Wie erkennt man eine depression

Guten Tag,

Ich muss eine Facharbeit schreiben ,und die handelt von Depressionen.Wie erkennt man eine Depression? Wie stellt ein azrt eine depression fest??

Guten Tag,

Ich muss eine Facharbeit schreiben ,und die handelt von
Depressionen.Wie erkennt man eine Depression? Wie stellt ein
azrt eine depression fest??

Hallo Benita92,

so, jetzt habe ich ein wenig Luft und kann Dir schreiben, obwohl Du in der Zwischenzeit wohl andere Zuschriften erhalten hast.
Zuerst schicke ich Dir im Anhang aus www.lifeline.de etwas, das ich für mich gespeichert hatte.(Anhang geht nicht, dann im Anschluss an diesem Text).
Die Depression ist seit 20 Jahren Teil meines Lebens, vor allem in drei Phasen, wo ich mehrere Monate stationär behandelt werden musste. Die letzte war von März bis Dezember 2006, hoffentlich die letzte. Meine Depression ist unipolär, d.h. keine manische Phase.
Man sagt, dass es so viele Depressionen wie depressive Menschen gibt. Und das ist das Problem, aber vielleicht auch der Lösungsansatz. Gemeinsam haben alle Kranken: Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Rückzug aus dem Leben im allgemeinen, Appetitlosigkeit, unendliche scheinbar grundlose Traurigkeit.
Das Problem, das noch dazu kommt, ist dass man, vor allem im Krankenhaus, aber auch ambulant mit Antidepressiva voll gestopft wird, die sehr viele Nebenwirkungen und die den Kranken für seine Umwelt erträglicher machen, sollen Suizide verhindern, obwohl manche sie erst möglich machen. Man erzählt, dass jede Depression ohne Medikamente nach 10 bis 12 Monaten verschwindet, … aber was macht man in der Zwischenzeit?

Meine ganz persönliche Empfindungen sind, Angstzustände, z.B. bei einer Blutabnahme, Todesangst, die eigentlich eine Lebensangst ist, Haarausfall – der zum Todesangst passt - sowie Veränderung der Haut und der Körperempfindlichkeit. Zuletzt begleitet einen die ganze Zeit das grausame Gefühl, dass keiner das versteht und dass sterben die einzige Lösung ist. Parallel dazu existiert eine unheimliche Lust wiederzuleben und so zu werden, wie man vor der Krankheit war. Und das geht nicht, jede depressive Phase hat einen Grund und man kommt verändert heraus.

Wenn Du darüber etwas schreibst, würde ich es gerne lesen …
Ich wünsche Dir viel Erfolg - Jacqueline

Aus www.lifeline.de (ca. 10 Seiten)

Wir kennen es alle: schlechte Laune und miserable Stimmung. Manchmal sind wir traurig, haben zu nichts Lust oder fühlen uns erschöpft. Meist wissen wir den Grund. Zwischen diesen Gefühlen und Depressionen besteht allerdings ein großer Unterschied.
Die Stimmung der meisten Menschen wechselt. Jeden Tag reagieren sie auf verschiedenste Ereignisse, Stimmungen lösen einander in raschem Wechsel ab. Bei starken oder gehäuften positiven beziehungsweise negativen Erlebnissen kann eine Stimmung auch über Stunden, ja Tage anhalten, bis sie sich wieder ändert. In diesem Sinn gehört der Wechsel von gedrückten Stimmungen, Ausgeglichenheit und gehobenen Stimmungen zum Gefühlsspektrum eines jeden Menschen.
Der Begriff Depression kommt vom lateinischen „deprimere“ und bedeutet soviel wie niederdrücken. Die gedrückte Stimmung ist primär keine Krankheit, sondern steht im Zusammenhang zur Lebensbewältigung. Krisen gehören nun mal dazu, konflikthafte Wahrnehmungen, Vorgänge und Erinnerungen lassen sich nicht für alle Zeiten ausblenden, unterdrücken und verdrängen. So gesehen dient Niedergeschlagenheit nach Misserfolgen, Verlusten und Trennungen der Um- und Neuorientierung; sie ist eine Art Zwangspause, der eine Lernaufgabe für das weitere Leben innewohnt.
Depression als Krankheit
Im Unterschied dazu betrifft eine Depression den Menschen in seiner psychischen und körperlichen Gesamtheit und ist nicht mehr in ihren Ursachen fassbar oder erklärbar. Die gleichzeitige Verstimmung ist in vielen Fällen tiefer und anhaltender - ein von Resignation geprägter wochenlanger Rückzug, der keinerlei Neuorientierung mehr zulässt. Statt nachzudenken verfällt man ins Grübeln. Statt sich zu erholen, ermüdet man durch ständige Zweifel an sich und der Welt. Schwer Depressive können nicht mal mehr weinen, sie empfinden eine unendliche innere Leere.
Eine Depression wird in der Psychiatrie auch als affektive Störung bezeichnet (Affekt = Gefühlszustand, Stimmung). Dies sind psychiatrische Störungen, bei denen es zu Abweichungen der normalen Stimmung kommt. Depressionen bedeuten einen für den Gesunden nicht nachvollziehbaren Zusammenbruch der Integrität der Persönlichkeit.
Depressionen beeinträchtigen wie kaum eine andere Erkrankung in fundamentaler Weise die Lebensqualität, die Erlebnis- und Leistungsfähigkeit.
Selbstmordgedanken - häufig unterschätzt
In Deutschland nehmen sich pro Jahr zirka 12.000 Menschen das Leben. Die Zahl der Suizide (Selbstmorde) übersteigt demnach die der jährlichen Verkehrstoten (zirka 8.000) deutlich. In der Altersgruppe der 15- bis 35-jährigen steht Selbstmord nach Unfällen aller Art sogar an zweiter Stelle der Todesursachen.
Die meisten Suizide und Versuche erfolgen im Rahmen behandelbarer Depressionen.
Eine Depression hat selten eine einzige Ursache. Meist führt ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zur Erkrankung, genetische und biologische einerseits, persönliche andererseits.
Einfache Erklärungen für Seelenkrisen gibt es nicht. Aber viele Vorurteile. Für die einen sind sie eine Frage von Disziplinlosigkeit, Versagen oder emotionaler Schwäche. Andere glauben an erbliche Ursachen, die wiederum keine Behandlung zulassen. Tatsächlich liegen die Dinge anders. Dafür haben neue Erkenntnisse der Hirnforschung gesorgt.
Man weiß heute, dass genetische, beziehungsweise biologische Faktoren einerseits, sowie persönliche Krisen andererseits zu verschiedenen Zeitpunkten eines Lebens verschiedene Hirnareale unterschiedlich stark beeinflussen und sie verändern. Erst in ihrem Zusammenwirken jedoch wird die Psyche verletzbar - vulnerabel - gegenüber belastenden Einflüssen, also Stress. Entsprechend spricht man vom Vulnerabilitäts-Stress-Modell.
Verletzbarkeit und Stress sind Hauptfaktoren
Vulnerabilität und Stress sind nach Ansicht vieler Forscher die beiden Megafaktoren, die eine Depression auslösen. Danach ist die Vulnerabilität für eine Depression im Wesentlichen durch eine Störung der Stressverarbeitung gekennzeichnet. Das Alarmsystem des Körpers entgleist gewissermaßen, wenn innere Faktoren (zum Beispiel Veränderungen in der Konzentration bestimmter Nervenbotenstoffe) oder äußere Belastungen (zum Beispiel eine Lebenskrise) die Toleranzgrenze bei Menschen mit einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur überschreiten.
*** Um die Depression zu verstehen, müssen die engen Verflechtungen von Genen, Körper, Kopf, Lebenserfahrungen und Lebensgeschichte entwirrt werden. Das Zusammenspiel von biologischen und sozialen Mechanismen ist entscheidend.
Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell integriert verschiedene Theorien und Aspekte über Ursachenfaktoren, die bei jeder Depression wichtig sind.
Einzelne Ursachen:
Genetik

Die Neigung zu Depressionen kann unter Umständen genetisch festgelegt sein. Bisher durchgeführte Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien belegen, dass Verwandte depressiver Patienten eine 20-prozentige Wahrscheinlichkeit haben, ebenfalls eine depressive Störung zu entwickeln. Die Zwillingsstudien zeigen allerdings auch, dass der genetische Faktor nur ein Teilfaktor ist. Beim Entstehen (und Schweregrad) einer Depression spielen immer auch Umweltfaktoren eine Rolle. Dazu gehören familiäre und soziale Verhältnisse.
Biologische Ursachen

Die Ursachen der Depression findet man nicht nur in der Lebensgeschichte des Patienten, sondern sie sind auch biologischer Natur. Veränderungen im Gehirn und der Nervenbotenstoffe spielen bei der Entstehung der Depression eine Rolle.

Die Haupttheorie bezüglich der biologischen Ursachen von Depressionen konzentriert sich auf einen Mangel an Noradrenalin und Serotonin. Diese Überlegungen basieren darauf, dass trizyklische Antidepressiva und Monoaminoxidase-Hemmer in den für Motivation, Stimmung und Antrieb zuständigen Hirnstrukturen die Konzentration dieser Neurotransmitter erhöhen. Dadurch kommt es zur Stimmungsaufhellung. Antidepressiva verhindern entweder die Verstoffwechselung oder die Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter in den Nervenzellen, so dass mehr Botenstoffe im Zwischenzellraum der Hirnnerven zur Verfügung stehen. Man kann also davon ausgehen, dass ein Neurotransmitter-Mangel ursächlich mit den Depressionen in einem Zusammenhang steht. Unklar ist generell noch, ob Neurotransmitter-Störungen zum eigentlichen Ausbruch der Erkrankung führt. Möglicherweise sind sie auch nur Folge einer anderen körperlichen Depressionsursache.
Kindheit, Jugend

Untersuchungen zur Häufigkeit (Epidemiologie) haben ergeben: Etwa ein Prozent der Kinder unter sechs Jahren, zwei Prozent der Schulkinder und etwa fünf Prozent der Jugendlichen haben klinisch bedeutsame depressive Störungen. Im ersten Lebensjahrzehnt erkranken überwiegend Jungen, im zweiten überwiegend Mädchen.
Das frühkindliche Umfeld kann ein besonders wichtiger Faktor für die Entwicklung von Depressionen sein. Etwa die Hälfte aller depressiven Störungen bei Jugendlichen treten zwischen dem 11. und 14. Lebensjahr auf. Mit der Pubertät nimmt die Zahl der Depressionen zu. Psychologen warnen deshalb davor, seelische Probleme bei Kindern und Jugendlichen leichtfertig auf die Entwicklung und Pubertät zurückzuführen und nicht ernst zu nehmen. Wenn ein Kind ständig weint, ein negatives Selbstbild hat, wenig aktiv ist und davon spricht, nicht mehr leben zu wollen, so handelt es sich um depressive Symptome wie bei einem Erwachsenen auch.
Lebensereignisse

Nach einem belastenden Ereignis ist das Depressionsrisiko etwa ein halbes Jahr lang erhöht. Ein solches Ereignis steht aber nicht zwangsweise im Zusammenhang mit einer Depression.

Ein Arbeitsplatzverlust ist der anerkannte Prototyp eines belastenden Lebensereignisses: Beinahe ein Viertel der Arbeitslosen werden zwei bis sieben Monate nach der Entlassung depressiv.

Andere Beispiele für Lebensereignisse, die mit Depressionen assoziiert sein können, sind anhaltender psychischer Druck, Verlust des Jobstatus oder Selbstwertgefühls, Berufsstress oder anhaltender finanzieller Druck, körperlicher Missbrauch, körperliche Krankheit und Alkoholabhängigkeit. Oft beginnt eine Depression auch in dem Moment, in dem ein lang ersehntes Ziel erreicht wird. Das kann eine Beförderung sein, sportlicher Erfolg und selbst eine Heirat.
Depression bei Frauen

Die Statistik zeigt, dass bei Frauen in unseren Breiten zwei- bis dreimal häufiger an einer Depression erkranken als Männer. Für dieses Phänomen gibt es viele Erklärungen.

Die klassischen Faktoren, die zur Depression führen sind:
· genetische Veranlagung
· ein Erziehungsstil, der Mädchen zur Zurückhaltung anhält
· Körperlicher und sexueller Missbrauch
· Die Identifikation mit dem Rollenauftrag als „Unterstützerin“
· Auswirkungen von Verzicht auf die eigene Gefühlswelt und auf soziale Kontakte zugunsten der Familie
· Verhaltensunterschiede

· Weibliche Sexualhormone
Stress

Stress, als Begriff 1950 in Medizin und Psychologie eingeführt, lauert überall: im Beruf, in der Familie, in der Schule, in der Freizeit, in der Liebe.

Die Hormone, CRH und Cortisol, koordinieren die Reaktionen auf Stress. Dieses Kontrollsystem wird durch zahlreiche biologische Prozesse aufrechterhalten.
Forschungen am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München haben gezeigt, dass das Kontrollsystem für Stresshormone bei Depressiven gestört ist und Verhaltensänderungen hervorruft. Beispielsweise verstärkt eine erhöhte Konzentration von CRH im Gehirn die Angst, stört das Denkvermögen, vermindert Appetit, Schlaf sowie sexuelle Bedürfnisse.
Der populärste Stress ist Arbeitsstress

„Höher, schneller, weiter, besser“ lautet das Prinzip der Dienstleistungsgesellschaft, das Trödlern und Träumern keinen Platz lässt. Dass Dauerstress zu Depressionen führen kann, gilt als erwiesen.

Internationale Studien bestätigen, dass gerade unter dem hohen ökonomischen Druck der heutigen Zeit folgende Faktoren Stress auslösen:
· Arbeitsplatzunsicherheit
· wachsende Anforderungen an Mobilität und Flexibilität
· Auflösung vertrauter Strukturen
· Über- und Unterforderung
· Über- und Unterinformationen
· innerbetriebliche Konkurrenzkämpfe
· fehlende Unterstützung, Nichtanerkennung durch Kollegen
· offene und verdeckte Rivalität
· isolierte Arbeitsbedingungen
· unrealistische Deadlines
· generelle Überarbeitung
· Mobbing
· mangelnde Führungskompetenz, autoritäres Verhalten, unzureichende Kooperation, unklare Instruktionen und Willkür seitens der Vorgesetzen
Sie stellen für viele Betroffene einen psychischen Konflikt dar, der oft zu einem unbewussten Rückzug in Form einer depressiven oder anderen Erkrankung führt.
Alter

Das Alter als Auslöser depressiver Erkrankungen spielt eine wesentliche Rolle und darf nicht unterschätzt werden.

Altern geht mit zahlreichen Verlusterlebnissen einher: Verlust des Lebenspartners, Verlust der Wohnung bei einem Wechsel in ein Altenheim, Verlust der sozialen Rolle, der körperlichen Leistungsfähigkeit, der kommunikativen Fähigkeiten. Viele ältere Menschen fühlen sich von der Gesellschaft ausgeschlossen.
Häufig treten Angstgefühle und Einschlafstörungen auf - Kardinalsymptome einer Depression.
Wetter

Mit der dunklen Herbst- und Winterzeit sackt bei vielen auch das Stimmungsbarometer auf den Nullpunkt. In der kalten Jahreszeit ist ein Anstieg depressiver Störungen um etwa zehn Prozent zu verzeichnen. Während dafür keine stichhaltigen Erklärungen existieren, ist klar: Die saisonale Depression gibt es sowohl in Ländern der nördlichen als auch der südlichen Hemisphäre. Definitionsgemäß ist diese so genannte Saisonale affektive Störung (SAD, Seasonal Affective Disorder) ein psychisches Leiden mit jahreszeitlicher Abhängigkeit. In der nördlichen Hemisphäre beginnen die saisonalen Depressionen im allgemeinen im Oktober/November und enden im März/April. Die meisten Patienten entwickeln atypische depressive Symptome wie gesteigerten Appetit auf Süßes sowie Gewichtszunahme. Andere Symptome sind anhaltende Müdigkeit, Isolationsneigung, Interesselosigkeit, Reizbarkeit. Eine SAD tritt unabhängig von psychosozialen Stressoren auf und verschwindet vollständig wieder.
Eine Depression verändert den Menschen in drei Bereichen: im Verhalten, Erleben, in der körperlichen Vitalität. Wann aber wird aus einem Stimmungswandel eine Krankheit und wie stellt sie sich dar?
Gefühle der Traurig- und Trostlosigkeit, der Hoffnungs- und Hilflosigkeit bestehen annähernd jeden Tag, überdauern mindestens zwei Wochen und das Interesse an allen gewohnten Aktivitäten erlischt. Interessenverlust ist ein Kernaspekt für die Diagnosestellung der unipolaren Depression und in nahezu allen Fällen vorhanden. Das bedeutet praktisch: Sie können Ihre Arbeit nicht mehr bewältigen, blocken alles ab, was bisher mit Lust und Genuss verbunden war - vermeiden zum Beispiel soziale Kontakte, stellen Hobbys ein - und ziehen sich ins Bett zurück.
Die Präsenz depressiver Stimmung allein reicht nicht aus, um die Diagnose einer depressiven Störung zu stellen. Es handelt sich um ein Syndrom, bestehend aus vielen Symptomen, von denen nur eines die anhaltend herabgesetzte Stimmung ist.
Im Rahmen der bipolaren Depression dagegen sind leichte manische Symptome (Hypomanie) vielen Kranken geradezu angenehm. Die heitere Stimmung, die unermüdliche Betriebsamkeit empfinden nicht wenige als positive Steigerung des Lebensgefühls. Das gilt natürlich nicht generell. Die Symptomatik verändert sich mit dem Schweregrad, in schwereren Fällen wird das Handeln desorganisiert und Wahnphänomene tauchen auf.
Die strikte Trennung zwischen uni- und bipolaren Verläufen ist problematisch.
So kann man beispielsweise nach einer oder mehreren depressiven Episoden nicht sicher wissen, ob manische Episoden folgen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach drei unipolaren Episoden eine manische Episode auftritt, liegt zwischen zehn und 30 Prozent.
Ein großer Teil derer, die an Depressionen leiden, vertraut sich keinem Arzt an. Aus der Depressionsspirale kann sich der Einzelne meist jedoch nicht selbst befreien.
Wenn ein Patient allerdings von selbst den Weg in die Praxis findet, dann hat er noch genügend Ressourcen, die sich mobilisieren lassen. Am besten aufgehoben sind Sie dort, wo die grundsätzliche Haltung in der Vermittlung der Hoffnung besteht, dass eine solche Lebenskrise überwindbar ist. Eine der wichtigsten Botschaften lautet: Was Sie derzeit erleben, ist völlig normal! Es ist keine Schande, wenn das gesamte Weltbild ins Wanken gerät und sich inneres Chaos ausbreitet - wenn man sich plötzlich in einem geistigen Vakuum wiederfindet und nicht mehr weiter weiß.
Die Chemie muss stimmen
Es gilt deshalb, einem Depressiven ein verständliches Modell seiner Erkrankung zu vermitteln. Das bedeutet Zeitaufwand, Geduld und Vertrauensbildung. Vertrauen ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die „Chemie“ muss stimmen. Die Fahndung nach einer Depression erfolgt daher sinnvollerweise in mehreren Schritten: Zuhören, fragen, beurteilen, untersuchen, informieren und erklären.
Das Gespräch bei der Diagnose der Depression

Um eine Depression richtig diagnostizieren zu können, müssen Mediziner gezielte Gesprächs- beziehungsweise Fragetechniken entwickeln und dem Betroffenen ausreichend Zeit geben, sich zu öffnen. Das A und O beim Erstgespräch und bei allen weiteren Gesprächen ist deshalb Zeit. Hier nehmen sich Psychiater, Nervenärzte und Psychotherapeuten naturgemäß viel Zeit. Entsprechend dauert das Erstgespräch relativ lang.
Der Arzt stellt gezielte Fragen zur familiären und partnerschaftlichen Situation, zu seelischen Erkrankungen in der Familie, zu Arbeit und sozialen Aktivitäten, zu Lebensumständen und Finanzen. Und: Er lässt den Patienten sprechen, um herauszufinden, was diesem - auch spontan - wichtig ist und was er zunächst verschweigt.
Fragebogen, Tests und Skalen

Psychometrische Tests bauen auf den Klassifikationssystemen DSM-IV und ICD-10 auf. Sozusagen zur Feindiagnostik, also zur Ergänzung der Diagnostik, zur Beurteilung des Schweregrades, zur Dokumentation des Verlaufs bzw. der Veränderung, wurden in den letzten Jahren objektive und verlässliche Interviews, psychometrische Tests, Fragebögen und Skalen entwickelt. Mit deren Hilfe kann der Arzt, in relativ kurzer Zeit zuverlässig erfassen, ob die in ICD-10 und DSM-IV definierten Symptome vorhanden sind.
Aufgaben des Hausarztes

Da 90 Prozent aller depressiven Patienten zuerst ihren Hausarzt aufsuchen, kommt diesem für die Diagnostik eine zentrale Funktion zu.

Beim Hausarzt geht es zunächst darum, eine Depression überhaupt zu erkennen beziehungsweise bei körperlichen und psychischen Symptomen in Betracht zu ziehen. Die diagnostischen Hilfsmittel sind im Wesentlichen eine gute Anamnese- und Fragetechnik. Der erfahrene Arzt wird im Gespräch bei Stichworten wie Schlafstörungen, Energieverlust, Verlust der Lebensfreude, Reizbarkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Enttäuschung über sich selbst ohnehin hellhörig werden.

Körperliche Untersuchung

Eine umfassende körperliche Untersuchung ist selbstverständlich, denn organische Erkrankungen können Ursache oder Symptom sein. Ebenso wichtig sind eine orientierende neurologische Untersuchung, EKG und Labortests zum Beispiel von Blutwerten. Die Anfertigung eines EEG ist wünschenswert.

Darüber hinaus gilt es zu entscheiden, wann die Überweisung zu einem Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder für Psychotherapeutische Medizin notwendig ist.
Aufgaben des Facharztes

Die Aufgaben des Spezialisten bestehen darin, körperliche Untersuchungen des Hausarztes und eventuell bestehende körperliche und psychische Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) zu bewerten, gegebenenfalls auch eine weiterführende körperliche und psychiatrische Diagnostik durchzuführen oder zu veranlassen. Weitere Aufgaben sind die Durchführung einer störungsspezifischen Anamnese, die genaue Diagnosestellung und Klassifikation, die Planung einer Behandlung.
Informationsvermittlung plus emotionale Entlastung

Mit der Mitteilung des Befundes allein ist es nicht getan. Idealerweise klärt der Arzt die Patienten und Angehörigen umfassend darüber auf, dass die Wurzeln der Probleme in einer häufigen Störung liegen, die sowohl biologische als auch psychische Ursachen hat.
Die Behandlung der Depression setzt sich aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung zusammen. Es gibt verschiedene Gruppen von Antidepressiva und auch unterschiedliche psychotherapeutische Ansätze. Die Behandlung muss für jeden Patienten individuell festgelegt werden.
Einführung in die Behandlung

Zur Behandlung depressiver Erkrankungen stehen moderne, adäquate Verfahren zur Verfügung, die auch genutzt werden sollten.

In einer kompetenten mehrdimensionalen Behandlung werden moderne medikamentöse Therapie und moderne Psychotherapie (durch den Facharzt oder in Kooperation mit einem psychotherapeutischen Arzt oder Psychologen) sinnvoll kombiniert. Psychopharmakologische und psychotherapeutische Ansätze sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich.

Neue nebenwirkungsarme Antidepressiva helfen, das Ungleichgewicht in der Konzentration der Neurotransmitter zu korrigieren und auf Normalpegel zu regulieren. Spezifische Kurzzeittherapien helfen dabei, Erkrankung und Lebenssituation anders zu handhaben und Rückfällen vorzubeugen. Eine Kurzzeittherapie ist nach einem halben Jahr beendet, eine längere Behandlung nach spätestens ein oder zwei Jahren. Weitere Verfahren, die dem Spezialisten zur Verfügung stehen, umfassen Elektrokrampftherapie, Schlafentzug und Lichttherapie, sind jedoch auf chronische oder spezielle Depressionen beschränkt.

Im Rahmen mehrdimensionaler Therapieansätze müssen meist sowohl die Persönlichkeit, die zu Grunde liegende neurobiologische Störung, die seelischen Symptome als auch die sozialen Belastungen, die die Erkrankung auslösen und aufrecht erhalten können, berücksichtigt werden. Außerdem hat sich ergeben, dass innerhalb einzelner Krankheitsbilder bestimmte Symptome nur mit bestimmten Verfahren therapierbar sind. Als wichtige Kriterien zu deren Auswahl gelten:
· versprechen akut und schnell Hilfe
· sind unmittelbar verfügbar
· greifen in den kausalen Störungsprozess ein
· sind durch ausreichende Therapiestudien in kurz- und langfristiger Wirksamkeit belegt,
sind nebenwirkungsarm
· die Risiken von Abhängigkeit und Gewöhnung sind für psychopharmakologische wie für psychotherapeutische Ansätze gering
Jede affektive Störung wird anders behandelt.

Heilungschancen: Auch abhängig vom Persönlichkeitstyp

Menschen, die zu Aggressionen neigen und solche, die wenige Bindungen zu anderen Menschen eingehen, tragen das größte Risiko, nach einer Behandlung einen erneuten Rückfall zu erleiden.
Leichte Depressionen

Stützende Maßnahmen, zum Beispiel Entwicklung von Problemlösungsstrategien oder spezifische Kurzzeit-Psychotherapie können genügen. Die Tatsache jedoch, dass die Symptome als Reaktion auf Umgebungsfaktoren erscheinen, schließt eine Medikation nicht per se aus. Leichte Depressionen sind eine Domäne der Johanniskrautpräparate.

Mittelschwere bis schwere Depressionen

Hier gilt die Behandlung mit Antidepressiva inzwischen als unverzichtbares und wirksames Heilverfahren. Nach Ansicht zahlreicher Experten ist sie sogar geboten, um Patient und Arzt in die Lage zu versetzen, psychische, zwischenmenschliche und soziale Belastungen zu bearbeiten.

Wirksamkeitsstudien gehen davon aus, dass sich Depressionen in 70 bis 80 Prozent der Fälle heilen lassen, praktisch immer nehmen die Symptome deutlich ab - vorausgesetzt, das Präparat wurde hoch genug dosiert.

Über 90 Prozent aller Depressiven können ambulant erfolgreich behandelt werden.

Bei den bipolaren Depressionen haben sich außer den Klassikern wie Lithium einige Antiepileptika als effektiv erwiesen.
Besonderheiten der Behandlung

Depression im Alter
Bei der Behandlung von Altersdepression müssen altersabhängige Besonderheiten berücksichtigt werden, daher sind auch körperliche Untersuchungen mit EKG und Labor sowie regelmäßige Kontrollen obligatorisch. Ältere Menschen nehmen wegen des gleichzeitigen Auftretens verschiedener Krankheiten (Multimorbidität) oft mehrere Arzneimittel gleichzeitig - die Medikamente können sich gegenseitig beeinflussen. Deshalb ist besonders darauf zu achten, dass keine Nebenwirkungen auftreten.

Babyblues
Frauen leiden nach einer Geburt wahrscheinlich unter denselben affektiven Störungen und Erkrankungen, die unabhängig von einer Geburt auftreten können. In der Postpartalzeit sind Beschwerden und Symptome allerdings weitaus häufiger.

Kinder und Jugendliche
Auch wenn eine frühe, sorgfältige Diagnostik und angemessene Therapie für depressiv erkrankte Kinder und Jugendliche von großer Wichtigkeit ist, so ist der Einsatz einer psychotherapeutischen und medikamentösen Therapie doch begrenzt. Da die Neurotransmittersysteme bei Kindern und Jugendlichen noch nicht ausgereift sind, ist der Einsatz von Antidepressiva begrenzt.
Planung einer Psychotherapie

Ein Drittel der depressiven Patienten erhält zusätzlich zur Medikation eine spezielle Psychotherapie. Diese bietet die Möglichkeit zu unterstützenden persönlichen Gesprächen.

Psychotherapie kann Menschen helfen, ihr Erleben in der Depression und ihre Lebenssituation anders zu handhaben und hilft damit auch, künftigen Depressionen vorzubeugen. Neben der Diagnose ist auch eine Verhaltens- und Problemanalyse notwendig.

Die Zeit bis zum Wirkungseintritt einer Psychotherapie ist mit drei bis vier Wochen länger als bei einer medikamentösen Therapie. Als „Nebenwirkungen“ drohen Überforderung des Kranken und ein Verlust an Autonomie - wenn die Behandlung trotz Wirkungslosigkeit forMit psychischen Erkrankungen zu leben ist schwer - für die Patienten wie für ihre Angehörigen. Sie brauchen Informationen, müssen selbst zu Spezialisten der Krankheit werden. Darauf zielt das Konzept der Psychoedukation: Patienten und Angehörige können ihre Lebensqualität verbessern und mithelfen, die Wiedererkrankung zu vermeiden.
Es ist für den Betroffenen ein langer und schmerzhafter Weg, die eigene Krankheit zu akzeptieren. Viele gehen den scheinbar leichten Weg der Verdrängung - kein guter Weg. Ein Glücksfall ist es, wenn man Angehörige hat, die einem zur Seite stehen und unter die Arme greifen, wenn es kritisch wird. Denn es ist schwer, sich zu seiner Krankheit zu bekennen. Dies zu ändern ist die Aufgabe der Psychoedukation.
Worum geht es bei der Psychoedukation?
Menschen mit einer seelischen Erkrankung sollten in der Familie und ihrem alltäglichen Umfeld leben - das ist in der Psychiatrie heutzutage unumstritten. Das lässt sich jedoch nur erreichen, wenn Patienten und Angehörige wissen, wie mit der Krankheit umzugehen ist. Was tun, wenn der depressive Partner morgens nicht mehr aufstehen will? Welche Aufgaben kann er übernehmen, was überfordert ihn?
Ziel der Psychoedukation ist es, bei der Bewältigung des Alltags auftauchende Fragen zu beantworten. Man braucht Bilder, man braucht prägende Worte, um zu vermitteln: Sie müssen sich auskennen, Bescheid wissen. Sie brauchen Wissen, um Autonomie zu erreichen. Zahlreiche Einrichtungen bieten entsprechende Seminare und Diskussionsveranstaltungen an. Dazu gehören vor allem psychiatrische Kliniken, medizinische und psychologische Fachbereiche der Universitäten, sozialpsychatrische Dienste, Caritas-Verbände, Gesundheitsämter, Volkshochschulen, Selbsthilfegruppen von Psychiatriepatienten und Angehörigen.
Untersuchungen haben ergeben: Psychoedukative Maßnahmen, in die Patienten und Angehörige eingebunden werden, erleichtern das Zusammenleben, verringern auch die Gefahr eines Rückfalls und gegebenenfalls einer erneuten stationären Behandlung.
Was Sie sonst noch tun können
· Körperliche Aktivitäten haben einen positiven Einfluss auf die Psyche. Wer regelmäßig Sport treibt, steigert nicht nur seine körperliche Fitness, sondern auch seine mentale Belastbarkeit. Außerdem schafft Sport Erfolgserlebnisse, die sich positiv auf die seelische Verfassung auswirken. Sportarten, die sich an der frischen Luft und unter Ausnutzung der positiven Effekte des Tageslichtes ausüben lassen, sind besonders gut geeignet.
· Regelmäßiges Erholen von den Strapazen des Alltags ist unerlässlich. Geeignet sind viele Methoden: angefangen von einem duftenden Bad über das Hören der Lieblingsmusik bis hin zu speziellen Entspannungstechniken.
· Wichtig ist, mit Angehörigen oder Freunden offen über aktuelle Probleme zu sprechen. Niemand kann von nahe stehenden Menschen Verständnis und Hilfe erwarten, wenn er ihnen seine Sorgen nicht anvertraut.
· Eine Lichttherapie ist bei einer Winterdepression sinnvoll. Grundlage der Behandlung ist die Verlängerung der täglichen Lichteinstrahlung durch künstliches Licht, das mindestens die zehnfache Intensität einer normalen Raumbeleuchtung aufweist.
Quelle: bsmo Redaktion, Springer Professional Medicine