Guten Tag,wenn Menschen bei mir über ehemalige Freunde herziehen, dann habe ich das Gefühl, daß sie irgendwann auch über mich bei anderen schlecht reden werden. So gerade geschehen, wo ich es nicht erwartet hätte. Es sind Menschen, die viel Bewunderung brauchen, sich selbst ständig im guten Licht darstellen, auch zu mir über mich gut reden, aber das nehme ich denen nicht so ab. Sind das Narzissten? Kann es sein , daß ich ein Opfer für solche Menschen bin? Und wie geht man damit um?
bin etwa ratlos, und getroffen.
Für einen Tipp wäre ich sehr dankbar
vele Grüße Sigi
Hallo Sigi,
danke für deine Frage.
Die Beantwortung ist ziemlich komplex und leider habe ich ja auch kein Bild der genauen Situationen, aber ich versuche mal darauf einzugehen.
Wie Du sicher weißt, gibt es eine vielzahl verschiedener Charaktere die verschiedenste Wesenszüge haben.
Ein Mensch der einen gesunden Selbstwert verspürt, bzw. ein ehrliches Selbstvertauen hat, wird sicher nicht der jenige sein, der in deinem beschrieben Maße über andere herzieht. Dies hat oft den Hintergrund, dass die Menschen die lästern oder schlecht über andere reden versuchen, sich damit anderen gegenüber zu profilieren, von eigenen Schwächen abzulenken, oder sich in den Vordergrund zu stellen, wie Du ja selbst auch schreibst. Das diese mit den jeweiligen Gesprächspartnern eher löblich sprechen, hat meiner Meinung nach den Grund, dass dieser in dem Moment dem „Lästerer“ die nötige Aufmerksamkeit und Bestätigung liefert. Doch meist ist dies ein eher affektives Verhalten.
Narzisten müssen diese Menschen aber nicht unbedingt sein.Narzismus ist ein Begriff, der viele psychologische Aspekte in sich trägt und den man, möchte man ihn korrekt verwenden, nicht einfach so auf eine Person anwenden kann.
Ein Opfer für die von Dir beschriebenen Menschen ist man immer dann, wenn man sich auf die Ebene des Gesprächspartners einlässt. Somit kann man selbst bestimmen, ob mein ein Opfer dabei ist, oder ob man eben Stärke zeigt.
Wenn also jemand schlecht über einen anderen redet und dabei selbst diesem nicht anwesenden Menschen gegenüber Loyalität zeigt, dann hat der andere schon ein schwereres Spiel. Selbst wenn man die zu belästernde Person nicht kennt, so kann man dies durchaus auch einwerfen und sagen, dass man dazu nichts sagen möchte, da man sich kein Urteil über fremde Menschen machen kann. Man aber durchaus bereit wäre den Menschen einzuladen und mit ihm persönlich darüber zu sprechen. Dies kann man untermauern, wenn man sagt, dass der „Lästerer“ ja auch nicht wollen würde, dass hinter seinem Rücken schlecht über ihn geredet wird.
Das mag am Anfang etwas komisch sein, aber es sind eben Prinzipien oder bestimmte Einstellungen. Und wenn Du das so anwendest, dann werden die Menschen in deinem Umkreis irgendwann wissen, dass Du loyal und fair anderen gegenüber bist. Und die Menschen, die es eben wert sind, werden dieses früher oder später zu schätzen wissen und auch, wenn sie weiter mit anderen lästern, vielleicht eben aus dem Grunde zumindest nicht mehr hinter deinem Rücken schlecht reden.
So in der Art mache ich es zumindest. Natürlich lästere ich manchmal auch… aber einfach in einem respektvollen Rahmen mit einer klar definierten Grenze.
„Das war doch echt lustig, wie Peter vorhin im Schnee ausgerutscht ist“ ist sowas, was ich meine. Anders ist es, wenn man darüber redet, das Peter unfähig ist zu… und auch sonst einfach dumm ist… Sagt jemand sowas zu mir, dann erwidere ich, dass ich ohne Peter da nicht drüber reden möchte, oder ihn nicht kenne und ich dafür der falsche Gesprächspartner bin…
Anfangs mag man sich dabei komisch fühlen, aber genau dann ist man eben kein Opfer mehr für solcherlei Dinge.
Die Menschen mit denen man verkehrt merken sich sowas und hören dann irgendwann auf damit. Und manchmal muss man eben ein wenig direkter sein.
Martin Buber hat mal gesagt, dass der Mensch am Du zum ich wird. Und da ist sehr viel wahres dran.
In deinem Titel ging es um Eigenlob, in deiner Frage eher ums „Lästern“. ich hoffe, ich habe den Kern deiner Frage getroffen…
Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen.
LG aus Hannover
Arnd
Lieber Arnd,
ich danke Dir sehr für Deine ausführliche Antwort und die Zeit, die Du für mich investiert hast.
Ich weiß, daß ich 2 Probleme in eine Frage gepackt habe, denn es ist zufällig - oder nicht - der gemeinsame Charakterzug dieser Personen, daß sie sich selbst als toll und von vielen bewundert hinstellen. Obwohl sie diese Bewunderung teilweise verdienen. Ist auch für mich etwas eintönig immer die selbe Leier zu hören… .
Bei dem richig fetten Lästern mache ich nicht mit, das interessiert mich auch nicht, aber anscheinend ist es den Personen ein Bedürfnis auf Grund der von Dir angeführten Minderwertigkeitskomplexen. Ich will auch nicht der Mülleimer sein für den Frust des „Lästermauls“.
Bei Gelegenheit hatte ich schon im Gespräch gesagt, :" Du warst doch mit FrauX befreundet und so muß sie doch auch sicherlich gute Seiten haben, dann sonst wärt ihr keine Freundinnen gewesen usw…" aber das nutzt nix, ich muß wohl deutlicher werden.
So in der von Dir geschriebenen Weise: … und sagen, dass man dazu nichts sagen möchte, da man sich kein Urteil über fremde Menschen machen kann…
Warscheinlich bin ich so ein anständiges Geduldslamm, daß ich mir den Quatsch immer anhöre und Opfer der Eigenlobriege werde.
Es suchen und finden sich ja immer die Richtigen. Grenzen setzen ist wohl das Zauberwort. Ich bewundere Menschen, die das gleich freundlich und mit Selbstverständlichkeit rüberbringen.
Nochmals danke Arnd und Grüße nach Hannover, wo der Winter anscheinend heftig zugeschlagen hat.
Siggi