Guten Morgen zusammen. Meine Tochter hat sich gerade von ihrem Freund getrennt , weil ihre Beziehung , die 4 Jahre dauerte, eigentlich von vornherein keine Perspektive hatte.Es hört sich kompliziert an ,ist aber nicht. Ich kann nur so viel sagen ,er ist Moslem und seine Eltern , die mir immer tolerant vorkamen sind es,wo es darauf ankam, doch nicht.Das schlimme daran ist die beiden lieben sich und leiden jetzt beide furchtbar unter der Trennung.Ich komme mir vor wie im Mittelalter !Die
Tradition ist immer noch wichtiger als das Glück der eigenen Kinder!Wie kann ich in dieser Situation meiner Tochter beistehen? Was ich bis jetzt gemacht habe ist, dass ich mit ihr zusammen geheult habe wie ein Schlosshund und tue es immer noch , auch alleine, wenn sie nicht da ist.Ich möchte ihr so gerne helfen die schwere Zeit zu überstehen , bloss wie mache ich das? Denn , meine ständig verweinten Augen zu sehen ist ja keine grosse Hilfe, eher noch eine zusätzliche Belastung für sie.Wer kann mir einen gescheiten Rat geben?
Hallo Anna,
der erste Liebeskummer ist immer extra-schlimm, vor allem nach so langer Zeit (4 Jahre ist ja doch ganz schön beachtlich für den ersten Freund) und wenn der Grund quasi „von außen“ aufgedrängt wird.
Als Elternteil ist es immer schrecklich, die eigenen Kinder leiden zu sehen. Und wie sich Liebeskummer anfühlt, wissen wir alle. (Mir ist es manchmal echt ein Rätsel gewesen, warum man daran nicht einfach stirbt. Angefühlt hat es sich jedenfalls oft so…)
Jetzt aber zu Deinem Problem: Was kann man tun?
Ich denke, Du machst es gar nicht so falsch. Das einzige, was man glaub ich nicht tun sollte, ist „hilflos erwachsen“ zu reagieren, also mit guten Ratschlägen à la „Das wird mit jedem Mal besser“ oder „Der war doch eh nichts/ Das hatte doch sowieso keine Zukunft“ oder „andere Mütter haben auch schöne Söhne“. Das hat meine Mutter nämlich immer gemacht. Meine Reaktion: Wut auf meine vermeintlich verständnislose Mutter, die mich nicht ernst nimmt…
Am besten gehst Du mit ihr um als ob es Deine beste Freundin wäre mit liebeskummer: Sei da, wenn sie jemanden braucht. Hör ihr einfach zu, auch wenn sie die gleiche Geschichte zum 30. Mal erzählt. Es ist gar nicht nötig, dass Du viel tust außer zuhören. Sie trauert, und Trauer ist ein sehr individueller Prozess, auf den Du kaum Einfluss nehmen kannst, außer eben dadurch, dass Du sie wissen lässt „Da ist noch jemand für Dich da“.
Wenn sie sagt, dass sie sich einsam fühlt oder einsam ist, widersprich ihr nicht. Du weißt sicher auch, dass man sich unter vielen Leuten einsam fühlen kann, dass das nichts mit denen zu tun hat, die gerade da sind. Aber sei da.
Und so pervers das klingt, Liebeskummer hat tatsächlich auch EINE gute Seite: Nie in meinem Leben habe ich so viel über mich selbst gelernt und mich so viel weiter entwickelt wie in solchen Phasen, in denen ich wirklich auf dem Boden zerstört war und mich erst wieder mühsam neu zusammen sammeln musste. Deine Tochter wird zwar schrecklich leiden, aber meistens geht man aus solchen Erlebnissen gereifter, erwachsener hervor. Und das ist durchaus etwas schönes, auch wenn sie das gerade bestimmt nicht glaubt
Ich wünsch Dir viel Kraft.
Und jetzt ein „elterlicher Ratschlag“, quasi „unter Erwachsenen“:
Das wird wirklich wieder. Und es geht vorbei. Und sie wird sich auch wirklich wieder verlieben und glücklich sein.
Nur das dauert halt erstmal.
LG,
Norah
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Wenn Beziehungen an der Kultur scheitern ist das immer Mist
Wie ist es denn mit ihm? Ist er auch „nicht so tolerant“ oder kommt das nur von den Eltern?
Wo liegt denn das eigentliche Problem?
Vom Koran her darf ein Moslem nämlich eine Christin heiraten (nur umgekehrt gehts nicht).
Ansonsten kannst du ihr nur immer vermitteln für sie da zu sein, denn alles andere muss sie wohl oder übel allein bewältigen. Wenn es wirklich in die Brüche geht nach so langer Zeit wird es dauern bis ihre Gefühle ein wenig abnehmen.
Wahrscheinlich ist, dass sie sich phasenweise einigelt. Aber wenn sie weiß, dass sie immer zu dir kommen kann, dann wird sie das auch nutzen.
(PS falls es ein Glaubensproblem der Eltern ist, könnte es helfen den örtlichen Imam aufzusuchen. Bis auf gewisse *hust*kölsche*hust* Ausnahmen sind das nämlich sehr kluge, freundliche und hilfsbereite Menschen)
Du heulst, weil es Deiner Tochter schlecht geht? Das ist wahrlich nicht gerade hilfreich.
Kannst Du mal versuchen zu ergründen, warum Du Dich so verhälst? Ich glaube, das ist die wesentliche Frage und im Psycholgie-Forum würde Dir da besserer Rat gegeben werden.
Wenn es Dir schlecht geht durch die Situation (weil da ein Knopf in Dir gedrückt wird), dann kannst Du Dir vielleicht mal jemand anderen suchen bei dem Du Dich ausheulen kannst.
Sonst heult Ihr Euch in einen Teufelskreislauf. Vielleicht geht es der Tochter auch nur sooo schlecht, weil sie Dich damit so viel zum Heulen bringt?
Ich weiß nicht, wie es bei euch ist aber bei uns in der Familie werden nicht sehr viele Zärtlichkeiten ausgetauscht. Da ich das auch von Freundinnen nicht kenne, fand ich es wahnsinnig tröstend, dass meine Eltern einfach nichts gesagt haben und mich in den Arm genommen haben. Ich lag stundenlang auf dem Sofa und habe geheult, und mein Vater saß die ganze Zeit daneben und hat meinen Kopf gestreichelt. Vielleicht hat es bei mir besonders geholfen, weil ich das nicht so kenne, aber ich fand es einfach gut, dass nicht diese blöden Sprüche kamen, dass ich einfach erzählen konnte und ich das Gefühl hatte nicht ganz so allein zu sein.
Was mir auch gut getan hat, war Ablenkung, auch wenn ich keine Lust dazu hatte. Ich wurde einfach wohin mitgeschleppt und wenn’s nur ins Kino war. Natürlich ist da jeder anders, aber mir hat es geholfen.
das ist ja nicht nur Liebeskummer, sondern Ohnmachtsgefühl dazu. Sie will, er will und doch geht es nicht, das ist für ein junges Mädchen wirklich sehr viel, was sie nun bewältigen soll.
Man muss bedenken, dass sie ja erst im Begriff ist, ein eigenständiger Mensch zu werden und nun sagt ihr eine „mächtigere Instanz“, dass ihr Menschsein zu wenig ist, um den lieben zu dürfen, den sie liebt. Das geht weiter und tiefer als „normaler“ Liebeskummer. Insofern finde ich den Ratschlag gar nicht schlecht, einmal über Hilfe von außen nachzudenken. Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine, es gibt in den meisten Städten auf Beziehungen-mit-Kulturdifferenzen geschulte Leute - auch besonders für junge Menschen - die müsste man bestimmt über das Jugendamt ausfindig machen können. Und wenn ich mich doch irre, so findest Du dort aber auf jeden Fall Ansprechpartner, die Dir dabei helfen, Deine Position in dieser Situation zu finden, diese zu Hause zu festigen und damit Deiner Tochter besser helfen zu können. Das Jugendamt hilft nicht nur Kindern und Jugendlichen, sondern auch deren Eltern.
In manchen Situationen kann es auf jeden Fall hilfreich sein, sich ein Blatt Papier und einen Stift zu nehmen und einen Brief zu schreiben. Einen Brief an seine Eltern, einen Brief an ihn - das gilt für Euch beide - oder nur für Dich, einen Brief an Deine Tochter. Es geht nicht darum, ihn nachher abzuschicken oder abzugeben, einfach nur schreiben. Das hilft sehr, wenn man dieses Gefühl hat, dass der Kopf gleich platzt. Danach geht es einem besser - klingt doof, ist aber so.