Hi Malte,
2500 € sind ein Hungerlohn? Das ist kein fettes Gehalt, keine
Frage, aber mancher Akademiker, 25 J., kinderlos, mit 2 J.
effektiver Berufserfahrung, würde sich satt darüber freuen!
Mag sein. Aber aufgrund der fehlenden Progression darf man nicht vergessen dass es kaum noch zu einer Verbesserung kommt. Wenn derjenige eine Familie gründen möchte wird’s aber schon langsam knapp.
Man kann davon leben, aber große Sprünge sind damit nicht drin, sondern da muß man ganz schön rechnen.
Es muß ja nicht jeder eine schmuckes Eigenheim in Hahnwald, Blankenese oder Grünwald erbauen und eine S-Klasse vor der Tür stehen haben, aber wenn der Kinobesuch gestrichen werden muß weil die Nachkommenschaft Schulbücher braucht… Dann fällt das für meinen Geschmack nicht mehr in den Bereich eines Normalverdieners, der halt so über die Runden kommt wenn er bodenständig lebt.
Findest Du, der Bruttolohn sollte von der Zahl erfolgreichen
ungeschützten Geschlechtsverkehrs und des puren Alters
abhängen? Ich finde das ganz und gar nicht, ich finde, Lohn
sollte leistungsabhängig sein (wo Erfahrung durchaus _auch_
mit hineinspielt).
OK. Aber ich setze die Untergrenze so dass selbst derjenige, der einen eher einfachen Job macht, für 8 Stunden Arbeit und Verantwortung, selbst wenn es in einem kleinen, bescheidenen Bereich ist, Anrecht auf ein Gehalt hat, von dem derjenige ordentlich und ohne Not leben kann.
Ein Lokführer hat einen sozial ungünstigen Job weil er auch frühmorgens, spätabends, an Sonn- und Feiertagen unterwegs ist und damit oft zu anstrengenden Zeiten arbeitet. Er leistet dann eine schwere Arbeit weil es sicher kein Zuckerschlecken ist mitten in der Nacht unterwegs zu sein. Die Dienstpläne kommen offenbar sehr kurzfristig und es gibt das, was in Pilotenkreisen sog. „Off“-Zeiten sind, nämlich Fahrten zu oder vom Depot. Das ist zwar kein Dienst, aber eben auch keine Freizeit. Noch dazu stranden die Leute, wie man hört, oft irgendwo in der Pampa.
Die einzige Möglichkeit das zu vergüten - neben ordentlichen Dienstplänen - ist ein entsprechend gutes Gehalt. Aber das erkenne ich nicht bei den Summen, die genannt werden.
Ich bin da gespalten. Ich finde es richtig und gut, wenn sie
für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen (humanere
Schichtzeiten, geregeltere Ruhetage etc.), aber 30% mehr
Gehalt empfinde ich als schlicht gnadenlos unverschämt, wenn
ich mir die Qualifikation anschaue.
Aber die Qualifikation ist IMHO kein Argument. Was zählt sind die Leistung des Mitarbeiters, die Erschwernisse des Jobs und auch die Möglichkeiten des Unternehmens.
Wenn da fette Gewinne gemacht werden - besser: auch von den Lokführer mit erwirtschaftet werden - dann muß sich das nicht nur in der Tasche des Herrn Mehdorn und der anderen Vorstandsmitglieder auszahlen, sondern bei allen Mitarbeitern.
Und Ausbildung/Qualifikation hin oder her, der Lokführer leistet etwas für sein Geld. Er trägt Verantwortung, er ist zu ungünstigen Zeiten unterwegs und „Streß“ ist nicht allein die Bedienung eines Zuges, sondern vielleicht auch das Der-Zeit-nachrennen bei den allgegenwärtigen Verspätungen, das Händeln von Problemen und allgemein das Management damit der zug von A nach B fährt.
Ich vergleiche das immer gerne mit Piloten weil ich die Strukturen da besser kenne als bei den Lokführern. Die leisten bei einem normalen Flug 20% der Fähigkeiten, die sich aber immer haben und halten müssen - für den Fall der Fälle. Da kann man nicht sagen „naja, hast ja nix geleistet außer ein paar Knöpfchen zu drücken…“
Die 30%-Forderung kommt ja nur deswegen auf weil Mehdorn bei seinem eigenen Gehalt mit 300% zugegriffen hat, die Bahn Gewinne macht und es seit Jahren nicht mehr mehr Geld gab. Jetzt ist die Forderung natürlich drastischer als wenn es eine kontinuierliche Progression gegeben hätte.
Nebenbei: die GDL hat seit längerem selber gesagt dass die 30% publikumswirksam in die Runde geworfen wurden, aber nicht ernsthaft als Verhandlungsbasis/Forderung anzusehen sind.
Die Sache mit der Verantwortung zieht übrigens nicht, ich
schätze mal, Du weißt, was ein Rettungsassistent bekommt…
Solang die Lokführer ihren Job ordentlich machen (was keine
herausragende Anforderung ist, das müssen wir alle), tragen
sie nicht grad ständig den seidenen Faden meines Lebens.
Durch Fehlverhalten andere umbringen können viele
Arbeitnehmer.
Stimmt, aber dass viele andere auch zu wenig bekommen kann man ja schlecht als Argument anführen warum die Lokführer bitte auch nur ein bisschen mehr, aber immer noch zu wenig ins Geldsäckel bekommen sollen.
Gruß,
MecFleih