Wie funktioniert ÖL-Spekulation ?

Kann mir bitte einmal jemand genau erklären, wie das funktioniert.

Ist es richtig, dass der Spekulant mit dem Verkäufer einen Preis abmacht, den er z. B. in sechs Monaten bezahlen muss ?

Was passiert dann genau am Stichtag, bei einem Termingeschäft und was passiert mit dem Öl. Verkauft der Spekulant gleich weiter ?

Ich habe das nicht so richtig verstanden.

Warum steigt der Preis des Öls dadurch, wenn der Spekulant das Öl doch gar nicht wirklich kaufen will, also verbraucht, er muss es doch dann auch wieder anbieten oder ? Dann müsste doch der Preis des Öls wieder fallen ?!

Kann man das mal „Sendung mit der Maus“-like einem Laien erklären ?

Hoffe ich hab alles richtig gemacht im Forum ?

Grüße

Hannes

Hallo,

Kann mir bitte einmal jemand genau erklären, wie das
funktioniert.

Ist es richtig, dass der Spekulant mit dem Verkäufer einen
Preis abmacht, den er z. B. in sechs Monaten bezahlen muss ?

Das was Du hier beschreibst, nennt sich Forward-Geschäft. Es handelt sich dabei um ein Termingeschäft, welches nicht standardisiert ist. Es wird nur zwischen zwei Parteien geschlossen und geht in der Tat auch über die Lieferung von Öl. Fluggesellschaften schließen diese z.B. ab. Da der „Preis“ schon heute bestimmt wird, die Lieferung der Ware aber erst in der Zukunft erfolgt, kommt es wesentlich darauf an, welche der beiden Parteien die künftige Entwicklung besser abschätzen bzw. „vorhersehen“ kann.

Beispiel:

Forwardgeschäft über eine Kiwi. Man einigt sich heute schon auf den Preis 0,24 Euro. In einem Jahr soll die Kiwi geliefert werden. Liegt der Preis dann bei 0,19 Euro, hat der „Käufer“ draufgezahlt. Liegt der Preis hingegen bei 0,34 Euro, macht er einen „Gewinn“.

Forwards sind aber unpraktisch. Daher wurden sie standardisiert und sind heute als sog. Futures bekannt. Sie zeichnen sich nun durch eine erhöhte Handelbarkeit aus. Darüber hinaus wird der Zahlungsausfall, anders als beim Forward, durch das sog. Clearing-house vermieden. Es wird täglich der Gewinn bzw. Verlust aus einem Future ermittelt und dem Konto des „Spekulanten“ belastet oder gutgeschrieben.

Was man noch erwähnen sollte: Bei den reinen Forwardgeschäften handelt es sich zwar auch um eine Spekulationsabsicht, gleichwohl sind das aber nicht jene Spekulanten, von denen in letzter Zeit immer wieder die Rede ist. Die Lufthansa z.B. braucht das Öl tatsächlich, da man bisher noch keinen Weg gefunden hat, Flugzeuge mit Spekulationsgewinnen zu befüllen.

Was passiert dann genau am Stichtag, bei einem Termingeschäft
und was passiert mit dem Öl. Verkauft der Spekulant gleich
weiter ?

Richtig, am Stichtag des Termingeschäfts muss die Ware geliefert werden. Wer dann den Anspruch darauf hat, bekommt die Ware. Es kann in der Tat mal vorkommen, dass z.B. Banken dann komplette Öl-Tanker „erwerben“ bzw. deren Inhalt. Der Weiterverkauf beim Öl führt aber auf Grund der Tatsache, dass der Preis vorher durch Spekulationen mit diversen sog. Derivaten in die Höhe getrieben wurde, nicht zu einem Öl-Preiseinbruch. In diesem Zusammenhang muss man auch sehen, dass das Öl selbst nicht ausschlaggebend ist. Öl gibt es noch genug auf der Welt. Die Preisschübe kommen allein durch das Handeln mit „Finanzprodukten“ die das Öl als sog. Underlying haben. Das Öl wird also über solche FInanzprodukte am Markt gehandelt. Wenn nun aber auch Spekulanten (kurzfrisitig) damit handeln und die Nachfrage danach dadurch massiv beeinflussen, wird es auch für jene teurer, die regulär damit handeln, etwa für ihren Geschäftsbetrieb (Fluggesellschaften, Industrieunternehmen, Mineralölgesellschaften, etc.)

VG
Sebastian

Kann mir bitte einmal jemand genau erklären, wie das
funktioniert.

Ist es richtig, dass der Spekulant mit dem Verkäufer einen
Preis abmacht, den er z. B. in sechs Monaten bezahlen muss ?

Ja, sowohl bei Futures als auch bei Forwards ist der Zeitpunkt und der Preis festgelegt.

Was passiert dann genau am Stichtag, bei einem Termingeschäft
und was passiert mit dem Öl. Verkauft der Spekulant gleich
weiter ?

Der Spekulant verkauft bei einem Forward das Öl zum vorher ausgemachten Zeitpunkt zum ebenfalls vorher bestimmten Preis weiter. Bei einem Future kann entweder eine physische Übergabe vereinbart sein, oder nicht. Dies wird häufiger benutzt, wenn Rohstoffpreise stark schwanken und die Einnahmen der Verkäufer „geglättet“ werden sollen.

Steigt der Preis über den Wert X, dann gibt der Ölproduzent Geld ab, liegt der Preis unter X, dann kassiert er die Differenz zum aktuellen Preis. Auch Fluglinien sichern sich so gegen Schwankungen am Ölmarkt ab. „Der Spekulant“ sind also manchmal Marktteilnehmer mit dem Interesse, sich gegen starke Schwankungen abzusichern. Das ganze ist ein Nullsummenspiel: was der eine gewinnt, zahlt der andere drauf. In diesem Fall handelt es sich letztendlich um eine Ölpreis-Wette.

Ob die Futures den „spot price“ beeinflussen ist eine schwierige Frage. Es hängt im Wesentlichen von Erwartungen der Marktteilnehmer ab. (Wenn die Ökonomen herausgefunden hätten, was den Preis eines Gutes am Markt bestimmt, wären sie schon alle Milionäre.)

Ich habe das nicht so richtig verstanden.

Warum steigt der Preis des Öls dadurch, wenn der Spekulant das
Öl doch gar nicht wirklich kaufen will, also verbraucht, er
muss es doch dann auch wieder anbieten oder ? Dann müsste doch
der Preis des Öls wieder fallen ?!

Das ist richtig. Daher muss der Markt „aus dem Gleichgewicht geschockt werden“. Bei einer erfolgreichen Spekulation wird Öl zum Preis X gekauft, eine „Ölpanik“ erzeugt und das Öl dann eine gewisse Zeit später zu Panik-Preis Y wieder verkauft. Y-X ist dann der Gewinn, abzüglich der Kapitalkosten (Realzinsen) und Lagerkosten. Letztlich fällt der Ölpreis wieder auf das Niveau vor der Spekulation, wenn nicht die Erwartungen der Marktteilnehmer dauerhaft verändert wurden.

Solche „Spielchen“ gibt es auch bei Aktien. Dies ist allerdings meistens illegal und kann strafrechtlich verfolgt werden. (Jerome Kerviel von der Société Générale verspielte letztes Jahr u.a. mit diesen „Tricks“ etliche Milliarden.) Allerdings kann nicht sanktioniert werden, wenn Öl-Produzenten mit dem Säbel rasseln, wie die Wiederaufnahme der Atombomberflüge von Russland, die ständigen Provokationen durch Venezuelas Präsidenten Hugo Chavez oder Irans Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad.

Wichtigster Anhaltspunkt für künstliche Verknappung des Öls durch Spekulation ist, dass es physikalisch zwischengelagert wird. Es gibt dafür Daten, die weltweit erhoben werden (OECD inventory data). Dazu gehören u.a. die strategischen Reserven, welche die Länder aus verschiedenen Gründen bunkern (z.B. für den Kriegsfall). In den 70ern zeigten diese Daten, dass Öl gebunkert wurde. Heute ist dies aber nicht der Fall. Steigt der Preis ohne Verknappung, dann wird wohl das Angebot zurückgegangen sein oder die Nachfrage gestiegen oder beides. Das Öl scheint teurer zu werden, weil die Nachfrage steigt und das Angebot nur schwer ausgeweitet werden kann. Dazu kommt das Risiko eines Iran-Kriegs und ähnlicher Szenarien.

Kann man das mal „Sendung mit der Maus“-like einem Laien
erklären ?

Hoffe ich hab alles richtig gemacht im Forum ?

Grüße

Hannes