Wie hoch ist durchschnittlich die Chance für eine Mutter, ihrem Kind Blut spenden zu dürfen?

Habe gelesen, einige Eltern können ihren Kindern kein Blut spenden , da Blutgruppenunterschied.

Wie hoch ist durchschnittlich die Chance für eine Mutter, ihrem Kind Blut spenden zu dürfen.
Gab es dazu Untersuchungen oder lässt es sich etwa aus dem Blutgruppendiagramm berechnen?

Ja.

Ziemlich gering, zumal Spenden von Angehörigen durch die Transfusionsinstitute nicht wirklich gerne gemacht werden - um es mal vorsichtig zu sagen.

Die Frage ist, ob es abgesehen von einer möglicherweise passenden Blutgruppe auch ansonsten sinnvoll und vertretbar ist. Bei kleinen Babies gibt es zudem Besonderheiten in der Blutgruppenbestimmung (und auch hinsichtlich stattgehabter „banaler“ Infektionen, die die Auswahl zusätzlich einschränken.

Was ist denn der Grund für die Transfusion des Kindes? Wie alt ist es denn?

Sebastian

Da bin ich mir nicht so sicher - ich meine Blutspenden ginge, wenn die Blutgruppe passt, problemlos. Sonst würde ja auch bei Lebendspenden von Organen die Verwandtschaft ausgeschlossen.
Allerdings werden Stammzellen oder Knochenmark grds. nicht genommen.

So weit ist das richtig, wenn auch nur rein theoretisch von Belang.

Das hängt nicht nur von der Blutgruppe der Mutter sondern auch von der des Vaters ab. Davon abgesehen auch vom jeweiligen Rhesusfaktor. Ist das alles bekannt, lässt sich die Wahrscheinlichkeit auch berechnen. Das ist allerdings lediglich für den Schulunterricht in Biologie von Interesse, wenn die Schüler etwas über Genetik im Allgemeinen und die Vererbung rezessiver und dominanter Allele im Speziellen lernen sollen. Grundsätzlich - es wurde schon darauf hingewiesen - ist die sog. gerichtete Blutspende jedoch weder notwendig noch medizinisch sinnvoll. Im Gegenteil ist die gerichtete Blutspende mit einem erhöhten Risiko für den Empfänger verbunden, weswegen sie von deutschen Blutbanken nicht durchgeführt wird. Die Gründe dafür sind hier für Laien zusammengefasst.

Freundliche Grüße,
Ralf

Dass das eben nicht ganz „problemlos“ geht (zumindest der Rhesusfaktor muss unbedingt ebenfalls berücksichtigt werden) habe ich schon in meiner Antwort an die UP geschrieben.

Klassischer Fehlschluss bzw. ganz andere Baustelle. Bei Organspenden sind die (sechs) HLA-Merkmale (Human Leukozyten Antigen) entscheidend, nicht Blutgruppe und Rhesus-Faktor. Näheres dazu hier.

Das wäre mir neu. Auch hier sind die HLA-Merkmale entscheidend und bei Geschwistern liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Spende „passt“, bei etwa einem Drittel. Bei Eltern und anderen Verwandten entsprechend niedriger. Bei (allogenen) Stammzellentransplantationen stammen daher ca. 30% der empfangenen Spenden von nahen Verwandten. Die Blutgruppe ist gerade hier übrigens völlig bedeutungslos, da vor der Transplantation das gesamte blutbildende System des Empfängers plattgemacht wird. Der Empfänger hat nach erfolgreicher Transplantation die Blutgruppe des Spenders - gleich, welche er vorher hatte.

Freundliche Grüße,
Ralf

Ich find die Frage interessant, und habe mal nur das AB0-System der Blutgruppen betrachtet.

Genetisch hat jeder Mensch zwei Allele, von denen jedes A, B oder nichts (0) sein kann.
Beide Allele zusammen ergeben die Blutgruppe, also A+B=AB, A+A=A, A+0=A etc.
Und bei der Vererbung gibt jedes Elternteil eines seiner Allele an das Kind weiter. Daraus ergibt sich dann die Wahrscheinlichkeit für die Blutgruppe des Kindes, die sich auf Wiki findet.
Dabei gilt z.B.: Haben beide Eltern A+0=A, dann besteht eine 25%-Chance, daß das Kind 0+0=0 bekommt. Aber Vater oder Mutter, oder auch beide können auch A+A haben, dann hat das Kind auf jeden Fall auch A. Das drückt die Chance auf Blutgruppe 0 insgesamt auf 6,25%.

Laut Wiki haben in Deutschland 43% A, 41% 0, 11%B und 5% AB. Das ist regional sehr unterschiedlich, bei den Japanern haben 35% B und 18% AB.

Bei der Blutspende ist es so, daß eine Person mit A nur jemandem spenden darf, der auch mindestens A hat, oder AB. Nur 0 darf an alle spenden.

Bleiben wir in Deutschland, und packen das ganze in Exel:

Das liest sich so:

43% aller Mütter haben Blutgruppe A, deren Männer haben auch zu 43% A. wenn beide A haben, hat das Kind nur 6,25% aller Fälle 0. Damit haben 43% * 43%* 6,25% = 1,16% aller Kinder eine Mutter mit A, und selbst 0. Sie dürfen das Blut der Mutter nicht bekommen, daher ist das rot eingefärbt.

Zählt man zusammen, können 36% aller Kinder, deren Mutter A hat, Blut von ihr bekommen. Und insgesamt können knapp 87% aller Kinder das Blut der Mutter empfangen. (Man kann das Wort „Mutter“ natürlich auch durch „Vater“ ersetzen)

Das sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Allerdings kommen noch andere Faktoren dazu, vornehmlich der Rhesusfaktor. Wer ihn hat, also Rhesus-positiv ist, darf keinem mit Rhesus-negativ Blut spenden. Und das ist auch wieder Vererbungssache.

Und ganz wichtig: Hier geht es um Blutkörperchen, bei Blutplasma wäre es genau umgekehrt.

Rein technisch geht es. Auf der anderen Seite gibt es bei den recht wenigen Kombinationen der Blutgruppen gute Möglichkeiten, einen nicht-verwandten Spender zu finden.

Ein regelmäßiger Blutspender, der „anonym“ für irgendjemanden spendet ist zum einen schon länger als Spender bekannt, zum anderen hat er einen geringeren moralischen Druck, die Fragen, die jeder Blutspender vor der Spende beantworten muß falsch zu beantworten.

Einen neuen Sexualpartner in den letzten 6 Monaten? Kein wirkliches Problem das anzukreuzen, wenn die Spende für irgendjemanden ist.

Wenn es aber der vermeintlich brave Familienvater ist, der spenden soll, der aber gelegentlich im angetrunkenen Zustand mit Kumpels im Bordell landet … was soll der nun machen, wo alle erwarten, dass er spendet, weil die Blutgruppe passt? Da wird ein Druck aufgebaut, der vermeidbar ist.

Aus diesen Gründen wird die sogenannte „gerichtete Spende“ in Deutschland grundsätzlich abgelenht (ausnahmen gelten für seltene Sonderspezialfälle).

HTH

Sebastian

Korrektur:

Zählt man zusammen, können 36% aller Kinder, deren Mutter A hat, Blut von ihr bekommen.
36% aller Kinder haben eine Mutter mit Blutgruppe A, und können von ihr Blut bekommen.

Ja, mir auch eher. Aber es ist bei derlei Transplantationen durchaus erünscht, nicht genetisch identisches Material zu haben sonder bewusst „knapp daneben“ zu liegen.

Eine gewisse Graft-versus-host-Reaktion kann bei manchen Grunderkranklheiten tatsächlich nützlich sein.

Sebastian

dieses unsägliche Nabelschnurbluteinfrieren für eigene Zwecke für totalen Kokolores haltend …