Wie kann ich weniger geräuschempfindlich werden?

Hallo,

ich bin schon immer recht geräusch- und lärmempfindlich gewesen. Viele Geräusche wirken auf mich so wie Kreidequietschen an der Tafel, machen mich total aggressiv. Dazu gehört z.B. Bus im Leerlauf (dieses tiefe vibrierende Brummen, davon wird mir richtig schlecht), bestimmte Essgeräusche (Apfel essen, Cornflakes knuspern), das Rufzeichen wenn jemand per Speakerphone irgendwo anruft …

In letzter Zeit eskaliert die Sache an meinem Arbeitsplatz ziemlich. Im meinem Zwergbüro (ca. 10 qm) sitzen jetzt außer mir noch 2 weitere Mitarbeiter. Beide sprechen am Telefon sehr laut. Die eine hat außerdem vermutlich (unbehandeltes) Asthma und atmet daher ständig hörbar, zieht die Nase hoch und räuspert sich ununterbrochen. Dazu kommt, dass unser Büro gegenüber der Büroküche ist (wo sich alle lustig laut lachend unterhalten), rechts daneben der Raucherraum (Türe quietscht), auf der anderen Seite die Toilette (Türe knallt) … TERROR!!!

Umzug fällt flach. Die schnaufende Kollegin habe ich schon höflich aufgefordert, endlich zum Arzt zu gehen (ich bin mit ihr befreundet), allerdings wegen ihrer Gesundheit, nicht wegen des Lärmpegels - ich habe selbst Asthma. Ohrstöpsel geht nicht. Für meine Arbeit muss ich mich oft stark konzentrieren … und habe da echte Probleme.

Hat jemand Entspannungs- oder Konzentrationstipps? Sonst laufe ich bald Amok …

Gruß & danke,

Myriam

vielleicht hat das ganze ja eine organische ursache und hat weniger mit psychologie zu tun. nur als beispiel: bei problemen mit den zähnen kann es zu einer überempfindlichkeit bei bestimmten geräuschen kommen.

Hallo Myriam!
Ist es denn ärztlich abgeklärt ob alles in Ordnung ist mit dem Gehörgang usw.? Der Weg zum Arzt, wäre mal mein erster Tip. Der kann dich dann gegebenen Falls auch an kompetente Stellen weiter verweisen.

Dann: Stören dich diese Geräusche, weil du dich nicht konzentrieren kannst, oder würde dich das auch stören, wenn du bspw. im Bus sitzt und nur von A nach B fährst, ohne dich auf etwas zu konzentrieren? Wenn die diese Geräusche nämlich immer stören, helfen dir Konzentrationsübungen wahrscheinlich nur wenig.
Lebst du zu Hause alleine? Stört dich deine Familie auch, oder nur fremde Menschen?
Hast du das Gefühl, dass andere manchmal absichtlich laut sind, um dich zu ärgern?

Ich kann dir empfehlen es mit Autogenem Training zu versuchen. Du lernst da sehr gut dich zu entspannen und kannst dich sogar soweit konditionieren, dass du durch bloßes Durchatmen schon wieder ein Stück lockerer wirst. In der Entspannung, kann man sich selbst auch Dinge einreden „Geräusche machen mir nichts aus“. Manchen hilfts, manchen nicht. Außerdem dauert es sehr lange, bis du das autogene Training wirklich beherrscht.

Wenn du also schon kurz vorm Durchdrehen bist, so wie du es beschreibst, dann ab zum Arzt. Wenn er meint es ist ein psychologisches Problem, wird er dich sicher an einen Psychologen weitervermitteln können.

Alles Gute!
lg infi

Hallo Myriam,

lass abklären, ob was „Organisches“ dahinter steckt.
Ansonsten: Wenn du „schon immer“ so sensibel auf Geräusche reagiert hast, kann es sein, dass du eben besonders sensibel in dieser Hinsicht bist. Das erzeugt sicher auch ein höheres Stressempfinden.

Wenn ich in einem so kleinen Zimmer zusätzlich mit zwei weiteren („lauten“) Menschen arbeiten sollte, würde ich auch die Wände hochgehen… Die laute Gesprächsweise deiner Kolleginnen kann ja auch gerade in dem allgemein hohen Geräuschpegel begründet liegen. Wie empfinden es denn die anderen beiden?

Wieso fällt ein Umzug flach? Gibt es gar keine andere räumliche Lösung? Ich kann deine Verzweiflung gut nachvollziehen, da ich auch sehr geräuschempfindlich bin… (ich würde unter den Bedingungen sogar in eine Besenkammer umziehen, wenn ich dadurch meine Ruhe hätte.)

Gruß - iceage

Hallo Myriam

Ich bin ebenfalls seit jeher aussergewöhnlich geräuscheempflindlich. Bei mir hängt es sicher damit zusammen, dass ich sämtliche Geräusche auch visuell wahrnehme und daher alle Reize gleich doppelspurig (auditiv plus visuell) auf mich eindringen. Das war mir lange gar nicht aufgefallen, da ich meine Art der Wahrnehmung für selbstverständlich hielt, „hören“ beinhaltete einfach automatisch den visuellen Eindruck. Erst vor ein paar Jahren fiel mir mal auf, dass es eigentlich nicht logisch war, warum der Piepston der Warenhauskasse ausgerechnet orange war, und nicht etwa grün oder blau. Falls Dir sowas bekannt vorkommt: Das richtige Suchwort lautet „Synästhesie“.

Aber auch wenn dir das nicht bekannt vorkommt: Sehr viele Synästhetiker sind sehr geräuschempfindlich, weshalb dies und der Umgang damit in entsprechenden Foren immer wieder Thema ist. Z.B. unter http://www.synaesthesie.net (Registrierung erforderliche, seriöses Forum, spamfrei) könntest Du Hilfe bzw. wenistens Anregungen finden.

Gruss
Ursula

Hallo Myriam,

möglicherweise magst du ja tatsächlich, was dein Privatleben angeht, ein klein wenig zu empfindlich sein. Die Geräuschkulisse, die du dann allerdings aus deinem Berufsumfeld anschaulich zu schildern verstehst, würde mir aber so was von Magenblutungen verursachen, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Dabei habe ich eigentlich ein Gemüt wie ein Fleischerhund, heißt es.

Leider bin ich auf dem Gebiet der Physik eine absolute Null, sonst könnte ich dir den Effekt benennen, mit dem in den 60ern (glaub ich) die Amis nen vollkommen leisen Düsenjet entwickelt hatten, an dessen bekanntlich recht geräuschvollen Triebwerken eine Art Gegenpol mit einem gleich lauten Motor o.ä. geschaltet wurde, beide Geräuschquellen hoben sich gegenseitig auf und es ward Stille. Hat auf jeden Fall funktioniert irgendwie.

Vielleicht würde es dir helfen, ein Radio oder nen CD-Player mit dir angenehmerer Beschallung auf den Schreibtisch zu stellen, um ein ähnliches Ergebnis bewerkstelligen zu können. Da du dich ja offensichtlich auf deine Arbeit konzentrieren mußt, würde meine Wenigkeit von Punk, Grindcore oder Wagner eher abraten.

Glenn Gould übrigens hat im zarten Teeniealter mal am Klavier geübt, als seine Frau Mutter mit dem Hoover durchs Zimmer dröhnte. Begeistert stellte er fest, dass er um ein mehrfaches besser und effektiver seine Etüden zu verarbeiten in der Lage war, wenn er das Geklimper nicht mehr hören konnte und fortan mußte jedesmal der Staubsauger laufen, solange, bis die Kadenzen saßen.

Eine recht hübsche Vorstellung, das, findet

Awful Annie (die gerade hochgradig mißmutig feststellen mußte, dass sie wieder mal die Sch…-Umstellung vergessen hat, was bedeutet, nun 12 Stunden im Nachtdienst verbringen zu dürfen „heul“

hi,

ich empfinde deine beispiele als überhaupt nicht krankhaft. arztbesuche oder mutmaßungen über pathologien bei dir finde ich unangebracht.

äußerst angebracht dagegen wäre eine rechtliche beratung deines arbeitgebers, drei leute auf 10 qm/2 zu beschäftigen. der soll mal die richtlinien in bezug auf arbeitsschutz und das betriebsverfassungsgesetz beachten!

informiere dich über deine möglichkeiten, dich vor zuviel stress am arbeitsplatz (der nicht durch deine überempfindlichkeit sondern auch sehr durch die missachtung von arbeitsplatzbestimmungen hervorgerufen wird) zu schützen:

-habt ihr einen betriebsrat?
-kannst du mit deinem chef reden, eindinglich?
-prüfe deine möglichkeiten, woanders zu arbeiten.

tendentiell bist du nicht krank, sondern deine arbeitsbedingungen sind krankmachend. irgendwann, wenn du nichts unternimmst, wirst du aber wahrscheinlich wirklich krank werden. ich will auch nicht dein dilemma runterspielen, in dem alle stecken, die einen sch… job haben, aber das geld brauchen. aber: irgendwann stellt sich die frage nach gesundheit oder arbeit. der kompromiss liegt oft in gut vorbereiteten verhandlungen mit dem jetzigen chef.

geh nicht zum arzt, sondern informiere dich, wie du dich abgrenzen kannst.

Hallo!

Warum scheiden denn Ohrenstöpsel aus?
Es gibt da inzwischen ziemlich gute (leider auch sehr teure), die den Schall nicht verzerren, aber alles dämpfen.

Die kriegt man ziemlich schnell rein und raus.

Ansonsten würde ich auch sagen, du willst gar nicht weniger Geräuschempfindlich werden.

Ich bin Schwerhörig, und trotzdem Lärmstressempfindlich - ich nehme das nur nicht so wahr, weil ich meine Hörgeräte rausnehmen kann.

Wenn ich das nicht könnte, bzw. da ein Geräusch ist, das so laut ist, das ich es ohne Hörgeräte höre, würde mich das auch sehr rasch dem rasenden Wahnsinn näher treiben.

Lärm ist ein Stressfaktor, und zwar ein ziemlich großer - also, mit dem Chef sprechen, und ein stilleres Büro beantragen.

Also, Ohrenstopfen oder eine angenehmere Arbeitsumgebung - es kann schliesslich niemand von dir erwarten, das du unter schlechten Arbeitsbedingungen gute, konzentrierte Arbeit leistest.

Viele Grüße!
Ph.