Wie hält man einen Choleriker als Chef aus?

Hallo zusammen!

Ich glaube, da bin ich im Psychologiebrett richtig. Wie hält man als Arbeitnehmer eine cholerischen Chef aus?

Es ist wirklich furchtbar, dass ein Chef stundenlang keift und schimpft und die Belegschaft sich vor dem Chef fürchtet, wenn er kommt. Mir ging es so und er hat mich Gott sei Dank gekündigt. Sonst hätte ich das selbst getan, ich wollte es nur eine Zeitlang aushalten.

Meine Frage lautet jedoch „Kann man einen solchen Arbeitgeber aushalten?“ Wie kann man als sensibler Mensch diese Aufgabe bewältigen? Was muss man bei einem Choleriker beachten - ich mein da im Umgang mit ihm?

Gruss

Petra H.

PS: Ich will kein Angebot an Psychotherapien etc. sondern lediglich wie man sich verhalten kann. Also einfach die richtige Umgangsform. Vielleicht gibt es ja Bücher darüber.

Hallo Petra,

das geht wohl nur mit Kündigung.
Entweder innere Kündigung, oder eben echte.

Gandalf

hallo,

Meine Frage lautet jedoch „Kann man einen solchen Arbeitgeber
aushalten?“ Wie kann man als sensibler Mensch diese Aufgabe
bewältigen? Was muss man bei einem Choleriker beachten - ich
mein da im Umgang mit ihm?

es gibt nur ein mittel (neben kündigung):
zurückblaffen und ihn derart zusammenfalten, dass er in eine zigarrenschachetel passt, indem du dir sachlich aber bestimmt und laut und deutlich einen solchen ton dir gegenüber verbittest.

kannst du nicht? dann übe es zuhause vor dem spiegel. oder mit einer freundin als „sparringspartner“.

aber eins beachten: unbedingt sachlich bleiben und sich nicht zu gefühlsäußerungen hinreißen lassen. wenn hart auf hart kommt, lass ihn stehen und gehe weg.

viel erfolg
ann

Kann man…

Allerdings muss man unterscheiden.

  1. Chef als Choleriker in einer großen Firma, die nicht seine eigene ist…
    oder
  2. Chef als Choleriker in seiner eigenen Firma.

Als Grundsatz gilt bei beiden Formen: Er ist Chef…, er darf es sein.

Und jetzt die Differenzierung:

zu 1: Hier ist man nicht allein. Hier saut der „Kerl“ (ich nehme jetzt mal die männliche Version, diese Art taucht aber durchaus auch im weiblichen Genre auf) vor allen und jedem rum. Allerdings hat der „Angesaute“ immer im Hinterkopf: Irgendwo in diesem Wahnsinnsunternehmen, könnte es jemanden geben, der sich für das was ich durch mach, interessieren. Passiert nur in der Realität leider selten. Allerdings ist die Qualität der cholerischen Anfälle eine besondere. Der Choleriker kann nur nach unten treten, wenn er diese Regel vergisst, dann wirds für ihn heikel… und wenn man gelernt hat, mit solchen Leuten umzugehen (Kopf einziehen, verstecken, nicht in die Schusslinie geraten), dann kann man es mit denen aushalten.

Ein ganz spezieller Fall cholerischer Chef ist der, welcher seine eigene Firma führt. Auch hier muss man unterscheiden. Ist er ein sogenannter „Jungunternehmer“…hat er also die Firma selber gegründet und ihren Werdegang miterlebt…oder ist er ein „Hineingeborener“, hat also die Firma von der Familie übernommen.
Beiden ist zueigen…, sie treten nach allen Seiten. Die Angestellten sind nur dazu da…, um ihm die Firma kaputt zu machen und ohne ihn läuft nüscht…, dabei wissen alle und insbesondere die Kunden…ohne ihn läufts besser.
Die Form „cholerischer Chef als Jungunternehmer“ ist so ziemlich die weiterverbreiteteste Form, diese Jungs (als auch Mädels) kommen mit der Entwicklung ihrer Firma nicht mehr klar und können sich dementsprechend nicht mehr äußern, weil sie schlicht überfordert sind und eigentlich zufrieden sein müssten, dass sie Leute haben, die dafür sorgen, dass ihnen der „Arsch“ nicht auf Grundeis geht. Aber um ihre eigenen Inkompetenzen zu Kaschieren…, fangen sie an zu brüllen und alles in Grund und Boden zu stampfen, was nicht Niet und Nagelfest ist… vorzugsweise die Leute, die ihnen den schon erwähnten retten.

Mit den Ungerechtigkeiten dieser Leute umzugehen ist schwer. Da gibt es kein Rezept…, auch der Spruch…: Er ist Chef…er darf es sein…hilft nicht immer…

Ich bin jetzt seit mehr als zwanzig Jahren als PA in dieser Branche tätig. Ich hatte Choleriker, die sich hinterher bei mir entschuldigt haben, was die Sache an sich nicht besser gemacht hat… aber im Nachhinein erträglicher.
Ich hatte Chefs…, bei denen von der „dummen und naiven Pute“ bis hin zur „durchgef****** Schabracke“ alles dabei war. Allen war zu eigen: Ich hatte etwas getan, was Sie bei Kunden hatte gut dastehen lassen, was sie aber nicht zugeben konnten, weil sie nicht selber auf die Idee kamen. Es gab Zeiten, da hab ich einfach meine Konsequenz gezogen und wirklich innerlicher gekündigt und auch nichts nach außen hin getan… um der tatsächlichen Kündigung entgegen zu wirken.

Ich mache die Art meines Jobs…, also persönliche Assistentin, aber immer noch gerne. Ich weiß, dass es sich ab und an lohnt (auch wenn ich kein Danke für das erwarte, was ich meinem Chef an guten Dingen angegedeihen lasse und sicherlich auch kein Danke bekomme)…, aber wenn ich meinen Job gut mache… dann halten sich diese „Anfälle“ in Grenzen, den Kollegen und mir zuliebe, entwickelt sich dann ein besseres Arbeiten… Naiv…, aber ab und an funktioniert es tatsächlich.
Es ist einer der interessantesten Bereiche seine Brötchen zu verdienen. Persönlicher und „näher“ kann es nicht werden.
Und meine Devise ist halt:

Er ist Chef…er darf es sein…
(ab und an hilft auch die starke Schulter des Ehemannes, dass durch zustehen…oder Digi… wenn er sich Sorgen macht…(bussi dafür))

Grüsse
kleineklara

Hallo Petra,

solche Chefs gibt es anscheinend häufig genug. Mein persönlicher Eindruck ist, dass manche Menschen so auf die Kombination von Macht und Überforderung reagieren.

Meine persönliche Methode besteht darin, alle übertragenen Arbeiten zügig und exakt gemäß den Anweisungen auszuführen. Der Chef bekommt genau das was er bestellt hat.
Fragen werden ohne rumzudrucksen oder zu lamentieren genau und wahrheitsgemäß beantwortet.

Vorwürfe, dass ich meine Zeit mit Tätigkeiten verschwende, die nicht meine Aufgabe sind, kann wiederlegen, indem ich nachweise, wieviel Zeit ich für welche Tätigkeiten aufwende. Ich habe mir nach entsprechenden Erfahrungen angewöhnt die Zeiten meiner Tätigkeiten in einem Arbeitsbuch zu notieren.

Nein, dass schützt nicht hunderprozentig, aber es hilft.

Gruß
Carlos

Meinungen

Ich glaube, da bin ich im Psychologiebrett richtig. Wie hält
man als Arbeitnehmer eine cholerischen Chef aus?

Aus eigener Erfahrung und einigen Büchern:

  1. „Inkompetenz durch Lautstärke ersetzen“ ist das Verhaltensmuster von Vorgesetzten, die eigentlich Ihren Job nicht können (insofern sie überhaupt wissen, was „Ihr Job“ eigentlich ist).

Im Grunde genommen bauen diese bedauernswerten, oft einsamen Menschen eine Aura der „Gewalt“ um sich auf, damit ihnen keiner zu Nahe tritt. Es kann bei grundsätzlich vorhandener Intelligenz gelingen, ihnen dann mit Absicht menschlich nahe zu treten („Sie haben sich da aber ganz schön viel vorgenommen, glauben sie nicht, dass…“, „Ich möchte nicht auf Ihrem Stuhl sitzen, im Schraubstock zwischen den Eigentümern und den Kunden“ - Verständnis zeigen).

Interessanterweise kamen Kollegen, die auch mit einer „kraftvollen“ Art ihre Arbeit gemacht haben gut mit ihnen zurecht, was aber nicht heisst, dass deswegen die richtigen zukunftsweisenden Entscheidungen getroffen wurden.

  1. Dennoch hatte ich 2 Chefs, die IMHO einfach Maniker waren und sehr wohl intelligent und erfolgreich sind (die leben ja noch), aber eben ganz schnell „auf 180“ sind.

Da hilft nur - entgegen meinem Naturell - hart zu bleiben und nur die verbalen Attacken anzusprechen („Würden Sie es gut finden, wenn ich so mit Ihnen reden würde?“ Aufstehen, Gespräch abbrechen, rausgehen: „Wir reden weiter, wenn sie wieder normal sind.“).

Manchmal hilft sich dieses menschliche Wrack auf der Toilettenschüssel vorzustellen, oder seine Pickel aufzustöbern. Wenn die persönlichen Attacken selten genug sind. Oder sich vorzustellen, wie der Zivi, der ihn im Altersheim im Rollstuhl herumfährt mal zeigt, was 10 % Gefälle sind … Böse Gedanken, ich weiss.

Meine Frage lautet jedoch „Kann man einen solchen Arbeitgeber
aushalten?“ Wie kann man als sensibler Mensch diese Aufgabe
bewältigen?

Nein, ich habe es dennoch überlebt - ausgesessen. Aber ich war Freitag abends vor 23:00 nicht ansprechbar.

Heute? Würde ich sehr schnell das Weite suchen.

Vielleicht gibt es ja Bücher darüber.

Hmm. „Mein Chef ist ein Arschloch, Ihrer auch?“ ist in meiner Büchersammlung, es hat aber auch andere Empfehlungen:

http://www.amazon.de/Mein-Chef-Arschloch-Ihrer-auch/…

Gruß

Stefan

Hallo

PS: Ich will kein Angebot an Psychotherapien etc. sondern
lediglich wie man sich verhalten kann. Also einfach die
richtige Umgangsform. Vielleicht gibt es ja Bücher darüber.

Die „richtige Umgangsform“ besteht darin, immer so zu tun,
als ob sich der Betreffende ausgesprochen nett verhält
(dezent, aber niemals übertreiben). Also im eigenen Verhalten
*Beweisen*, daß er Dir durch sein Verhalten *hilft*.

Grüße

CMБ

aushalten oder abhauen
hi,

die fähigkeit, etwas auszuhalten ist subjektiv verschieden ausgeprägt und entscheidend davon geprägt, WAS man aushalten soll.

ich z.b. kann „verrückte“ menschen sehr gut um mich haben, kann aber z.b. überhaupt nicht aushalten, in einer call-center-warteschleife einer behörde hingehalten und abgewiesen zu werden. da drehe ich fast durch!

man kann einen teil davon trainieren, stößt aber irgendwann an eine natürliche grenze, die nicht weiter beeinflussbar ist und dann sucht man besser das weite. einen choleriker auszuhalten würde ich niemandem empfehlen, eher, sich dazu zu entscheiden, sich von solchen menschen zu entfernen. da hast du psychische gesundheit bewiesen.

Hi Petra,

da Du den Choleriker nicht ändern kannst, bleiben nur 2 Möglichkeiten: Du bietest ihm die Plattform, seinen Tick auszuleben (indem Du das aushältst) oder Du gehst (hast also mit dem Menschen nichts mehr zu tun).

Ich habe fünf lange Jahre versucht, so einen Menschen zu ertragen.
Ich habe versucht, mit Verständnis auf seine Wutanfälle zu reagieren.
Ich habe seine Anweisungen genauestens befolgt.
Ich habe dokumentiert, was ich wann wie lange getan habe.
Ich war nett zu ihm.

Es hat alles nichts geholfen. Er hat sich immer alles so gedreht wie er es brauchte. Frei nach dem Motto: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.

Da hilft nur eins: Kündigung!

Ich war am Ende völlig fertig und verunsichert und mir meiner eigenen Fähigkeiten nicht mehr sicher. Grauenvoll.

So etwas sollte niemand aushalten müssen!

Andrea

Hallo,
dazu kann ich nur sagen: Ich habe genau das gleiche wie du erlebt. Ein cholerischer keifender Chef. Wenn er morgens GUTGELAUNT und pfeiffend zur Arbeit kam, (wir wußten auch, dass er eine SEHR dominante Ehefrau hatte, er mußte also z. B. auch immer Freitags seinen Pudel mitbringen und einer von uns mußte dann mit diesem Pudel zum „Friseur“ gehen und ihn hin- und wieder abholen - war der Auftrag von seiner Frau, der Pudel war genau so frech wie sein Herrchen, er lag dann immer unter seinem Schreibtisch und knurrte wild alles an was sich bewegte), wußten wir schon alle genau: Verziehen, Gefahr im Verzug, weil die Laune dann immer kurz nach Ankuft genau ins Gegenteil schlug. Man konnte machen was man wollte: Es war IMMER falsch, er hat einen immer -sorry- aber angeschissen, zusammengefaltet, auch vor anderen Menschen ob bekannt oder unbekannt und in einem TONFALL… Nun war das im öffentlichen Dienst, also einfach kündigen wollte ich auch nicht so, ich habe ganz viele Versetzungsanträge nach woandershin gestellt - alle abgeschmettert. Er ließ mich dann rufen und machte mit lauthals -für alle hörbar- deutlich: Wen ICH behalten will, den behalte ich auch. Hier kommt keiner weg, wenn ICH das nicht will. Nach ca. 5,5 Jahren hatte ich dann das unfaßbare „Glück“, das mein Zuständigkeitsbereich verlagert wurde und ich Gott sei Dank woanders hin kam.
Jemand, der das nie erlebt hat, kann das nicht nachvollziehen eine totale Machtlosigkeit, ein Ausgeliefert-Sein, - es war schrecklich und ich habe viele Tage geheult. Wollte aber nicht kündigen: Weil öffentlicher Dienst.
Heute im Nachhinein, war das wohl ein Fehler und ich habe auch verschiedene psychische „Knacks“ bekommen, die eindeutig daher rühren, kein Selbstwertgefühl, alles was ich mache ist eh falsch usw., ich bin sowieso doof usw.
Heute würde ich kündigen, ich war damals auch beim Personalrat usw. hat alles nichts gebracht.

Sei froh, dass Du da raus bist.

Grüße
Marie

Ich habe fünf lange Jahre versucht, so einen Menschen zu
ertragen.

Genau so wie bei mir aber richtig ertragen KANN man diese Leute nicht.

Ich habe versucht, mit Verständnis auf seine Wutanfälle zu
reagieren.

Verständnis geht gar nicht, MAN KANN sowas als Normalo nicht verstehen. Ich habs auch so versucht - ging aber nicht.

Ich habe seine Anweisungen genauestens befolgt.

Das habe ich ich auch gemacht, er hat aber trotzdem mit einem dicken roten Strich alles durchgestrichen - egal ob abgesprochen oder von ihm vorgeschrieben.

Ich habe dokumentiert, was ich wann wie lange getan habe.

Habe ich auch gemacht, sogar die Toilettengänge habe ich aufgeschrieben.

Ich war nett zu ihm.

Das hab ich auch versucht, aber auf Dauer KANN man zu so jemandem nicht „echt“ nett sein, man kann es sich höchstens als Gesicht aufsetzen…

Es hat alles nichts geholfen. Er hat sich immer alles so
gedreht wie er es brauchte. Frei nach dem Motto: Was
interessiert mich mein Geschwätz von gestern.

GENAU SO!!!

Wir wir auf dem Flur mal Kollegen tragen und ganz kurz gesprochen haben kam der aus seinem Büro - das immer halb offen stand und schrie ganz laut rum ob wir wohl nichts zu tun hätten oder warum wir hier blöd quatschend rumstehen würden.

Da hilft nur eins: Kündigung!

Ich war am Ende völlig fertig und verunsichert und mir meiner
eigenen Fähigkeiten nicht mehr sicher. Grauenvoll.

GENAU so ging/geht es mir auch.

So etwas sollte niemand aushalten müssen!

Andrea