Wie lange bleibt man im Schockraum?

Guten Tag.

Meine Oma (80) ist am Freitag durch den Notarzt, mit Wasser in der Lunge, ins KH gebracht worden.
Am Samstag hatte sie einen Herzstillstand, wurde wiederbelebt und liegt seit dem im Schockraum ohne Bewußtsein. Das alles ist in Serbien passiert.

Das Problem ist, dass meine Tante, die vor Ort lebt, nur 2 Mal am Tag anrufen darf. Besuche sind, weil sie im Schockraum liegt, nicht gestattet. Die Lage ist seit 4 Tage unverändert.

Ich habe gelesen, dass der Schockraum eigentlich nur der Stabilisation des z.B. Kreislaufs dient und die Patienten danach auf die Intensivstation verlegt werden. Ist das richtig? Sind das weltweite „Standards“?

Wir, die familienangeörigigen, sorgen uns vor allem auch darum, dass sie ganz alleine ist, Niemand sie besuchen darf und das immer mit der gleichen Aussage „im Schockraum ist BEsuch nicht gestattet“ begründet wird. Kann so was zutreffen?
Wenn Sie als 80-jährige, mit einem Hezstillstand und sehr schwachem Herzen seit 4 Tagen in dem Schockraum liegt, ist dann überhaupt noch mit einer BEsserung zu rechnen?

Falls sich jetzt Jemand fragt, warum man diese Fragen nicht den Ärzen stellt, sondern in einem Forum, dann hängt das vor allem damit zusammen, dass man dort, in Serbien, mit Patienten und Angehörigen nicht soooo freundlich und Verständnisvoll umgeht und zum Anderen, dass meine Tante vor Ort mit der ganzen Situation alleine und überfordert ist.

Ich hoffe Jemand kann ein wenig Klarheit bringen. Vielleicht kann ich dann meiner Tante „etwas an die Hand geben“ wonach sie die Ärze ansprechen kann!

Vielen Dank schon mal!

Hallo,

in deutschen Krankenhäusern ist der Schockraum der erste Behandlungsraum in der Notaufnahme, in den Patienten eingeliefert werden. Dort wird die Erstversorgung vorgenommen, d. h. dort können Ärzte verschiedener Fachrichtungen den Patienten zugleich untersuchen, einen Status erheben / Diagnosen stellen und die ersten lebensrettenden Maßnahmen durchführen.

Wenn der Patient dann stabilisiert ist bringt man ihn zur weiteren Behandlung in die jeweils benötigte Abteilung.

Dabei ist der Schockraum vor allem für Unfallopfer geeignet, wo Chirurgen, Neurochirurgen, Radiologen und die Anästhesie am Patienten arbeiten.
Bei internistischen Notfällen (wie im Falle deiner Oma) werden manche Patienten auch direkt auf die Intensivstation gebracht weil klar ist, dass sie dort von Internisten behandelt werden müssen.

Wie das in Serbien läuft weiß ich natürlich nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass man dort ähnlich organisiert ist und vielleicht nur ein Übersetzungsfehler vorliegt? Sie dürfte wohl auf einer (internistischen) Intensivstation liegen, eher nicht in einem Schockraum.

Deine Oma hat offensichtlich ein Lungenödem. Das ist höchst lebensbedrohlich und steht oft in engem Zusammenhang mit Erkrankungen des Kreislaufs und des Herzens - was sich bei ihr ja auch bestätigt.

Im Augenblick wird man sie in ein künstliches Koma gelegt haben. Dann kann sie nämlich künstlich beatmet werden - was angesichts der Lungenprobleme höchst sinnvoll ist - und man wird sich um ihren Kreislauf und das Herz bemühen. Wenn sie jetzt also ohne Bewusstsein ist, liegt das natürlich allein schon am künstlichen Koma.

Es ist unmöglich über das Netz Ferndiagnosen zu stellen. Man kann sich von einem Lungenödem und schweren Herzproblemen erholen. Ich will dir aber auch ganz ehrlich und offen sagen, dass es auch anders kommen kann. Manche Menschen überleben eine so schwere Erkrankung nicht.

Offensichtlich wurde deine Oma vom Notarzt gut behandelt und lebend in die Klinik gebracht. Dort ist sie am nächsten Tag vermutlich sehr schnell reanimiert worden, denn sie wird vermutlich nicht in einem normalen Krankenzimmer gewesen sein, sondern auf einer Intensivstation, wo man den Herzstillstand sofort bemerkt haben dürfte und gleich gehandelt hat. Das alles ist wahrscheinlich gut gelaufen. Die Grunderkrankung ist aber sehr gefährlich.

Bei einem Lungenödem tritt Wasser aus Blutgefäßen in die Lunge ein und es droht ein innerliches Ersticken. Es gibt dafür verschiedene Ursachen, im Falle deiner Oma dürfte ihr schwaches Herz die Ursache dafür sein.

Insofern wird man deine Oma jetzt zum einen mit Sauerstoff, der mit einem gewissen Druck zugeführt wird (PEEP-Beatmung, musst du dir aber nicht merken), künstlich beatmen, ihr Mittel zur Entwässerung geben (Diuretika) und vor allem das sehr angeschlagene Herz massiv unterstützen um die Ursache der ganzen Situation in den Griff zu kriegen.

Das kann gelingen, aber wie ich schon schrieb, ihr solltet auch verstehen, dass die ganze Situation lebensbedrohlich ist und es sein kann, dass deine Oma es nicht übersteht.
Eins ist aber klar: im künstlichen Koma ist sie nicht bei Bewusstsein und leidet somit nicht an Schmerzen. Auch wenn die ganze Situation nicht gut ist, ist es doch gut zu wissen, dass sie im Augenblick weder Angst noch Schmerzen empfindet.

Alles Gute,

MecFleih

Vielen Dank MecFleih, für die schnelle und vor allem sehr ausführliche und verständliche Antwort!

Wir haben uns in der Tat alle auf das Schlimmste eingestellt, so dass uns bewußt ist, dass die Lage sehr kritisch ist.

Ein wesentliche Punkt ist für mich aber immer noch so, dass ich ihn nicht verstehe :frowning:
Angenommen, es ist tatsächlich ein Übersetzungsfehler und es ist die Intensivstation gemeint, warum darf sie dann Niemand besuchen kommen? Das ist doch, zumindest in Deutschland, total unüblich?!
Meine Tante darf nur 2 Mal am Tag anrufen, aber nicht vorbei kommen! Warum??? Was könnte der Grund sein? Sie hat meine Oma seit der Einlieferung am Freitag nicht mehr gesehen.

Das Krankenhaus ist eines der rennomiertesten und größten KH in Serbien.

Moin,

Das Krankenhaus ist eines der rennomiertesten und größten KH
in Serbien.

Da fällt mir nur ein, andere Länder, andere Sitten.

Das Renommee kann sich auch nur auf die Qualität der medizinischen Versorgung beziehen, die Besuchsregelungen können noch extrem Konservativ, wie wir es schon sehr lange nicht mehr kennen, gehandhabt werden, das kann man von hier aus nicht beurteilen.

CU

Axel

Danke Axel!

Hey du,

mach die keine Sorgen auf Grund der Tatsache, dass man deine Tante dort nicht vorlässt. Das muss nichts schlechtes heißen, es liegt wahrscheinlich nur an den „ollen“ Statuten des Krankenhauses und das sie vielleicht der Meinung sind, dass deine Oma Ruhe braucht und Besuch jeder Art nur stört.

Als meine Freund schwer verletzt und in zeitweilig lebensbedrohlicher Lage, aber bei Bewußtsein, auf Intensiv lag, haben die mich ohne jedes Theater zu ihm vorgelassen und das obwohl wir nicht verheiratet waren. Die haben sich sogar um mich gekümmert, mir was zu essen organisiert und mich auch erst spät abends gefragt, ob ich nicght fahren möchte, weil ich ja auch mal schlafen müsse! Total prima, total moderne Philosophie, weil die sagten, dass ich dem Heilungsprozess förderlich war.

Anderer Fall: eine Freundin von mir lag mit ner Hüft-OP auf ner orthopädischen Normalstation. Ich flog dort um die Mittagszeit ein. Da fing mich so’n oller Drachen von einer Krankenschwester ab, die mich raus warf, mit den Worten es sei jetzt Mittagsruhe und ich könnne um 15 Uhr wiederkommen.

Du siehst, es hängt teilweise von den Häusern un dvon dem Personal ab, was darf und was nicht!

Ich wünsche euch aber alles erdenklich gute und ganz ganz viel Kraft!

Lieben Gruß Tina

Hi,

Angenommen, es ist tatsächlich ein Übersetzungsfehler und es
ist die Intensivstation gemeint, warum darf sie dann Niemand
besuchen kommen? Das ist doch, zumindest in Deutschland, total
unüblich?!

Das kann ich dir leider nicht beantworten.

Allerdings kann man auch in Deutschland nicht einfach so auf Intensiv marschieren. Die engmaschige medizinische Versorgung, die Schwere der Erkrankungen, die Erfordernisse an Hygiene, also ein ganzer Strauß von Gründen, bedingen, dass auch hier nur enge Angehörige in gewissen, eher engen Grenzen auf die Intensivstation dürfen.

Dazu kommt ein rein rechtlicher Aspekt: während Ehepartner, Eltern oder Kinder problemlos Zutritt bekommen, stellt sich bei Freunden oder weit entfernten Verwandten oft das Problem, dass diese Leute sich meistens nicht als Vertreter der Interessen des Patienten legitimieren können.

Ich habe natürlich keine Ahnung wie das in Serbien gesehen wird und wie da die üblichen Regeln sind…

Gruß,

MecFleih

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