was mich einmal interessieren würde, ist,
warum die Deutschesprache eigentlich genauso ist,
wie sie ist, und nicht irgendwelche anderen Begriffe
und Wörter gebildet wurden.
Für Informationen wäre ich sehr dankbar.
laienhafter Erklärungsversuch
Hallo Daniel!
Nun, wie die deutsche (Standard-)Sprache „entstanden“ ist, ist eine längere Geschichte. Ich hoffe mal, ich kann sie halbwegs richtig wiedergeben: Es ist ja klar, daß ein Holsteiner und ein Tiroler (obwohl sie ja „deutsch“ sprechen) enorme Verständnisprobleme bekommen könnten. Doch würde es einem mundartsprechenden Westrheinländer leichtfallen, sich mit einem Mundartsprecher aus dem grenznahen Holland zu unterhalten, obwohl dieser (offiziell gesehen) ja kein Deutsch sondern Holländisch spricht. Bis ins Mittelalter, als die Schriftsprache nahezu auf das Lateinische beschränkt war, kümmerte sich niemand um eine einheitliche deutsche Sprache. Im Zuge der Reformation beschloß Martin Luther im 15./16. Jahrhundert, die Bibel dem einfachen Volk näher zu bringen. Dazu mußte diese aus dem Lateinischen in eine verständliche Sprache, den verständlichsten Dialekt des deutschen Sprachraums, übersetzt werden. Dafür suchte Luther den Dialekt aus dem Raum Hannover (andere sagen aus dem Raum zwischen Niedersachsen und Sachsen) aus. Somit ist die Luther-Bibel das erste Dokument der deutschen Sprache (ich hoffe, ich liege damit noch halbwegs richtig). Im Laufe der Jahrhunderte hat sich natürlich noch das ein oder andere durch verschiedenste Einflüsse (z.B. Amerikanisierung oder Rechschreibereformen) geändert.
Ich hoffe, Deine Frage ist damit halbwegs beantwortet und ich bereite mit der Erklärung keinem Germanisten graue Haare.
Literatur
Hallo Daniel,
ich finde, zu diesem Thema sollte man, wenn man es ernst meint, sich nicht mit einer Erklärungen auf einem Brett begnügen, sondern einschlägige Literatur lesen.
In diesem Fall empfiehlt sich immer noch: Hans Eggers, Deutsche Sprachgeschichte I-IV, erschienen in Rowohlts Deutsche Enzyklopädie, ISBN 3-499-55185-3 Buch anschauen.
Wenn du dich nur für die Anfänge interessierts, genügt es den Band I zu lesen.
Gruß Fritz Ruppricht
Kleine Ergänzung
So ganz stimmt es nicht…
Luther „suchte“ keinen Dialekt, er verfasste seine Bibelübersetzung im so genannten Meissenerdeutsch, was also seine Sprache war. Durch die flächendeckende Verbreitung der Bibelübersetzung wurde seine Sprache der Grundstein für unser heutiges Hochdeutsch.
Aber bereits vor Luther suchte man schon nach einem Ausgleich der mundartlichen Varianten im Schriftdeutsch. Zufällig galt damals das Meissenerdeutsch wohl auch als besonders „schick“, was der weiträumigen Akzeptanz wohl förderlich war.
Änderungen, neue Begriffe hängen tatsächlich oft mit kulturellen Bedingen zusammen, bei der Amerikanisierung können wir derzeit ja daneben stehen und zuschauen, wie schnell es geht. In der Vergangenheit haben wir aus allen möglichen Sprachen Begriffe übernommen, nicht nur in der Schriftsprache. Das umgangssprachliche „es ist alle“ im Sinne von „leer“ kommt z. B. aus dem Französischen „c’est allé“ (die Ware ist ausgegangen), das man während der französischen Besatzung unter Napoleon nun mal oft gehört hat.
Ein weiterer Grund ist in vielen Fällen sicherlich auch eine gewisse „Faulheit“ beim Aussprechen - viele unbetonte Laute fallen weg. Man könnte es auch „Sprachökoinomie“ nennen.
Grüße
Elisabeth
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Danke für diese Korrektur!
Was den Begriff des "Hoch"deutschen angeht, so bezeichnet dieser nicht etwa ein „höheres“ oder „gehobenes“ Deutsch, sondern dient als Oberbegriff für das Ober- und Mitteldeutsche. Zu letzterem gehört eben Luthers sächsischer Dialekt (Oberdeutsch: Bairisch, Schwäbisch/Allemannisch und Fränkisch). Diese beiden Dialektfamilien werden damit klar vom Niederdeutschen unterschieden. Dass in Hannover das Hochdeutsche besonders vorbildlich ausgesprochen werden soll, hängt eher damit zusammen, dass in weiten Teilen Niedersachsens der Dialekt als unschick gilt, und die Bewohner angeblich ohne dialektale Färbung aufwachsen (was m.E. nicht stimmt). Dagegen sind ausgerechnet die sächsisch-thüringischen Dialekte (durch die Lutherbibel) dem Hochdeutschen wirklich am nächsten. Sie unterscheiden sich vor allem phonetisch, d.h. durch eine besondere Färbung der Vokale, aber kaum in der Grammatik.
Grüße: Floarl