Wie gehe ich mit einem Zeugen Jehowas um?

Hallo Rudi,

als nur ein Beispiel: Tabuthema Ende der
Missionierung - einige Zeit nach
Beendigung der Besuche bin ich umgezogen,
und rate mal, wer bald zu Besuch kam -
natürlich eine andere Person.

Ich: Ich bin nicht missionierbar, …Zeit
um… Fragen Sie nach…

Er: Das gibt es bei uns nicht…wir reden
mit jedem Menschen… etc.

(das war das letzte Mal, dass ich ihn
oder jemand anderen von den Zeugen an
diesem Wohnort zu Gesicht / Besuch
bekam…)

Wenn Du das nicht bestätigen kannst, dann
besteht die leise Möglichkeit, dass Du
noch nicht auf solchen
Missionierungsbesuchen mit unterwegs
warst???

Oooh doch!
Vieles läßt sich ganz einfach verstehen, wenn man die Hintergründe kennt.

Um alle Menschen gleichmäßig zu erreichen, wird ein Gebiet immer nur einem Z.J. zugordnet. Die Häufigkeit der Besuche hängt stark von der Zeit ab, die dieser Z.J. opfern kann. Außerdem trifft man die Leute unterschiedlich häufig an
Eine Rentnerin wird an dem einen Ort alle paar Monate besucht, während ein berufsttätige Single an einem anderen Ort scheinbar noch nie einen Z.J. an der Tür hatte.
Wenn ein Z.J. jemanden angetroffen hat und abgewiesen wurde, wird er zunächst mal überall dort hingehen, wo er noch niemanden angetroffen hat.

Alle paar Jahre sollte der Z.J. sein Gebiet wechseln, damit die Menschen in dort mal ein anderes Gesicht zu sehen bekommen.

Mit deiner Antwort „nicht missionierbar“ hast du den Z.J. damals womöglich in Verwirrung gebracht. Denn generell gibt es keinen Begriff „nicht missionierbar“ bei den Z.J…
Die Hauptaufgabe des Predigtwerks besteht ja nicht darin neue Glaubensbrüder zu gewinnen, sondern allen Menschen die Botschaft Jesu vom Königreich zu bringen (Matthäus 24:14).
Daß die Mehrheit der Menschen nicht sonderlich begeistert sein wird, hat Jesus auch vorrausgesagt.
D.h. ein Mensch könnte allenfalls nicht informierbar sein, z.B. Kleinkind, Komapatient und weiteres.

Natürlich kann man einem Z.J. auch einfach sagen, daß man von ihm nicht mehr besucht werden möchte. Dann wird dieser Z.J. normalerweise auch nicht mehr kommen.

Zum Regelwerk und den teils SEHR harten
Sanktionierungen (Entzug der
Gemeinschaft, n.b.! besonders hart, wenn
man zu Nicht-Zeugen ohnehin keine
Kontakte pflegen darf und somit in dieser
Situation völlig allein auf Erden steht)
gabs nicht mal Ansätze von
Diskussionsbereitschaft

Wenn du am Wochenende in einer Innenstadt oder einem Einkaufszenrum unterwegs bist kannst du einfach mal einen Z.J. ansprechen.
Du wirst feststellen, daß die Meisten mit dir auch über kontroversen Themen diskutieren.
Bitte beachte dabei, daß Z.J. auch Menschen sind. Eine Eingangsbemerkung alá „Ihr bringt doch eure Kinder um“ kann dazu führen, daß der Rest der Unterhaltung etwas verkrampft ist.

Übrigens, niemand verbietet einem Z.J. Kontakt mit einem Nicht-Zeugen zu pflegen.

Was die „harten“ Sanktionen betrifft. Die härteste Sanktion ist der Gemeinschaftsentzug.
Woanders wird man so etwas einen Rauswurf nennen.

Dieses Verfahren ist zunächst einmal natürlich biblich begründet (1. Korinther Kapitel 5).

Bei einem Kaninchenzüchterverein oder einer Partei (siehe Weihrich ,CDU) würde man zunächst auch nicht fragen, ob ein Rauswurf nicht eine zu starke soziale Belastung darstellt, sondern warum jemand rausgeworfen wird.

Außerdem, wenn die Z.J. wirklich eine üble Sekte sind, wie Kritiker behaupten, dann müßte doch ein Rauswurf das Beste sein, was einem Mitglied passieren kann.

Wenn mehr interesse an bestimmten Themen besteht, können wir natürlich eine neue Artikelreihe aufmachen

Gruß
Carlos

Hallo Carlos,
anscheinend kennst Du dich mit den Z.J. aus.
Kannst Du mir erklären wo der Unterschied zwischen einen „normalen“ Christen und einem Zeugen Jehovas ist. Gibt es Bedingungen bei den Zeugen?
Gruss
Didi

Hallo Didi,

anscheinend kennst Du dich mit den Z.J.
aus.

Na klar, ich bin selbst einer. Don’t panic!
Wie du vielleicht bemerkt hast, bemühe ich mich die gestellten Fragen möglichst genau zu beantworten ohne abzuschweifen.

Kannst Du mir erklären wo der Unterschied
zwischen einen „normalen“ Christen und
einem Zeugen Jehovas ist.

Es gibt eine Große Zahl von von unterschiedlicher Christliche Religionsgemeinschaften (der Begriff Sekte möchte ich hier nicht verwenden, weil er mittlerweile stark negativ belegt ist).

Hauptmerkmal der Z.J. ist es, daß sie alle ihre Lehren ganz strikt nur aus der Bibel gemäß Kanon ohne die Apokryphen beziehen.

Zwar beziehen sich alle christlichen Glaubensgemeinschaften auf die Bibel, aber ein großer und wichtiger Teil der Lehren sind nicht biblichen Ursprungs, z.B;

  • die unsterbliche Seele
  • Feuerhölle in der obige gequält wird
  • Anbetung von Heiligen oder Jungfrau Maria
  • Dreieinigkeit
  • usw.

Der Endzeitglaube spielt eine wichtige Rolle. Z.J. glauben, daß zu einem unbekannten Zeitpunkt Gott auf der Erde eingreift um sie zu reinigen (Das Ende ist nah *g*). Die Menschen, die sich weigern nach nach Gottes Bedingungen zu leben sterben dann. Danach wird die Erde in einem Zeitraum von Tausend Jahren (daher kommt ursprünglich der Begriff Millenium) zu einem Paradies umgewandelt.

Z.J. nehmen ihren Glauben meistens sehr ernst. Während ein Großteil der Mitglieder der großen Kirchen diese höchstens an Feiertagen besuchen, sind die meisten Z.J. sehr engagiert.

Gibt es Bedingungen bei den Zeugen?

Jain. Die Versammlungen der Z.J. kann ohne Einschränkung jeder besuchen.
Wenn man sich aber taufen lassen will, muß man zunächst ein Bibelstudium durchführen und unchristliche Gewohnheiten in seinem Lebenswandel ablegen.

Beispielsweise ist kein außerehelicher Sex oder der Dienst mit Waffe gestattet.

Es gibt eine Reihe von Verhaltensweisen, die von Z.J. als unchristlich bezeichnet werden, während die Mehrzahl der Mitglieder anderer Konfessionen sie moralisch für unbedenklich halten (z.B. Nationalismus).
Deshalb gelten Z.J. im allgemeinen als Fanatiker, die mit besonders Strenge Regeln leben.

Gruss
Carlos

Hallo, schon wieder…
Danke für die prompte Antwort.
Vielleicht kannst Du mir noch einige Fragen beantworten, hat aber Zeit, keine Eile.
Welche Bedeutung messen die Z.J. Jesus zu?
Du sprichst von unchristlichem Verhalten, wer legt „eindeutig“ fest, was unchristlich ist?
Gelingt es „selbst“ den Lebenswandel zu ändern oder braucht es Einwirkung von Aussen?
Soweit erst einmal.
Gruss Didi

Die Frage wird in einem neuen Artikel beantwortet.

Wenn er wirklich kollegial ist und bleiben will, sollte er dich nicht mit seinem Glauben belästigen.
Du belästigst doch ihn auch nicht (hoffe ich jedenfalls).

Es ist eine Sache des Anstands Menschen in seinem Umfeld nicht mit Dingen zu belästigen, die das miteinander negativ beeinflussen.

Das wäre in dem Fall gegeben, wenn er dir versucht seinen Glauben aufzudrängen, wenn du kein Interesse daran hast.

Sollte er das nicht merken, weise ihn nett darauf hin.
Sollte er es nicht verstehen, weise ihn unnett darauf hin.

Ganz einfach, oder ?

Winfried

dir möchte ich nur mitteilen das Zeugen
Jehovas sicherlich kein negatives
Weltbild haben sondern uns nur daran
halten was in der heiligen Schrift
geschrieben steht und im Gegensatz zu
anderen Relegionsgemeinschaften auch
danach handeln.

Naja, es geht ja wohl bei den Zeugen Jehovas wohl auch nicht um das Weltbild, was sie vermitteln.
Wer sich mit Religion und Geschichte auskennt wird sicher etwas gut finden, was über/mit Jehova zu tun hat.
Es geht hier eher darum, das die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas den Glauben nutzen um geistige Sklaven in Abhängigkeit zu bilden.
Wobei ich noch sagen muß das viele Leute in dieser Abhängigkeit sehr glücklich zu sein scheinen und so gönne ich den Leuten das.
Aber ich würde gerne ein freidenkender Mensch bleiben, der aus freien Willen und eigener Meinung etwas sagt oder denkt und keine einprogrammierten Gedankenmuster wiedergibt.
Ich hoffe ich verletze deine Gefühle nicht (deinem Text nach bist du Zeuge Jehovas) aber ein Leben unter anderen Menschen heisst auch verschiedene Meinungen zu hören und zu akzeptieren, auch wenn es manchmal lästig ist oder sich unangenehm anhört.
Oder?

Winfried

Hallo Winfried,

ich bin ein Zeuge Jehovahs.

Es geht hier eher darum, das die
Gemeinschaft der Zeugen Jehovas den
Glauben nutzen um geistige Sklaven in
Abhängigkeit zu bilden.

Aber ich würde gerne ein freidenkender
Mensch bleiben, der aus freien Willen und
eigener Meinung etwas sagt oder denkt und
keine einprogrammierten Gedankenmuster
wiedergibt.

Gemäß dieser Aussagen müssen Z.J. als unzurechnungsfähig gelten. Ein Z.J. kann deswegen nicht für voll genommen werden.
Konsequenterweise müßte man den einzelnen Z.J. medizinisch-psychologisch behandeln (z.B. Deprogrammierung), selbst wenn er sich scheinbar wohl fühlt. Denn schließlich neigen Z.J. dazu sich selbst zu schaden. Oder?

Im 19ten Jahrhundert konnte man in einem deutschen Lexikon nachlesen, daß der Sozialismus eine Form von Geisteskrankheit ist. Nach heutigen Maßstäben war dies eine lächerliche Form der Diskreditisierung.
Aber dennoch ließen sich damals Personen finden, die diese Behauptung bestätigten.

Nun möchte ich den den Ball an dich weiterreichen.

Kannst du deine obige Behauptung beweisen?
Bist du nach eigenem Erforschen zu dieser Erkenntnis gelangt, oder hast du unkritisch die Aussagen aus dritter Hand übernommen?

Ich hoffe ich verletze deine Gefühle
nicht (deinem Text nach bist du Zeuge
Jehovas) aber ein Leben unter anderen
Menschen heisst auch verschiedene
Meinungen zu hören und zu akzeptieren,
auch wenn es manchmal lästig ist oder
sich unangenehm anhört.
Oder?

Wenn eine Meinung eine beleidigenden Charakter hat, wird man sie nicht akzeptieren. Man schluckt sie höchstens wortlos runter.
Aber heute möchte doch was dazu sagen.

Ich fühle mich von der obigen Behauptung deshalb getroffen, weil mein Beruf täglich von mir ein hohes Maß an geistiger Flexibilität verlangt.
Und nun kommt jemand daher und erklärt mich locker zu einem Halbidioten, der in bestimmten Themenbereichen sein Hirn ausschaltet.

Sieh dies nicht als eine Schelte an, sondern als provokativer Ansatz herzhaft zu diskutieren. :wink:

Gruß
Carlos