Wie kann ich einen Raum von innen nachisolieren?

Hallo zusammen,

ich wohne in einem älteren Mehrfamilienhaus (Bj 1965), und damals hat man wohl nicht so toll gegen Kälte isoliert. Da eine zusätzliche Isolierung der Aussenwände in nächster Zeit nicht machbar ist, habe ich mir überlegt, ob dies auch von innen möglich sein könnte. Ist es z. B sinnvoll und machbar, direkt auf den Innenputz Gipskartonplatten anzubringen, um so die Isolierung zu verbessern? Sollten die mittels einer Unterlattung angebracht, oder direkt aufgeklebt werden? Kann sich da dann zwischen Putz und Platte Feuchtigkeit und somit Schimmel bilden?

Grüsse, Rainer

Hallo Rainer,

wenn es sich irgendwie vermeiden läßt, keine Innenisolierung.

Das wird mit schöner Regelmäßigkeit ein Paradies für Schimmel!

Zudem wird der Innenraum ziemlich verkleinert, mit allem Drum und Dran werden das gute 20 cm, die Du an die Wand bringst.

Also ich rate DIr davon ab!
Wenn Du es aber unbedingt machen willst, laß es von einer Fachfirma machen, wunder Dich aber nicht, wenn die einen Haftungsausschluß haben wollen.

Gandalf

Hallo Rainer,

ich kann Gandalf nur Recht geben, der Sinn einer Dämmung ist ja den Wärmedurchgang zu behindern. Wenn nun innen gedämmt wird, wird zwar die Wärme im innern des Raumes gehalten aber die Wände werden nicht miterwärmt. Klingt im ersten Moment nicht so kritisch, aber erstens ist das Wohnklima dann schlecht kalt abstrahlende Wände sind nicht so doll fürs Wohlbefinden.
Zweitens ist wie von Gandalf beschrieben die Gefahr für Schimmel sehr groß, der Grund die Dämmebene erwärmt sich langsam auf Raumtemperatur, die Wand hat aber nahazu Aussentemperatur, also z.B. im Winter aussen 4° innen 18°, die Luft bei 4° kann viel weniger Wasserdampf aufnehmen als die bei 18°, die Folge ist Kondensation, es bildet sich Wasser hinder der Dämmebene.
Momentan bildet sich dieses Wasser erst an der Aussenwand, wo es dann wegdiffundiert, aber zwischen Dämmebene und Wand kann es sich sammeln.
Und drittens der Raum wird kleiner, was auch schon genannt wurde.

Also lieber aussen wenn irgend möglich ist.

Hallo Rainer,

ich würde auch eher abraten.
Ich habe so etwas einmal für einen Kunden erledigt, aber nur aus dem Grund weil er mir den K-Wert der bisherigen Wand schriftlich geben konnte.

Der K-Wert ist der Wert der den Wärmeaustausch zwischen Innen- und Aussentemperatur ausdrückt. Dieser Wert ist je nach Material und Wandstärke unterschiedlich. Bemerkenswert dabei ist, daß der Kondensationspunkt (Luftfeuchtigkeit beginnt zu tropfen) innerhalb der meisten Wände liegt. Bei einer Innenisolierung durch Polistyrol-Gipskarton ist die Gefahr sehr groß, daß eben dieser Kondensationspunkt nach innen wandert und deshalb für feuchten Schimmelnährboden oder sogar nasse Wände sorgt.
Wenn also der K-Wert hoch genug ist, dass der Kondensationspunkt eher im äußeren Wandquerschnitt zu finden ist, kann man eine berechnete Innenisolierung durchführen.

Alternativ gibt es auch noch eine s.g. Isoliertapete. Das ist eine bis zu 0,5cm dicke Polistyroltapete die unter der eigentlichen Tapete verklebt wird. Aber eigentlich bringts nicht viel, höchstens ein Anfassen einer „warmen“ Wand. Energietechnisch ist diese Lösung nicht relevant.

Die beste Lösung ist in dem Fall tatsächlich heizen.

Gruss D.K.

Hi,

wenn es auf die Verkleinerung des Raumes nicht ankommt, und die Statik hinhaut, könnte man die Wand durch eine inne vorgemauerte Schalung z.B. aus Hohlziegel isolieren. Damit kommt der Taupunkt höchstens in der Ziegelwand zu liegen. Muss natürlich innen wieder sauber verputzt werden.

A.

Hallo,

vielen Dank für die Ratschläge. Das Projekt mit den Gipskartonplatten ist damit gestorben.
Würde es etwas bringen, einfach eine zusätzliche Putzschicht anzubringen? oder entstehen da die gleichen Nachteile wie in den appends beschrieben?

Grüsse,
Rainer

Hallo Rainer,

Würde es etwas bringen, einfach eine zusätzliche Putzschicht
anzubringen?

was das bringt? Arbeit, viel Dreck und wenig Wärmedämmung.

Gandalf

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Weitergehende Frage
Hallo zusammen,

nachdem ich hier nun alle Antworten gelesen habe, wird mir etwas bange:
Wir sind im Juni in ein altes (1920) Haus gezogen, das der Eigentümer gerade vor unserem Einzug neu renoviert hat. U.A. hat er in allen Räumen die Wände von innen neu mit Glaswolle + Gipskarton verkleidet.

Kann ich nun befürchten, daß ich irgendwann in einem Schimmelloch wohnen werde?
Das wäre übel, ich bin nämlich gegen Schimmelpilzsporen allergisch. :frowning:

Danke für eure Antworten.
Christian

Hallo Christian,

passieren könnte Ihnen das leider schon, muß aber nicht.

Wenn es draussen richtig kalt ist, sollten sie mal die Wände an verschiedenen Stellen befühlen (noch besser wäre Feuchtigkeitsmessgerät ausleihen). Wenn sich die Wände klamm anfühlen siehts schlecht aus. Allerdings kann man einer Schimmelbildung auf der Wandöberfläche durch Lüften und/oder Heizen vorbeugen. Was sich allerdings zwischen Wandöberfläche und alter Wand abspielt ist schwer festzustellen.

Tip: jemand der sich mit Dämmung auskennt kann bestimmt in etwa ihren K-Wert berechnen und damit auch die Lage des Kondensationspunkts bestimmen. Vielleicht liegt er ja genau da wo er sein sollte.

Um Ihnen Mut zu machen:
Altes Gemäuer bzw alte Bauweise war oftmals nicht die Schlechteste, deshalb haben sie gute Chancen, dass ihre Innenisolierung kein Nachteil für sie ist. Die beschriebenen Probleme entstehen oft einfach durch die Verwendung moderner Baustoffe die den jeweiligen Anforderungen genau entsprechen und mögliche Situationsänderungen nicht zulassen.

gruss D.K.

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Danke schön. (kt)
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