wieso bei den beiden Beispielen mal 300, mal 400 Aktien gemeint sind, obwohl doch „Kaufe 100“ geschrieben steht. Was ist das fürn Spezialcode?

Kaufe 100 zu 202 (zu 202 würden 400 Aktien gekauft)
Kaufe 100 zu 203 (zu 203 würden 300 Aktien gekauft)

Außerdem ist mir nicht eindeutig, ob der Handel bevorzugt wird, bei dem viele Aktien oder aber viel finanzieller Umsatz gemacht wird.

Verstanden habe ich folgendes:

Wenn mehrere Leute kaufen und verkaufen wollen, kommen nur jene in Betracht, zwischen denen es eine Entsprechung im (Ver)Kaufpreis gibt. Im Beispiel würde also der 203er wegfallen, zwischen den jeweils beiden mit „Kaufe zu 204“, 5, und 6 wäre es jedoch zunächst denkbar. Durchgeführt wird dann jene Transaktion zuerst, bei der möglichst viel Umsatz erfolgt. Der 206er will zwar 500 verkaufen, es sind aber nur 100 gewünscht. Daher würde der Kauf zwischen den beiden 204ern ablaufen. Das Kürzel bB dient lediglich den „Zuschauern“ zur Orientierung.

Daß per Computer einiges verkürzt wird, vielleicht auch andre Kursbestimmungsprozeduren zm Einsatz kommen, ist dann erst die nächste Stufe. :smile:

Tschuess, Sven.

Der Kurs (genauer: der Einheitskurs) errechnet sich in der
Weise, daß alle angebotenen und nachgefragten Papiere mit den
gewünschten Preisen in einer Art Liste zusammengestellt werden
(die sog. Kursbasis). Dann wird der Kurs gesucht, zu dem die
meisten Geschäfte (Stückzahlen) zustande kommen.

Ein einfaches Beispiel:

Im Markt liegen fünf Kauforders für eine Aktie, und zwar zu
folgenden Kursen und Ordermengen:

Kaufe 50 zu 204 (zu 204 würden 200 Aktien gekauft)
Kaufe 50 zu 205 (zu 205 würden 150 Aktien gekauft)
Kaufe 100 zu 206 (zu 206 würden 100 Aktien gekauft)

Auf der Verkäuferseite liegen vier Orders vor:

Verkaufe 50 zu 203 (zu 203 würden 50 Aktien verkauft)
Verkaufe 200 zu 204 (zu 204 würden 250 Aktien verkauft)
Verkaufe 100 zu 205 (zu 205 würden 350 Aktien verkauft)
Verkaufe 150 zu 206 (zu 206 würden 500 Aktien verkauft)

Der maximale Umsatz bei dieser Konstellation läßt sich bei
einem Kurs von 204 erzielen: 200 Kauf gegen 250 Verkauf. Damit
wird der Aktienkurs auf 204 festgelegt, es werden 200 Stück
gehandelt. Da zu dem Kurs aber noch 50 Aktien „Überhang“ im
Markt sind, wird der Aktienkurs mit dem Kürzel „bB“ = „bezahlt
Brief“ versehen, soll heißen: zu dem Kurs ist ein Geschäft
getätigt worden, es waren aber noch weitere Aktien im Markt
verfügbar (umgekehrt wäre ein „bG“ = „bezahlt Geld“)

Heute läuft vieles im Bereich der fortlaufenden Notierung ab…