Hallo,
Magister: Freizeit noch und nöcher (2 Scheine pro Semester
machen ist nun wirklich null Problem)
der Magister kommt halt noch aus einer anderern Zeit, in der
ein Student als ein selbstständiges, sich selbst
organisierendes Wesen angesehen wurde, dessen Lern- und
Bildungsfortschritte nicht bei jedem noch so kleinen Schritt
überwacht und bewiesen werden musste, weil man davon ausging,
dass sein eigenes Interesse darauf ausgerichtet ist.
Und die vielen Scheine, die du mehr machen musst… Sind die
alle so aufwändig wie ein Magisterschein, mit Referat von
45-135 Minuten und dazugehöriger Hausarbeit mit 20 Seiten?
Oder sind da doch so einige Sitzscheine dabei, die teilweise
auch als Leistungsnachweis deklariert werden, also ein
fünfminütiges Referatchin oder ein Sitzungsprotokoll umfassen?
Es gibt im ECTS-System keine Sitzscheine mehr. Das heißt, JEDER Schein muss durch eine Leistung erarbeitet werden. Das geht von 2 Seiten Protokoll für 2 ECTS (im ersten Semester) bis zu 25 Seiten Hausarbeit plus 90 Minuten Referat plus mündliche Prüfung (ab dem 3./4. Semester) für 6 ECTS, um Dir die Extreme zu nennen.
Es gibt 15minütige Referate, es gibt aber auch - und das ist der große Hauptteil - die klassischen 90-Minüter.
Und wenn Du von einer solchen Sorte 10 Leistungen im Semester erbringen musst, dann stehst Du permanent unter Druck.
Ein Master muss wesentlich mehr Leistung nachweisen als ein
Magister, zweifellos. Ob er wirklich mehr geleistet hat als
ein Magister, und vor allem, ob er in den nicht
nachzuweisenden Fähigkeiten wie Selbstorganisation,
selbstständigem Denken und nach eigenen Interessen
ausgelegter Bildung an den Magister heranreicht, wage ich
stark zu bezweifeln.
Das mag nur jemand beurteilen, der darüber Studien anfertigt. Ich halte Deine These für zu gewagt.
Selbstverständlich gibt das B.A./M.A.-Studium nicht mehr die Zeit her, sich mit Hesse, Kafka, Kant, Marx und Konsorten jeden Abend bei Matetee zum Lesekreis zu treffen, jedoch bleibt mehr als genügend Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Hier helfen die verlängerten Prüfungsfristen für Ehrenämtler. Ich bspw. war Fachschaftsvorstand, im Fakultätsrat, sitze im Studentenparlament, in der Studienkommission und bin AStA-Referentin. Diese Zeit bleibt.
Man muss die freie Zeit aber dann bedacht verplanen.
Was nach eigenen Interessen ausgelegt betrifft: Ich habe pro Semester die Möglichkeit, mir unter durchschnittlich 50 Veranstaltungen die 6-8 auszusuchen, die mich interessieren (bei 4 hauptamtlichen Professoren, 2 Privatdozenten und einigen Lehrbeauftragten, die meine Fächer lesen, eine ganze Menge). Es kommen noch 2-3 Veranstaltungen im Nebenfach dazu, die sind aber festgelegt.
Du siehst, die Vielfalt kommt nicht zu kurz.
Warum nun studiere ich Bachelor? Weil ich nach 3 Jahren (gut, bei mir sinds jetzt 4 geworden, siehe Ehrenamt) einen Abschluss habe, danach kurz oder länger pausieren kann und dann weiterstudieren kann.
Es wäre für mich unerträglich, nach 10 Semestern Magister immer noch nichts Verwertbares in der Hand zu haben. Da gibts ja nicht mal ein Vordiplom oder sowas.
Viel Spass noch beim studieren!
Danke!
Grüsse
Jörg
Ebenfalls Grüße!
Sarah