Ja, vielleicht kann mir jetzt irgendwer einen Rat geben! Das Problem ist: meine Mutter - 84 - seit 16 Monaten Witwe, ist nun seit kurzer Zeit in einem Heim und fühlt sich natürlich nicht wohl, obwohl das Heim sehr gut ist. Aber die Vorwürfe, die sie speziell mir - ihrer Tochter - macht, hat es auch schon vorher gegeben. Mein Bruder und ich wollten sie ja nicht abschieben, aber zu Hause wäre es unmöglich mit ihr in ihrem Zustand. Ich verstehe ja, daß sie unglücklich ist, aber ich fürchte mich bereits vor jedem Besuch bei ihr, denn ich weiß, daß es dann bald (oder sofort) wieder losgeht mit den Vorhaltungen. Einerseits möchte ich sie sehen, andererseits ist es natürlich dadurch ein Belastung für mich; noch dazu, wo ich selber krank bin, was sie aber geflissentlich ignoriert. Krank ist nur sie und Punkt. Weil sie ist alt und alleine…
Ich bin aber auch alleine, nicht nur krank, aber ich habe kein Selbstmitleid, so wie meine Mutter. Wie kann ich nur am Besten mit der Situation fertigwerden, ohne meine Mutter zu kränken und ohne Selbstvorwürfe zu haben?
Hallo,
zunächst mal solltest du deine eigenen Aussagen überdenken:
Mein Bruder und ich wollten sie ja nicht abschieben,:
Ich meine… ist das ein Abschieben? Jemanden in ein Heim abzuschieben impliziert sofort etwas negatives… wenn es keine Möglichkeit gab, die Mutter zu Hause aufzunehmen, dann ist das ja kein abschieben, sondern eher die evtl. einzige Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Vielleicht musst du auch lernen, die Sache mit Abstand zu betrachten: zieh dir diesen Schuh nicht an!
Ich habe eine Zeit lang in einem Altenheim gearbeitet (im sozialen Bereich) und natürlich kenne ich diese Einstellung bei alten Leuten. Bei vielen hat sich die Einstellung mit der Zeit geändert, als sie gemerkt haben: ich werde gar nicht abgeschoben, denn man (meine Kinder) kümmert sich ja weiter um mich.
Ich würde mich an deiner Stelle mal an die Sozialarbeiter in dem Altenheim wenden. Vielleicht können sie ein wenig zwischen euch vermitteln.
Je länger du wartest, den ersten Schritt zu machen, desto schlimmer wird es für dich: ich meine damit: desto schwieriger wird es dir fallen, sie zu besuchen.
Viel Erfolg wünscht
Shannon
Danke Shannon! Aber das Wort „Abschieben“ kommt ja nicht von mir, sondern v. meiner Mutter. Wir (mein Bruder, Schwägerin und ich) besuchen sie abwechselnd, damit sie immer wieder Besuch hat. Und diese Vorwürfe macht sie auch nur mir. Ich weiß, ich soll jetzt nichts persönlich nehmen, aber es setzt mir wirklich sehr zu.
Hallo pulga
Ich stimme Shannon gerne zu, hätte aber noch das hier:
…ist nun seit kurzer Zeit in einem Heim und fühlt sich natürlich nicht wohl,
Sagt sie das selbst? Ist das wahr: „sie fühlt sich nicht wohl“, oder glaubst Du das?
Aber die Vorwürfe, die sie speziell mir - ihrer Tochter - macht,
Ob sie dir Vorwürfe macht oder nicht, ist wohl ihre Angelegenheit.
Mein Bruder und ich wollten sie ja nicht abschieben, aber zu Hause wäre es unmöglich mit ihr in ihrem Zustand.
Ob ihr sie dort unterbringt oder anderswo, das ist wohl Eure Angelegenheit.
Ich verstehe ja, daß sie unglücklich ist,
Ist das wahr: „sie ist unglücklich.“?
aber ich fürchte mich bereits vor jedem Besuch bei ihr, denn ich weiß, daß es dann bald (oder sofort) wieder losgeht mit den Vorhaltungen.
Kannst Du die Zukunft vorhersagen? Wessen Angelegenheit ist das, ob sie dir Vorhaltungen macht?
Einerseits möchte ich sie sehen, andererseits ist es natürlich dadurch ein Belastung für mich;
Das kannst du nur selbst sagen: schaffst Du es kräftemässig, oder reibt es dich auf?
Ist es dir die Mühe wert?
noch dazu, wo ich selber krank bin, was sie aber geflissentlich ignoriert. Krank ist nur sie und Punkt. Weil sie ist alt und alleine…
Das kenne ich von meiner Mutter: NIE fragt sie mich, wie es mir gehe, aber IMMER erzählt sie mir unaufgefordert, wie es ihr geht. Ist aber auch ihre Angelegenheit.
Ich bin aber auch alleine, nicht nur krank, aber ich habe kein Selbstmitleid, so wie meine Mutter.
Die Liebe zur Mutter ist ja gut und schön, aber die Selbstliebe brauchen wir schon ebenso.
Wie kann ich nur am Besten mit der Situation fertigwerden, ohne meine Mutter zu kränken und ohne Selbstvorwürfe zu haben?
* das auseinander halten, was da wessen Angelegenheit ist.
* sich fragen, ob das wahr ist, was sie sagt. sie sagt wohl oft
Sachen, die sie selbst für wahr hält.
* sich fragen, ob das wahr ist, was du von ihr glaubst, z.B. „sie ist unglücklich.“
oder „wir haben sie abgeschoben“.
alles Gute!
Martin B
Hallo,
ich denke, Schonungsdenken tut eurer Beziehung nicht gut, weil es die „Opfer-Täter“-Rollen nur vertieft, wenn du vermeidest, deine Empfindungen klar auszusprechen. Damit verstärkst du bei dir selbst das Gefühl, das „Abschieben“ ins Heim sei schon schlimm genug für deine Mutter, und nun dürftest du ihr nicht noch mehr „zumuten“. Deine Mutter wird mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder den Finger in die Wunde legen.
Mein Tipp: Fahr möglichst bald hin und sprich aus, was dich bewegt. Sag’ ihr, dass ihr beide es nicht leicht habt, und dass es schade wäre, die gemeinsame Zeit, die euch noch bleibt, mit Vorwürfen zu vergeuden.
Vielleicht sagst du ihr auch, dass du verstehst, dass sie unglücklich ist. Frag’ sie, wie sie es sich konkret vorgestellt hätte, wenn sie nicht ins Heim gekommen wäre und bestehe darauf, dass sie das wirklich in aller Konsequenz durchdenkt. Sag’ ihr, wenn nötig, was das unter Umständen für dich bedeutet hätte, und dass du das nicht gepackt hättest.
Lass’ sie wissen, dass du sie liebst und sie gerne besuchen kommst. Aber mach’ ihr auch klar, dass sie das zerstört, wenn sie dich ständig nur angreift, Frag’ sie, ob sie möchte, dass du nur aus Pflichtbewusstsein zu ihr kommst, oder ob sie es nicht auch viel schöner fände, wenn sie wüsste, dass du sie gerne besuchst und dich auf die gemeinsame Zeit mit ihr freust.
Den Rest muss die Zeit erledigen. Mit zunehmender Gewöhnung wird sie sich sicher besser in die Situation finden.
Schöne Grüße,
Jule
Hallo Jule,
im Großen und Ganzen sehe ich es so wie du.
Nur in 2 Punkten möchte ich gerne nachhaken.
Vielleicht sagst du ihr auch, dass du verstehst, dass sie unglücklich ist:
Ich weiß nicht, ob man das machen sollte. Man verstärkt ja dadurch das Unglücklichkeits-Gefühl: wenn andere mir bestätigen, wie dreckig es mir geht, geht es mir gleich ein wenig dreckiger.
Ich meine, klar ist der Umzug in ein Altenheim ein großer Einschnitt in das Leben: es ist wahrscheinlich der letzte Umzug. Ich führe auch öfter mal Diskussionen mit anderen, die automatisch sagen: ich möchte nicht ins Heim abgeschoben werden. Man muss sich aber doch mal mit der Realität vertraut machen, dass wir nicht von Foltereinrichtungen sprechen, sondern von Häusern, die auf das Leben der Alten eingerichtet sind (ich spreche mal nciht von den schwarzen Schafen).
Insofern würde ich sie schon - wie du auch schreibst - dazu bringen, dass sie genau durchdenkt, welche Nachteile sie u.U. hätte, wäre sie nicht ins altenheim gekommen. Aber ich würde ihr nicht sagen, dass auch ich denke, sie sei unglücklich.
Frag’ sie, ob sie möchte, dass du nur aus Pflichtbewusstsein zu ihr kommst, oder ob sie es nicht auch viel schöner fände, wenn sie wüsste, dass du sie gerne besuchst und dich auf die gemeinsame Zeit mit ihr freust.
Ich mag hier ein wenig mit der rosaroten Brille gucken, das gebe ich gerne zu. Ich persönlich empfinde das allerdings als eine Art Erpressung: solange du mich nicht volljammerst und mir Vorwürfe machst, komm ich gerne zu dir.
Ich plädiere ja in allen möglichen Brettern dafür, dass man offen miteinander reden soll. Viele Konflikte werden dadurch vermieden. Und so ähnlich schreibst du ja auch: Reell über die Situation sprechen. Natürlich gehört dazu auch, dass die UP als Tochter ihre Situation anspricht!
Aber für die Zukunft wäre doch genau das auch ein wünschenswertes Ziel. Miteinander reden und nciht das Gefühl geben, dass man für Sorgen und Nöte nicht auch ein offenes Ohr hat?
Schöne Neujahrs-Grüße
Shannon
Hallo Shannon,
Ich weiß nicht, ob man das machen sollte. Man verstärkt ja dadurch das Unglücklichkeits-Gefühl
Das Risiko besteht natürlich. Dennoch habe ich in Konfliktsituationen oft erlebt, dass es eigentlich nur darauf ankam, vom anderen „gehört“ zu werden. Solange dieser immer abwiegelte/ ablenkte wurde der Konflikt aufrechterhalten, erst mit dem Augenblick des Wahr- (und damit Ernstgenommenwerdens) konnte er sich auflösen.
Ich persönlich empfinde das allerdings als eine Art Erpressung: solange du mich nicht volljammerst und mir Vorwürfe machst, komm ich gerne zu dir.
Das mag man so verstehen. Ich sehe darin eher eine Übertragung der Mitverantwortung an der Beziehungsgestaltung. Wenn einer alles darf, weil er sich im Recht fühlt, kann eine Beziehung nicht funktionieren. Die Alternative wäre, es eben hinzunehmen und sich weiterhin für etwas bestrafen zu lassen, was man nicht böswillig verschuldet hat. Das mag durchaus einfacher sein, als dem anderen Grenzen zu zeigen
.
Schöne Grüße,
Jule
Vielleicht sagst du ihr auch, dass du verstehst, dass sie unglücklich ist:
Ich weiß nicht, ob man das machen sollte. Man verstärkt ja
dadurch das Unglücklichkeits-Gefühl: wenn andere mir
bestätigen, wie dreckig es mir geht, geht es mir gleich ein
wenig dreckiger.
Vielleicht kann man ihr einfach sagen:
" Mama ich sehe, dass du nicht glücklich bist."
Das sagt nur, dass man es bemerkt hat. Noch überhaupt nichts ob das auch „gerechtfertigt“ ist oder nicht.
Gruß Jenny
Hallo Pulga,
Ja, vielleicht kann mir jetzt irgendwer einen Rat geben! Das
Problem ist: meine Mutter - 84 - seit 16 Monaten Witwe, ist
nun seit kurzer Zeit in einem Heim und fühlt sich natürlich
nicht wohl, obwohl das Heim sehr gut ist.
Wie lange ist denn „seit kurzer Zeit“? Der Eingewöhnungsprozeß in ein Heim dauert bis zu einem Jahr. Was tut das Heim um Deiner Mutter die Eingewöhnung zu erleichtern? Hast Du schon mit Mitarbeitern gesprochen, wie die sie erleben und wie sie sich denen gegenüber äußert? Manchmal ist das nämlich sehr unterschiedlich. Welche Anforderungen hätte Deine Mutter an ein Heim? Gibt es eine außenstehende Person, also weder Verwandte noch Heimmitarbeiter, bei denen sie ihr Herz ausschütten kann (Pfarrer, Krankengymnastin, die von außen kommt …).
Aber die Vorwürfe,
die sie speziell mir - ihrer Tochter - macht, hat es auch
schon vorher gegeben.
Ihren Charakter nimmt sie in ein Heim natürlich mit. Dennoch kann auch ein nach gängigen Maßstäben gutes Heim eines sein, das für Deine Mutter nicht gut ist. Allerdings würde ich da noch etwas abwarten, wenn sie erst „seit kurzem“ dort lebt.
Mein Bruder und ich wollten sie ja nicht
abschieben, aber zu Hause wäre es unmöglich mit ihr in ihrem
Zustand.
Wenn Du einen Umzug in ein Heim als „Abschieben“ bezeichnest, dann ist das möglichwerweise eine schwache Stelle bei Dir, um die Deine Mutter weiß.
Ich verstehe ja, daß sie unglücklich ist, aber ich
fürchte mich bereits vor jedem Besuch bei ihr, denn ich weiß,
daß es dann bald (oder sofort) wieder losgeht mit den
Vorhaltungen.
Weiß Deine Mutter das? Hast Du Ihr mitgeteilt, wie Du Dich dabei fühlst? Laß ihr Zeit um sich über konkrete Dinge zu beklagen, aber begrenze sie. Laß keinerlei persönliche Diffamierungen und Beleidigungen zu.
Einerseits möchte ich sie sehen, andererseits
ist es natürlich dadurch ein Belastung für mich; noch dazu, wo
ich selber krank bin, was sie aber geflissentlich ignoriert.
Das eigene Leid ist ihr erst einmal näher.
Krank ist nur sie und Punkt. Weil sie ist alt und alleine…
Ich bin aber auch alleine, nicht nur krank, aber ich habe kein
Selbstmitleid, so wie meine Mutter. Wie kann ich nur am Besten
mit der Situation fertigwerden, ohne meine Mutter zu kränken
und ohne Selbstvorwürfe zu haben?
Du könntest in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige gehen, denn dieses Problem hast Du nicht alleine.
Wenn Deine Mutter Punkte benennt, warum sie mit dem Heim unzufrieden ist und was sie sich anders vorstellt und wenn dies ihre Lebensqualität beeinträchtigt, dann wäre zu überlegen, ob ein anderes Haus eine bessere Wohnform ist.
Viele Grüße
Iris
Hallo!
Möchte auf einen denkbaren Aspekt hinweisen, den man durch die enge emotionale Bindung nicht sofort realisiert, aber vielleicht in einer „kühlen“ Minute bedenken sollte: Demenz. Dazu gibt es typische Anzeichen, die aber von anderen leichter wahrgenommen werden. mfG
Guten Morgen Jule,
ja, es ist schon wichtig, jemandem zu zeigen, dass man ihn mit seinen Problemen versteht. Ich finde den Vorschlag von Jenny da ganz gut.
Wenn einer alles darf, weil er sich im Recht fühlt, kann eine Beziehung nicht funktionieren. Die Alternative wäre, es eben hinzunehmen und sich weiterhin für etwas bestrafen zu lassen, was man nicht böswillig verschuldet hat. Das mag durchaus einfacher sein, als dem anderen Grenzen zu zeigen
.:
Hm, so meinte ich es nicht: ich meine damit nicht, dass man sich einfach alles weiter gefallen lässt. Aber es geht ja auch anders, als dass man jemanden unter Druck setzt, bzw. ihn erpresst (was es meiner Meinung nach ist). Man kann ja „ganz einfach“ (wobei das leicht gesagt ist, wenn man von einer 83jährigen Mutter ausgeht. Die Beziehung besteht ja doch schon etwas länger und alte Gewohnheiten lassen sich eh nicht leicht/ von heute auf morgen ändern) auf seinem Standpunkt bestehen: dass die Vorhaltungen haltlos sind und man sie nicht akzeptieren wird.
In dem Altenheim, in dem ich gearbeitet habe, wurden diese Gespräche zusammen mit einem Sozialarbeiter geführt (oft war auch die Heimleitung dabei). Dadurch wurde es nicht ganz so emotional - man unterhielt sich auf einer einigermaßen sachlichen Ebene, in der es auch einfacher war, dass sachliche Argumente aufgenommen wurden und nicht einfach eine Seite in ihrem „Jammern“ oder Unglücklichsein verharrt.
Gruß nochmal,
Shannon
Hallo, ich möchte Euch allen für die rasche und kompetente Hilfe danken!
War gestern im Heim bei meiner Mutter über zweieinhalb Stunden und es lief letztendlich harmonisch (bis auf kleine Einbrüche, die ich aber Dank Eurer Hilfe besser verkraftet habe)! Leider ist sie aber am Abend wieder ins Spital gekommen; ich bin daher jetzt doppelt froh darüber, daß ich mit ihr noch einige harmonische Stunden verbringen durfte. Das wäre ohne Eure guten Ratschläge sicher nicht möglich gewesen.
Fest steht, daß sie wirklich auch bereits demenzielle Anzeichen zeigt und auch keine Freude mehr am Leben hat.
Jedenfalls DANKE nochmals für eure Hilfe
Pulga