Hallo,
es betrifft nicht nur Menschen mit Phobien, die sich schwer tun, ärztliche Hilfe anzunehmen. Die Angst vor dem Psychologen ist, wie ich denke, noch mal eine Besondere, jetzt mal unabhängig vom Krankheitsbild.
Ich erlebe das nahezu täglich in der Suchtkrankenhilfe. Neben der primären Suchterkrankung haben viele Klienten noch Zusatzdiagnosen- häufig Angst, Depression, Psychose, Borderline. Wenn ich einem Klienten die Empfehlung gebe, professionelle Hilfe anzunehmen, dann kommt ganz schnell die Abwehrhaltung „es ist ja alles doch nicht ganz so schlimm“ u.s.w.
Wenn ich dann näher nachfrage, warum man denn lieber leidet, anstatt den Psychologen oder Therapeuten aufzusuchen, kommt sehr häufig als Antwort, dass eine große Angst davor besteht, dass man VERÄNDERT wird!?! Viele haben Angst „manipuliert“ (dieses Wort fällt ganz oft genau so im Wortlaut: MANIPULIERT!) zu werden.
Ich nehme das immer mit großem Bedauern zur Kenntnis. Dieses BILD vom Psychologen und/oder Therapeuten besteht so tatsächlich bei ganz vielen Menschen- im Übrigen auch bei den völlig Gesunden. Zumindest bei denen, die ich so kenne.
Die Arbeit des Psychotherapeuten ist für Ottonormalverbraucher und Menschen, die eine einfache Sprache sprechen, selten zu VERSTEHEN und wer lässt sich schon gerne auf etwas UNBEKANNTES ein?
Ich setze noch eins drauf: Es sollte in der Aufgabe dieses Berufsstandes liegen, dafür Sorge zu tragen, dass dieses BILD EBEN NICHT so bestehen bleibt.
„Ich bin doch nicht IRRE“ Ich bin doch ganz o.K. Ja, ich habe Angst- ja, ich trinke zuviel- aber deshalb ist bei mir im Kopf doch noch alles richtig"- sind die häufigsten Antworten.
In Verbindung mit den Therapeuten oder Psychologen wird vom Klienten selten die SEELE gebracht, sondern merkwürdigerweise der KOPF. Spreche ich von professioneller Hilfe durch den Psychologen, kommt direkt als Antwort: „Im Kopf ist bei mir alles in Ordnung“ Ja, es kommt schon beinahe einer Unterstellung nahe: „Wie kann der denn glauben, dass ich nicht richtig ticke“ glaube ich manchmal die Gedanken zu lesen…
Während meiner eigenen Suchtgeschichte habe ich jede Menge Psychologen „verbraten“ Ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemals auch nur einer erklärt hätte, welche ART DER BEHANDLUNG er denn nun mit mir machen möchte. Es fehlt oft an Aufklärung, was genau gemacht wird- So wie der Chirurg erklärt, was bei der Operation genau gemacht wird. Gerade das macht den Therapeuten/ Psychologen noch geheimnisvoller, als sich viele sowieso schon geben.
(unsere Experten hier im Forum, deren Antworten ich sehr schätze, nehme ich jetzt mal da raus ich möchte das auch nicht VERALLGEMEINERN) Ich finde es einfach nur schade.
Bei meiner Arbeit in der DROBS bin ich sowas wie ein Brückenbauer- ich versuche für den Klienten die Brücke zu bauen zum professionellen Helfer. Das ist ja wohl auch das, was Du möchtest?
Das kann schon mal einige Monate dauern und manchmal kommt es auch nie dazu. Das funktioniert niemals mit überreden, auch nicht mit DRUCK. Es erfordert eine Mordsgeduld und die Kunst ZUSEHEN zu können. ZUSEHEN können, wie andere leiden. Mir ist wichtig, dass sie den Schritt SELBST wählen und den Zeitpunkt auch selbst bestimmen, egal was passiert. Ich BEGLEITE- die Entscheidung fällt der Klient ALLEINE. Ich kann aber sehr viel tun: ermutigen, Angst nehmen, Begleitung anbieten. Signalisieren, dass ich immer da bin, wenn man reden möchte. Verstehen, zuhören, schweigen, nahe sein, dass Gefühl geben, nicht alleine zu sein und noch so vieles mehr.
Ich teile NICHT die Auffassung, dass man erst „in der Gosse landen muss“ und ich weiß auch nicht welcher Schlauberger sowas in die Welt gesetzt hat. Unser Ziel sollte sein, genau das zu verhindern- eben mit PASSIVER Hilfe wie ich es nenne. Auch in der Suchtkrankenhilfe kenne ich viele Beispiele, wo FRÜHZEITIGES HANDELN, wie oben beschrieben-eben PASSIVES Handeln- dazu geführt hat, den Weg in die Gosse zu VERMEIDEN!!
Nun denkst Du sicher: Der hat ja gut reden. Ja, hab ich auch denn ich habe es relativ einfach- viel einfacher als jemand der einer solchen Person sehr nahe steht (Lebenspartner, Familienangehöriger, Freund/in) Hier funktioniert die Kunst des BEGLEITENS oft nicht, denn wer sieht schon gerne zu, wie der geliebte Mensch darunter leidet. Die Hilfe für den Suchtkranken besteht eben darin, NICHT zu helfen- so seltsam sich das anhört und das erfordert eine unheimliche Disziplin. Diese kann und darf ich nicht von Angehörigen erwarten.
Was kannst Du also tun? Was kann „man“ tun?
Ein Grundsatz könnte lauten: Ich kann keine anderen Menschen verändern und das darf auch gar nicht mein Ziel sein- aber ich kann immer etwas bewirken, wenn ich bei mir selber etwas ändere im Umgang mit der betreffenden Person.
Heißt kurz gesagt: Schau bei Dir und Deinen Beweggründen. Warum habe ich das Bedürfnis FÜR ANDERE etwas zu UNTERNEHMEN und zu BEWEGEN.
Lege die KONZENTRATION auf DEIN Handeln!
Liebe Grüße
Frank