Hallo Vitaly,
die Antwort von Oliver Walter beschreibt das in der Psychologie gebräuchliche Modell zum Themenkomplex des Gedächtnis.
Dabei werden die Inhalte innerhalb des Komplex des Kurzzeitgedächtnisses (KZG) elektrisch aufrecht erhalten.
Inhalte im Langzeitspeicher werden hingegen auf molekularer Ebene, durch die Bildung synaptischer und dendritischer Verbindungen (wie weiter unten zutreffend von Markus Lahr beschrieben) dauerhaft abgespeichert (Lang-Zeit-Potenzierung). Die Dimension dieses Speichers ist dabei unvorstellbar groß (wovon die Computerindustrie nur zu träumen wagt), bei einem ziemlich an den Rand gedrängtem Organ (i.d. Hauptsache die beiden Hippocampi).
Deine Frage zielt nun konkret darauf ab, wie besonders effektiv Informationen aus dem Kurzzeitspeicher in den Langzeitspeicher transportiert werden.
Dazu fallen mir die folgenden Fakten ein:
Einfluss auf die Speicherung im LZG haben
(nach Glanzer & Cunitz, 1966)
(nach Attkinson & Schiffrin, 1968)
Die Definition nach Attkinson & Schiffrin macht deutlich, dass es genauso wichtig ist, die langzeitpotenzierten Informationen auch wieder abrufen zu können! Es ist ein Weg über das KZG in das LZG und anschliessend (bei Abruf) wieder zurück. Also auch der Abruf will gelernt sein - z.B. abfragen.
Es gibt eine Reihe an Befunden, dass emotional valente Inhalte wesentlich besser erinnert werden können (z.B. Cahill, Babinsky, Markowitsch und McGaugh, 1995).
Ich habe einmal gehört, dass diese „Kartenkünstler“, welche sich aus einem gemischten Kartenspiel die Reihenfolge merken, genau so verfahren: die Kartensymbole mit emotionalem Inhalt zu verknüpfen.
Darüber hinaus kann eben auch die Situation (angenehm vs. unangenehm) Einfluss auf die Lernleistung haben. Ruhige, angenehme Musik ist demzufolge ebenfalls eine Lernhilfe (eben eine verknüpfung mit emotional valenten Inhalten).
Theoretisch sollte es hilfreich sein, eine ähnliche Umgebung zum Lernen zu wählen, wie später auch zum Abruf vorhanden ist. Ich leite z.B. eine Lerngruppe an der Uni, da lasse ich die Aufgaben immer unter Klausurbedingungen rechnen).
Strukturen innerhalb des Lerninhaltes zu schaffen ist ebenfalls sinnvoll (Aufzählung von vergleichbaren Begriffen).
Ich habe übrigens eine völlig neue Methode des Lernens für mich entwickelt: Artikel schreiben bei „wer-weiss-was“! Dadurch dass ich Inhalte zu Artikeln verknüpfe, wiederhole ich das Gelernte und schaffe eine Struktur oder auch Bedeutung.
Ein kleines Geheimnis: Die Inhalte meiner Artikel korrelieren nicht selten mit dem Inhalt der momentan vordiplom-Relevanten Lerninhalte…
Lieben Gruß
Patrick