Wie lauten eure persönlichen Unworte und warum?

Meine persönlichen Unworte sind:

Festbetragsregelung (weil hiermit die Krankenkassen den Patienten zur Selbstzahlung auch notwendiger Medikamente verdonnern können, sofern sie mit Pharmaherstellern Rabattverträge über Generika abgeschlossen haben, selbst wenn diese nicht oder nur eingeschränkt auf dem Markt erhältlich sind)

Arbeitnehmerentsendegesetz (hierdurch können ausländische EU-Arbeitnehmer zu niedrigeren Löhnen arbeiten, als üblicherweise gezahlt würden, z.B. Schlachter aus Polen)

Lohnabstandsgebot (weil hiermit die Niedriglöhne durchgesetzt werden, die höher sein müssen als der Hartz4 Regelsatz, das trifft dann alle sozial Schwachen)

Das waren laut GfdS die Unworte der letzten Jahre:

Betriebsratsverseucht 2009
Notleidende Banken 2008
Herdprämie 2007
freiwillige Ausreise 2006
Entlassungsproduktivität 2005
Humankapital 2004
Tätervolk 2003
Ich AG 2002
Gotteskrieger 2001
Nationalbefreite Zone 2000
Kollateralschaden 1999

http://www.gfds.de/

P.S. Ich bin mir nicht ganz sicher ob das nicht in die Rubrik Politik gehört. Ciao D.J.

Sogenannte. Weil das ein absolut nutzloses Wort ist.

Vergleiche folgende Sätze:
a) Wir wählen das sogenannte Unwort des Jahres.
b) Wir wählen das Unwort des Jahres.

Was will uns das Wort sogenannte sagen? Dass man das Unwort unwort nennt? Das ist ja unsinnig.

Für mich ist das sogenannte Wort „sogenannte“ nicht nur das sogenannte Unwort, es ist das Wort zum Löschen aus dem sogenannten deutschen Sprachschatz.

‚sogenannt‘
Hallo Plauderi,

Für mich ist das sogenannte Wort „sogenannte“ nicht nur das
sogenannte Unwort, es ist das Wort zum Löschen aus dem
sogenannten deutschen Sprachschatz.

Nein, da gibt es ja ein berühmtes historisches Beispiel. Die „sogenannte DDR“. Damit wollte man auf das Defizit zwischen Namen (demokratrisch) und Wirklichkeit hinweisen, und damit auf die fehlende Legitimität des Gesamtstaates.

Das Wort sogenannt kann also sehr wohl benutzt werden.

Gruß,
Andreas

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Damit wollte man auf das Defizit zwischen Namen (demokratrisch) und Wirklichkeit hinweisen

Uf, das habe ich erst nach dem 3. Mal lesen begriffen. Das ist definitiv für Leute mit mehr Hirnschmalz als ich es habe.

Ich habe den Eindruck, dass der Begriff ›Unwort‹ häufig gebraucht wird, um nicht die inadäquate sprachliche Gestalt eines Ausdrucks zu kritisieren, sondern – und das erscheint mir wenig sinnvoll – entweder das damit bezeichnete Konzept oder den Gebrauch des Begriffs. Für Letzteres findest du ein Beispiel in diesem Artikelbaum, das ich unten kommentiert habe; für Ersteres hast du selbst eines gegeben: ›Lohnabstandsgebot‹. Dabei handelt es sich gewiss nicht um eines der anmutigsten und transparentesten Wörter der deutschen Sprache, aber deine Begründung, dass damit »die Niedriglöhne durchgesetzt werden«, ist Sachkritik, die in der Tat in die Politikbretter gehört, nicht Sprachkritik. Die inhaltlichen Implikationen mögen unschöne sein; das Wort selbst bezeichnet auf halbwegs neutrale Weise, dass es geboten sei, einen Abstand zwischen Sozialleistungen und Arbeitsentgelten zu wahren – ein Verwaltungsbegriff wie so viele. Wenn man nach ›persönliches Unwort‹ googelt, findet man Hunderte weiterer Fälle, in denen das Wort geschlagen wird, obwohl der Gegenstand gemeint ist.

Begriffe, die eher treffen, was ich für den Kern der Idee halte, sind die von dir genannten ›Unwörter des Jahres‹. Erstens liegt da der Stein des Anstoßes für den Kritiker nicht in der Sache, etwa dem Vorhandensein von Betriebsräten, sondern in der als unangemessen empfundenen Bezeichnung dieser Situation, im konkreten Fall als ›Verseuchung‹. Zweitens konzentriert man sich offenbar auf Begriffe, bei denen die Bewertung des Wortes nicht ausschließlich auf emotionalen Faktoren beruht – wie das etwa bei Anglizismen der Fall wäre. Es ist jedenfalls, meine ich, durchaus ehrenhaft, dass die ›Unwort‹-Jury Versuche, sachlich Fragwürdiges über die sprachliche Hintertür salonfähig zu machen oder zweifelhafte Gesinnungen sprachlich zu tarnen, zu entlarven sich bemüht; was den Erfolg dieser Bemühungen angeht, hege ich indes gewisse Skepsis.

Und zu dem, was an anderer Stelle in diesem Thread geschrieben wurde:

Sogenannte. Weil das ein absolut nutzloses Wort ist.

Nein, es ist ein Mittel der sprachlichen Distanzierung. Im richtigen Zusammenhang besagt es: ›Ich zitiere im Folgenden ein Wort, das bzw. dessen Gebrauch ich nicht billige, aber dokumentieren möchte.‹. So könnte man vom ›sogenannten Dritten Reich‹ sprechen, um zu verdeutlichen, dass man sich der Verwendung des Ausdrucks als Propagandabegriff bewusst ist. Oder von den ›sogenannten weichen Drogen‹, wenn man Zweifel an einer derartigen Bewertung bestimmter Rauschmittel äußern möchte. Kritik an inflationärer Verwendung eines Begriffs sollte nicht darin münden, das Wort seines Gebrauchs wegen zum ›Unwort‹ zu erklären.

Gruß
Christopher

Hi,
In meinen Augen ist das Wort sogenannt schon sinnvoll, wenn auch vielleicht überverwendet („overused“?). Es fügt nämlich dem Satz hinzu, dass das, worauf es sich bezieht, ein fester Ausdruck und nicht nur eine Spontanbildung ist.
Wenn ich also zum Beispiel von einer sogenannten Angebungskonstruktion spreche, weiß der Leser, dass das das Wort ist, was dafür benutzt wird, und nicht nur ein von mir erdachtes Wort.

Das Wort ist also sinnvoll.

Grüße,

  • André

Ich habe gestern wieder so etwas „schönes“ in der Zeitung gefunden: „Unternehmen der Daseinsvorsorge“. Na, kommt hier jemand drauf, was das wohl sein könnte? Nein, keine Lebens- oder Rentenversicherung. Das sind schlicht und ergreifend Gas-, Wasser-, Stromlieferanten. Ich frage mich: wer kommt auf so eine bescheuerte Bezeichnung???
florestino

Hallo,

mein Unwort lautet: Ethnische Säuberung

es bedeutet ja auch, dass es eine ethnische Verschmutzung gegeben haben muss.

Gruss
PW