Wie gehe ich damit um ?

Seit einigen Wochen hat meine Frau eine Beziehung. Nach einigen heimlich Treffen kam es nach heftiger Aussprache zu dem Ergebnis, dass wir versuchen wollen, dem anderen „Beziehungen“ auch dieser Art zuzugestehen und „offen“ zu sagen, wenn man zu einem Date fährt. Dann „piekt“ mich zwar die Eifersucht auch, aber das Gefühl ist nicht ganz so schlecht wie bei Heimlichkeiten, Hintergehen.

Heiligabend ab 21.00 Uhr hat der Freund gegonnen SMS an meine Frau zu senden, die sie auch beantwortete. Dazu verließ sie das Wohnzimmer in dem wir mit unseren Kindern saßen und redeten. Als die zweite SMS eintraf meinte meine Frau, sie wisse auch, was sie jetzt lieber täte (als SMS beantworten, nämlich mit ihrem Freund chatten oder diesen treffen) Nach dem zweiten SMS-Hin und Her habe ich meine Frau angesprochen, das bitte an diesem Tag nicht fortzuführen, zumal sie den Kindern verboten hatte (Familienfest!!!) zu telefonieren.

Letztlich ist aus dem Abend eine Katastrophe geworden. Ein Wort gab das andere, alle Wut ist bei uns herausgebrochen und Weihnachten können wir knicken.

Hallo Gunter,

wie Du damit umgehen sollst, mußt Du entscheiden, denn das sind Entscheidungen, die Dir niemand vorschreiben oder anraten kann. Es geht um Gefühle und vorallem um Empfindlichkeiten, die nur Du kennst. Ich denke, dass hier keiner ein Recht auf Wertung (böse Frau, untoleranter Gunter …) hat.

Ein Vorteil für Dich ist, so sehe ich das, dass Du von der Beziehung Deiner Frau weißt, so dass Du Dich wenigstens gedanklich damit auseinandersetzen kannst. Die Schwierigkeit für Dich sind vorallem Deine Gefühle (so lese ich das in Deinem posting). Da ist wohl die Eifersucht - was hat der andere was ihn so attraktiv macht, die Kränkung, dass Deine Frau für so eine Beziehung zugänglich ist, ein wenig Verzweiflung? - wie soll es weitergehen, wohin wird das enden… und wohl noch einiges mehr.

Es imponiert mir, dass Du darüber mit Deiner Frau reden konntest. Und dass Dir die Situation nicht leicht fällt, kann ich mir gut vorstellen.
Es würde mich sehr kränken, wenn mein Mann mit seiner Geliebten in meinem Beisein kommunizieren würde (egal ob Weihnachten oder die Kinder dabei sind oder wo und wann auch immer).
Schließlich nimmt Deine Frau ein ganzes Stück Privatleben für sich in Anspruch, das Dich ausschließt, und da sollte sie das auch räumlich einhalten. So könnte der Eindruck aufkommen, dass Du seine Existenz mehr als billigst. Und das tut Du nicht, denn Du kannst Dir ja schließlich Deine negativen Gefühle nicht aus den Rippen schwitzen. Diese Gefühle gilt es Dir ehrenhalber zu respektieren. Oder anders gesagt, wenn Du Eifersucht und Kränkung empfindest, sollte niemand (einschließlich Du selbst) sie ignorieren.
Wahrscheinlich tut Ihr Euch beide mit der Situation nicht so leicht (wer hat schon darin Übung), so dass es immer wieder zu Streits kommen wird.
Ich würde mich nach heftigen Auseinandersetzungen darum bemühen, dass hinterher sowohl ein Friedensgespräch zustande kommt - nicht zuletzt der Kinder wegen. Denn wenn nur bösen Worten freien Lauf gelassen wird, dann schaukeln sich Abneigungen hoch, unter der Außenstehende wie Kinder leiden, und das Ende Eurer Beziehung zeichnet sich vorzeitig ab, was im Vorfeld vielleicht verhinderbar gewesen wäre.
Als auch würde ich an Deiner Stelle Forderungen stellen (z.B. keine SMS in Deiner Gegenwart und in der Gegenwart der Kinder) und Gefühle nicht unausgesprochen lassen, also, wenn die Handysenderei Dir stinkt, dann läßt sich das nicht argumentativ vom Tisch fegen. Denn wahrscheinlich wird wohl immer wieder vergleichbare ungute Situationen wie die SMS-Schickerei geben.

Vielleicht läßt sich Deine Frau darauf ein, dass sie in der Weihnachtszeit oder gar in der Ferienzeit der Kinder sich ein wenig mit ihren Gesprächen mit ihrem „Freund“ zurückhält, vielleicht sogar ruhen läßt - aus Respekt vor ihrer Familie, vielleicht?
Nein, was Du gerne möchtest und was nicht, mußt Du selber herausfinden. Und dazu wünsche ich Dir viel Kraft, Optimismus und innere Haltung.

viele Grüße
Claudia

Hallo Gunter,

Claudia hat Dir ja schon allerhand geschrieben. Als ich Dein Posting gestern las erinnerte ich mich an den faulen Kompromiss, den ich aus Liebe einging:

einigen heimlich Treffen kam es nach heftiger Aussprache zu
dem Ergebnis, dass wir versuchen wollen, dem anderen
„Beziehungen“ auch dieser Art zuzugestehen und „offen“ zu
sagen, wenn man zu einem Date fährt.

Eine heftige Aussprache? Wer ist man? Du auch? Ich habe es seinerzeit ähnlich handhaben wollen. Leider ging das in die Hose. Kann sie nicht anders? Braucht sie ihren Lover so sehr, daß sie es nicht übers Herz bringen würde, mit ihm Schluß zu machen? Wenn sie diese Fragen mit ja beantwortet, dann vermisst sie Deine Nähe wohl schon lange. Aufmerksamkeit, Wohlgefühl, Gespräche…
Die Lösung ist nicht, sich jetzt jeweils auswärtig zu vergnügen, sondern entweder wieder zueinander zu finden oder sich zu trennen. Auch für die Kinder. Wenn ihr die Schmetterlinge im Bauch wichtiger sind, dann habt Ihr fertig :o).

Es tut weh. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Du wirst immer wieder damit konfrontiert, Deine Eifersucht steigert sich und du mußt Dich jedesmal bemühen, nicht Deine Haltung zu verlieren. Ich kann davon ein Lied singen, Gunter.

Falls sie sich aber zu einem nein durchringt, hat Eure Liebe eine neue Chance. Nutzt diese intensiv!

Das ist meine Meinung.

Falls Du jemanden zum mailen benutzen möchtest, kannst Du das gern tun ;o).

Klartext!
Hi Gunter,

In einer Zweierbeziehung hat kein Dritter etwas zu suchen, außer dies ist so zwischen den Partner abgemacht. Nur scheint mir das bei euch nicht so zu sein. Zumindest bei dir nicht!?

Nimm dich und deine Gefühle ernst, nimm deine Frau ernst und sorge dafür, daß Klarheit in deine Beziehung und damit auch in deine Familie kommt. Mach deine Position klar und sage deiner Frau, wo es für dich lang geht, damit auch sie sich entscheiden kann.

Es könnte sein, daß du Schwierigkeiten damit hast, klar Position zu beziehen, deine Meinung zu sagen und deine Bedürfnisse anzumelden und einzufordern. Vielleicht ist dies der Moment deine Haltung zu überdenken und gegebenfalls dir Hilfe zu holen. Dein Posting hier könnte ja ein Anfang sein.

MfG Harald

Hallo,
bereits die Option des weiter-zusammenlebens würde mein Maß an
Toleranz übersteigen. Da sind zwar die Kinder aber was bringt
das, wenn sie in einer Atmosphäre aus gegenseitiger Abneigung
aufwachsen. Ich bezweifle auch, daß Du durch dieses tolerante
Verhalten Deine Frau zurückgewinnen kannst (falls Du das über-
haupt willst), schmeiß Sie raus - das zeigt wenigstens, daß
Du mit der Situation absolut nicht klarkommst und zwingt Sie
sich zu entscheiden.

Gruss
Enno

ich kann dir nur vollkommen rechtgeben - ich würde das auch so machen. allerdings muß man sich auch die frage stellen, wieso es zu dieser affäre kommen konnte. ist er ihr nicht mehr interessant genug? langweilig? oder hat er lange nicht mehr dafür gesorgt, daß sie einen ausgeglichenen hormonhaushalt hat /:smile:/ ?außerdem sollte der frau auch von vornherein klar sein, was sie von ihm zu erwarten hat.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Danke für den Rat …
… Auch wenn die Meinungen z. Tl. erheblich auseinander gehen, finde ich in Euren Postings viele Denkanstösse für mich. Als wir am zweiten Weihnachtstag Zeit zum Reden hatten, haben sich die Wogen geglättet. Wir gehen offener miteinander um, so dass Auseinandersetzungen wohl zwangsläufig emotionaler geführt werden. Tatsache ist, wir reden wieder mehr miteinander, uns liegt offensichtlich viel am jeweils anderen und deshalb streiten wir uns vielleicht auch häufiger. Ggf. halte ich Euch auf dem Laufenden …

Ich war Teilnehmer in einer ähnlichen Situation - allerdings als Kind. Das liegt nun etwas länger als 10 Jahre zurück.

Aus dieser eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass eine solche Familiensituation für Kinder belastender ist als Erwachsene sich das von allein vorstellen können.
Ich weiß zwar nicht, wie alt eure Kinder sind, aber je jünger sie sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Unterbewusstsein aus solchen Situationen ein Schuldgefühl davonträgt, was im Extremfall lebenslang bleibt und lebenslang behindert (unter Umständen ernsthaft).
Anfeindungen, Streit und Aggressionen (auch unterschwellig!!) auf der Ebene, die ihr mittlerweile erreicht habt, in Gegenwart der Kinder müssen tabu sein.
Wenn es dazu kommt, dass der Damm in Familiensituationen wie Weihnachten bricht, kann das nur heißen, dass ihr schon viel zu lange auf Gespräche „unter Erwachsenen“ verzichtet habt (oder mit faulen Kompromissen abgebrochen habt) und sich nun buchstäblich zu viel Druck aufgestaut hat.
Wichtig ist auch, dass ihr in so einer Zeit wie ihr gerade erlebt, viel mit euren Kindern redet und euch auch wirklich Zeit nehmt dafür (das fällt bei dem ganzen Gerangel mit sich selbst und um den anderen evtl. schnell und oft unter den Tisch) und dass ihr ihnen immer wieder direkt und indirekt vermittelt, dass sie nicht an eurem Problem Schuld sind.

Zu der Angelegenheit „unter Erwachsenen“ empfehle ich Folgendes:
Wenn du deine Frau vor eine Entscheidung stellst, bringt das eventuell für eure Beziehung weniger als wenn du ihr die Zeit lässt, selbst zu einer Entscheidung zu kommen.
Allerdings trifft das nur zu, wenn sie sich am Ende für dich entscheidet, und das ist natürlich das, was das Ganze so schwierig macht.
Jedenfalls rate ich deshalb noch zu ein wenig Geduld, falls das Problem erst seit kurzem besteht, aber auch dazu, dass du Grenzen setzt. Und zwar für dich und sie.
Dein Leben darf nicht zur Hölle werden bloß weil sie eine Romanze braucht.
Akzeptiere und kommuniziere deine Gefühle und versuche nicht, sie über lange Zeiträume zu „rationalisieren“ bzw. zu bekämpfen in der Weise „Ich muss hier tolerant sein, denn wir haben das vereinbart.“
Werde dir klar darüber, ob du um sie kämpfen willst, und wenn ja: Tu es.
Berücksichtige dabei, dass es sich schon allein um der Kinder wegen lohnen kann. Andererseits kann es um der Kinder wegen auch genau das Falsche sein.
Besprich genau dieses Dilemma (bzw. dass du im Vorhinein nicht wissen kannst, was richtig ist) mit deiner Frau und mache ihr klar, dass du an einer schnellen Entscheidung interessiert bist, ohne sie erzwingen zu wollen.
Solange sie sich nicht entschieden hat, soll sie sich aber wenigstens so weit zusammenreißen, dass ihre Abenteuer nicht das Familienleben mit den Kindern stören.

Gefühle auszudrücken, ist unheimlich wichtig. Ansonsten kommt es nämlich zu Dammbrüchen wie ihr erlebt habt. Was ihr beide aber einsehen müsst, ist, dass es nicht zu jedem Zeitpunkt richtig ist, bestimmte Gefühle zu äußern oder auszuleben.
Wenn sie sich zum Beispiel dafür entschieden hat, Weihnachten mit euch zu verbringen, muss sie zu dieser Entscheidung stehen und kann nicht mittendrin anfangen mit „Ich hab mich gerade anders entschieden, auch wenn’s euch bedauerlicherweise den Abend versaut.“
Du musst von ihr nicht sofort die große Entscheidung verlangen aber unabdingbar ist, dass du genau diese kleinen Entscheidungen verlangst und vor allem auch verlangst, dass sie sie umsetzt - ohne Wenn und Aber.

Ansonsten lebt sie unvermeidbar auf deine Kosten und die eurer Kinder. Wenn sie das trotz unmissverständlicher Gespräche weiterhin auf sich nimmt, würde ich als Außenstehender mal sagen, dass ihr auch tief innen nicht mehr viel an euch gelegen sein kann. Dann würde ich an deiner Stelle ebenfalls Abschied nehmen.

Ich hoffe, dass es so weit nicht kommt. Jede Trennung ist tragisch. Wenn ich mit meinen Eltern spreche, höre ich auch immer wieder, dass sie das bessere Leben dadurch eigentlich auch nicht gefunden haben.
Also wünsche ich dir und ihr von ganzem Herzen, dass diese Krise euch wachsen lässt, eure Beziehung belebt und ihr irgendwann vielleicht mal wieder miteinander Schmetterlinge im Bauch habt.

Herliche Grüße,
Torsten

PS: Arbeite unbedingt auch an dir. Jedes Problem hat mindestens zwei Seiten.
Versuche vor allem herauszufinden, wo du (vielleicht auch unbewusst oder unterschwellig) provozierst. Das ist meiner Erfahrung nach der beste Anfang.