Liebe Mediziner, Krankenpfleger, Fachkundige!
Da meine Mutter heute eine (schwere) Operation (Aortenklappe) hatte, würde mich mal interessieren, wie so etwas abläuft. Ich meine selbstverständlich nicht eine genaue Operationsanleitung sondern das ganze Drumherum.
Wenn es heißt, man wird um 7 Uhr „geholt“. Was passiert dann?
Irgendwann ist die Op beendet … was geschieht dann? Was passiert in einem Aufwachraum? Worauf achtet das Pflegepersonal? Was bedeutet „stabil“? Ab welchem Punkt wird ein Patient aus dem Aufwachraum entlassen? (selbständige Atmung?). Wann wird man aus der Intensivüberwachung entlassen?
Für einen Laien (und speziell für einen Angehörigen) ist der Anblick eines Patienten im Aufwachraum furchterregend. Das Pflegepersonal ist total cool.
Wie schnell sind die Anästhesiemittel eliminiert? Wovon hängt es ab, wann ein Patient „erwacht“?
Wenn man die Auskunft erhält: Op gut verlaufen, Zustand stabil, schon erwacht, Extubation bald möglich … was kann im schlimmsten Fall eigentlich noch passieren? Ok, der Patient kann versterben. Jederzeit. Spätestens, wenn ihm bei der Entlassung ein Ziegelstein auf den Kopf fällt.
Was ich wissen möchte: wann darf der Angehörige aufatmen und schlafen gehen und warten, was der nächste Tag bringt?
Für ein paar aufmunternde Worte sehr dankbar
Irene
Hallo Irene,
ich werde mal versuchen auf all deine Fragen eine Antwort zu geben.
Liebe Mediziner, Krankenpfleger, Fachkundige!
Da meine Mutter heute eine (schwere) Operation (Aortenklappe)
hatte, würde mich mal interessieren, wie so etwas abläuft. Ich
meine selbstverständlich nicht eine genaue Operationsanleitung
sondern das ganze Drumherum.
Zunächst einmal muss man das ganze in das Gebiet der Prä- und Postoperativen Phase einteilen.
Präoperative Phase:
- Patient wird für eine geplante Operation bereits ein paar Tage vorher in das Krankenhaus bestellt.
- Es laufen zunächst präoperative Diagnostik. EKG, Röntgen, Blutuntersuchung etc. etc.
- Das Ziel der präoperativen Phase ist die optimale Vorbereitung, um das Operationsrisiko möglichst gering zu halten.
- Folgende Maßmahmen werden gegebenenfalls eingeleitet:
-> Beurteilung der OP- und Narkosefäigkeit des Pat.
-> Ausräumung organisatorischer Schwierigkeiten
-> OP- und Narkoseaufklärung
-> optimale Einstellung internistischer Begleiterkrankungen
-> Sanierung der Hautverhältnisse im Operationsgebiet
-> Einleitung fremdblutvermeindender Maßnahmen.
Stationäre Phase:
- Erstgespräch
- Psychische Betreuung
- Körperreinigung
- Vorbereitung des Operationsfeldes
- Nahrungskarenz
- Darmvorbereitung
- Prämedikation
- Transport in den OP
Operative Phase:
- Je nach dem was für den Pat. eine Operation bevorsteht, wird dieses gemacht.
Postoperative Phase:
- Übernahme des Pat. aus dem Aufwachraum
- Überwachung des Pat. auf Station
-> Bewußtsein
-> Schmerzen
-> Atmung
-> Herz- und Kreislaufparameter
-> Körpertemperatur
-> Urinausscheidung
-> Lagerung
-> Venöse Zugänge, Infustionsprogramme eventl. Bluttransfusionen
-> Wundverband
-> Drainagen
-> Laborkontrollen
Das ist so im groben der Ablauf.
Wenn es heißt, man wird um 7 Uhr „geholt“. Was passiert dann?
Das bedeutet, der Patient wird mit Unterlagen usw. in den Operationssaal gefahren mit zwei Pflegepersonen.
Irgendwann ist die Op beendet … was geschieht dann? Was
passiert in einem Aufwachraum? Worauf achtet das
Pflegepersonal? Was bedeutet „stabil“?
Aufwachraum bedeutet, dass der Pat. der vorher intubiert und narkotisiert war zuvor extubiert wurde und nun dort seine Körperfunktionen kontrolliert werden, bis er wieder aufwacht. „Stabil“ bedeutet, wenn der Pat. ohne Komplikationen bei bewußtsein ist. Es könen auch postoperative Komplikationen auftreten, die dann dort in diesem Aufwachraum, was eigentlich einer Intensivstation ähnelt, schnell versorgt werden kann.
Ab welchem Punkt wird
ein Patient aus dem Aufwachraum entlassen? (selbständige
Atmung?). Wann wird man aus der Intensivüberwachung entlassen?
siehe oben.
Für einen Laien (und speziell für einen Angehörigen) ist der
Anblick eines Patienten im Aufwachraum furchterregend. Das
Pflegepersonal ist total cool.
Wie schnell sind die Anästhesiemittel eliminiert? Wovon hängt
es ab, wann ein Patient „erwacht“?
Das hängt zu einem vom Narkosemittel und der Dosis ab, die der Anästhesist vorher festgelegt hat. Manche Menschen bauen es schneller, andere langsamer ab. Ist von Pat. zu Pat. unterschiedlich.
Wenn man die Auskunft erhält: Op gut verlaufen, Zustand
stabil, schon erwacht, Extubation bald möglich … was kann
im schlimmsten Fall eigentlich noch passieren? Ok, der Patient
kann versterben. Jederzeit. Spätestens, wenn ihm bei der
Entlassung ein Ziegelstein auf den Kopf fällt.
Postoperative Komplikationen:
- Aspiration
- Fieber
- Harnverhalt
- Herzinsuffizienz durch Volumenüberlastung
- Hypertonie
- Laryngospasmus
- Lungenembolie
- Magen-Darm-Atonie
- Respiratorische Insuffizenz
- Schluckauf
- Schmerzen
- Übelkeit/Erbrechen
- Verwirrtheit
- Volumenmangel
Was ich wissen möchte: wann darf der Angehörige aufatmen und
schlafen gehen und warten, was der nächste Tag bringt?
Bei Routineeingriffen braucht man da in der Regel keine Bedenken haben. Ein mit Schläuchen überhäufter Patient sieht für den Laien in der Tat furcherregend aus, wenn zu dem 5 verschiedene Geräte anhängen. Der Patient ist schwach, kann kaum reden, sieht blass aus. Aber das vergeht innerhalb der nächsten Tage.
Ein Patient in OP ist von zig Leuten umringt und wenn es sich nicht gerade um eine Risikooperation handelt, braucht man da ansich keine Bedenken zu haben. Wenn der Patient seine Augen aufschlägt und lächelt ist alles überstanden.
Für ein paar aufmunternde Worte sehr dankbar
Irene
levi
Hallo!
Ich erzähle einfach mal, wie es bei meiner Fußop war.
Also, ich musste bereits einen Tag zuvor ins Krankenhaus. Abends musste ich dann duschen, durfte aber kein Shampoo nehmen. Dann durfte ich nichts mehr essen und nichts mehr trinken ( nur ein bisschen ). Am nächsten Morgen bekam ich dann so ein Operationshemdchen an und musste/durfte eine Scheißegaltablette nehmen. Dann wurde ich samt Bett in einen Opvorraum gefahren. Da wurde ich dann auf ein anderes Bett gelegt und kam in den Narkoseraum. Im Narkoseraum erwarteten mich dann zwei sehr nette Ärzte, die mit viel Witz und Humor die letzte Aufregung nahmen. Der Katheter wurde in die Hand gelegt ( tat gar nicht weh ). Dann bekam ich das Narkosemittel. Das war wohl das witzigste, was ich je erlebt habe
Erst wurde der linke Arm taub, dann das linke Bein, dann das Rechte und dann war ich weg. Als ich wieder aufwachte war ich in einem großen Raum. Ein Arzt saß nur ein paar Meter entfernt. Kaum hatte ich die Augen offen stand er auch schon bei mir und fragte mich aus. Ist ihnen schlecht? Haben sie Schmerzen? Und so weiter. Auch dieser Arzt war wieder sehr locker drauf und man fühlte sich echt sicher und beschützt. Irgendwann wurde ich dann auf mein Zimmer geschoben und ich bekam etwas leckeres zum essen.
Die positive EInstellung von mir dazu kommt wohl nur von dem netten Personal. Alle waren nett, beantworteten Fragen und nahmen sich echt viel Zeit für einen.
Das wars 
Tara
Aufwachraum bedeutet, dass der Pat. der vorher intubiert und
narkotisiert war zuvor extubiert wurde und nun dort seine
Körperfunktionen kontrolliert werden, bis er wieder aufwacht.
„Stabil“ bedeutet, wenn der Pat. ohne Komplikationen bei
bewußtsein ist. :
levi
Hallo levi
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann wird der Patient ja erst wieder verlegt, wenn er ansprechbar war und so, richtig?
Ich kann mich aber überhaupt nicht erinnern, dass mich nach meiner OP irgendjemand angesprochen hätte.Mir fehlen glatt 36 Stunden nach der OP.Das erste, woran ich mich erinnere, ist die Fratze meiner Schwester neben meinem Bett *g*
Wie kommts, das mir 1,5 Tage fehlen?Hat man mich angesprochen, ich habe genickt und bin dann wieder für viele Stunden weg gewesen?
Greetz
Micha
Hi!
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann wird der Patient ja
erst wieder verlegt, wenn er ansprechbar war und so, richtig?
Ich kann mich aber überhaupt nicht erinnern, dass mich nach
meiner OP irgendjemand angesprochen hätte.Mir fehlen glatt 36
Stunden nach der OP.Das erste, woran ich mich erinnere, ist
die Fratze meiner Schwester neben meinem Bett *g*
Wie kommts, das mir 1,5 Tage fehlen?Hat man mich angesprochen,
ich habe genickt und bin dann wieder für viele Stunden weg
gewesen?
Bei mir hat es zwei Tage gedauert, bis ich mich an den Aufwachraum erinnern konnte. Ich denke schon, dass das Gehirn in so einer Ausnahmesituation unwichtige Dinge wieder streicht.
Allerdings sagt man ja auch bei jemandem im Koma, dass er stabil ist. Ich dachte stabil sein heißt, dass der Kreislauf funktioniert etc.
Tara
Ich noch mal
Allerdings sagt man ja auch bei jemandem im Koma, dass er
stabil ist. Ich dachte stabil sein heißt, dass der Kreislauf
funktioniert etc.
Also ich kenne den Satz: „Sein Zustand ist kritisch, aber stabil“ , was soviel bedeutet, dass sein Zustand sich momentan weder verbessert noch verschlechtert.
Tara
Ich kann mich aber überhaupt nicht erinnern, dass mich nach
meiner OP irgendjemand angesprochen hätte.Mir fehlen glatt 36
Stunden nach der OP.Das erste, woran ich mich erinnere, ist
die Fratze meiner Schwester neben meinem Bett *g*
Wie kommts, das mir 1,5 Tage fehlen?Hat man mich angesprochen,
ich habe genickt und bin dann wieder für viele Stunden weg
gewesen?
Daran ist u.a. die berühmte „LMA-Tablette“ schuld. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um ein sog. Benzodiazepin, nämlich Midazolam. Das hat neben der angstlösenden, schläfrig machenden Wirkung auch eine anterograde Amnesie zur Folge. Das bedeutet, man ist zwar vor und nach der OP tatsächlich wach, redet, fragt, antwortet, aber man kann sich danach nicht mehr daran erinnern. Ein Klassiker ist der Patient, der nach der OP 5-mal die selbe Frage stellt. Das er die Antwort schon längst bekommen hat kann er sich einfach nicht merken. Andere Substanzen haben ähnliche Wirkung. Je nach Dauer der OP, Narkosetechnik und Gesamtdosis + persönliche Disposition ist der „Blackout“ dann irgendwo zwischen 0 Stunden und 2-3 Tagen.
Gruss, Dennis
Du bist m.E. genau auf der richtigen Spur:
„stabil“ ist ein Begriff der klinischen Umgangssprache, deswegen nicht wirklich eng definiert. Im weitesten Sinne bedeutet er: Es ist keine gefährliche Entwicklung zu erwarten, kritische Probleme sind überstanden. Er beschreibt auch eher das notwendige Verhalten im Umgang mit einem Patienten als den Zustand des Patienten (stabil=eher wenig Handlungsbedarf).
Im engeren Sinne kann man diese Aussage auf stabile Vitalparameter (Bewusstsein, Atmung, Kreislauf) reduzieren. „stabil“ bedeuted aber nicht unbedingt „normal“.
Bei der Verlegung aus dem Aufwachraum fordert man aber mindestens normale Vitalparameter, damit auf der Normalstation nichts passiert. Birgt die durchgeführte OP noch besondere kurzfristige Risiken, sollte das Nichteintreten dieser auch noch abgewartet werden.
Gruß, Dennis
Daran ist u.a. die berühmte „LMA-Tablette“ schuld. Dabei
handelt es sich in den meisten Fällen um ein sog.
Benzodiazepin, nämlich Midazolam. Das hat neben der
angstlösenden, schläfrig machenden Wirkung auch eine
anterograde Amnesie zur Folge. Das bedeutet, man ist
zwar vor und nach der OP tatsächlich wach, redet, fragt,
antwortet, aber man kann sich danach nicht mehr daran
erinnern. Ein Klassiker ist der Patient, der nach der OP 5-mal
die selbe Frage stellt. Das er die Antwort schon längst
bekommen hat kann er sich einfach nicht merken. Andere
Substanzen haben ähnliche Wirkung. Je nach Dauer der OP,
Narkosetechnik und Gesamtdosis + persönliche Disposition ist
der „Blackout“ dann irgendwo zwischen 0 Stunden und 2-3 Tagen.Gruss, Dennis
dem kann ich mich nur anschließen und zur Ergänzung noch beifügen, dass kein Patient auf die Station verlegt wird, ehe er nicht das Bewusstsein erlangt. Dabei wird nicht solange gewartet, ehe man mit dem wieder Schach spielen kann, sondern wenn er auf Reize reagiert, seine Vitalparameter okay sind usw.
Also wenn man das postoperative Risiko soweit runtergeschraubt hat, dass es verantwortbar ist ihn auf Station zu verlegen. Nach ein paar Stunden wird er zwar einen Überhang haben, aber dafür kann er sich dann auf der Station auspennen.
Je nach OP werden noch am selben Tag (!) je nach OP Art mit der Mobilisation begonnen. Die Zeiten wo der Patient erstmal ne Woche im Bett bleiben muss sind vorbei 
levi
Danke
allen, die geschrieben haben, vor allem natürlich levi für die ausführliche Darstellung.
Es tut schon gut, ein wenig über die Hintergründe Bescheid zu wissen!
Viele Grüße
Irene
Hi!
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann wird der Patient ja
erst wieder verlegt, wenn er ansprechbar war und so, richtig?
Ja, und auch andere Punkte sollten erfüllt sein:
- Schutzreflexe müssen sicher vorhanden sein
- Patient muß spontan atmen und dies auch zufreidenstellend
- stabiler Kreislauf
Ich kann mich aber überhaupt nicht erinnern, dass mich nach
meiner OP irgendjemand angesprochen hätte.Mir fehlen glatt 36
Stunden nach der OP.
Das wurde ja schon beantwortet 
Gruß,
Sharon
Hallo!
Je nach OP werden noch am selben Tag (!) je nach OP Art mit
der Mobilisation begonnen. Die Zeiten wo der Patient erstmal
ne Woche im Bett bleiben muss sind vorbei
Das stimmt! Ich musste noch am gleich Tag alleine aufs Klo humpeln. Ok, ich wollte auch nicht unbedingt auf diese blöden Bettpfannen gehen…ekel… Obwohl an meinem Fuß ein Knochen durchtrennt und mit nichts fixiert war, musste ich am selben Tag noch das richtige Abrollen üben ( damit die Knochen nicht verschieben , V- förmiger Schnitt wurde unterhalt des Großenzehgelenks gemacht, Hallux Valgus OP ).
So long
Tara