Wie fühlt sich Sterben an?

Hallo!
Ich bin neugierig, was das Sterben betrifft. Ich hatte mal mit jemandem gesprochen, der ertrunken war und als ich ihn fragte, ob sich sterben wie einschlafen anfühle, verneinte er das: es wäre, als würde einen die ganze Lebensenergie verlassen. Ich würde gerne weitere Erfahrungsberichte lesen von Menschen, die das Sterben (vor allem das durch Ertrinken) schon selbst erlebt haben. Wie habt ihr es empfunden, vor allem körperlich?

Danke für eure Antworten!

Hallo,

Ich
würde gerne weitere Erfahrungsberichte lesen von Menschen, die
das Sterben (vor allem das durch Ertrinken) schon selbst
erlebt haben.

Da empfehle ich ein Buch von Elisabeth Kübler-Ross. Die hat solche Berichte gesammelt. Es gibt auch Bücher von anderen Autoren zu diesem Thema, aber deren Namen weiß ich nicht auswendig. Kübler-Ross war die Erste, die diese Thema öffentlich gemacht hat. Vorher dachte man „tot ist tot, alles andere sind Hirngespinste“.

Na ja, lies das Buch.

Schöne Grüße

Petra

Danke, aber ich habe mich vielleicht ungenau ausgedrückt. Ich möchte nicht wissen, ob jemand ein Licht gesehen hat und dergleichen (= Nahtoderfahrungen), sondern wie sich der Moment anfühlt, in dem einen die Lebenskraft verlässt. Der Moment in die Bewusstlosigkeit. Wird der Körper taub, lassen evt. Schmerzen nach, wird einem schwindelig, kann man noch „normal“ denken etc… Ich weiß noch, als ich einmal ohnmächtig wurde: ich habe noch dumpf die Stimmen der Leute um mich gehört und als man mich weggetragen hatte, fühlte ich mich „schwerelos“, also haben vielleicht Ohren und Gleichgewichtssinn noch ein wenig ihre Arbeit getan. Und ich kommte in meiner Ohnmacht noch klare Gedanken fassen („Wow, ohnmächtig sein fühlt sich gar nicht so schlecht an!“). Aber wie ist das, wenn man sein Bewusstsein verliert, weil man stirbt? Wie gesagt: der Mann behauptete, sein Sterben wäre nicht wie einschlafen gewesen, sondern ziemlich unangenehm…

Also um hier mal ne Antwort zu geben, beim Ertrinken fühlt ich mich iwie als ob ich ganz schwerelos wäre und Fliegen könnte, ganz befreit, aber komisch einzuordnen das Gefühl

(Ja ich habs überlebt sonst würde ich das nciht schreiben)

Hallo,

wenn du diesen „Moment“ zwischen Leben und Tod - der ja nicht mit „sterben“ identisch ist, meinst:

Mir fehlen die Worte, um diesen „Moment“, den ich leider erleben mußte, zu beschreiben. Die Empfindungen werden auch von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sein. Dazu kommt noch das Gehin, das mehr als dazu neigt, „Erfahrungen“ zu interpretieren.

Es ist - zumindest für mich - keine sehr nette Erinnerung.

mfg, tf

Auch hallo,

Ich bin neugierig, was das Sterben betrifft.

Ähem… Im Anflug erster Albernheit wollte ich glatt „einfach mal ausprobieren“ schreiben, aber das wäre wohl etwas unpassend… *lach* Die von Petra erwähnten Bücher von Elisabeth Kübler-Ross sind jedenfalls eine gute Quelle für Erfahrungsberichte.

Ich hatte mal mit
jemandem gesprochen, der ertrunken war

Nix da! Wenn jemand ertrunken ist, ist er definitiv tot. Das, was du beschreibst, ist das sogenannte Beinahe-Ertrinken, das zwar nicht akut, aber noch innerhalb von 24 Stunden tödlich enden kann.

und als ich ihn fragte,
ob sich sterben wie einschlafen anfühle, verneinte er das: es
wäre, als würde einen die ganze Lebensenergie verlassen.

Na ja, die Frage „wie fühlt sich das Sterben an?“ hängt nicht unerheblich von der Todesart ab.
Bei älteren Menschen, die „normal“ sterben oder bei Menschen, die schwer krank waren, versagen nach und nach die Organe, sie werden unruhig, atmen anders, das Bewußtsein ist getrübt/gestört (manche reden z. B. mit imaginären Personen, die sich ihrer Meinung nach im Raum befinden), etc.
Bei der Bergung von Opfern eines Grubenunglücks (frag mich nicht wo, müsste ich nochmal nachschauen), denen irgendwann schlicht die Luft ausging, fand man Briefe, in denen sie ihre letzten Momente schilderten: die meisten schrieben, dass sie immer müder werden, aber weder Schmerzen noch Angst haben - die Müdigkeit war lähmend.
Beim Ertrinken ist es wiederum anders: der Körper kämpft ums Überleben. Man versucht, an die Oberfläche zu kommen, schluckt Wasser (das gelangt in den Kelhkopf, manchmal auch in die Lunge), der Tauchreflex setzt ein (=man versucht, die Luft anzuhalten, der Herzschlag wird langsamer, die Stimmritze verkrampft sich, jeder Tropfen des in nicht lebenswichtigen Organen zwingend benötigten Blutes - auch aus Armen und Beinen - wird abgezogen und zum Gehirn und Herzen abkommandiert). Irgendwann hat der Körper die Schnauze voll von dieser Kämpferei und man wird bewußtlos.

Die Beschreibung „als ob man mir jegliche Lebensenergie entziehen würde“ kommt also in etwa hin.

Grüße
Renee

Ich bin neugierig, was das Sterben betrifft.

Ähem… Im Anflug erster Albernheit wollte ich glatt „einfach
mal ausprobieren“ schreiben,

:smiley: Ich hatte auch schon dran gedacht, dass das eine Möglichkeit wäre, aber ihr seht es mir sicher nach, dass ich mich davor so lange wie möglich drücken möchte. :smile:

Ich danke dir für deine ausführliche Antwort, Renee! Das ist schon sehr interessant, wie unterschiedlich das Sterben sich gestalten kann. Dennoch scheinen Angst und Schmerz kurz vor dem Tod bzw. der Bewusstlosigkeit stets oder zumindest gehäuft durch glücklichere Gefühle abgelöst zu werden.

Ist denn der Zustand vor dem „Sterben“/der Bewusstlosigkeit mit den von mir beschriebenen Erfahrungen einer Ohnmacht (durch Kreislaufkollaps) vergleichbar? Oder mit der Einleitung einer Narkose (womit ich noch keinerlei Erfahrungen habe)?

Hallo Thomas,

ja genau, ich meine den Zustand zwischen Leben und Tod. Tut mir sehr leid, dass du das erfahren musstest, ich stelle mir das natürlich auch nicht gerade schön vor. Wenn du glaubst, darüber schreiben zu können, also über deine Gefühle und Gedanken in diesem Moment, würde ich das gerne lesen (wenn es dir lieber ist auch als mail). Wenn dich die Erinnerungen hieran zu sehr quälen wie ich vermute (das ist zweifellos ein übles Thema!), habe ich vollstes Verständnis wenn du sie lieber für dich behalten möchtest.

Ich freue mich, dass du das überlebt hast, nicht nur deiner Antwort wegen! :smile:
Mir fällt auf, dass du dich ganz ähnlich gefühlt hast wie ich nach meinem Ohnmachtserlebnis. Interessant!

Ich bin neugierig, was das Sterben betrifft. Ich hatte mal mit
jemandem gesprochen, der ertrunken war und als ich ihn fragte,
ob sich sterben wie einschlafen anfühle, verneinte er das: es
wäre, als würde einen die ganze Lebensenergie verlassen. Ich
würde gerne weitere Erfahrungsberichte lesen von Menschen, die
das Sterben (vor allem das durch Ertrinken) schon selbst
erlebt haben. Wie habt ihr es empfunden, vor allem körperlich?

Im Grunde kann das nur die Frage nach den Nah-Tod-Erlebnissen sein, Hier gibt es mannigfaltige Berichte, ganz vorne Kübler-Ross, wie schon erwähnt.
Allerdings sind ihre Berichte nicht mehr so ganz unumstritten, seid sie auf dem Sterbebett eine Menge Angst hatte und gewissermaßen ihrer Lehre abschwor.

Physiologisch sieht das so aus: Bei Hirnopartionen (die ja manchmal bei vollem Bewußtsein erfolgen) hat man festgestellt, daß eine Reizung des Hippocampus (ein bestimmtes Hirnareal) zu Nah-Tod-Erlebnissen führt.

Zu Sterben selbst kann niemand etwas sagen, es sei denn, er wäre tot gewesen und wieder auferstanden. Meines Wissens hat das bisher nur einer geschafft.

Hi,
hier ein Buchtipp:

Bernhard Jakoby:
Geheimnis Sterben: Was wir heute über den Sterbeprozess wissen

LG maja

Meines Wissens hat das bisher nur einer geschafft.

Und auch dessen Existenz ist umstritten - von den medizinischen Erklärungen für eine mögliche „Auferstehung“ jetzt mal abgesehen. :wink:

Hi Priamos,

danke für deine Antwort. Weiß man denn schon mehr über die Funktion des Hippocampus bei Nah-Tod-Erfahrungen? Ist er z.B. auch für die Symptome bei Schockzuständen verantwortlich, bei denen es ja u.a. keine Schmerzwahrnehmung gibt? Wozu dient die Hirnregion außerdem?