Hallo,
ich hatte kürzlich eine Unterhaltung, in der die Frage aufkam, wie sich die Sprachen entwickelt haben. Deutsch und Holländisch haben gewisse Ähnlichkeiten, genauso wie Thai und Chinesisch. Wie haben sich die Sprachen in den einzelnen Ländern durchgesetzt? Sind die Grenzen in Abhängigkeit zu den Sprachen entstanden?
Eine andere interessante Frage ist, wie Englisch entstanden ist und gab es den Einfluß des Plattdeutschen?
Weiß jemand darüber Bescheid?
Viele Grüße
Birgit 
Hallo, Birgit!
Da hast du ein umfangreiches Therma angeschnitten. Drum schlage ich vor, dass du dich zunächst mal auf die „indoeuropäischen“ Sprachen beschränkst.
Das sind die, in denen man Ähnlichkeiten bei einigen Wörtern feststellte, und die deshalb als miteinander verwandt erkannt wurden.
Vater, father, pater patär, pere, padre etc. sind solche Wörter.
Schau mal hier rein:
http://www.weikopf.de/body_indoeuropaisch.html
Da bekommst du Grundlageninformationen. Auch weiterführende Links sind da.
Und du kannst im Anschluss wieder und präziser nachfragen.
Zu Englisch und Plattdeutsch schon mal:
Von Einfluss wird man hier nicht sprechen. Die Angeln und die Sachsen, die nach England fuhren und die Jüten und Friesen und Sachsen, die auf dem Festland blieben, waren mal Sprecher einer gleichen oder sehr ähnlichen Sprache.
Es gab dann unterschiedliche Entwicklungen, was die Unterschiede erklärt, einer ursprünglich gleichen Sprache, was die Ähnlichkeiten erklärt.
Gruß Fritz
Wie haben sich die Sprachen in den einzelnen
Ländern durchgesetzt? Sind die Grenzen in Abhängigkeit zu den
Sprachen entstanden?
Hallo Birgit,
das ist wirklich ein spannendes Thema. Im 19. Jahrhundert erfand man ja den Nationalstaat und definierte ihn im Wesentlichen als Staat einer Sprachgemeinschaft. Aber eine Sprachgemeinschaft ist etwas sehr Fließendes. In Europa gibt es „harte“ und „weiche“ Sprachgrenzen. Die wichtigste „harte“ (im Westen und Süden) ist die zwischen germanischen und romanischen Sprachen. Sie hat sich seit über tausend Jahren nur unwesentlich verschoben. Dagegen sind die „weichen“ Grenzen zwischen „Deutsch“ und „Niederländisch“ oder zwischen „Französisch“ und „Italienisch“ sehr jung und selbst das Produkt politischer Entwicklungen. Hier haben es bestimmte, ursprünglich sehr begrenzte Regionaldialekte durch politische, dynastische, kulturelle Faktoren zur Würde einer Hoch- und Nationalsprache gebracht und die anderen verwandten Sprachen und Dialekte verdrängt: diese galten auf einmal als „ungebildet“, „bäurisch“ etc. So war es in Deutschland mit dem Niederdeutschen, in Frankreich mit dem Provencalischen u.a. Nach und nach wurden dann die politischen Grenzen auch Sprachgrenzen (und nicht umgekehrt).
Gruß,
Peter