Wie kann man Tagessatz auf Festgehalt umrechnen?

Hallo zusammen,

gesetzt den Fall man ist seit vielen Jahren freiberuflich tätig, bekommt nun ein interessantes Angebot für eine feste Anstellung und muss sich zu seinen Gehaltsvorstellungen äußern. Gibt es eine Faustformel, mit der man ungefähr das Angestelltengehalts-Pendant zu seinem Freiberufler-Tagessatz ermitteln kann?

Vielen Dank und Gruß in die Runde, Matthias

Keine universelle Faustformel.

gesetzt den Fall man ist seit vielen Jahren freiberuflich
tätig, bekommt nun ein interessantes Angebot für eine feste
Anstellung und muss sich zu seinen Gehaltsvorstellungen
äußern. Gibt es eine Faustformel, mit der man ungefähr das
Angestelltengehalts-Pendant zu seinem Freiberufler-Tagessatz
ermitteln kann?

Nunja.
Eine universelle Lösung gibt es da nicht. Man kann auch nur von Obergrenzen ausgehen.

Aber:
Angenommen, als Freiberufler kriegt man einen Tagessatz von T.
Da man rund 250 Tage im Jahr arbeiten kann, hat man somit ein potentielles Einkommen von X = 250*T.
Als Festangestellter hat man Anrecht auf 20-30 Tage Urlaub in Jahr.
Also muss man (230/250)*X als Jahresbrutto inkl. AG-Anteil rechnen.
Dieser muss auch noch raus, das sind etwas 20%.
Sind wir bei (0,8*(220/250)) * X.
Krankheitstage werden für Festangestellte mitbezahlt, auch wenn man es für niemanden hoffen will muss man doch von rund 5 Tagen pro Jahr ausgehen.
Also wären wir schon bei (0,8*(215/250)) * X.
Oder: 0,69 * X.

Gibt der AG jetzt noch geldwerte Leistungen dazu wie zB. Firmenwagen, Firmenhandy, Jobticket oder sonstigen Schnickschnack, die man als Freiberufler auch noch zahlen müßte, sollte man sie auch noch abziehen.

Dann, falls der Freiberufler noch zu Hause arbeiten konnte und als Angestellter beim AG tätig ist, muss man auch noch die Kosten für die Arbeitsfläche (z.B. 6m², Jahresmiete + wasauchimmeran Arbeitsgerät) abziehen, denn diese Kosten werden auf den AG abgewälzt.

Wenn man nach Monatsgehältern gefragt wird, ist natürlich die Endsumme noch durch 12 zu teilen, sollten 13 MG vereinbart sein, entsprechend durch 13.

Als Rechenbeispiel:
Freiberufler kriegt einen Tagessatz von 300€.
Das sind im Jahr €75000.
Ohne sonstige Faktoren (Leistungen, Arbeitsplatz etc.) entspricht dies in Festanstellung einem JG von €51750.
Mit 13 MG sind das brutto rund 4000 pro Monat.

Wenn man noch den Kram mit Firmenwagen bzw. Jobticket und Arbeitsplatz einrechnet, wären in diesem Beispiel 3500 brutto pro Monat als Obergrenze eher realistisch.

Bei handwerklichen Berufen sieht die Rechnung jedoch vollständig anders aus, da man als Freiberufler eine riesige Menge an Arbeitsutensilien und Material braucht, welche sehr viel Geld kosten und dem Betriebsangestellten alle zur Verfügung gestellt sind und nicht von ihm bezahlt werden müssen. Zusätzlich wird der angestellte Handwerker auch für’s Däumchendrehen bezahlt, wenn keine Aufträge da sind - was dem Freiberufler als „Berufsrisiko“ anzurechnen ist.
Allein dafür kann man noch mal locker €1500 pro Monat runterrechnen, so dass der handwerkliche Angestellte bei einem Tagessatz von €300 eher mit €2200 brutto zufrieden sein kann.

Das alles berücksichtigt jetzt natürlich noch nicht, dass man in Festanstellung evtl. auch mal länger als 8hr arbeitet, es aber auch Betriebsfeste, Betriebsfahrten, Betriebsversammlungen u.ä. gibt, welche auch alle Geld kosten das erwirtschaftet werden muß.

Gruß,
Michael

Vielen herzlichen Dank!
Ich habe mal mit der Formel durchgerechnet, kam allerdings zunächst auf ein Jahreszielgehalt, das unrealistisch hoch ist. Wenn ich aber noch mit einbeziehe, dass in meinem Freiberufler-Tagessatz auch ein Anteil Auftragsausfall-Wagnis drinsteckt (und den Faktor entsprechend verringere), komme ich schon eher in die Regionen, die nach meiner Kenntnis Festangestellte in vergleichbarer Position verdienen.
Ist auf jeden Fall gut, wenn man nicht nur Gehaltsvergleiche sondern auch diese Berechnung in der Hand hat, wenn man ins Gespräch geht.

Herzlichen Gruß, Matthias