Wie kann ich das als Mutter verarbeiten?

Hallo,
meine Tochter ist am Samstag von einem Kangal(Hütehund) ins Gesicht gebissen worden. Sie ist fünf Jahre alt. Sie hat für sich allein gespielt als der Hund auf einmal wie von sinnen auf Sie ist hat Sie umgeschmissen und zu gebissen. Ich bin sofort mit Ihr ins Krankenhaus gefahren. Ich habe auch eine Anzeige gemacht, weil ich nicht nach voll ziehen kann wie man einen so großen Hund ohne Leine und Maulkorb laufen lassen kann. Ihre aussage war das der Hund soetwas vorher ja noch nie gemacht hat. Meine Tochter hatte Glück im unglück, weil Sie mehrere Zahnabdrücke an der Nase und an der Schläfe sowie knapp an dem Auge hat die gott sei dank zum größten teil nur oberflächlich sind. Die Wunden am Auge haben sich jetzt allerdings entzündet und das trotz Medikamente. Ich war heute beim Kinderarzt. Zudem kommt noch das mein Kind alpträume hat was für diese Situation auch normal ist. Ich möchte mit Ihr eine Terapie machen damit Sie das verarbeiten kann. Ich weiß das die Halterin jetzt viel ärger hat und die Versicherung des Hundes dafür aufkommen muss und das zu recht. Allerdings habe ich auch probleme damit das zu verarbeiten,weil ich Ihr in dem einen Moment nicht helfen konnte, weil es einfach so schnell passiert ist.Und ich saß unmittelbar neben Ihr. Wenn ich meiner Tochter ins Gesicht schaue muss ich mich beherrschen das ich nicht anfange zu weinen, weil mir das unendlich weh tut und ich weiß wie sehr Sie das verletzt hat und das Sie Narben davon tragen wird. Nicht nur körperliche auch seelische. Meine Frage ist deshalb wie ich das für mich verarbeiten kann ohne die trauer auf mein Kind zu übertragen?

Danke für eure Tipps und Ratschläge.

Holt euch die professionelle Hilfe schnellst möglich. Es ist für die gute Verarbeitung eines solchen Ereignisses wichtig, dass zeitnah reagiert wird.

Wenn der Kinderarzt oder das Krankenhaus, wo ihr gewesen seid, keine Anlaufadressen hat, dann hilft der Weisse Ring möglicherweise weiter.

Als Erste Hilfe für den eigenen Umgang hilft das hier vielleicht ein wenig weiter:

http://tinyurl.com/5wb3yge (PDF)

Eine Betroffene
Huhu!

Ich weiß nicht, ob ich dir helfen kann, aber evtl kann ich dir einen ganz klitzekleinen Teil deiner Befürchtungen nehmen.

Ich war auch mal betroffen, sprich, mich hat ein Hund ins Gesicht gebissen, als ich im Kindergartenalter war. Es war der Nachbarshund mit dem ich spielte, während mein Papa und der Nachbar irgendwas aufm Feld machten. Meine Mama erzählte mir später, dass sie in der Einfahrt war und das Ganze also auch hilflos mitansehen musste (ca. 100 m waren wir weg).

Abgesehen von einer Narbe im Gesicht haben wir alle vier (Menschen und Hund) keine Verletzungen behalten. Ich hab das als Kind direkt richtig gut weggesteckt. Ich war irgendwie der Meinung, dass das bei Hunden eben passieren kann und dass ich ihm schließlich den Stock weggenommen hatte. Ich hatte auch später keine Berührungsängste mit dem Nachbarshund oder fremden Hunden und bin generell Tieren sehr aufgeschlossen.

Meine Eltern hatten sich damals natürlich anwaltlich beraten lassen, aber das war noch vor der ganzen Kampfhundesache und der Anwalt hat wohl gerate, das nicht vor Gericht zu bringen. Der Nachbar hat, soweit ich weiß, ein bisschen was bezahlt und auch wenn meine Eltern unterbewusst sicher noch einen Grummel hegen, ist die Nachbarschaft OK.

Eine Betreuung danach hatte niemand von uns, vor knapp 25 und dazu auf dem Land war das überhaupt keine Option.

Also mach dir nicht zu viele Sorgen, ich glaube, Kinder können das besser wegstecken, als man meint. Natürlich solltest du dir psychologische Hilfe holen, wenn du das für richtig hälst, das schadet mit Sicherheit nicht. Aber es ist wirklich, rückblickend als Gebissene, alles nicht so schlimm gewesen. Und die narbe im Gesicht gehört zu mir, die gibt mir Charakter und die war halt quasi immer da, das kennt man gar nicht anders.

Mach dir nicht zu viele Sorgen! Vielleicht hilft dir meine Retrospektive ein wenig dabei.

Ich wünsche dir viel Kraft und der Kleinen gute Besserung!

Hallo Felia,

da du eine Therapie je bereits ins Auge gefasst hast, hier noch ein paar ganz pragmatische Tipps:

Arbeite dagegen, dass deine Tochter eine bleibende Angst vor Hunden behält. Sprich mit ihr darüber, dass dieser Hund offenbar als Baby nicht gelernt hat, wie man richtig streitet, und dass er seine schlechte Laune jetzt auf diese schlimme Art und Weise gezeigt hat. Dass ausgerechnet sie diese abgekriegt hat, war ein Zufall.

Das hat nichts damit zu tun, dass die Sache natürlich niemals hätte passieren dürfen, und dass du völlig im Recht bist, wenn du entsprechenden Schadenersatz forderst. Es geht lediglich darum, deiner Tochter zu helfen, diesen Übergriff als das einzuordnen, was er war: Ein schlimmes Fehlverhalten eines einzelnen Hundes. Das wird dazu beitragen, dass es ihr gelingt, in Zukunft nicht beim Anblick eines x-beliebigen Hundes in Panik zu verfallen. Eine solche Angst kann das Leben ganz schön erschweren.

Und noch ein Tipp: Wenn ihr die Gelegenheit habt, besucht das Welpentraining einer Hundeschule. Dort könnt ihr beide aus sicherem Abstand zusehen, wie kleine Hunde lernen, wie man sich benehmen muss und ganz nebenbei mitbekommen, wie man Hundeverhalten einschätzen kann. Auch das wird (euch beiden) Sicherheit geben.

Allerdings habe ich auch probleme damit das zu verarbeiten,weil ich Ihr in dem einen Moment nicht helfen konnte, weil es einfach so schnell passiert ist.

Das kann ich gut verstehen. Das eigene Kind nicht beschützen können, ist eine schlimme Erfahrung. Und doch: Solche Dinge passieren, ohne dass sie irgendjemand hätte verhindern können. Und das Wichtigste, was du tun kannst ist, deine Angst nicht siegen zu lassen und deiner Tochter ein positives Bild vom Leben zu vermitteln.

Beginne nicht, sie jetzt in Watte zu packen. Je normaler das Leben weitergeht, umso besser. Wie stark das Erlebte ihre Zukunft belastet, wird auch davon abhängen, wie viel Aufhebens du darum machst. Es war ein großer Schreck, es hat weh getan und tut es vielleicht auch noch eine Weile - aber es wird vergehen. Über eventuelle Narben könnt ihr nachdenken, wenn diese tatsächlich mal zu einem Thema werden sollten. Die Furcht davor wecken, ist keine gute Idee.

Und wenn du weinen musst, wenn du sie ansiehst, dann erkläre deiner Tochter, dass du einfach nur froh bist, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Das wird sie verstehen, ohne deine Sorgen übernehmen zu müssen. Sich mit ihr darüber zu freuen, dass alles doch noch ganz gut ausgegangen ist, ist die gesündere Sichtweise für euch beide :smile:.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo Jule 959,
ich wollte mich bei Dir für Deine Antwort bedanken.
Gruß Felia69

Guten Abend Lady Lockenlicht,
ich danke Dir sehr für Deine Antwort. Du hast mir wirklich mut gemacht. Und natürlich hast Du recht es gibt immer zwei Seiten einer Medallie.
Gruß Felia 69

Guten Abend JaninaG,
ich wollte mich für Deine Antwort bedanken. Ich habe ja noch ein paar andere Antworten bekommen und Ihr habt mir wirklich sehr damit geholfen, weil ich offen mit euch über meine Ängste und Sorgen sprechen konnte. Meiner Tochter geht es auch besser Sie hat gestern das erste mal wieder ohne alptraum durch geschlafen. Alles andere kommt mit der Zeit. Habe heute auch einen Termin bei einem Psychologen gemacht.
Gruß Felia 69

Hallo Felia,

meine Tochter hatte genau das gleiche. Sie war sogar noch jünger. Sie musste am Mund genäht werden und hatte tagelang die Nahrungsaufnahme verweigert. Wir wussten nicht mehr weiter. Aber wir waren immer da für sie. Das ist das wichtigste. Dann mussten wir uns was einfallen lassen, damit sie wieder ißt. Ich habe eine Rolle für sie gespielt. Einen zerstreuten Professor, der extra eingeflogen wurde und seine „Instrumente“ (ihre Barbiepuppen) mithatte. Er hat sie dann mit den Haaren ihrer Barbiepuppe „behandelt“. Erst an Beinen und Armen und schließlich auch im Gesicht. Am selben Tag hat sie wieder gegessen und war sehr bald wieder das lebensfreudige Mädchen wie vorher (mit etwas mehr Respekt vor Hunden versteht sich). Alles ist sehr gut verheilt (sind eben Kinder). Heute ist sie ein hübsches Mädchen.

Denke mit Deiner Liebe und Aufmerksamkeit und nicht zuviel ängstlichem Gesicht sondern auch einer Portion Humor wird das sehr wahrscheinlich alles gut.

Viel Glück wünscht

ikarusfly