Wie kann es zu solcher Grausamkeit kommen?

Hallo Leute

Gestern las ich diesen Artikel (vorsicht, schwer verdaulich)
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,341141,00.html

Dort ist beschrieben, wie einige Leute einen jungen Mann
erbarmungslos ueber Stunden gequaelt haben. Dieser Vorfall ist
nicht einzigartig in der Weltgschichte, man hoert oder liest so etwas
immer mal wieder. Aehnlich auch in Afrika (der Voelkermord der Hutu
an den Tutsi), wo normale Familienvaeter abends mit der Machete
loszogen und ihre Nachbarn grausam abschlachteten, so wie andernorts
die Maenner abends zum Kegeln gehen.

Da kommt mir die Frage, wie die Menschen zu solchen entsetzlichen
Taten faehig sein koennen. Ich wuerde soetwas nie tun, denke ich
dabei, aber vielleicht irre ich mich.
Meine eigene kleine Theorie ist, dass diese Gewaltausuebung mit einem
sagenhaften Gefuehl von Macht einhergeht. Das Streben nach Macht ist
in den Menschen verwurzelt, es wurde durch die Evolution gefoerdert,
weil der Maechtigere eben der ist, der sich behauptet. Wahrscheinlich
fuehlt man sich nie so lebendig, im Sein bestaetigt, wie in dieser
Affirmation eigener Macht. Normalerweise ist dieses Machtstreben
infolge der Sozialisation stark gefiltert, kann sich aber Bahn
brechen in einer extremen Situation, in welcher alle Hemmungen
fallen, weil ausser dem entfremdet wahrgenommenen Opfer niemand mehr
da ist, der hemmen koennte, stattdessen aber einige, die die
Enthemmung unterstuetzen, naemlich die Mittaeter.
Kann jeder Mensch unter gewissen Umstaenden zur Bestie werden oder
neigen bestimmte Persoenlichkeiten eher dazu als andere? Und wenn dem
so ist, kann man diese Persoenlichkeiten schon im Alltag als
potenzielle Bestien erkennen? Nicht, dass ich mich auf die Suche nach
ihnen machen wollte, ich wuerde nur eben gerne wissen, ob es typische
Anzeichen gibt, an denen ein Psychologe treffsichere Prognosen fuer
das Verhalten in Extremsituationen geben kann.

Vielen Dank fuer Antworten und Meinungen, Tychi

Wenn ich mir gerade vorstelle, wie ich mit diesen Tätern verfahren würde, muss ich nun leider auch an mir einen - sonst nicht gekannten - Hang zur Grausamkeit entdecken.

da kann ich dir nur zustimmen…
vor allem, wenn ich mir vorstelle, was für milde Strafen solche A… dann bekommen…

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stimmt leider

vor allem, wenn ich mir vorstelle, was für milde Strafen

man wird sie möglicherweise zur Resozialisierung nach Argentinien schicken. 8-wöchiger Aufenthalt all inclusive, dann zurück nach D., Gruppentherapie durch einfühlsame und verständnisvolle Psychologen, Fulltimebetreuung mit Wellnessprogramm und schließlich wieder auf freier Wildbahn. So siehts aus.

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Es gibt gerichtsmedizinische Aufsätze, in denen man nachlesen kann, daß in jedem Menschen Verhaltensprogramme für Extremsituationen angelegt sind.

Das Verhalten ist dann offenbar kaum noch durch das Bewußtsein steuerbar.

So kommt es bei Selbsterhaltungskämpfen zu ganz speziellen Mustern und Verletzungen.

Das beschriebene Quälen des Opfers erkläre ich mir als ein Losbrechen solcher Verhaltensmuster durch bestimmte auslösende Umstände.

Das Zusammentreffen ist für beide Seiten tragisch, denn wenn man darüber nachdenkt, wird einem klar, daß hier eine grundsätzliche, allgemeine psychologische Defensivsituation der Täter in eine sinnlose Aggression gegen das konkrete Opfer umschlägt, auf welches das persönliche Bedrückungsgefühl der Täter plötzlich projiziert wird.

Die wirklichen Ursachen der Bedrückung bleiben für die Täter währenddessen natürlich nicht erreichbar.

Unsere „moderne“ Gesellschaft ist in Wirklichkeit eine perverse Ständegesellschaft. Sie verfügt über große Lücken, was die Integrationsmöglichkeiten der - naturgemäß - sehr verschiedenen Menschen betrifft. Die angeblich „moderne“ Gesellschaft wird von zu vielen Dilettanten nach dilettantischen Kriterien „optimiert“. Viele Menschen stehen deshalb am Rand, die in einer normalen Gesellschaft Integrationschancen hätten, während unfaßbar seltsame Schicki-Mickis als Symbole gesellschaftlichen Erfolgs agieren, weil sie auf irgendeine geheimnisvolle Weise den nicht nachvollziehbaren Kriterien des „Erfolgs“ genügen konnten.

Das Vorhandensein ständig angespannter, „geladener“ Bevölkerungsgruppen folgt hieraus logisch und zwangsläufig.

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Kann ich trotzdem nicht verstehen,
das einzige, zu dem ich fähig wäre -
sie an die Wand zu stellen und stante pede…
Zu etwas anderem hätte ich keinen Nerv und keine Lust.

Saubere Arbeit, ohne viel Trara.
Warum sollte man sich die Hände unnötigerweise schmutzig machen ?

Angel

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jaja - schwere Kindheit usw… owt

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Plädoyer für die Täter?

Das Zusammentreffen ist für beide Seiten tragisch, denn wenn
man darüber nachdenkt, wird einem klar, daß hier eine
grundsätzliche, allgemeine psychologische Defensivsituation
der Täter in eine sinnlose Aggression gegen das konkrete Opfer
umschlägt, auf welches das persönliche Bedrückungsgefühl der
Täter plötzlich projiziert wird.

Mit Verlaub: Diese Täter sind keine tragischen Figuren, die etwa unter Bedrückungsgefühlen leiden. Es sind gefährliche Bestien. Und dein Kommentar ist dieses typische wohlmeindende Psychogewäsch, dem wir vermeidbare Grausamkeiten sogenannter „Resozialisierter“ verdanken. Weltfremd und verschroben - so nenne ich das.

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Hallo,

was soll man da antworten: Es steckt im Menschen, in jedem von uns.

Auch die Deutschen können ein Lied davon singen.

Gruß
Moriarty

Hallo Tom

Zunaechst einmal stelle ich fest, dass du etwas weiter oben
geschrieben hast, dass auch du zu Grausamkeiten faehig waerest,
naemlich gegen die Taeter.
Das heisst du wuerdest, wenn du duerftest und wenn du emotional
genuegend betroffen waerest, das gleiche tun wie sie. Der Unterschied
ist nur, dass der Anlass, den sie fuer ihre Tat sahen (Lust zur
Gewalt) den meisten Leuten unverstaendlich und moralisch verwerflich
ist, waehrend der Anlass, den du siehst (Vergeltung) den meisten
Leuten leicht nachvollziehbar oder sogar lobenswert ist.
Das heisst auch, dass auch du bei genuegend gesellschaftlicher
Unterstuetzung und in dem Glauben moralisch richtig zu handeln, zur
Bestie werden koenntest.
Was aber richtig und falsch ist, welcher Anlass also gut oder
schlecht ist, das ist gesellschaftlicher Konsens. Diesen teilen die
Schlaegertypen nicht. Daraus kann ich nicht die Schlussfolgerung
ziehen, dass man sie auf’s derbste verpruegeln oder wegsperren
muesse, sondern daraus folgt fuer mich die Frage, warum sie
den gesellschaftlichen Konsens ablehnen. Man kann jetzt darueber
streiten, ob sie die Muehe wert sind, dass man sich so eingehend mit
ihnen befasst, weil es doch leichter ist, die kranken Elemente aus
der Gesellschaft zu entfernen oder sie zur Zielscheibe eigener
Aggressionen zu gebrauchen.
Ich gebe nur zu bedenken, dass jeder Mensch seine Geschichte hat und
seine Gruende, weshalb er dies oder jenes tut. Und ich behaupte, dass
deine gesellschaftliche Konformitaet ebensowenig dein Verdienst ist,
wie die Nonkonformitaet der Schlaegertypen ihre Schuld. Du bist nur
zufaellig gut geraten, aber gibt dir das das Recht, ueber jene zu
urteilen, deren Geschichte nicht so gluecklich verlief?
Sicher ist es das Einfachste, zu sagen, dass bei ihnen Hopfen und
Malz verloren sei, also weg mit ihnen. Das ist eigentlich auch meine
Meinung, nur weiss ich, dass es sich bei dieser Meinung um
Bequemlichkeit handelt, waehrend du recht unreflektiert das gute und
richtige Unternehmen tadelst, nach Gruenden zu forschen und die
Gesellschaft zu verbessern in dem man die Erkenntnis der Gruende
zukuenftig vorbeugend anwendet. Dieser Tadel beruht auf
verstaendnisloser Ueberheblichkeit und Ignoranz.

Gruss, Tychi

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Hallo Tychi,

von diesen Leuten geht eine massive Gefährdung aus, schlimmer noch als von bissigen Kampfhunden, die man bei erstem Missverhalten ohne viel Aufhebens einschläfert - die meines Erachtens aber mehr Lebensberechtigung haben. Du scheinst den Spiegelartikel nicht richtig gelesen zu haben, zumindest gelingt es dir nicht, dich in die Lage des Opfers zu versetzen.

Gruß Tom

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Hallo Tychi,

von diesen Leuten geht eine massive Gefährdung aus, schlimmer
noch als von bissigen Kampfhunden,

Stimmt.

die man bei erstem
Missverhalten ohne viel Aufhebens einschläfert - die meines
Erachtens aber mehr Lebensberechtigung haben.

Dass man die Hunde einschlaefert, geschieht auch aus Bequemlichkeit,
denn die Muehe einer Umerziehung lohnt sich nicht - es sind eben nur
Hunde. Menschen sind aber nicht nur Hunde.

Dass sie mehr Lebensberechtigung haetten, sehe ich nicht. Warum?

Du scheinst den
Spiegelartikel nicht richtig gelesen zu haben, zumindest
gelingt es dir nicht, dich in die Lage des Opfers zu
versetzen.

Mir gelingt es weder, mich in die Lage des Opfers noch in die der
Taeter zu versetzen. Weil es selbstverstaendlich ist, dass das Opfer
etwas unbeschreiblich Schreckliches erlebt hat, das wahrscheinlich
bis an sein Lebensende auf ihm lasten wird, bin ich nicht darauf
eingegangen. Die Psychologie der Opfer von Gewalttaten ist ein neues
Thema. Hier ging es mir um die Psychologie der Taeter und dein
Beitrag, in welchem du Strafmassnahmen andeutest, war eigentlich auch
schon off topic.

Gruss, Tychi

Hallo,

wie ich finde ist die gegebene Erklärung allemal sehr
plausibel und ohne jegliche Wertung für Opfer oder Täter.

Mit Verlaub: Diese Täter sind keine tragischen Figuren, die
etwa unter Bedrückungsgefühlen leiden.

Diese Einschätzung ist dagegen rein subjektiv und hat
keinerlei Bezug zu Hintergründen.
Das ist einfach nur stupides Stammtischgeschwatz von Leuten,
die dem Herdentrieb gehorchend, einmal ordentlich
aufgebracht schnell zur Lynchjustitz übergehen, ohne noch
groß nach Recht und Gesetz zu fragen.
Solches scheint mir zwar vom psychol. Standpunkt einfacher
zu erklären, ist aber IMHO auch noch gefährlicher als die
angeprangerten Rechten Gewalttäter (von denen weiß man,
was man zu halten hat).

Es sind gefährliche Bestien. Und dein Kommentar ist dieses
typische wohlmeindende Psychogewäsch, dem wir vermeidbare
Grausamkeiten sogenannter „Resozialisierter“ verdanken.
Weltfremd und verschroben - so nenne ich das.

Unwissend und Dumm nenne ich diese Antwort.
Mit welchen Recht, greifst hier an ?
Gruß Uwi

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Hallo Tychi,

wie es dazu kommt, daß Menschen so etwas tun, und was sie dazu treibt, das weiß ich nicht. Allerdings finde ich Deine Theorie plausibel.

Daß grausames Handeln (ob durch körperliche Gewalt oder in subtilerer Form) uns allen möglich ist, da bin ich mir ziemlich sicher.

Siehe folgende Beispiele.

Im Kolosseum sind in den ersten zwei oder drei Jahrhunderten n. Chr. ca. 300.000 Menschen zum Zweck der Unterhaltung des Volkes zu Tode gebracht worden (war auch vor einiger Zeit im Spiegel).

Die Körperstrafen im Mittelalter und der frühen Neuzeit (Scheiterhaufen, Rädern…), die ebenfalls zur Volksbelustigung dienten.

aus dem, was an Informationen zu uns gekommen ist über Ereignisse im 2. Weltkrieg, Vietnam, ehem. Jugoslawien usw. ziehe ich den Schluß, daß gar nicht so wenige Menschen Grausamkeiten begehen würden, wenn sie damit rechnen könnten, dafür straffrei zu bleiben.

Vieles an offener und subtiler Gewalt wurde unter dem Deckmantel von Befehlen und in autoritären Systemen verübt (z. B. Stasi in der ehem. DDR).

Und an den Stammtischen wird in der Phantasie ja auch manches durchgespielt.

Nicht zu vergessen, was in nicht so selten in häuslichem Rahmen an Gewalt insbesondere gegenüber Kindern stattfindet.

Diesen Vorfall in dem Spiegel-Artikel, den Du zitierst, halte ich für atypisch. Denn typischerweise findet Gewalt in irgendeinem institutionalisierten Rahmen, siehe oben, statt.

neigen bestimmte Persoenlichkeiten eher dazu als andere? Und
wenn dem
so ist, kann man diese Persoenlichkeiten schon im Alltag als
potenzielle Bestien erkennen?

Wie ein Mensch sich verhalten wird, kann man sowieso nicht voraussagen. Ob manche Menschen aufgrund ihrer Persönlichkeitszüge dafür prädestiniert sind, darüber gibt es sicher Studien.

Liebe Grüße,

I.