Wie gefährlich ist Psychopathie?

Hallo,

vor einiger Zeit habe ich gelesen, dass bestimmter Prozent der Männer in der Gesellschaft unter schwach geäußerte Form Psychopathie leidet, bedingt durch neurobiologische Ursachen.

Wie gefährlich ist so was bei Männern und ab wann soll man sich Sorgen machen?

Grüße

Hallo!

vor einiger Zeit habe ich gelesen, dass bestimmter Prozent der
Männer in der Gesellschaft unter schwach geäußerte Form
Psychopathie leidet, bedingt durch neurobiologische Ursachen.

Innerhalb der klinisch gängigen Diagnostik gibt es diesen Begriff eigentlich nicht mehr (Psychopath), jedoch beschreibt er einen speziellen „Persönlichkeitstypus“ der wissenschaftlichen Forschung. Ein verwandter Begriff der klinischen Diagnostik ist die „Antisoziale Persönlichkeitsstörung“ (A-PS).

Das Problem von beiden Begriffen ist: Bei der A-PS ist es wichtig (als diagnostisches Kriterium), dass delinquentes Verhalten bereits aufgetreten ist, d.h. ein oder mehrere Verbrechen in Folge der Persönlichkeitsstörung sollen ausgeübt worden sein. Bei dem Psychopathen ist die Persönlichkeitsstruktur ähnlich, aber es ist noch nichts illegales (die gesellschaftlichen Grenzen überschreitendes) geschehen. Gemeinsam ist beiden Begriffen, dass sie sich durch einen Mangel an Empathie, Gewissenlosigkeit etc. auszeichnen.

Das Problem bei beiden Phänomenen aber ist es, dass der Betroffene keinen Leidensdruck ausbildet! Deswegen tut man sich auch schwer, den Begriff des Psychopathen als Krankheitsbegriff einzuführen.

Die A-PS ist unterschiedlichen Studien folgend so um ca. 1% in der Bevölkerung vertreten, wobei Männer (ca. viermal) so häufig betroffen sind wie Frauen.

Der Psychopath ist wesentlich häufiger.

Wie gefährlich ist so was bei Männern und ab wann soll man
sich Sorgen machen?

Es ist grundsätzlich latent immer gefährlich.

Unsere Gesellschaftsform hat aber den Bonus, dass die Psychopathen und latenten A-PS einen Spielplatz finden: die Politik und die Wirtschaft.

Diese Subkulturen kommen ja teilweise ohne ein Gewissen aus - bzw. gerade im gehobenen Management sind Menschen gefragt, die sich durch Gewissenlosigkeit auszeichnen.

Von daher geht im Einzelnen wohl keine besondere Gefahr aus - so wie sich der Narziss z.B. als Schauspieler oder Moderator austoben kann, kann es der Psychopath eben in der Politik & Wirtschaft.

Wie sich das aber global auf unser System asuwirkt - nun, die Konsequenzen kriegen wir alle zu spüren. Die indirekten Folgen sind z.B. in Anteilen der Abbau an sozialen Systemen und eine Verschiebung des Kapitals.

Neuerdings auch ganz unverhohlen und öffentlich - es werden die Steuergelder derjenigen genommen, welche Steuern durch harte Arbeit erwirtschaftet haben, und denjenigen gegeben, welche mit immensen Beträgen verantwortungslos (gewissenlos?) gespielt haben. Und das völlig selbstverständlich!

Wenn ich aber darüber nachdenke, dann mussten die Banken tatsächlich gerettet werden - andererseits wäre nämlich eine Zunahme an Delikten nicht unwahrscheinlich gewesen, weil die Kompensationsmöglichkeiten dann nicht mehr in ausreichender Form zur Verfügung stehen…

Lieben Gruß
Patrick

Morgen!

Diese Subkulturen kommen ja teilweise ohne ein Gewissen aus -
bzw. gerade im gehobenen Management sind Menschen gefragt, die
sich durch Gewissenlosigkeit auszeichnen.

Kann du das irgendwie belegen oder ist das nur unser täglich
Manager Bashing?

Gruß
Stefan

Hallo

Das Problem bei beiden Phänomenen aber ist es, dass der
Betroffene keinen Leidensdruck ausbildet! Deswegen tut man
sich auch schwer, den Begriff des Psychopathen als
Krankheitsbegriff einzuführen.

Die A-PS ist unterschiedlichen Studien folgend so um ca. 1% in
der Bevölkerung vertreten, wobei Männer (ca. viermal) so
häufig betroffen sind wie Frauen.

Der Psychopath ist wesentlich häufiger.

Siehe auch: ==> http://www.examiner.com/x-1242-Science-News-Examiner…

[Psychopaths have brain structure abnormality]

 ...
 Using a precise form of MRI, Murphy studied the brains 
 of those labeled as psychopaths who had been convicted 
 of crimes ranging from manslaughter to repeated rapes. 
 The imaging found “a significant reduction in the integrity 
 of the small particles that make up the structure of the UF 
 of psychopaths, compared to control groups of people with 
 the same age and IQ. Also, the degree of abnormality was 
 significantly related to the degree of psychopathy.”
 ...

UF (uncinate fasciculus):

 ...
 a white matter region that connects the amygdala and 
 the orbitofrontal cortex. While the UF may not have 
 a direct behavioral role, its dysfunction may lead 
 to abnormalities in the areas which it connects.
 ...

==> http://en.wikipedia.org/wiki/Uncinate_fasciculus

Grüße

CMБ

Hallo Stefan,

Diese Subkulturen kommen ja teilweise ohne ein Gewissen aus -
bzw. gerade im gehobenen Management sind Menschen gefragt, die
sich durch Gewissenlosigkeit auszeichnen.

Kann du das irgendwie belegen oder ist das nur unser täglich
Manager Bashing?

Das muss man nicht „belegen“.

Das Management ist in erster Linie dem Kapital der Anleger und nicht den Mitarbeitern einer Firma verpflichtet. Das ist z.B. in Aktiengesellschaften so. Daraus ergeben sich moralische Konflikte. Die sind bei reduziertem Gewissen besser zu lösen als mit Empathie/Gewissen.

Ein anderes Beispiel:
Man kann ein Pfund Kaffee für ca. 3EUR/Pfund erwerben oder für ca. 5EUR/Pfund (transfair gehandelt). Die moralisch richtige (moralisch höherwertige, gewissenhaftere) Entscheidung wäre der Kaffee für 5 EUR, die marktwirtschaftlich begünstigte Lösung der Kaffee für 3 EUR.

Das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Lieben Gruß
Patrick

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Hallo Patrick,

dass sich überdurchschnittlich viele Psychopathen in der „gehobenen“ Wirtschaft und Politik tummeln, hatte ich zwar auch schon scherzhaft vermutet - aber gibt es auch Studien darüber?

Viele Grüße

Hi,

im Österreichischen Rundfunk gab es vor ein paar Wochen eine Radiosendung zum Thema Neurowissenschaft und Psychotherapie.
Einer der Gesprächspartner war ein Psychiater, der über Psychopathen sprach. Er traf eine Unterscheidung zwischen gesellschaftlich erfolgreichen und scheiternden Psychopathen. Ganz beiläufig, so als wäre es allen schon längst klar und nur der Vollständigkeit halber erwähnt, sagte er: „Die erfolglosen Psychopathen sitzen im Gefängnis und die erfolgreichen in den Banken.“
Ich fand diesen Ausspruch sehr witzig, aber der meinte ihn gar nicht als Witz.

Tychi

Hallo,

Danke für diese Aussagen.

Von daher geht im Einzelnen wohl keine besondere Gefahr aus - so wie :sich der Narziss z.B. als Schauspieler oder Moderator austoben kann, :kann es der Psychopath eben in der Politik & Wirtschaft.

Die Gefahr geht aber schon von den Mehreren aus und verstärkt sich dadurch, dass ein eigennütziges, antisoziales Verhalten propagiert (mit dem Bild des „guten“ Kapitalismus, der als Heilsversprechen dient / diente) und gefördert wird.

Da wäre es doch eine bessere Lösung, wenn es Austobemöglichkeiten gäbe, bei denen keinerlei Schaden verursacht wird (Sublimation oder Sublimierung o.ä.) und bei denen diese Persönlichkeiten für ihre Handlungen Rechnung tragen müssen, wenn sie doch Schaden im kleinen oder großen Stil verursachen.

Außerdem sollten sie nicht die Möglichkeit haben, sich nicht nur reinzuwaschen und von den Machthabenden legitimieren zu lassen bzw. selbst an der Macht zu sein, sondern auch noch die öffentliche Meinung und somit auch den „gesunden Menschenverstand“ mitzubestimmen, die hierzulande ja das A und O sind (hinter dem sich die große Mehrheit verkriecht).

Was anderes: Wieso tobt sich der Narzisst als Schauspieler und Moderator aus? Dies ist eher die Rolle für den „Hysteriker“, für einen Narzissten passt jede herausgehobene und angesehene Position, die mit Macht verbunden ist.

Wie sich das aber global auf unser System auswirkt - nun, die :Konsequenzen kriegen wir alle zu spüren. Die indirekten Folgen sind :z.B. in Anteilen der Abbau an sozialen Systemen und eine :Verschiebung des Kapitals.

Das muss man nicht „belegen“.

Wer finanziert die Studien, die als Ergebnis Wahrheiten haben, die keiner hören will?!

Das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Ich denke in anderen Gesellschaftsformen, in denen der Kapitalismus noch nicht so weit entwickelt ist, ist die Sache anders gelagert. Auch kein Wunschkonzert, aber eben ganz anders.

Viele Grüße, Anwärter

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Hallo Patrick,

Das muss man nicht „belegen“.

Also doch nur substanzloses Bashing, schade.

Das Management ist in erster Linie dem Kapital der Anleger und
nicht den Mitarbeitern einer Firma verpflichtet. Das ist z.B.
in Aktiengesellschaften so. Daraus ergeben sich moralische
Konflikte. Die sind bei reduziertem Gewissen besser zu lösen
als mit Empathie/Gewissen.

Wie erklärst du dann z.B. Kindergarten Streiks? Wer ist da wem
verpflichtet? Wieso steht die Kindergärtnerin draußen und die
Mutter verliert ihren Job?

Solange die Mentalität ist „Mein Hemd ist mir näher wie die
Hose“, warum sollten Manager da Ausnahmen sein?

Ein anderes Beispiel:

Ich hätte auch noch viele Beispiele, du mußt nur mal das Arbeitsrecht
Brett mitlesen.

Das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Eben, das sehen aber alle AN auch so, ich könnte dir gerade mal die
Dame der Reklamationsabteilung meine DSL Providers anbieten oder
der Stinkstiefel der mir gerade umbedingt „erlesen Wein“ am Telefon
verkaufen wollte. Meinst du die meinten es gut mit mir? :smile:

Gruß
Stefan

Das muss man nicht „belegen“.

Also doch nur substanzloses Bashing, schade.

Etwas ist doch nicht substanzlos*, weil man es mit eigenen Argumenten und eigenem Denken, aber nicht mit wissenschaftlichen Studien, die nur zum Zwecke des Nutzens für wenige Personen durchgeführt wurden, belegen kann. Um dieses letztere „belegen“ geht es für Dich.

Dies dient jedoch nur dafür, nicht selbst denken zu müssen, sondern sich auf eine Aussage eines Anderen (die man nicht durch eigenes Feststellen / Erdenken sich erarbeitet hat) zu stützen.

* Bzw. Was hier substanzlos ist, kann sich jeder selbst überlegen, aber solche Feststellungen („Bashing“) kann ich nicht im Raum stehen lassen.

Gruß Anwärter

Gruß Anwärter

Hallo!

Das muss man nicht „belegen“.

Also doch nur substanzloses Bashing, schade.

Also ein wenig ärgere ich mich über solche Repliken aus folgendem Grund: erst wird auf einen einzelnen konkreten Satz meines Ausgangspostings eingegangen, dann schreibe ich, warum das keines Beweises sondern lediglich der Überlegung bedarf, dann wird wieder nur ein Fragment herausgerissen und das ganze so gedreht wie es passt.

Du hast das „Substanzlose Bashing“ mit Fragezeichen in den Raum geworfen, einen Satz ausgeschnitten und nun Deine Annahme als bewiesen angesehen.

Nicht fein!

Das Management ist in erster Linie dem Kapital der Anleger und
nicht den Mitarbeitern einer Firma verpflichtet. Das ist z.B.
in Aktiengesellschaften so. Daraus ergeben sich moralische
Konflikte. Die sind bei reduziertem Gewissen besser zu lösen
als mit Empathie/Gewissen.

Wie erklärst du dann z.B. Kindergarten Streiks? Wer ist da wem
verpflichtet? Wieso steht die Kindergärtnerin draußen und die
Mutter verliert ihren Job?

Das ist keine beeindruckende Argumentation.

Während erst einmal dahin gestellt sein soll, für welchen der beiden Jobs (Manager oder Kindergärtnerin) man mehr Empathie benötigt - ich rede hier nicht von Einzelfällen. Das ist keine wissenschaftliche Betrachtungsweise. Wenn ich z.B. behaupte, dass es mehr antisozial gestörte Männer als Frauen gibt, dann reicht es nicht, dass ich mal einen antisozial gestörten Mann und noch keine antisozial gestörte Frau getroffen habe. Nein, das geht dann auf eine wissenschaftliche Studie in der Primärliteratur (bestenfalls) oder aus der Sekundärliteratur (Fachbücher) hervor.

Wenn ich jetzt aber noch einmal auf mein & Dein Beispiel eingehe:

Eine Kindergärtnerin hat in erster Linie für das Wohlergehen der ihr anvertrauten Kinder zu sorgen, ein Manager für das ihm anvertraute Geld. Nun die Masterfrage: welcher Job erfordert es, dass man über mehr Empathie verfügt, mehr Empathie entwickelt???

Richtig.

Wenn Du nun einen x-beliebigen Persönlichkeitstest Dir in die Hand nimmst, dann wirdst Du feststellen, dass diejenigen Persönlichkeitseigenschaften welche mit Empathie assoziiert sind gerade in den von mir genannten Berufsgruppen am niedrigsten ausfallen. Nur so ein Beispiel.

Solange die Mentalität ist „Mein Hemd ist mir näher wie die
Hose“, warum sollten Manager da Ausnahmen sein?

Ein anderes Beispiel:

Ich hätte auch noch viele Beispiele, du mußt nur mal das
Arbeitsrecht
Brett mitlesen.

Die öffentliche und fachliche Diskussion läuft anders. Wenn Du magst, setze Dich wie gesagt mit Persönlichkeit & Beruf auseinander. Viele Persönlichkeitseigenschaften wie sie Psychopathie beinhalten werden in der Wirtschaft gefordert und gefördert. D.h. eine Stellenausschreibung und die Diagnostikkriterien haben zahlreiche überschneidungen! Klarer geht es doch nun wirklich nicht?

Mittlerweile gibt es aber auch schon Stimmen in der Wirtschaft selber, die dieses Problem längst erkannt haben und überlegen, wie man dem entgehen kann (vgl. z.B. http://www.haupt.ch/verlagsshop/out/oxbaseshop/html/…).

Lieben Gruß
Patrick

Etwas ist doch nicht substanzlos*, weil man es mit eigenen
Argumenten und eigenem Denken, aber nicht mit
wissenschaftlichen Studien, die nur zum Zwecke des Nutzens für
wenige Personen durchgeführt wurden, belegen kann. Um dieses
letztere „belegen“ geht es für Dich.

Es geht um diesen Satz

Diese Subkulturen kommen ja teilweise ohne ein Gewissen aus - bzw.
gerade im gehobenen Management sind Menschen gefragt, die sich
durch Gewissenlosigkeit auszeichnen.

Dies dient jedoch nur dafür, nicht selbst denken zu müssen,

Wenn man selbst denkt halte ich es für durchaus legitim zu einer
gänzlich anderen Darstellung zu gelangen. Von daher ist es schon
angebracht und sinnvoll zu hinterfragen, ob eine andere Autorität dies
auch so sieht.

Gruß
Stefan