Hallo zusammen,
ich bezieh mich jetzt mal auf die verschiedenen Posting und Antworten, die ich auf meine beiden Anfragen bekam.
Auch mir ist aufgefallen, dass meine Tochter und ich „komisch“ auf die Möglichkeit der Nebenklage im Mißbrauchsverfahren reagieren, je mehr Zeit vergeht, umso deutlicher. Je mehr ich meine Tochter und mich beobachte, umso mehr habe ich das Gefühl, dass es uns widerstrebt, miterleben zu müssen, dass der Mann bestraft wird.
Rachegelüste haben wir eigentlich nicht, aber Angst, dass (m)einem (oder einem anderen) Kind sowas nochmals passiert. Insoweit ist also so, dass es uns lieber wäre, der Mann müßte ne Therapie machen, statt möglicherweise ins Gefängnis.
Wie sehen das andere Mißbrauchsopfer? Wie fühlten die sich?
Hatten sie eher Rachegelüste oder fühlten sie wie wir?
Danke im voraus für die Antworten.
Gruß *wink* Daggi
Hallo Dagmar,
bin kein Missbrauchopfer und hatte damit noch nicht zu tun. Antworte trotzdem als Vater von zwei Kindern:
Erstmal Kompliment an Dich wie Du alles managst und aktiv angehst.
Nebenklage würde ich auf jden Fall erheben. Als betroffener Vater würde ich es als SEHR wichtig betrachten auf eine Bestrafung mithinzuwirken. Es ist m.E. auch wichtig, dass der Täter vor Gericht sieht, dass er jemanden verdammt Unrecht getan hat und dass derjenige seine Bestrafung fordert. Wenn der Täter nur mit Richtern/Therapeuten u. Sachverständigen verhandelt wird die Sache irgendwie abstrakt. Er muss schon den Opfern gegenüberstehen. Ich hätte in Deinem Fall das dringende Bedürfnis dem Täter im Gerichtssaal gegenüberzusitzen. Nicht aus Rachelust, sondern um ihm klarzumachen das er ein grosses Unrecht getan hat.
Dir u. Deiner Tochter alles erdenklich gute und viel Kraft.
Gruß elmore
Hi Daggi,
ich habe mal gehört, dass Rache es nur immer wieder hochkommen lässt, aber Vergebung lässt es für das Opfer selbst leichter werden…
Ob das aber so einfach ist - ich habe nicht wirklich vergeben können, und ich war auch froh, dass der Kerl eingelocht wurde, aber einfach, weil ich mich dann sicherer gefühlt habe.
Aber ich habe auch keinen Hass auf ihn - in meinen Augen ist er ein ganz armes Würstchen, dass er es überhaupt nötig hatte, Frauen Gewalt anzutun.
Ich glaube allerdings leider nicht daran, dass eine Therapie da hilft - schön wär’s, aber da hat man doch zu oft von Rückfällen gehört, als das ich mich darauf verlassen würde oder könnte. Ich weiß ganz sicher, dass ich nichts mit jemandem zu tun haben könnte, der in seiner Vergangenheit Frauen oder Mädchen irgendetwas angetan hat und dann angeblich erfolgreich therapiert wurde. Da mag jetzt jeder drüber denken, wie er möchte, ich kann es halt nicht, ich weiß nicht, wie ich ohne diese Erfahrung dazu gestanden hätte.
Trotzdem habe ich mir von Anfang an gesagt: „Von so einem armen Schwein lasse ich mir mein Leben nicht versauen“ - das funktioniert auch, bis auf - zum Glück sehr seltene - schlechte Tage.
Keine Ahnung, wie man das einem Kind klarmachen kann, ich musste da selbst drauf kommen. Reden hat geholfen, es nicht verschweigen, weil man sich vielleicht schuldig fühlt. ER hat den Fehler gemacht, und man selber war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, und das kann man erzählen, ohne sich dafür zu schämen.
Wenn man versucht, es nicht als etwas Besonderes zu sehen (klar, es war erstmal besonders schlimm, aber es darf nicht jeden Tag so im Kopf vorherrschen), dann wird man es zwar nicht vergessen, aber es irgendwann als eine Erfahrung im Leben „abhaken“, als etwas, das einem ohne eigenen Einfluss wiederfahren ist.
Es ist auf jeden Fall möglich, ganz normal und ohne größere Probleme im Alltag, in der Beziehung, mit sich selbst damit zu leben!
LG und alles Gute,
Cess
Hallo Dagmar,
erst einmal möchte ich mein Mitgefühl für deine Tochter, dich und deine Familie zum Ausdruck bringen - das ist eine ziemlich scheußliche Situation.
Auch mir ist aufgefallen, dass meine Tochter und ich „komisch“
auf die Möglichkeit der Nebenklage im Mißbrauchsverfahren
reagieren, je mehr Zeit vergeht, umso deutlicher. Je mehr ich
meine Tochter und mich beobachte, umso mehr habe ich das
Gefühl, dass es uns widerstrebt, miterleben zu müssen, dass
der Mann bestraft wird.
Schade, dass bisher kein Fachmann geantwortet hat. Ich könnte verstehen, wenn Euch die Bestrafung des Täters egal wäre, weil ich mit Euren Gefühlsunruhen genug beschäftigt seid. So vermute ich jetzt einfach mal, dass das Maß an Ereignissen für Euch voll ist, und Ihr Euch nicht noch haarklein mit nervenaufreibenden Schuldzuweisungen beschäftigen wollt - so eine Art Selbstschutzinstinkt.
Rachegelüste haben wir eigentlich nicht, aber Angst, dass
(m)einem (oder einem anderen) Kind sowas nochmals passiert.
Insoweit ist also so, dass es uns lieber wäre, der Mann müßte
ne Therapie machen, statt möglicherweise ins Gefängnis.
Im Gefängnis erfährt er nicht wie er sich anders verhalten soll, in der Therapie fehlt ihm die Erkenntnis was er falsch gemacht hat.
Wie sehen das andere Mißbrauchsopfer? Wie fühlten die sich?
Hatten sie eher Rachegelüste oder fühlten sie wie wir?
Ich war zwei Mal Opfer von sexuellen Belästigungen, als Kind und als Jugendliche. Meine Eltern haben die Vorfälle jeweils bagatellisiert, so dass es zu keinen Anzeigen kam. Und leider haben sie auch nicht mit mir darüber gesprochen. Wut kam bei mir erst viele Jahre später auf. Rachegefühle hatte ich nicht, ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Aber die Wut im Bauch bin ich nie los geworden bin, trotz nachträglicher hilfreicher Gespräche und Gedanken.
Ich denke manchmal darüber nach, wie ich reagieren würde, wenn das gleiche meinen Töchtern passieren würde. Aber eigentlich mag ich es mir nicht ausmalen.
Wichtig ist der Erhalt des Selbstwertes deiner Tochter. Das hat oberste Priorität. Sie kann stolz auf ihre tüchtige und starke Mama sein.
mit lieben Gruß
claren
Hallo Dagmar,
erst einmal möchte ich mein Mitgefühl für deine Tochter, dich
und deine Familie zum Ausdruck bringen - das ist eine ziemlich
scheußliche Situation.
Danke, geb ich gerne weiter.
Auch mir ist aufgefallen, dass meine Tochter und ich „komisch“
auf die Möglichkeit der Nebenklage im Mißbrauchsverfahren
reagieren, je mehr Zeit vergeht, umso deutlicher. Je mehr ich
meine Tochter und mich beobachte, umso mehr habe ich das
Gefühl, dass es uns widerstrebt, miterleben zu müssen, dass
der Mann bestraft wird.Schade, dass bisher kein Fachmann geantwortet hat.
Sorry, wenn ich mich hier einmische.
Ganz im Gegenteil. Sie haben mich nur via Email angeschrieben,
wie viele andere User auch.
Außerdem stehen mir einige Profis von w-w-w im Moment ständig zur Seite. Also keine Bange.
Ich könnte
verstehen, wenn Euch die Bestrafung des Täters egal wäre, weil
ich mit Euren Gefühlsunruhen genug beschäftigt seid. So
vermute ich jetzt einfach mal, dass das Maß an Ereignissen für
Euch voll ist, und Ihr Euch nicht noch haarklein mit
nervenaufreibenden Schuldzuweisungen beschäftigen wollt - so
eine Art Selbstschutzinstinkt.
Stimmt.
Rachegelüste haben wir eigentlich nicht, aber Angst, dass
(m)einem (oder einem anderen) Kind sowas nochmals passiert.
Insoweit ist also so, dass es uns lieber wäre, der Mann müßte
ne Therapie machen, statt möglicherweise ins Gefängnis.Im Gefängnis erfährt er nicht wie er sich anders verhalten
soll, in der Therapie fehlt ihm die Erkenntnis was er falsch
gemacht hat.
Leider.
Wie sehen das andere Mißbrauchsopfer? Wie fühlten die sich?
Hatten sie eher Rachegelüste oder fühlten sie wie wir?Ich war zwei Mal Opfer von sexuellen Belästigungen, als Kind
und als Jugendliche. Meine Eltern haben die Vorfälle jeweils
bagatellisiert, so dass es zu keinen Anzeigen kam. Und leider
haben sie auch nicht mit mir darüber gesprochen. Wut kam bei
mir erst viele Jahre später auf. Rachegefühle hatte ich nicht,
ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Aber die Wut im
Bauch bin ich nie los geworden bin, trotz nachträglicher
hilfreicher Gespräche und Gedanken.
Urgs … sowas wollt ich nie erleben.
Da fühlt man sich bestimmt noch einsamer, als man in der Situation schon ist.
Ich denke manchmal darüber nach, wie ich reagieren würde, wenn
das gleiche meinen Töchtern passieren würde. Aber eigentlich
mag ich es mir nicht ausmalen.
Hab ich vorher gemacht, aber ich hätte nie gedacht, dass das einem
meiner Kinder passieren könnte. Ich wußte nur, dass sie das nicht
allein durchstehen sollen.
Wichtig ist der Erhalt des Selbstwertes deiner Tochter. Das
hat oberste Priorität.
Ja. Und es kommt zurück.
HIER NOCHMALS DANK AN ALLE, DIE MITHELFEN/MITGEHOLFEN HABEN !!!
Sie kann stolz auf ihre tüchtige und
starke Mama sein.
*rotwerd* danke
mit lieben Gruß
auch zurück
claren
Daggi