Hallo Alle Miteinander,
Bisher bin ich mit meiner Suche in etlichen Foren nicht auf eine Antwort/ Lösung folgenden persönlichen Problems gekommen. Somit stelle ich sie nun hier hinein- in der Hoffnung, endlich hilfreiche Tipps zu bekommen.
( Edit: Falls schon ein passender Artikel, eine adäquate Fragestellung vorhanden ist, bitte ich um eine Verlinkung, danke)
Mein Problem ist verfahren. Für viele sich auch die Frage stellen, was hat sie für ein Problem?
Aber beginn ich erst mal:
Ich bin 18 Jahre alt, weiblich. Bin gerade dabei, mein Abi zu machen. Ich habe einen stabilen kleinen Freundeskreis, in der Schule läuft es ganz gut und mit meiner Familie verstehe ich mich auch ganz gut (seit ein paar Jahren leben meine Eltern in Trennung, zur Mutter habe ich keinen Kontakt mehr, seitdem leben mein Vater, meine Schwester und ich zusammen). Klingt soweit ja eigentlich ganz gut.
Nun aber weiter (Der folgende Absatz erzählt von meiner Kindheit und einem Stück weit von meiner Jugend- könnte dabei helfen, die Gründe für mein Problem zu finden?!):
Schon im Kindergarten wurde ich von Kindern gehänselt, in der Grundschule ging es damit weiter, hatte schlechte Noten- insbesondere in Mathe. Das besserte sich mit Nachhilfe, etc. Aber das Gehänsel ging weiter- ich muss dazu sagen, ich weiß nicht woran es lag. Eine Mitschülerin hatte damals in der Klasse immer rumerzählt, dass sich meine Eltern ständig streiten und sie sich bestimmt bald trennen , ansonsten war ich die einzige in der Gruppe, die „schwarze“ Haare hatte, man beschimpfte mich als Ausländerin ( bin aber Deutsche, auch deutscher Herkunft)- ja, das damals solche Vorurteile von Kindern kommen, schrecklich.
In der 5. Klasse an einer Gesamtschule ging es dann damit weiter. Es wurde rumerzählt, dass ich über andere schlecht rede.
Als dann in der 7. Klasse (wir wurden in verschiedene Zweige gesteckt) schien sich, die Lage zu bessern. Ich lernte neue Leute kennen. Doch als in der 9. Klasse ein neues Mädchen hinzukam, sollte sich das alles wieder ändern. Sie erzählte meiner besten Freundin Lügen über mich. Das glaubte sie zunächst erst mal nicht und sagte mir auch, was das Mädchen erzählt hatte. Doch nach den Sommerferien (in Übergang zur 10. Klasse) schirmte sich meine eigentlich beste Freundin von mir ab. Ich fragte, was das sollte. Sie meinte, ich hätte mich zu wenig bei ihr gemeldet( ich war 3 Wochen im Urlaub und danach hatte ich jeden 3. Tag angerufen, an denen sie manchmal keine Zeit hatte, da sie schon was mit dem Mädchen machen wollte…) und Kirstin (das besagte Mädchen) sei nun ein wichtiger Mensch in ihrem Leben. Sie hätte sich ja wenigstens regelmäßig gemeldet…
So, bald wurde ich dann von meiner ehemals besten Freundin und Kirstin gemobbt, wenn ich während des Unterrichts mal einen kleinen Fehler gemacht hatte, etc. Die Klasse ließ nicht lange darauf warten, mich auch fertig zu machen. Als dann auch noch Fotos auftauchten, wo ich besoffen fotografiert wurde und von beiden erzählt wurde, ich hätte alles vollgekotzt, waren sowieso schon alle gegen mich…
Nach etlichen Monaten flachte das alles ein wenig ab, ich versuchte zwischendurch auch immer wieder, mit den beiden zu reden. Meistens fing ich dann an zu heulen und bekam gar nichts mehr an Argumenten heraus.
Dann war die Schulzeit erst mal( nach der 10.) rum. Die meisten machten also dann ne Ausbildung, andere wollten das Fachabi machen und mit wenigen anderen aus meiner Klasse hatte ich es geschafft, als Realschülerin auf einen gymnasialen Zweig zu kommen. Da lernte ich schnell viele, neue Menschen kennen. Ich war überrasch, wie schnell das ging. Da lernte ich auch meinen tollen, heutigen Freundeskreis kennen.
Die wissen auch mehr oder weniger von meiner „Vergangenheit“. Ich hatte in der 11 sehr viele weitere Freunde kennengelernt.
Aber in der 12 wendeten sich wieder einige der neu gewonnenen Freunde ab (abgesehen von meinem Freundeskreis). Da stellte sich wieder die Frage für mich: Was mache ich denn alles falsch? Stinke ich aus dem Mund, oder was? Ich war nie so, das sich über irgendjemanden Lügen o. ä. verbreite oder Geheimnisse weitererzähle oder was auch immer es für Gründe zum Entfernen geben könnte.
Oft wurde ich übrigens auch als magersüchtig bezeichnet, weil ich eben recht schlank bin. Das war und werde ich aber immer sein, weil das genetisch so bedingt ist. Ich esse ganz normal, liebe Süßes und Schokolade, etc., aber stoffwechselbedingt bleibt da eben nichts hängen, mein Gott.
Na ja, ich muss auch nicht wahnsinnig viele Freunde haben, mir war es immer wichtig, eine Handvoll Freunde zu haben, die immer zu einem stehen und die habe ich auch.
Nun noch kurz ein Statement zur Familie: Ich verstehe mich super mit meiner Schwester und meinem Vater. Aber, mein Vater erzählt und redet immer bewusst zu meiner Schwester, wenn es um Neuigkeiten geht. Gut, dass kann daran liegen, dass sie die Ältere von uns beiden ist, aber deswegen kann man mir doch auch alles erzählen, oder? Auch wenn es um schwierige oder handwerkliche Aufgaben geht, wird zunächst einmal meine Schwester gefragt. Deshalb fühle ich mich weniger geliebt.
->Soviel erst mal dazu.
Nun ein paar Macken/ Probleme:
Mir fällt es schwer, vor einer Gruppe frei zu sprechen (z.B. Präsentation, Referat), ich bekomme Herzrasen, wenn ich vorne alleine stehe und etwas vortragen soll. Verhasple mich, rede viel zu schnell und undeutlich. Meistens traue ich mich auch nicht, mich zu melden- höchstens dann, wenn ich mir sicher bin, dass die Antwort richtig sein könnte.
Wenn ich in eine neue Gruppe komme, versuche ich schon, gleich Kontakt aufzunehmen- kontaktscheu bin ich keineswegs!! , in einer kleinen Gruppe bin ich auch offen (außer ich müsste vor dieser allein etwas vorführen und präsentieren!) aber mir fällt es eben schwer, Smalltalk zu führen bzw. dann weitere Gesprächsthemen zu finden. Dann wird es plötzlich still- wenn die andere Person auch nichts zu sagen hat- und dann? Mir fällt dann nichts mehr ein, ich fühl mich dann klein und langweilig.
Manchmal hängt meine Artikulation auch. Dann verhasple ich mich einfach so und rede schneller als ich denke bzw. rede was anderes als ich denke. Das ist z.B. auch bei einem Telefonat schlimm und dominant: Anstelle von „Hallo, meine Name ist…, ich möchte…“ sage ich dann“ Hallo, äh, ich bin äh, ähm ich…“
Wenn ich unsicher bin, kann es passieren, dass ich mich sehr oft verspreche.
Und an Argumenten fehlt es mir meist auch. Die ich zwar vorher noch hatte, aber in der Diskussion vor lauter Angst, etwas Falsches zu sagen, wegfallen und mir nicht mehr einfallen.
Früher habe ich auch schnell angefangen zu heulen, wenn mich jemand kritisiert hat oder ich das Gefühl habe, alles falsch zu machen. Dann bleibt meine Stimme weg und alle Themen und Dinge, die ich dann in einer Diskussion noch ansprechen wollte, konnten nicht mehr standhaft angesprochen werden. Dabei bin ich ja eigentlich nicht hilflos in den Moment, aber dann fragen alle: Was ist denn los? Oder: Fang doch nicht gleich an zu heulen.- Das nervt mich! Ich will ja auch gar nicht heulen. In Situationen, in denen ich eig auch sauer bin, kommt es öfters vor, dass dann Tränen kullern. Das will ich aber gar nicht, es kommt leider einfach.
Wenn es übrigens ums Schreiben geht, fällt es mir leichter, Probleme anzusprechen und ich bin kreativer, wenn es darum geht, Argumentationen zu finden bzw. viel zur Sprache zu bringen. Das fällt aber auf der verbalen Ebene meist weg oder kommt zu Kurz.
Auch wenn wir z.B. Geburtstag mit Verwandten feiern, da sitz ich dann, alle erzählen munter und fröhlich. Ich höre auch gerne zu, aber meistens bringe ich leider selbst nicht so viel mit ein. Sage dann zum Thema zu wenig.
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Jetzt also, nach gefühlten tausend Seiten- wofür ich mich entschuldige, mein Anliegen:
Wie kann man mir helfen. Was für ein Problem habe ich? Was kann ich dagegen tun? Leide ich ein wenig an Sozialer Inkompetenz oder Sozialen Phobie? Was kann ich gegen mein Rhetorik-Problem machen, dass ich mich nicht mehr so schnell verspreche, wenn ich unsicher bin oder ähnliches.
Wie kann ich mich in Gesprächsthemen mehr und besser einbringen? Welche Themen kann man nennen? Oder mit welchen Sprüchen kann ich die Atmosphäre auflockern und bei Diskussionen selbstsicherer argumentieren? Wie kann ich meine Wut in echte Wut umwandeln und nicht mehr nur unbewusst durch Tränen.
Und: Wie kann ich vor einer größeren Gruppe selbstbewusst und –sicher auftreten und einen Vortrag halten, ohne mich zu verhaspeln und ins Schwitzen zu kommen?
Ich danke euch herzlich für alle Antworten.
Mit besten grüßen,
Marlene