Hallo Oliver und Hilmar,
ich klinke mich doch mal ein:
Der Grenzbereich, die Schnittstelle zwischen Pädagogen und Psychologen ist etwas, das mich wie Lotus persönlich interessiert.
Ich bin im Threat zu „Ratschlägen“ gefragt worden, woran ich erkenne, ob und welchen Therapiebedarf es gibt. Ich kann die Frage nicht wirklich beantworten. Ein wichtiges feedback ist aber, wenn Jahre nach der Zusammenarbeit Schüler zu mir kommen und sich erinnern, dass meine Hinweise wichtig für ihr Leben war.
Ich glaube, für Therapeuten und Pädagogen gilt (wie auch für andere Berufe):
Es braucht
1.) ERLERNBARES: eine gute Ausbildung, die ständige Weiterbildung und Reflektion eigenen Handelns und einem "nie fertig sein mit eigener (offener) Wahrnehmungsfähigkeit. Hier entsteht das „Handwerkzeug“, das Methodenrepertoire des Therapeuten.
2.) BEGABUNG: Die ist „in die Wiege gelegt“, möglicherweise nicht erlernbar (ich kneife jetzt vor dem bisher ungelösten Streit um die Anteile genetisch Bedingtem und Erlernten). Auch einen Teil der Wahrnehmungsfähigkeit sehe ich im Bereich der Begabung.
Hier ist es übrigens interessant, dass Schüler und auch ich als Mentor und Fortbilder bisher immer sofort erkannt haben, wer begabt ist und wer „nur“ ein gut ausgebildeter Fachmann ist.
Daraus ziehe ich jedenfalls so etwas wie Intuition. Die bringt immer Ärger, weil unsere Gesellschaft ausgeprägt zahlengläubig geworden ist.
Dennoch behalte ich im Ergebnis Recht. Natürlich prüfe ich meine Intuition mit wissenschaftlichen Mitteln. Dies ist auch der Bereich, wo ich auf die Wahrung von innerer Distanz besonders achten muss. Ich muss dabei auf mich achten, dass ich cognitive Überprüfung nicht auf das vorläufige (!!!) Intuitionsergebnis hinbiege.
Aber: Hier beginnt natürlich für die Außenwahrnehmung (Wahrnehmung Anderer) der Grenzbereich zur Scharlatanerie, solange ich die Wahrnehmung (noch) nicht mit Fakten belegen kann:
Merkwürdigerweise kann ich (möglicherweise an den Augen und der Körperhaltung) schon beim ersten Eindruck sehr viel erkennen.
Dieses bewaheitet sich stets später, wenn ich mit einem neuen Schüler allein sprechen kann:
Jedenfalls sind sie immer wieder verblüfft und bestätigen, was ich erkannt habe.
Woran aber erkennt ein Mensch, der keinerlei Erfahrungen mit Psychotherapie hat und vielleicht zudem Vorurteile mitbringt, die auch hier angeklungen sind, wer ein gut ausgebildeter und begabter Therapeut ist?
Herzlichst
Ole