Guten Tag,
mein Sohn hat eine Lebensgefährtin, die ich (seine Mutter) sehr mag. Bisher hatte ich wenig Gelegenheit, mit ihr über ihr Problem - Magersucht/Esstörung - zu sprechen. Mein Sohn meinte, ich soll sie nicht fragen oder zum Essen nötigen. Das habe ich auch befolgt. Nun waren wir beide 1 Woche gemeinsam im Urlaub und ich habe ihr gesagt, dass ich nicht weiss, wie ich mit dem Thema umgehen soll. Ich möchte ihr nicht weh tun aber gar nicht darüber zu sprechen ist wohl auch keine Lösung. Sie bat mich, ihr viel Zeit zum Essen zu lassen. Das hat auch geklappt aber sie isst extrem wenig. Wir sind viel gewandert und sie isst so wenig, wie vielleicht eine Katze. Erbrechen tut sie nicht. Sie erzählte mir, es sei wie eine Selbstbestrafung, wenn sie etwas runterschluckt. Ihre Situation tut mir regelrecht körperlich weh und ich verstehe sie nicht. Was kann ich für sie tun? Wie soll ich mich verhalten?
Bitte antwortet nur, wenn es ernst gemeint ist.
Grüße
Christina
Ich würde das Thema ganz klar besprechen und auch evtl. ihre Eltern mit einbeziehen. Solche Themen „tot zu schweigen“ bringt keinem der Beteiligten irgendwas.
Wenn sie selbst schon sagt es sei eine Art Selbstbestrafung würde ich ihr ganz klar den Sinn einer Therapie erklären und ihr diese auch dringenst empfehlen. Das klingt fast wie ein „Hilfeschrei“ ihrerseits.
Man kann sehr unterstützend sein in solchen Situationen aber man muss auch sehr konsequent sein was die Behandlung einer solchen Krankheit angeht.
Hallo,
in der Kindheit, besonders in der Mutter scheint das Ganze seine Ursache zu haben. Ich hatte auch noch nicht erwähnt, dass das Mädchen seit September in psychologischer Therapie ist. Sie wollte es nie, hat sich aber überwunden und nimmt jetzt Hilfe an. Darüber sind wir alle sehr glücklich! Ich versuche an dieser Stelle hier zusätzlich Ratschläge und Informationen zu bekommen, wie ich sie unterstützen und alles verstehen kann. Wieso kann Nahrung schlucken eine Strafe sein?
LG, Ch.
Eine psychologische Therapie ist sicherlich ein Anfang, aber wird sicherlich nicht die Magersucht „verschwinden“ lassen. Da sollte an eine weiterführende Therapie gedacht werden. Warum das eine Strafe sein soll kann sicherlich nur sie verstehen.
Ich würde doch offen über das Thema sprechen, vorsichtig, so dass sie sich nicht bedrängt fühlt, also Sätze wie „du musst“, „du solltest“ vermeiden und Zeit geben. Auch ein Stück weit Halt geben das sie weiß das jemand da ist auf den sie zählen kann.
In einigen größeren Städten gibt es auch Beratungsstellen wo sich auch Angehörige von Betroffenen wenden können.
Oh danke, das ist eine gute Idee. Ich werde gleich suchen.
Vielen dank!
Mahlzeit!
Ich glaube dort bist du besser aufgehoben als hier.
http://www.magersucht-online.de/angehoerige/index.htm
Gruß
Stefan
Da ich die Dame nicht kenne, hier nur einige allgemeine Anmerkungen zur Magersucht, die durchaus nicht alle auf den betreffenden Fall passen müssen.
Magersüchtige haben ein falsches Körperbild von sich selbst, was sich eben darin äußert, daß sie sich immer noch als zu dick empfinden, selbst wenn die Knochen herausstehen und sommers in der Badeanstalt sich jeder mit Grausen abwendet.
Sie finden sich allenfalls schön.
Magersüchtige sind Frauen - ich persönlich bezweifle, daß es magersüchtige Jungs gibt. Ich kenne viele Psychologen, die das bestreiten. Nun habe ich die Erfahrung gemacht, daß magersüchtige Jungs sehr gut zu therapieren sind, magersüchtige Mädchen dagegen nicht. Woran liegt das? Die Diagnose ist wahrscheinlich falsch (bei den Jungs).
Der Weg der Anorexia nervosa geht folgendermaßen: Zuerst verschwindet der Sexualtrieb (solange dieser noch da ist, gibt es Hoffnung), dann geht die Menstruation und schließlich kommt es nicht nur zum Abbau der Skelettmuskulatur, sondern auch der Herzmuskulatur.
Wenn jetzt jemand zu dem Schluß kommt, daß die Krankheit zum Tode führen kann: Ja, das tut sie.
Zur Therapie gibt es zwei Ansätze:
a) den internistischen Ansatz
man stopft der Kranken eine Magensonde rein und füttert sie duch diese Sonde mit Gewalt
b) den psychologischen Ansatz
Man macht Gesprächstherapie, bohrt in der Vergangenheit herum und versucht so eine Art aufdeckende Psychotherapie zu treiben.
Die Versagensquote der Therapie a) beträgt 98%, die der Therapie b) 99%
Man kann beides Kombinieren, wird auch gemacht unter stationären Bedingungen. Da dürften dann die Ergebnisse etwas besser sein, aber noch lange nicht gut.
Wichtig ist hier die enge Zusammenarbeit mit psychosomatisch geschulten Ärzten. Und bitte keine Selbsthilfegruppen, die sind nur dazu gut, später bei der Beerdigung einen Kranz zu spenden
Guten Tag priomos1,
danke für die ehrliche Antwort, auch wenn sie schwer zu ertragen ist.
LG Christina
Hallo Christina,
also erstmal finde ich es klasse, dass Du Dich auch bemühen möchtest zu helfen!
Dann kann ich sagen, dass ich auch einmal magersüchtig war und es geschafft habe da raus zu kommen. Es ist unheimlich schwierig und vor allem langwierig, aber es geht! Alles was Du erzählst klingt aber, als hättet Ihr wirklich eine gute Chance.
Mir hat es am meisten geholfen, mich an „Gesunden“ - zumindest was das Essverhalten angeht:wink: - zu orientieren. Was da normal ist, weiß man nämlich überhaupt nicht mehr. Und es ist tatsächlich gut, nicht bedrängt zu werden. Akzeptiert sie, wie sie ist und zeigt ihr lieber ohne Sprache, wie schön ein normales Leben sein kann. magersüchtige Menschen sind in der Regel sehr besonders, intelligent und empfindsam. Sie denken schrecklich viel über alles nach und versuchen, sich immer perfekt zu verhalten. Oftmals aus der kruden Vorstellung heraus, sonst keine Lebensberechtigung zu haben. Daraus folgt eigentlich: Man muß einen Grund finden, warum man ein sehr gutes Recht oder vielleicht sogar die Pflicht hat, sich gut um sich selber zu kümmern. Mir hat dabei ein soziales Jahr geholfen, in dem ich körperlich gearbeitet habe und Tiere versorgen musste. Ohne Essen = Kraft ging das nicht!
Alles Wühlen in der Vergangenheit nach irgendwelchen Gründen hilft eigentlich nur den Psychologen. Mir hat der „gärtnerische“ Ansatz gut getan: Such Dir einen Platz, an dem Du mit deinen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten gut leben kannst. Verletzungen hat jeder erlitten in seinem Leben. Tu dir nicht selber leid sondern tu etwas. ein Einbeiniger braucht eine Krücke oder Prothese zum Laufen, ein seelisch Verletzter eine heilsame Umgebung. Sprich: Nicht zurück sondern nach Vorne schauen.
macht Ihr Mut, immer wieder! Es ist soooo schwer und es ist soooo beängstigend die Käseglocke Magersucht= ich bin schwach, belastet mich nicht! hinter sich zu lassen. Zeigt ihr, dass es sich lohnt! beachtet alles kranke Verhalten am Besten gar nicht. Lebt normal und nehmt möglcihst keine Rücksicht auf all die „Kompliziertheiten“, die ein magersüchtiges Essverhalten mit sich bringt. Entscheiden muß sie sich ganz allein. Rausholen könnt Ihr sie nicht, verantworlich seit ihr auch nicht. Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis für einen magersüchtigen Menschen: „Du bist ganz alleine für Dich und Dein Glück verantwortlich, niemand sonst! Und Du kannst das! Und das Leben ist herrlich!!!“
Ganz viel Glück für Euch alle!