Wie ist denn Ihr Name?

…hoerte ich des oefteren von Sprechstundenhilfen in Arztpraxen und moechte gerne antworten „kurz, leicht zu merken und mit mehr Konsonanten als Vokalen“ aber reisse mich zusammen und nenne der netten Dame doch meinen Namen.

Ist die Frage „Wie ist denn Ihre Name?“ einfach nur falsch oder kann man auch so fragen und falls es falsch ist wieso wird dieser Fehler so haeufig begangen - obwohl „Wie heissen Sie?“ ja kuerzer waere?

Gruss

Desperado

Moin, Desperado,

Ist die Frage „Wie ist denn Ihre Name?“ einfach nur falsch

was ist schon falsch - was gesprochen wird, schafft es irgendwann in den Duden, so dämlich kann es gar nicht sein :smile:

Die Floskel haben wir den Synchronstudios zu verdanken. Versuch mal, „Wie heißen Sie?“ lippensynchron zu „What’s your name?“ hinzukriegen. Oder genauer „nicksynchron“ (gerade von mir erfunden) - das Nicken zum betonten Satzteil.

Gruß Ralf

Moin, Desperado,

Ist die Frage „Wie ist denn Ihre Name?“ einfach nur falsch

was ist schon falsch - was gesprochen wird, schafft es
irgendwann in den Duden, so dämlich kann es gar nicht sein :smile:

Das ist richtig. Man kann ja alle möglichen Sachen durch „wie“ erfragen. Wie ist deine Telefonnumer? Wie heißt dein Hund? — Darauf antwortet man ja für gewöhnlich nicht mit einem adverbialen Ausdruck.
Die deutsche Sprache ist ja (Gott sei Dank!) nicht auf die Regeln im Duden begrenzt.

Die Floskel haben wir den Synchronstudios zu verdanken.
Versuch mal, „Wie heißen Sie?“ lippensynchron zu „What’s your
name?“ hinzukriegen. Oder genauer „nicksynchron“ (gerade von
mir erfunden) - das Nicken zum betonten Satzteil.

Das wiederum ist Unsinn (wie die meisten Synchronstudio-Erklärungen). Die Ausdrucksweise, mit „wie“ nach Nominalphrasen zu fragen, gibt’s nicht erst seit der Erfindung der Synchronstudios. :wink:
Ist aber eine nette Methode, mal wieder alles irgendwie (wenn auch indirekt) auf die schlimmen Amerikaner zu schieben, wie das schon für dutzende Phrasen versucht wurde… hört man ja ständig. Leider.

Gruß Ralf

Gruß,

  • André

Moin, André,

Das wiederum ist Unsinn (wie die meisten
Synchronstudio-Erklärungen). Die Ausdrucksweise, mit „wie“
nach Nominalphrasen zu fragen, gibt’s nicht erst seit der
Erfindung der Synchronstudios. :wink:

wo steht das, bitte? Mir scheint, von der Zeit vor dem Fernsehen hast Du nicht viel mitbekommen.

Ist aber eine nette Methode, mal wieder alles irgendwie (wenn
auch indirekt) auf die schlimmen Amerikaner zu schieben

Dieses Argument ist an Dämlichkeit Hinterfotzigkeiteit wohl nicht zu überbieten. Was können die Amerikaner dafür, dass bei uns synchronisiert wird?

Gruß Ralf

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Dieses Argument ist an Dämlichkeit
Hinterfotzigkeiteit wohl nicht zu überbieten. Was können die
Amerikaner dafür, dass bei uns synchronisiert wird?

Leider ist das immer wieder der Fall, wie hier. Du hast das mit dem „indirekt“ aber schon verstanden, hoffe ich.

Groß,

  • André

Wie werden Sie genannt?
Guten Morgen,

nur mal so’n Vorschlag.

Gruß

Stefan

Textstellen

wo steht das, bitte? Mir scheint, von der Zeit vor dem
Fernsehen hast Du nicht viel mitbekommen.

Aber du weißt ganz genau, welcher Ausdruck erst seit dann existiert, ne? :wink:

Ich habe ein bisschen suchen müssen, fand aber ein paar Zitate:

http://www.archive.org/stream/zeitschriftfrv19verbuo…
(nach „wie ist dein Name“ suchen → Artikel ist von 1902)

http://www.william-shakespeare.de/was_ihr_wollt/wasi…
(hier: „Wie ist euer Name?“ ist gleich der 3. Satz → keine Jahresangabe, aber ich denke nicht, dass die altmodische Schreybung von einem modernen Übersetzer nachgemacht wurde)

http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=12&xid=2616…
(auch hier: „Wie ist euer Name?“ → eine Übersetzung von „König Heinrich der Vierte“, auch Shakespear, übersetzt von Christoph Martin Wieland, vermutlich Ende 18. Jh.)

Der gleiche Satz kommt, auch von Wieland übersetzt, auch in „Der Sturm“ und „Maaß für Maaß“ von Shakespear vor. Leider finde ich dafür keinen richtigen Link, außer einen Google-Treffer, der aber nicht direkt zum Text führt. Auch beides Wieland-Übersetzungen… der Mann muss damals viele amerikanische Filme geguckt haben!

http://www.digbib.org/William_Shakespeare_1564/De_Ju…
(Hier auch der gleiche Satz; leider finde ich dort nicht, wie der Name des Übersetzers ist; vielleicht auch Wieland, aber in der Rechtschreibung überarbeitet)

http://alisch.trilithium.de/stories/der_trieb_von_ba…
(gleicher Satz wieder; der Text ist aber nicht sehr alt → 1983; der Autor wohl Jahrgang '47; das zeigt, dass das Phänomen nicht erst seit den 80ern existiert, falls das jemand behaupten möchte)

http://ebooks.gutenberg.us/PGCC/7adlf10.htm
(auch hier: „Wie ist Euer Name?“ im Text von Paul Heyse, einem deutschen Dichter, der v.A. im 19. Jahrhundert lebte und schrieb)

Das reicht vielleicht. Soweit ich weiß, wird erst etwa seit den 30ern (±10 Jahre) synchronisiert.

Man sollte vielleicht nicht jedem Gerücht so einfach Glauben schenken, nur weil’s einem in die Gesinnung passt, und dann Gegenargumente damit abtun, derjenige sei zu jung um das zu wissen, lieber Rolf.

Gruß,

  • André
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Tach, Ralf

Die Floskel haben wir den Synchronstudios zu verdanken.

  • das denke ich auch.
    Und die Floskel „einen schönen Tag noch“ ebenfalls, vermute ich stärkstens - das hat früher keine Sau gesagt. Aber wenn ein anglophoner Schauspieler seine Lippen bewegt, und in der Synchronisation kommt nix, dann wäre das schon seltsam.
    Ich kaufe ziemlich oft bei „Combi“ ein. Die Geschäftsführung muss den Fachverkäuferinnen für das Fleischereihandwerk und den Fachkräften für Strichcodescanning und Wechselgeldrückgabe in den letzten Monaten eine dementsprechende Fortbildung auf’s Auge gedrückt haben.

Hab eine schöne Woche!
Pit

derjenige sei zu jung um das zu
wissen, lieber Rolf.

Lieber Ondré,

der Meinung bin ich weiterhin. Deine Fleißarbeit zeigt doch nur, dass die Wendung „Wie ist dein Name“ vor allem bei Shakespeare-Übersetzern beliebt war - vielleicht mit Absicht, weil seine Texte ja wahrlich nicht aus unserer Zeit stammen.

Auf der Bühne hätte damals wohl auch hier niemand gefragt „Was wollen Sie?“, sondern viel eher „Was ist Euer Begehr?“

Gruß Ralf

Hallo Stefan,

Kommt drauf an, wer mich nennt: ein Freund sagt vielleicht seit Jahrzehnten meinen Spitznamen, mein Vorgesetzter im Büro „Herr XY“, meine Frau nennt mich „Bärli“…; ich glaube, diese Frageform ist nicht die Lösung.

Gruß
von Julius

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Darf ich fragen, wie du auf die Idee kommst, diese Floskeln (also die von dir genannte und die aus der Ausgangsfrage) kämen irgendwie durch falsche oder unglückliche Synchronisationen zustande? Wie ich weiter unten ja gezeigt habe, wurde zumindest „Wie ist Ihr/Euer Name?“ ja schon vor Jahrhunderten verwendet.

Ich wüsste nicht, warum „einen schönen Tag“ gerade Synchrondeutsch sein sollte… auch wenn es vor vielleicht 100 Jahren seltener als Heute verwendet wurde, dann muss das nicht heißen, dass das Fernsehen daran Schuld wäre — es könnte auch durch andere Faktoren häufiger geworden sein. Vielleicht war es früher einfach nicht üblich, weil die Etikette andere Floskeln vorsahen oder aber das Wort „gut“ (oder was man damals eben gesagt haben mag) mittlerweile für die deutschen Sprecher nicht positiv genug klingt.

Synchronübersetzung ist nur in den allerwenigsten Fällen ein Argument. Bei „Sinn machen“ mag es zutreffen, aber hier mir allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht, auch wenn manche das gerne so sehen wollen.

Grüße,

  • André