Wie ist der 'Preis' definiert?

Hallo VWL-Experten,

ihr kennt doch diese Angebots-Nachfrage-Diagramme, in deren Schnittpunkt das jewelige Marktgleichgewicht gesehen wird.

Auf der y-Achse wird üblicherweise der Preis aufgeführt. Was ist dabei der Preis bei Intertemporaltäuschen, also zeitlich versetzten Leistungen und Gegenleistungen?

a) Nur die Differenz (Aufpreis)?
b) Die Gesamthöhe der Gegenleistung?

Falls die Antwort ist, dass der Intertemporaltausch dann aufgegliedert werden muss, so dass zusätzlich Kreditverhältnisse entstehen, und somit der Aufpreis als „der“ Preis eines Teil-Tausches entsteht:

Wie ist es dann zu bewerten, wenn es Zeitpräferenzen gibt, die bei freiem Markt dazu führen müssten, dass die gesamte Gegenleistung in der Zukunft sogar geringer ausfällt als die Ursprungsleistung heute? Dann gäbe es ja keinen „Aufpreis“ sondern einen „Minderpreis“ (keine Ahnung wie man das nennen sollte), jedenfalls einen negativen Preis für diesen Teil-Tausch. Also auch tatsächlich einen Schnittpunkt der Angebots- und Nachfragekurve unterhalb der Nulllinie!

Verschiebt man die Graphen aber um die Ursprungsleistung nach oben, hätte man wieder einen postiven Gesamtpreis und die Welt wäre in Ordnung.

Ist eine Betrachtung des „Aufpreise“ als Preis i.S. dieses Diagrammes also überhaupt zulässig?

Alles Gute wüscht
… Michael

Hallöchen,

Auf der y-Achse wird üblicherweise der Preis aufgeführt. Was
ist dabei der Preis bei Intertemporaltäuschen, also zeitlich
versetzten Leistungen und Gegenleistungen?

wenn ich heute von Dir einen Sack Flöhe per 31.12.2006 für 100 Euro kaufe, was kann da wohl der Preis sein?

Gruß,
Christian

Auf der y-Achse wird üblicherweise der Preis aufgeführt. Was
ist dabei der Preis bei Intertemporaltäuschen, also zeitlich
versetzten Leistungen und Gegenleistungen?

a) Nur die Differenz (Aufpreis)?
b) Die Gesamthöhe der Gegenleistung?

Falls die Antwort ist, dass der Intertemporaltausch dann
aufgegliedert werden muss, so dass zusätzlich
Kreditverhältnisse entstehen, und somit der Aufpreis als „der“
Preis eines Teil-Tausches entsteht:

Wie ist es dann zu bewerten, wenn es Zeitpräferenzen gibt, die
bei freiem Markt dazu führen müssten, dass die gesamte
Gegenleistung in der Zukunft sogar geringer ausfällt als die
Ursprungsleistung heute? Dann gäbe es ja keinen „Aufpreis“
sondern einen „Minderpreis“ (keine Ahnung wie man das nennen
sollte), jedenfalls einen negativen Preis für diesen
Teil-Tausch. Also auch tatsächlich einen Schnittpunkt der
Angebots- und Nachfragekurve unterhalb der Nulllinie!

Hallo,

ich hoffe, ich habe deine Ausführungen richtig verstanden: Du sprichst davon, dass die Gegenleistung oder Teile davon später stattfinden als die Erstleistung und erstere dann einen anderen Marktwert hat?

Ich glaube nicht, dass das für den Preis aus Angebot und Nachfrage eine Rolle spielt. Entscheidend ist der Preis, der beim Vertragsabschluss gilt. Wenn sich der Marktwert einer Leistung bis zur Erfüllung verändert, spielt das keine Rolle mehr. Gehen die Vertragspartner davon aus, dass sich der Marktwert einer Leistung bis zur Erfüllung verändern wird, werden sie diesen Umstand miteinberechnen und der Preis zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses wird dadurch angepasst werden.

Grüße
Werner

Hallo Christian,

wenn ich heute von Dir einen Sack Flöhe per 31.12.2006 für 100
Euro kaufe, was kann da wohl der Preis sein?

ich habs befüchtet, dass ich mich nicht richtig ausgedürckt habe. In dem Fall ist der Preis wohl klar 100 Euro.

Aber was ist der Preis (eigentlich müsste die Frage lauten „wofür“), wenn ich dir heute 1 Sack Flöhe für 1 Euro pro Tag und 100 Tage LEIHE.

Ursprungsleistung: 1 Sack Flöhe (hin)
Gegenleistung: 1 Sack Flöhe (zurück) und 100*1 Euro.

Was passiert, wenn es eben nicht Flöhe sind, sondern Erdeeren und dann betrachte einmal von August bis Dezember und einmal von März bis Juli.

Klingelts? Im August ist wohl die saldierte Zeitpräferenz eher auf Dezember (weil Erdbeeren dann rar sind) - also in der Zukunft. Im März wäre sie aber eher auf „jetzt“ (März), weil Erdbeeren eben dann immer noch rar sind, im Juli aber nicht mehr.

Wenn man als Preis nun NUR die 100*1 Euro annimmt, könnte dieser Preis durchaus mal negativ werden. Wenn man aber als Preis die gesamte Gegemleistung sieht, dann bleibt der Preis immer postitiv, bis er für den Verkäufer wirklich sinnlos wird.

Oft wird aber als „Preis“ eben dieser „Aufpreis“ verwendet. Ist das nur umgangsprachlich so, oder auch wissenschaftlich der Preis im Sinne eines Angebots-Nachfrage-Diagramms?

Alles GUte wünscht
… Michael

Hallo Werner,

ich hoffe, ich habe deine Ausführungen richtig verstanden: Du
sprichst davon, dass die Gegenleistung oder Teile davon später
stattfinden als die Erstleistung und erstere dann einen
anderen Marktwert hat?

ja, aber anders als du es verstanden hast, so dass es vorher schon bekannt ist, und nicht um eine unerwartete Preisänderung handelt.

Ich glaube nicht, dass das für den Preis aus Angebot und
Nachfrage eine Rolle spielt. Entscheidend ist der Preis, der
beim Vertragsabschluss gilt.

Logisch, meinte ich aber nicht.

Siehe meine Antwort an Exc, mit weiteren Erläuterungen.

Alles Gute wünscht
… Michael

Du musst das Geschäft als Ganzes beurteilen, nicht den Wert einzelner Leistungen zu unterschiedlicher Zeiten.

Bsp.: Im Sommer schließt du ein Geschäft ab, wonach du von X0 bis X100 jeden Tag x Erdbeeren zu einem fixen Preis verkaufst. Zum Stichtag X0 kosten x Erdbeeren €1, zu X100 werden jedoch €2 erwartet, weil es Winter wird.

Der Preis für dieses Geschäft zum Stichtag X0 wird aus den durchschnittlichen Preisen von X0 bis X100 ermittelt. Kommt da dann z.B. €1,5 für x Erdbeeren heraus, ist das der Marktwert für dein Geschäft zum Stichtag X0.

Wenn du also zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses schon weißt, dass es in Zukunft zu einer Preisänderung kommen wird, wirst du diesen Umstand miteinberechnen. Der Preis für dein Geschäft kann dann vom aktuellen Marktpreis abweichen.

Nun klarer, oder hab ich es wieder nicht ganz kapiert :smile:

Werner

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Werner,

Bsp.: Im Sommer schließt du ein Geschäft ab, wonach du von X0
bis X100 jeden Tag x Erdbeeren zu einem fixen Preis verkaufst.
Zum Stichtag X0 kosten x Erdbeeren €1, zu X100 werden jedoch
€2 erwartet, weil es Winter wird.

Der Preis für dieses Geschäft zum Stichtag X0 wird aus den
durchschnittlichen Preisen von X0 bis X100 ermittelt. Kommt da
dann z.B. €1,5 für x Erdbeeren heraus, ist das der Marktwert
für dein Geschäft zum Stichtag X0.

logisch. Darum geht es mir auch nicht. Es geht um „Mietpreise“. Ich wollte das Wort aber vermeiden, weil es mir eigentlich um Geschäfte geht, bei denen man die gleichen Waren zurückgibt, aber NICHT dieselben, dafür aber im selben Zustand zurückgibt wie bei der Bereitstellung.

Also nicht Mietwohnung oder Mietwagen, weil dabei gibt mal ja dasselbe Objekt zurück und zudem üblicherweise in einem schlechteren Zustand als man es erhalten hat - was sich natürlich im „Mietpreis“ mit ausdrückt.

Das mag sehr theoretisch klingen, ich will aber schon auf was ganz bestimmtes hinaus. Wenn ich das sage, setzt aber jeder wieder seine Scheeklappen auf und argumentiert dogmatisch statt wissenschaftlich.

Alles Gute wünscht
… Michael

logisch. Darum geht es mir auch nicht. Es geht um
„Mietpreise“. Ich wollte das Wort aber vermeiden, weil es mir
eigentlich um Geschäfte geht, bei denen man die gleichen Waren
zurückgibt, aber NICHT dieselben, dafür aber im selben Zustand
zurückgibt wie bei der Bereitstellung.

Also nicht Mietwohnung oder Mietwagen, weil dabei gibt mal ja
dasselbe Objekt zurück und zudem üblicherweise in einem
schlechteren Zustand als man es erhalten hat - was sich
natürlich im „Mietpreis“ mit ausdrückt.

Also A bekommt von B im März x Erdbeeren. Im Juli gibt A dem B x andere zurück, die aber dieselbe Qualität haben, und zahlt einen Aufpreis von 100. Diese x Erdbeeren haben jetzt aber einen niedrigeren Wert.

An Exc hast du folgendes geschrieben:
"Wenn man als Preis nun NUR die 100*1 Euro annimmt, könnte dieser Preis durchaus mal negativ werden. Wenn man aber als Preis die gesamte Gegemleistung sieht, dann bleibt der Preis immer postitiv, bis er für den Verkäufer wirklich sinnlos wird.

Oft wird aber als „Preis“ eben dieser „Aufpreis“ verwendet. Ist das nur umgangsprachlich so, oder auch wissenschaftlich der Preis im Sinne eines Angebots-Nachfrage-Diagramms?"

Der Preis ist der Wert der gesamten Leistung, nicht nur der Aufpreis. Für das obige Beispiel hieße das, dass der Preis, den B von A für x Erdbeeren im März erhält, x Erdbeeren im Juli + 100 beträgt. Die umgangssprachliche Bezeichnung, dass der Preis dem Aufpreis entspricht, ist meiner Meinung nach falsch.

Kann ein Preis jemals negativ werden? => nein.
Der Wert dieses Geschäftes kann zwar für einen von den beiden negativ sein. Wenn x Erdbeeren im März einen höheren Wert haben als x Erdbeeren im Juli + 100, dann hat A einen Gewinn daraus gemacht.
Der Preis misst aber rein den Wert einer (!) Leistung, nicht die Differenz von Leistung und Gegenleistung. Und die Leistung besteht nicht nur aus dem monetären Aufpreis, sondern auch den x Erdbeeren im Juli.

Grüße
Werner

Hallo Werner,

Der Preis misst aber rein den Wert einer (!) Leistung, nicht die
Differenz von Leistung und Gegenleistung. Und die Leistung besteht
nicht nur aus dem monetären Aufpreis, sondern auch den x Erdbeeren im
Juli.

so habe ich mir das gedacht. Die Frage ist aber, was die Leistung ist.

Wenn ich jetzt 100kg Erdbeeren bekam und im nächsten Sommer dafür 150kg zurück liefern muss, entspricht dann der Preis für 100kg Erdbeeren(heute) den 150kg Erdbeeren(im nächsten Sommer), oder ist der Preis 50kg Erdbeeren? Die Frage ist wohl „Preis für was“? Preis für den Ausgleich der Zeitpräferenz oder Preis für Ware(jetzt) gemessen in Ware(nächster Sommer).

Die Erdbeeren sind jetzt ja teurer als sie Sommer wieder sein werden, weil es im Sommer mehr Erdbeer-Angebot gibt. Die Zeitpräferenz läge also auf jetzt statt auf nächsten Sommer.

Jetzt das ganze mal mit einer anderen „Ware“. Achtung, jetzt werden Dogmen angegriffen! Und wenn Dogmen angegriffen werden, werden Dogmatiker leicht wütend :wink: - nur falls Dogmatiker mitlesen.

Und wenn ich jetzt 100 Tsd Euro bekomme und im nächsten Sommer dafür 105 Tst Euro zurückzahlen muss, entspricht dann der Preis 105 Tsd Euro oder jetzt plötzlich doch der Differenz, also 5 Tsd Euro?

100 Tsd Euro (heute) kosten mich also 105 Tdt Euro (im nächsten Sommer).

Verstanden wird heute aber von fast allen, dass es beim Geld eben doch um die Differenz, den Preis für die Zeitpräferenz an sich ginge, statt um den Preis für die Verfügbarkeit der 100 Tsd Euro (heute).

Was passiert aber nun, wenn die Zeitpräferenz in der Zukunft liegt, statt auf heute? Reality-Check: Kann das passieren? Ja! Wenn es viele Menschen gibt, die für ihren Altersruhestand sparen wollen, aber immer weniger, die heute investieren wollen (weil Investitionen in Realkapital keine ausreichende Rendite mehr erbringt), dann läge die Zeitpräferenz tatsächlich in der Zukunft!

Versteht man aber als Preis für Kredit nur die Zinsen statt Zinsen+Tilgung, müsste da eigentlich ein negativer Preis rauskommen! Das ist natürlich Humbug. Davon abgesehen, dass das im heutigen Geldsystem nicht geht, weil dieses dann einfach gar nicht mehr verliehen würde (und damit der Verlust ggf. geringer wäre).

Versteht man aber als Preis für Kredit, also für Schuldner-Liquidität(heute), Tilgung+Zinsen, also GläubigerLiquidität(morgen) dann macht der Gläubiger zwar Verlust, aber der Preis ist nach wie vor positiv.

Das wäre genauso wie im Sommer die Zeitpräferenz für Erdbeeren eben in der Zukunft (im Winter) liegt.

Alles Gute wünscht
… Michael