Wie ist es so zu studieren?

Hallo,

ich stimme dir grundsätzlich zu, dass es sowohl zwischen den Abschlussarten (Bachelor, Magister, Diplom, Staatsexamen usw) als auch zwischen einzelnen Fächern Unterschiede bezgl. des „Schwierigkeitsgrades“ gibt, auch dass der Bachelor/Master von der straffen Organisation und der geringen studentischen Freiheit her „anspruchsvoller“ sein mögen, aber das:

Ein Magister ist nichts wert - Schmalspurstudium würde ich mal
dazu sagen.

und das

Generell gilt:
Lehramt: viel Zeit, meist sehr einfacher Stoff

ist ja wohl gequirlte Sch****. Auch hier hängt es von der Art des Lehramts und/oder der Fächerkombination (Lehramt u Magister) ab. Und auch hier bekommt keiner was geschenkt.

Ich will mal nicht hoffen dass dir der Philosophie und Geschichte Bachelor zu Kopfe gestiegen ist … :wink:

Grüße

Wawi

Man kann nicht behaupten, dass die Informatik im weiten Sinne
mich nicht interessiert. Aber neben zwei, drei Fächern die
dich vielleicht intessieren, gibt es eben 25 weitere Module
die erledigt werden müssen.

Ich werde die Tage mit meinem Informatikstudium fertig und mir hat es bestens gefallen. Zur Info: Ich habe nebenbei auch Mathematik studiert und programmiere seit über 10 Jahren leidenschaftlich. Zusammenfassend: Mir haben etwa 90-95% der Lehrveranstaltungen (im Sinne der Thematik) gut gefallen.

Oft ist es so, dass Informatikstudenten lieber Software Engineering o.Ä. studieren würden. Aber Informatik ist eben nicht (nur) XML, Java, Linux, etc. sondern auch Potenzmenge, Turingmaschine, Logikkalküle, etc.

Ist es bei dir ähnlich?

Grüße.

Hallo,

ich stimme Dir vollkommen zu in dem, was Du hier

der Magister kommt halt noch aus einer anderern Zeit, in der
ein Student als ein selbstständiges, sich selbst
organisierendes Wesen angesehen wurde, dessen Lern- und
Bildungsfortschritte nicht bei jedem noch so kleinen Schritt
überwacht und bewiesen werden musste, weil man davon ausging,
dass sein eigenes Interesse darauf ausgerichtet ist.

sagst. Es ist wirklich so, dass man bei Bachelor-Studenten davon auszugehen scheint, dass sie, ohne irgendwas darüber schreiben und abgegeben zu müssen, keinen einzigen Text lesen würden.

Aber:

Und die vielen Scheine, die du mehr machen musst… Sind die
alle so aufwändig wie ein Magisterschein, mit Referat von
45-135 Minuten und dazugehöriger Hausarbeit mit 20 Seiten?

Das ist schon in der Tat so, zumindest überwiegend und bei uns.
Im dritten Studienjahr sahen meine Scheine tatsächlich so aus: Ein 90-minütiges Referat in einer Zweiergruppe PLUS mindestens 10 Positionspapiere zu behandelten Texten oder ein 10-seitiges Essay als Voraussetzung für die Prüfung, die dann aus einer 30-minütigen mündlichen Prüfung oder einer 15-seitigen Hausarbeit bestand.
Riesige Unterschiede zum Magister seh ich da nicht; und wenn man von dieser Art Schein 10 Stück im Semester hat, schaut man sich schon um.

Ok, im ersten Semester habe ich mal einen Schein für ein Protokoll plus Mini-Kolloquium bekommen, aber das sind schon eher die Ausnahmen.

Es gibt einen Haufen Dinge, die man dem Bachelorsystem vorwerfen kann, aber zu wenig workload gehört nicht dazu, und angesichts dessen ärgert es mich wirklich, wenn meine Diplömer-Freunde mich Schmalspur-Akademiker schimpfen und dann ihr nächstes Semester planen: „Vielleicht schaffe ich ja auch sogar drei Scheine, aber dann muss ich auch an drei Tagen pro Woche zur Uni, mal schaun, ob ich das hinkriege…“ Das ist ein Original-Zitat, sicher gibt es auch eine ganze Menge fleißiger Magister und Diplömer. Bloß, in diesen Studiengängen KANN man wohl auch faul durchrutschen, das geht im Bachelor kaum.

Alles hat Vor-und Nachteile…
Grüße
Sonja

Zivildienst, Lehre, erst dann studiert und abgebro
ich hab’ wg numerus clausus für Dolmetscher erst (Wartezeit) ‚ne Lehre, dann noch Zivildienst gemacht. Hab‘ also schon ‚richtig gearbeitet‘. Dann war ich schon 23 oder 25 oder sowas. Plötzlich mußte ich mit 18-jährigen auf schmalen ‚Hühnerbänkchen‘ sitzen bei irgendswelchen Vorlesungen oder Seminaren.

Fazit: nach drei Monaten abgebrochen, obwohl ich ‚das Zeugs dazu‘ zwiefellos gehabt hätte.

… (für Dich als Info)

Lehrschulden sind Holschulden
Es ist wohl so, daß Du plötzlich auf eigenen Beinen stehen mußt.
Du mußt Dir Deine Kurse, Seminare, Vorlesungen, angestrebte Scheine, usw selbst aussuchen, was Du Dir zutraust an ‚Lernen und er-Studieren‘.
Dich - womöglich - in einer anderen, neuen, fremden Stadt eine Wohnung, Unterkunft, Bleibe suchen.
Das kann sehr witzig, aufschlußreich, interessant, bereichernd sein, oder auch frustrierend, zurückwerfend, einsam.
Das liegt plötzlich allein’ an Dir.
Mach 'was draus!

Sei, der (oder die) Du bist, und wisse, was Du willst.

Oft ist es so, dass Informatikstudenten lieber Software
Engineering o.Ä. studieren würden.

Ne, das würde ich auch nicht studieren wollen :wink:
Aber Informatik ist eben

nicht (nur) XML, Java, Linux, etc. sondern auch Potenzmenge,
Turingmaschine, Logikkalküle, etc.

Ist es bei dir ähnlich?

Ja sicher, obwohl es sich Medieninformatik schimpft, kommt die höchsttheoretische und abstrakte Theorie nicht zu kurz.
Aber mal ehrlich: Die brauche ich nicht zum programmieren…
In Mathe bin ich zwar auch eine Niete, aber trotzdem bereitet mit die Programmiererei an sich nicht unbedingt Schwierigkeiten…und Logiksachen sind auch kein Problem.
Nur das gelehrte Java geht mir ziemlich auf den Keks, ich mag diese Sprache überhaupt nicht. Nur weil sie gut gedacht ist, muss sie nicht auch gut anwendbar sein.
Und jetzt kommt in einem anderen Modul so ein schräger Vogel daher und lehrt uns Python. Der will mich wohl endgültig von Java wegekelen.

Hi,

ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Der Bachelor ist schon ziemlich verschult und stressig.
Bachelor Informatik z.B. 28 - 32 Semesterwochenstunden … ergo 56 - 64 Stunden Arbeit pro Woche !

Nebenbei kommen auch noch die tollen Zulassungskriterien zur Klausur ( nur wenn man bei den Übungszettel 50 % aller Punkte erreicht), was einem nicht mal ne Woche Ruhe lässt.

Auch werden die ECTS-Punkte tlw merkwürdig verteilt… so bekommt ein Informatiker 8 Punkte für die selbe Vorlesung für die ein CLSler (Computational Life Science) 9,5 Punkte bekommt. 1 ECTS-Punkt = 30 Stunden Arbeit im Semester.

Aber trotz der Arbeit lernt man nirgendwo anders so interessante Menschen kennen.
Außerdem sollte man sein Studium schon lieben und auch ein gewisses Maß an Enthusiasmus mitbringen, damit man auch die uninteressanten Pflichtfächer übersteht.

Hallo,

Magister: Freizeit noch und nöcher (2 Scheine pro Semester
machen ist nun wirklich null Problem)

der Magister kommt halt noch aus einer anderern Zeit, in der
ein Student als ein selbstständiges, sich selbst
organisierendes Wesen angesehen wurde, dessen Lern- und
Bildungsfortschritte nicht bei jedem noch so kleinen Schritt
überwacht und bewiesen werden musste, weil man davon ausging,
dass sein eigenes Interesse darauf ausgerichtet ist.
Und die vielen Scheine, die du mehr machen musst… Sind die
alle so aufwändig wie ein Magisterschein, mit Referat von
45-135 Minuten und dazugehöriger Hausarbeit mit 20 Seiten?
Oder sind da doch so einige Sitzscheine dabei, die teilweise
auch als Leistungsnachweis deklariert werden, also ein
fünfminütiges Referatchin oder ein Sitzungsprotokoll umfassen?

Es gibt im ECTS-System keine Sitzscheine mehr. Das heißt, JEDER Schein muss durch eine Leistung erarbeitet werden. Das geht von 2 Seiten Protokoll für 2 ECTS (im ersten Semester) bis zu 25 Seiten Hausarbeit plus 90 Minuten Referat plus mündliche Prüfung (ab dem 3./4. Semester) für 6 ECTS, um Dir die Extreme zu nennen.
Es gibt 15minütige Referate, es gibt aber auch - und das ist der große Hauptteil - die klassischen 90-Minüter.
Und wenn Du von einer solchen Sorte 10 Leistungen im Semester erbringen musst, dann stehst Du permanent unter Druck.

Ein Master muss wesentlich mehr Leistung nachweisen als ein
Magister, zweifellos. Ob er wirklich mehr geleistet hat als
ein Magister, und vor allem, ob er in den nicht
nachzuweisenden Fähigkeiten wie Selbstorganisation,
selbstständigem Denken und nach eigenen Interessen
ausgelegter Bildung an den Magister heranreicht, wage ich
stark zu bezweifeln.

Das mag nur jemand beurteilen, der darüber Studien anfertigt. Ich halte Deine These für zu gewagt.
Selbstverständlich gibt das B.A./M.A.-Studium nicht mehr die Zeit her, sich mit Hesse, Kafka, Kant, Marx und Konsorten jeden Abend bei Matetee zum Lesekreis zu treffen, jedoch bleibt mehr als genügend Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Hier helfen die verlängerten Prüfungsfristen für Ehrenämtler. Ich bspw. war Fachschaftsvorstand, im Fakultätsrat, sitze im Studentenparlament, in der Studienkommission und bin AStA-Referentin. Diese Zeit bleibt.
Man muss die freie Zeit aber dann bedacht verplanen.
Was nach eigenen Interessen ausgelegt betrifft: Ich habe pro Semester die Möglichkeit, mir unter durchschnittlich 50 Veranstaltungen die 6-8 auszusuchen, die mich interessieren (bei 4 hauptamtlichen Professoren, 2 Privatdozenten und einigen Lehrbeauftragten, die meine Fächer lesen, eine ganze Menge). Es kommen noch 2-3 Veranstaltungen im Nebenfach dazu, die sind aber festgelegt.
Du siehst, die Vielfalt kommt nicht zu kurz.

Warum nun studiere ich Bachelor? Weil ich nach 3 Jahren (gut, bei mir sinds jetzt 4 geworden, siehe Ehrenamt) einen Abschluss habe, danach kurz oder länger pausieren kann und dann weiterstudieren kann.
Es wäre für mich unerträglich, nach 10 Semestern Magister immer noch nichts Verwertbares in der Hand zu haben. Da gibts ja nicht mal ein Vordiplom oder sowas.

Viel Spass noch beim studieren!

Danke!

Grüsse

Jörg

Ebenfalls Grüße!
Sarah