Wir sind sehr gefrustet, vielleicht können Sie uns weiter helfen: Unsere Tochter 4. Klasse Grundschule, Hessen) hat vor ein paar Wochen ein Diktat mehr oder weniger versiebt (gab „nur“ die Note 3+). Danach war sie wirklich motiviert und hat auch gut geübt und gelernt. Jetzt hat sie wieder eine Deutscharbeit geschrieben: Diktat mit Grammatik. Gestern kam sie damit nachhause. Die Arbeit sah gut aus: Lauter nette Häkchen, nur hin und wieder ein paar kleine Fehler. Man hatte bis zur letzten Seite einen recht guten Eindruck.
Am Ende hatte sie 73,5 von insgesamt 79,5 möglichen Punkten erreicht. Lt. Taschenrechner sind das 92 % - und trotzdem war die Note „nur“ eine 3+.
So ganz verstanden haben wir das nicht und auch das Telefonat mit der Lehrerin hat nicht wirklich die große Erleuchtung gebracht. Lt. Hessischem Schulgesetz bzw. der „Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses“ ist eine Arbeit mit „ausreichend“ zu bewerten, wenn man annähernd die Hälfte der erwarteten Leistung erbracht hat.
Von daher ist uns allen schleierhaft, wie man bei 92 % auf die Note 3+ kommt. Zumindest nach meiner Berechnung müsste die Note eindeutig höher sein - vorausgesetzt, die Leistung ist mit der Punktzahl identisch.
Allerdings muss/kann/darf es wohl auch so sein, dass die Lehrerin die Leistung von der Punktzahl „abtrennt“, d.h. einfach mal festlegt, dass - im konkreten Fall z.B. - „annähernd die Hälfte der erwarteten Leistung“ mit dem Erreichen von 70 von 79,5 Punkten erfüllt ist. So zumindest hat mir das jemand vom Kultusministerium am Telefon erklärt, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das wirklich so gemeint ist. Denn in meinen Augen wäre das reine Willkür und damit verlieren die Punkte ja jede Bedeutung bzw. wird für die Eltern und auch für das Kind überhaupt nicht mehr ersichtlich, wie die Note zustande kommt.
Hinzu kommt, dass die Lehrerin damit argumentiert, die Arbeit sei zu leicht gwesen und deshalb habe sie bei der Notengebung angezogen. Auch das leuchtet mir nicht ein, denn letztlich ist auch das eine subjektive Einschätzung. Warum dürfen die Kinder nicht einfach „zu gut“ sein bzw. muss jede Arbeit auch ein paar Dreier, Vierer und Fünfer produzieren, damit die Lehrer zufrieden sind? Und wenn die Arbeit für die Klasse zu leicht war, dann muss die Lehrerin sie eben schwerer machen und nicht an den Noten herumdoktern und somit künstlich den Schnitt senken. Und überhaupt: Soweit ich weiß, ist die Leistung individuell und keinesfalls in Relation zur Gesamtleistung der Klasse zu bewerten.
Nun ja, unsere Tochter ist gefrustet (kann man verstehen) und wir erst einmal ratlos. Vielleicht haben Sie ja eine hilfreiche Idee?
Können wir von der Lehrerin eine schriftliche Begründung der Note verlangen? Hat man darauf ein Recht?
Macht es überhaupt Sinn, mit der Lehrerin zu „kämpfen“, oder bringt man sie damit nur unnötig gegen das Kind auf? Wir würden das ja auch einfach lassen, aber leider gab es schon vorher Noten, die wir zumindest fraglich fanden. Aber da wir im Prinzip nicht unsere Tochter auf Supernoten trainieren, war uns das bisher nicht so wichtig. Jetzt aber haben wir den Eindruck, dass die Sache so langsam schwierig wird, denn unsere Tochter verliert die Lust am Lernen und fühlt sich einfach ungerecht behandelt.
Für Ihren Rat für das weitere Vorgehen wäre ich sehr dankbar!
Herzliche Grüße!
Gerd Wagner