Wie errechnet man Preise?

Hallo,
ich werde im Januar ein Kleingewerbe anmelden. Ich bin hauptberuflich im Lager tätig und möchte mit meinem Hobby - der Fotografie - gerne Geld verdienen.

Ich habe mir schon viele Preise von anderen Fotografen angesehen. Nur kann ich mir nicht vorstellen, wie ich auf meine Preise komme. Wie ich diese errechnen soll. Warum verlangt der eine Fotograf für das selbe Shooting 250 € und der andere Fotograf verlangt 600 €. Mit welchen Faktoren soll ich meine Preise errechnen. Z.B. auch auf einzelne Fotos, wenn mein Kunde nachbestellt oder zum Standardshooting noch mehr Fotos dazubestellen möchte. Das Labor kostet so und soviel, wieviel schlage ich drauf, dass ich Versand und Aufwand für die Bestellung wieder reingeholt habe?

Wenn ich das Shooting mache, dabei arbeite oder die Fotos mit Effekten bearbeite, mit welchem Preis pro Stunde berechne ich das? Saugt sich das jeder Fotograf aus den Fingern oder gibt es da Richtlininen, wo man sich dran orientieren kann?

Gruß,
Saskia

Hallo Saskia,

ganz grundsätzlich sollte man sich schon an den eigenen Kosten und einem, aus der eigenen Sicht, angemessenen Gewinnaufschlag orientieren. Im Gewinnaufschlag kommt die persönliche Einschätzung hinsichtlich der Qualität der eigenen Arbeit zum Ausdruck. Ob man diesen Aufschlag dann jedoch vergütet bekommt, entscheidet der Markt.

Wichtig ist jedoch, dass man nicht „pi mal Gummibaum“ kalkuliert sondern schon auf einer „einigermaßen“ verlässlichen Grundlage. Schließlich sollte man nicht den Fehler machen und aufgrund fehlender Kalkulation entweder zu billig oder aber zu teuer anbieten.

Die Orientierung an fremden Sätzen macht nur dann Sinn, wenn man auch den annähernd gleichen Kostenblock (wie der fremde Dritte) aufweist. Der eine hat sein Studio im eigenen Haus und kalkuliert daher ggf. nur verhältnismäßig geringe MIetkosten ein. Der andere muss anmieten und dafür den Marktmietzins zahlen. Schon ist der Vergleich dahin.

Es kann daher nicht schaden, sich im Vorfeld über die eigene Kostensituation Gedanken zu machen. Zumindest im Groben sollte man wissen, was auf jeden Fall verdient werden muss. Über den Gewinnaufschlag kann man sich dann in einem nächsten Schritt Gedanken machen.

VG
Sebastian

Hallo Saskia.

Nochwas ergänzend zu meinem Vor-Schreiber weil ich aus Deiner Anzeige herauslese daß Dir jeglicher Kaufmann-Hintergrund fehlt: In einem Preis sind nicht nur die schon beschriebenen Punkte enthalten. Aus einem Preis müssen sich auch gelegentliche Umstände wie eine Arbeit auf Garantie resp. Service, Ruhezeiten (Urlaub), Angebotserweiterung für die Zukunft und so weiter herausziehen lassen.

Also ein Preis wird nicht eben mal so gemacht sondern man muß sehr gut kalkulieren und das dann gegen den bestehenden Markt bzw. die Zahlungsfähigkeit/-willen der Zielgruppe abwägen was eine Analyse nötig macht WEN Du ansprechen willst. Man kann nicht allen Herren dienen - versuchs garnicht erst. Du verlierst.

Und zuletzt eine ganz wichtige Erkenntniss (die Du aber wie jeder der anfängt erst in einiger Zeit verstehen wirst): Du kannst ein Angebot mittel- bis langfristig NICHT über den günstigen Preis regeln. Wenn einer in Deinem Produkt/Deiner Dienstleistung eine Gelegenheit sieht wird er über den Preis nicht nachdenken. Oder umgekehrt… wem Dein Produkt/Deine Dienstleistung nichts wert ist dem kannst Du´s gratis nachwerfen und es interessiert ihn nicht.

Viel Glück

vielen Dank für eure Tipps. Dann werd ich mich mal hinsetzten und rechnen.

Könnt ihr mir vielleicht auch sagen, was ich alles absetzen kann bei der Steuererklärung? Alles was ich für die Fotoshootings und das drumherum brauche? Auch Getränke, die ich meinen Kunden gratis anbiete usw?

Gutes Neues Jahr

Saskia

Hallo Saskia,

Könnt ihr mir vielleicht auch sagen, was ich alles absetzen
kann bei der Steuererklärung? Alles was ich für die
Fotoshootings und das drumherum brauche? Auch Getränke, die
ich meinen Kunden gratis anbiete usw?

die Preise ergeben sich auch aus dem Bekanntheitsgrad des Fotografen oder des Studios - meist je erfolgreicher, je teurer. Am Anfang wäre ich da vorsichtig.
Absetzen kannst du in der Bilanz eigentlich alles, was mit deiner Arbeit zu tun hat, auch Mietkosten etc. Bei Geräten, die über € 150 gekostet haben, wird pro Jahr nur eine bestimmte Summe abgeschrieben, die kann man also nicht sofort voll absetzen. Bei den Getränken (die sind ja das Wenigste!) wäre ich vorsichtig, da ja ein Eigenanteil angenommen wird, die würde ich am Anfang weglassen. Du wirst ja eh anfänglich im Minus arbeiten müssen, denn die ganze Fotoausstattung verschlingt ja einiges.

Gruß Heinz