Wie lange bis man sich in seinem neuen Job richtig einlebt (Büro)?

Hallo zusammen,

ich bin weiblich und 20 Jahre alt und würde gerne eure Erfahrungen hören, weil ich gerade ziemlich unsicher bin.

Ich habe ein halbes Jahr lang in einem Hotel als Rezeptionistin gearbeitet und diese Arbeit wirklich geliebt. Ich bin am ersten Tag schon glücklich nach Hause gegangen, habe mich im Team sofort wohlgefühlt, hatte tolle Kollegen und konnte relativ schnell selbstständig arbeiten. Leider musste ich den Job aufgeben, weil es am Ende nur eine Saisonstelle gewesen wäre und das für mich langfristig nicht gepasst hätte.

Danach habe ich in einer Steuerberaterkanzlei angefangen, aber dort habe ich mich von Anfang an überhaupt nicht wohlgefühlt. Das ganze Umfeld, das Büro und die Menschen haben für mich einfach nicht gepasst. Ich habe deshalb schon während der Probezeit nach zwei Wochen gekündigt.

Jetzt habe ich eine neue Stelle in einem anderen Büro angefangen (Mit ganz anderen Tätigkeiten) und habe gerade meine erste Woche hinter mir. Es ist auf jeden Fall besser als die vorherige Kanzlei, aber ich merke trotzdem, dass ich mich noch überhaupt nicht wohlfühle.

Das Problem ist nicht unbedingt die Arbeit selbst, sondern eher das Umfeld und die Menschen. Viele Kollegen sind in meinem Alter und verstehen sich untereinander gut, aber ich fühle mich irgendwie außen vor. Jeder scheint seine Person zu haben, mit der er besonders gut klarkommt, nur ich bin momentan alleine.

Meine Einschulung läuft für mein Gefühl auch nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Person, die mich einarbeiten soll, ist zwar selbst noch nicht so lange dort und lernt auch noch vieles, aber sie ist bei Fehlern von anderen sehr genau. Gleichzeitig habe ich oft das Gefühl, dass sie wenig auf mich achtet. Zum Beispiel können wir entscheiden, ob wir um 12 oder 13 Uhr Pause machen. Am ersten Tag wusste ich natürlich noch nicht genau, wie alles läuft, und sie ist um 12 Uhr einfach aufgestanden, hat „Mahlzeit“ gesagt und ist gegangen, ohne zu schauen, ob ich vielleicht mit ihr Pause machen möchte oder ob ich überhaupt weiß, was ich machen soll.

Dazu kommt, dass ich große Angst habe, Fehler zu machen, weil die Aufgaben sehr anspruchsvoll sind und ich noch viel lernen muss. Ich fühle mich teilweise einfach alleine gelassen, während alle anderen schon ihre Abläufe und Beziehungen miteinander haben.

Mir ist bewusst, dass ich erst eine Woche dort bin und man wahrscheinlich nicht erwarten kann, dass man sich sofort wohlfühlt. Aber ich kenne dieses Gefühl von meinen bisherigen Erfahrungen gar nicht. Im Hotel und auch bei meinem Praktikum hatte ich nie Bauchschmerzen, wenn ich zur Arbeit gegangen bin. Jetzt gehe ich teilweise mit einem schlechten Gefühl hin und frage mich, ob ich einfach nur Zeit brauche oder ob ich wieder merke, dass es nicht der richtige Arbeitsplatz für mich ist.

Deshalb meine Frage an euch:

Wie lange hat es bei euch gedauert, bis ihr euch in einem neuen Job wirklich angekommen und wohlgefühlt habt? Ab wann merkt man, ob es nur die Anfangsphase ist oder ob ein Arbeitsplatz einfach nicht zu einem passt?

Ich möchte nicht ständig kündigen, ich muss ja auch irgendwann irgendwo ankommen. Aber ich weiß gerade nicht, ob ich einfach geduldiger sein muss oder ob mein Gefühl mir etwas sagen möchte.

Danke für eure Erfahrungen!

Hi,

schwierig darauf zu antworten..

Ich befinde mich in ähnlicher Situation….unfreiwillig, dank Sparmaßnahme..ich könnte das Motto jetzt nennen, aber dann weiß man um welche Firma es geht.

Obwohl in der gleichen großen Firma habe ich jetzt ein völlig neues Aufgabengebiet, von dem ich null,null Ahnung habe. Wenn z.B. ein Tierarzt die Praxis wechselt, ist er immernoch Tierarzt..in der IT kann Dir alles passieren..

Nun bin ich ein wenig älter als Du ( fast dreimal so alt) aber ich habe gelernt, dass Information keine reine Bring- sondern auch eine Holschuld ist. Also mach den Mund auf, wenn etwas unklar ist, Klemme Dich an jemanden ran, der Ahnung hat. Stehle mit den Augen.

Schau Dir die Prozesse an und frage nach, wann was zu tun ist. Welche Themen gibt es und wer macht was?

Beobachte Gepflogenheiten, wie sprechen sich andere ab? Wer ist als letztes dazugekommen? Welche Erfahrungen hat diese Person gesammelt?

Eine Woche ist echt zu kurz um zu entscheiden, ob der Job zu einem passt aber, wenn Du Dich an einer Rezeption wohlgefühlt hast, dann magst Du evtl. den direkten Umgang mit Menschen, kann das sein? Warum nicht in diese Richtung weiterentwickeln?

Ich für meinen Teil bin jetzt 6 Monate dabei und kann immernoch nicht komplett selbsständig arbeiten, aber es fängt an Spaß zu machen und damit hätte ich nicht gerechnet, echt nicht :grin:

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Zunächst einmal solltest Du deine Erwartungshaltung, ganz massiv reduzieren. Sowohl an den Betrieb, als auch an Dich. Es braucht seine Zeit, in einem neuen Job anzukommen. In vielerlei Hinsicht. Dass Dir der erste Job von Anfang an Spaß gemacht hat, weil die Kollegen toll waren, und Du schnell selbständig arbeiten konntest, ist nicht die Regel. Gerade das Gastgewerbe lebt von Menschen, die eine besondere (professionelle) Offenheit und Ausstrahlung haben, um Gästen das Gefühl zu vermitteln, ganz individuell angenommen zu werden. Das färbt dann ggf. auch auf die Arbeit im Team ab. Auch mag die Komplexität der Tätigkeit dort eine andere gewesen sein, als in dem nachfolgenden Job. Trotzdem muss das nicht bedeuten, dass Du Dich in Deinem aktuellen Job nicht auch bald wohlfühlen könntest.

Nur weil man Dir jetzt nicht gleich um den Hals fällt, bedeutet nicht, dass sich nicht auch da - über einen etwas längeren Zeitraum - ein tolles Miteinander im Team ergibt. Und dies ist eigentlich auch eher der Normalfall, dass sich solche Dinge erst langsam entwickeln. Und komplexere Themen brauchen auch mehr Einarbeitungszeit, bis man sich darin sicher fühlt.

Wichtig ist, was Du auch selbst schon erkannt hast: Ständige Kündigungen sind gefährlich! Man kann sich mal eine sehr schnelle Probezeitkündigung „gönnen“, aber man muss wirklich aufpassen, dass man nicht mehrere solche Einträge hintereinander im Lebenslauf produziert, weil dass die Chancen für jede weitere Stelle massiv verschlechtert!

Insoweit solltest Du Dir jetzt einfach mal etwas Zeit geben, aktiv dazu beitragen, in das Team und in die Arbeit rein zu kommen. Fragen zu stellen, Notizen zu machen, um nicht alles x-fach fragen zu müssen, nicht zu offenherzig zu sein, aber positive Anknüpfungspunkte jenseits der Arbeit zu schaffen. Und ganz wichtig: Wenn es nicht von selbst passiert, fordere Feedback ein! Nicht wegen jeder Kleinigkeit ein Lob verlangen, aber von Zeit zu Zeit fragen, ob Du Dinge richtig verstanden und umgesetzt hast, wo Du in deiner Einarbeitung gesehen wirst, was Dir noch fehlt, was Du besser machen kannst, …

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Servus,

das wird noch einige Jahre dauern.

Du hast in kürzester Zeit verschiedenste Tätigkeiten mit eher einfacher Qualifikation ausgeübt. Dieses „Job-Hopping“ ist nicht bloß Gift für Dein CV - @Wiz hat schon drauf hingewiesen -, weil es von außen gesehen den Eindruck macht, Du seist jemand, der nicht weiß, was er will, und weder Durchhaltevermögen noch einen klaren Plan für sich selber und sein Leben hat, sondern Du schaffst Dir selber damit auch erhebliche Probleme, weil Du mit diesem Herumprobieren die Chance vergibst, zu überlegen, was Du denn gut kannst und was Du gut können magst und ganz konsequent daran eine Berufstätigkeit und eine Qualifikation (nein, das müssen keine Zettel mit Stempeln und Unterschriften sein) aufzubauen, die Dich nicht bloß persönllich, sondern auch inhaltlich weiter bringt und Dich künftig irgendwann mal in die Lage versetzt, Dir Deinen Job auszusuchen.

Natürlich ist es auch wichtig, dass man auf der Arbeit nicht von Leuten umgeben ist, die man nicht gut abkann, und dass der Umgang unter Kollegen funktioniert - für sowas braucht man beiläufig kein Jobhopping zu treiben, das kann man schon an einem einzigen Tag „Probearbeiten“ riechen - das soll ja nicht nur für den Arbeitgeber, sondern auch für den Bewerber eine Probe ermöglichen, ob ihm denn der andere in den Kram passt.

Aber bei dieser Priorisierung, dass Dir das am wichtigsten ist, und der Inhalt der Arbeit irgendwo unter „ferner liefen“ kommt, musst Du schon gewaltig aufpassen, dass Du nicht irgendwann dastehst und tatsächlich alles nehmen musst, was Du irgendwie überhaupt noch kriegen kannst. Ich verstehe gut, dass sich da einiges geändert hat, seit ich selber vor der Aufgabe stand, mir ein Arbeitsleben zusammenzubasteln - da war kollegiales Verhalten selbstverständlich, und „Kameradenschweine“ hatten es sehr, sehr schwer. Natürlich ist es widerwärtig, wie eine große Mehrheit nicht nur auf der Arbeit, sondern im gesamten Alltag das Leben heute (nein, ich möchte nicht mehr jung sein) als eine Art Tschällintsch „Jeder gegen Jeden“ im Freistil auffasst. Aber um solche persönlichen Unannehmlichkeiten zu vermeiden und zu meiden, muss man erstmal selber jemand sein, der den anderen zeigen kann, wo der Bartel den Most holt.

Ich erinnere mich an eine recht große Baustelle vor einigern Jahren bei uns vor dem Fenster. Die war recht straff organisiert, die Hierarchie war an den Farben der Helme zu erkennen: Gelbhelme waren halt Arbeiter, Blauhelme waren Poliere und so, und Weißhelme waren die, die was zu sagen hatten. Eine von den Weißhelmen hat mich fasziniert: Ein winziges älteres Frauchen, laufender Meter von maximal 1,60, dem Alter nach ziemlich wahrscheinlich seinerzeit die erste weibliche Studentin unter lauter rauhnackigen Baulöwen an der FH, die sie vermutlich besucht hatte - und mit einer Präsenz, dass man auf der sehr weitläufigen Baustelle, auf der ständig mehrere Gewerke und viele Leute zugange waren, innerhalb von Sekunden wahrnahm, ob sie da war.

Und dieses Frauchen konnte jedem einzelnen Arbeiter aus allen Gewerken das aus der Hand nehmen, was er grade tat, und ihm zeigen, wie es besser geht. Sie bezog ihre unangefochtene Autorität aus dem, was sie konnte, und keiner kam auf die Idee, ihr irgendwie quer zu kommen.

Schöne Grüße

MM