Hallo,
ich fürchte, wie so ein Studium ist, hängt sehr vom Fach und vom Studiengang ab…
Ich studiere Geistes- und Sozialwissenschaften, habe die Vorlesungen etc. hinter mir und sitze grade an der Bachelorarbeit. Mein Tipp generell: Wenn du nicht sofort das kalte Grausen kriegst, wenn du an „noch mehr lernen“, „sich intensiv mit Themen auseinandersetzen“ und „wissenschaftlich arbeiten“ denkst: Machs. Mich persönlich hat mein Studium fachlich und persönlich sehr bereichert, und ich habe ja grade mal fast nen Bachelor.
Studieren ist im Prinzip schon ein bisschen wie Schule (und das sag ich nicht nur, weil die Bachelorstudiengänge ja so schlimm verschult sein sollen). Die meisten meiner Veranstaltungen laufen so ab: Am Anfang des Semesters gibt es einen Plan, auf dem steht, an welchem Termin welches Thema dran ist, welche Texte man lesen muss um im Bilde zu sein und ggf wer das Referat hält. Meiner Meinung nach macht es dann keinen Sinn, unvorbereitet hinzugehen und sich das mal anzuhören - im Prinzip muss man schon wissen, worum es geht, bevor das Thema im Seminar behandelt wird.
Das heißt natürlich, dass man jede Menge Kram zu Hause machen muss. Ich habe immer genug Schlaf bekommen, aber in meinem anstrengendsten Semester sah es schon so aus: 30 Wochenstunden Uni, 30 zu Hause (und 15 arbeiten). Klingt schlimm, ist es auch, aber nicht so sehr, wie es scheint, die 30 Stunden zu Hause kann man ja auch am Wochenende, auf dem Balkon, beim Essen oder sogar beim Fernsehen machen, je nach dem, worums geht. Von dem Gedanken, jeden Tag bloß von nine to five beschäftigt zu sein und am Wochenende nix zu tun, sollte man sich frei machen. Dafür ist die Präsenzzeit in der Uni natürlich im Normalfall weniger anstrengend als eine Ausbildung und teilweise auch weniger als in der Schule…wenn du nicht grade ein Referat hältst, schreibst du mit und versuchst, zu kapieren worum es geht, was, wenn man zu Hause schon fleißig war, kein Problem sein dürfte.
Tja…Selbstorganisation, klar. Mir ist im dritten Semester aufgefallen, dass ich nach der falschen Prüfungsordnung studiere, darauf hat mich natürlich auch niemand aufmerksam gemacht. Deinen Stundenplan musst du dir in fast jedem Studiengang selbst bauen, mir macht das mehr Spaß als Stress. Aber natürlich kämpft man manchmal gegen eine völlig absurde Bürokratie. Und wenn man verpeilt, sich für eine Prüfung anzumelden, sich um Prüfer und Termin etc. zu kümmern, dann erinnert einen auch keiner dran, aber das sollte man hinkriegen, finde ich.
Ob ein Studium „schwer“ ist oder nicht, hängt eher davon ab, wie sehr einem die Richtung liegt. Klar, man lernt mehr als in der Schule, aber man ist ja auch älter. Dafür kapiert man auch wirklich, worum es geht. Wenn du Spaß an dem Gefühl hast „jetzt habe ich es wirklich ganz und gar verstanden“ und dir „naja, ich weiß, wie man es anwendet“ nicht reicht, dann studier.
Vielleicht noch ein Wort zum Bachelor, viele schimpfen darüber, ich auch, weil er größtenteils echt scheiße organisiert ist. Aber es gibt wirklich schlimmeres…dass die Studenten nur so durchgeschleust werden und alles vorgekaut kriegen stimmt zumindest in meinem Fall nicht. Ein meiner Meinung nach großer Vorteil vom Bachelor ist, dass es von Anfang an Prüfungen gibt. Ich habe meine Abschlussarbeit noch nicht geschrieben, habe aber schon fünf Sechstel meiner Note. Das heißt, man ist gezwungen, kontinuierlich zu arbeiten, hat aber nicht den „jetzt geht es um alles“-Effekt. Der große Nachteil ist das unsägliche BN-System…als Bachelor musst du in jeder Veranstaltung so einen Beteiligungsnachweis machen, das heißt, du hälst im Semester zehn Referate, schreibst fünf Essays und sechs Hausarbeiten, während die Diplömer vielleicht eine im Jahr schreiben. Vom wissenschaftlichen Anspruch her werden Bachelor-Hausarbeiten daher auch ein bisschen relaxter gesehen. Ob das ein Vorteil ist, bezweifle ich…
Vielleicht sagts du mal, was du eigentlich studieren willst? Für Medizin und Astrophysik treffen meine Ausführungen vermutlich alle nicht zu.
Grüße
Sonja