Wie erstellen Unternehmen ihre Businesspläne?

Hallo Experten,

ich hoffe, ich bin hier in dem Brett richtig gelandet.

Ich hab mir mal so meine Gedanken gemacht, wie Unternehmen ihre Zukunftsplanungen vornehmen, also wie man Businesspläne erstellt und woher die ihre Zahlen bekommen und wie man so was anstellt und überhaupt.

Und jetzt stoß ich so langsam an meinen (wirtschaftlichen) Horizont: Kann mir jemand erklären, wie diese Unternehmen Dinge zu kalkulieren versuchen, die eigentlich gar nicht vorhersehbar sind, also wie Fremdwährungskurse, Inflation, Zinssätze und so weiter? Vor allem Multis müssen da ja echt viel zu tun haben, ihre ganzen Währungen in den einzelnen Ländern unter einen Hut zu bringen. Dann noch die unterschiedlichen Zins- und Inflationssätze – ich stell mir das echt allein schon logistisch ziemlich mühsam vor…

Oder wie versucht man, diese oben genannten Risken doch irgendwie zu bestimmen – gibt’s doch Berechungsmethoden dafür? Oder machen die das mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen? Nimmt man dafür einfach irgendwelche Wirtschaftsprognosen von offizieller Seite her, oder recherchiert und berechnet man das selbst? Wie viel Aufwand wird da getrieben?

Wie gehen Unternehmen da in der Praxis vor: Machen die da x Pläne und greifen dann später halt den heraus, der es am besten getroffen hat? Und wie weit im Vorhinein wird eigentlich geplant? Sind solche Planungen gesetzlich vorgeschrieben oder machen die Firmen das nur aus Eigeninteresse? Und wie oft werden solche Pläne revidiert oder aktualisiert? Und zum Schluss: Wie gut treffen die Firmen ihre Prognosen dann letztendlich auch?

Ich wäre sehr dankbar, wenn ich zu diesen Fragen einige Meinungen und Erklärungen bekommen würde, würde mich sehr interessieren!

Freundlichen Gruß,

Jerry

Hallo Jerry,

ich hoffe, ich bin hier in dem Brett richtig gelandet.

Ich hab mir mal so meine Gedanken gemacht, wie Unternehmen
ihre Zukunftsplanungen vornehmen, also wie man Businesspläne
erstellt und woher die ihre Zahlen bekommen und wie man so was
anstellt und überhaupt.

Und jetzt stoß ich so langsam an meinen (wirtschaftlichen)
Horizont: Kann mir jemand erklären, wie diese Unternehmen
Dinge zu kalkulieren versuchen, die eigentlich gar nicht
vorhersehbar sind, also wie Fremdwährungskurse, Inflation,
Zinssätze und so weiter? Vor allem Multis müssen da ja echt
viel zu tun haben, ihre ganzen Währungen in den einzelnen
Ländern unter einen Hut zu bringen. Dann noch die
unterschiedlichen Zins- und Inflationssätze – ich stell mir
das echt allein schon logistisch ziemlich mühsam vor…

In der Regel gibt es nur drei Währungszonen (bei den Multis): USD, EUR, YEN. Wenn man die die Schweiz und England vernachlässigt, hat man damit alle grossen Wirtschaftsräiume abgedeckt, da der EUR in Äquatorialafrika als Nachfolger des FF de facto offizielles Währung ist. Osteuropa hängt mehr oder weniger stark an dem EUR. Der Dollar ist für alles was südl. des Rio Grande ist bestimmend. Asien teilen sich wohl Dollar und Yen auf. DAls Unsicherheit bleiben dann noch Indien und China, falls diese masl wirtschaftlich bedeutend werden.

Oder wie versucht man, diese oben genannten Risken doch
irgendwie zu bestimmen – gibt’s doch Berechungsmethoden dafür?
Oder machen die das mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen? Nimmt
man dafür einfach irgendwelche Wirtschaftsprognosen von
offizieller Seite her, oder recherchiert und berechnet man das
selbst? Wie viel Aufwand wird da getrieben?

Kommt drauf an. Um 10.000 Computer nach China zu exportieren, wohl rel. wenig. Falls man einen Chemiepark (s. BASF) errichtet, dann mehr. Bei solchen Grossprojekten läuft zweierlie:

  1. Es werden mehrere Prognosen mit div.Eckdaten durchgerechnet.
    Man kalkuliet dabei die rel. Wirtschaftsräume in ihrem BSP, dem daraus sich ergebenden Nachfrageverhalten, Leitzinsen und Wechseklkurse. Und für jedes Szenario wird die Profitablitäts des Projektes abgeschätzt.
    Zweitens: Man geht zur Politik und lässt sich absichern, z.B. Exportbürgschaften(hier), Investitionsbürgschaften (dort), Verträge, um so die Risiken der dortigen lokalen Politik zu verringern.

Wie gehen Unternehmen da in der Praxis vor: Machen die da x
Pläne und greifen dann später halt den heraus, der es am
besten getroffen hat? Und wie weit im Vorhinein wird
eigentlich geplant? Und wie oft werden solche Pläne revidiert
oder aktualisiert?

Kommt alles auf El Cheffe an. HAt dieser Phantasie und macht die Sachen eher per Handschlag, dann gibts eher weniger Prognosen, da die beim Vorwärtsstürmen eher hinderlich sind. Ein kühler Analytiker oder ein Bürokrat, der sich absichern will, werden wohl eher mehr Prognosen anfordern.
Grosse Unternehmen haben durchaus einen Zeitabschnitt von bis zu 20 Jahren im Blick. Ein gutes Beispiel sind Automobilunternehmen.

Sind solche Planungen gesetzlich vorgeschrieben oder machen die
Firmen das nur aus Eigeninteresse?

Eigeninteresse

Und zum Schluss: Wie gut treffen die Firmen ihre
Prognosen dann letztendlich auch?

Solche Akttionen wie 11. September un d der das anschliessende ‚enduring freedom‘ vermasseln jede Prognose, ausser man unterstellt, dass Leute von dieser Entwicklung wussten bzw. mit einkalkulieren konnten.

Tschuess Marco.

Hallo, Jerry!

Ich kann eine Erfahrung aus einem internationalen Konzern beisteuern. Da gab es jährlich 2 - 3 Planungsphasen.

Phase 1: Bottom up = Jeder Budget-Verantwortliche hat eine Jahresplanung zu machen. Die leitet sich ab aus seinen Zielvorgaben und seiner Strategie. Hier ist viel Erfahrung und ein gutes Gespür für das Geschäft gefragt. Der Budget-Verantwortliche weiss (sollte er zumindest), wie sich sein eigenes (kleines) Stück des Gesamtgeschäftes entwickeln wird, wo die Risiken liegen, was er zur Entwicklung des Geschäftes tun kann etc. Das ganze hat er zu bewerten und in ein standadisiertes Zahlenraster zu bringen.

Diese Mini-Planungen werden auf Bereichs- und Firmenebene verdichtet und von jeder Konzernfirma an die Mutter gegeben. Die Konzerncontroller/-Planer machen daraus die Konzernplanung und legen sie dem Vorstand vor.

Phase 2: Top down = Der Vorstand sieht, was aus den einzelnen Geschäftsbereichen so zusammengekommen ist und befindet in der Regel: das ist nicht genug (was auch sonst!?!)! Er fragt sich jetzt seinerseits, welches Ergebnis er sich wünscht und erklärt sein Wunschergebnis zum allgemeinen Ziel.

Phase 3: Diese Zielvorstellung rieselt wieder von einer Hierarchiestufe zur nächsten und jeder weiss nun: der Vorstand will 15% mehr sehen, als ich geplant habe. Also versucht jeder, noch etwas zusammenzukratzen, um die Forderung zu erfüllen.

Fazit:
In grossen Unternehmen wird Planung nicht von einem auf den anderen Tag gemacht, sondern es ist ein (langer) Prozess, der auch Jahr für Jahr optimiert und fortgeschrieben wird. Dazu gehört ein Controlling, dass die Planerfüllung überwacht und Ursachen für evtl. Abweichungen ermittelt. Damit wird die Planung in der Regel auch immer treffsicherer - im Idealfall!!!

In der Praxis sieht das oft anders aus. Wenn z. B. der beschriebene Prozess die Regel ist, wird sich jeder Budgetverantwortliche hüten, gleich in der 1. Phase die Hosen herunter zu lassen und sich noch etwas Luft in seine Planung einarbeiten, die er dann in Phase 3 wieder herauslassen kann.:wink:)
Oder: Wenn es kein Controlling gibt, das den Geschäftsverlauf mit der Planung vergleicht und bei Abweichungen die Ursachen erforscht, hat das Unternehmen keine sichere Handhabe für irgendwelche Strategieänderungen.

Wie gesagt - ein Beispiel aus der Praxis (eines erfolgreichen Unternehmens!). Es gibt natürlich auch etliche wissenschaftliche Methoden und Strategien dazu. Nur eins kenne ich nicht: ein Rezept, nach dem ein Grossunternehmen von einem Jahr aufs andere eine komplette Feinplanung aus dem Boden stampfen kann.

Im Prinzip wird Planung in grossen und kleinen Unternehmen nach dem Prinzip ‚Try & Error‘ bzw. ‚Versuch macht klug‘ gemacht. Das Unternehmen folgt einer Strategie, lernt aus seinen Erfahrungen und variiert seine Strategie entsprechend. Aber oft liegt der Teufel im Detail!

Viele Grüsse
Manfred