Ich war Teilnehmer in einer ähnlichen Situation - allerdings als Kind. Das liegt nun etwas länger als 10 Jahre zurück.
Aus dieser eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass eine solche Familiensituation für Kinder belastender ist als Erwachsene sich das von allein vorstellen können.
Ich weiß zwar nicht, wie alt eure Kinder sind, aber je jünger sie sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Unterbewusstsein aus solchen Situationen ein Schuldgefühl davonträgt, was im Extremfall lebenslang bleibt und lebenslang behindert (unter Umständen ernsthaft).
Anfeindungen, Streit und Aggressionen (auch unterschwellig!!) auf der Ebene, die ihr mittlerweile erreicht habt, in Gegenwart der Kinder müssen tabu sein.
Wenn es dazu kommt, dass der Damm in Familiensituationen wie Weihnachten bricht, kann das nur heißen, dass ihr schon viel zu lange auf Gespräche „unter Erwachsenen“ verzichtet habt (oder mit faulen Kompromissen abgebrochen habt) und sich nun buchstäblich zu viel Druck aufgestaut hat.
Wichtig ist auch, dass ihr in so einer Zeit wie ihr gerade erlebt, viel mit euren Kindern redet und euch auch wirklich Zeit nehmt dafür (das fällt bei dem ganzen Gerangel mit sich selbst und um den anderen evtl. schnell und oft unter den Tisch) und dass ihr ihnen immer wieder direkt und indirekt vermittelt, dass sie nicht an eurem Problem Schuld sind.
Zu der Angelegenheit „unter Erwachsenen“ empfehle ich Folgendes:
Wenn du deine Frau vor eine Entscheidung stellst, bringt das eventuell für eure Beziehung weniger als wenn du ihr die Zeit lässt, selbst zu einer Entscheidung zu kommen.
Allerdings trifft das nur zu, wenn sie sich am Ende für dich entscheidet, und das ist natürlich das, was das Ganze so schwierig macht.
Jedenfalls rate ich deshalb noch zu ein wenig Geduld, falls das Problem erst seit kurzem besteht, aber auch dazu, dass du Grenzen setzt. Und zwar für dich und sie.
Dein Leben darf nicht zur Hölle werden bloß weil sie eine Romanze braucht.
Akzeptiere und kommuniziere deine Gefühle und versuche nicht, sie über lange Zeiträume zu „rationalisieren“ bzw. zu bekämpfen in der Weise „Ich muss hier tolerant sein, denn wir haben das vereinbart.“
Werde dir klar darüber, ob du um sie kämpfen willst, und wenn ja: Tu es.
Berücksichtige dabei, dass es sich schon allein um der Kinder wegen lohnen kann. Andererseits kann es um der Kinder wegen auch genau das Falsche sein.
Besprich genau dieses Dilemma (bzw. dass du im Vorhinein nicht wissen kannst, was richtig ist) mit deiner Frau und mache ihr klar, dass du an einer schnellen Entscheidung interessiert bist, ohne sie erzwingen zu wollen.
Solange sie sich nicht entschieden hat, soll sie sich aber wenigstens so weit zusammenreißen, dass ihre Abenteuer nicht das Familienleben mit den Kindern stören.
Gefühle auszudrücken, ist unheimlich wichtig. Ansonsten kommt es nämlich zu Dammbrüchen wie ihr erlebt habt. Was ihr beide aber einsehen müsst, ist, dass es nicht zu jedem Zeitpunkt richtig ist, bestimmte Gefühle zu äußern oder auszuleben.
Wenn sie sich zum Beispiel dafür entschieden hat, Weihnachten mit euch zu verbringen, muss sie zu dieser Entscheidung stehen und kann nicht mittendrin anfangen mit „Ich hab mich gerade anders entschieden, auch wenn’s euch bedauerlicherweise den Abend versaut.“
Du musst von ihr nicht sofort die große Entscheidung verlangen aber unabdingbar ist, dass du genau diese kleinen Entscheidungen verlangst und vor allem auch verlangst, dass sie sie umsetzt - ohne Wenn und Aber.
Ansonsten lebt sie unvermeidbar auf deine Kosten und die eurer Kinder. Wenn sie das trotz unmissverständlicher Gespräche weiterhin auf sich nimmt, würde ich als Außenstehender mal sagen, dass ihr auch tief innen nicht mehr viel an euch gelegen sein kann. Dann würde ich an deiner Stelle ebenfalls Abschied nehmen.
Ich hoffe, dass es so weit nicht kommt. Jede Trennung ist tragisch. Wenn ich mit meinen Eltern spreche, höre ich auch immer wieder, dass sie das bessere Leben dadurch eigentlich auch nicht gefunden haben.
Also wünsche ich dir und ihr von ganzem Herzen, dass diese Krise euch wachsen lässt, eure Beziehung belebt und ihr irgendwann vielleicht mal wieder miteinander Schmetterlinge im Bauch habt.
Herliche Grüße,
Torsten
PS: Arbeite unbedingt auch an dir. Jedes Problem hat mindestens zwei Seiten.
Versuche vor allem herauszufinden, wo du (vielleicht auch unbewusst oder unterschwellig) provozierst. Das ist meiner Erfahrung nach der beste Anfang.