Hallo,
in einem Interview mit den Sugababes in der SZ wurde mal ein Fachbegriff für eine bestimmte Gesangstechnik verwendet. Es ging um das ausgeprägte (nervige:wink: Paraphrasieren/Kolloratur eines Tons. Das, was Mariah Carry bis zum Erbrechen mit jeder Note macht.
Sorry, bin kein Musikexperte, hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt.
die Art von Verzierungen nennt man „Arabesken“.
Und Carey hat es - mehr oder weniger - in der Popmusik etabliert, und übertreibt es entsprechend, bis es nervt!
Grüß
Günther
Es
ging um das ausgeprägte (nervige:wink: Paraphrasieren/Kolloratur
eines Tons. Das, was Mariah Carry bis zum Erbrechen mit jeder
Note macht.
als Oberbegriff für Improvisationen kann man auch den Begriff ad libitum (lat. nach Belieben) verwenden, denn diese Verzierungen sind sicher in keiner Transkription notiert.
Ich finde diese vorgegebene Professionalität mancher R&B-Künstler meistens auch sehr peinlich, vor allem wenn die Vortragende dazu eine Hand wie unwillkürlich mit leicht abwehrender Geste den Tönen scheinbar folgen läßt, die Augen dabei in qualvoller Konzentration zusammenkneift und die Oberlippe hochzieht, als wären jene Arabesken das Ergebnis jahrelangen, harten und entbehrungsreichen Gesangsstudiums. Diese Show nötigt offenbar nicht nur dem Rezipienten eine gewisse Überwindung ab.
Dabei kann das auch sehr schön klingen, wenn man eben nicht wie Beyoncé Knowles oder Christina Aguilera nur die Töne eines Arpeggio akkurat zu treffen weis (Homer: „laaaangweilig“), sondern auch eine verspielte Melodielinie entstehen lassen kann (wenn mir ein Beispiel gelungenen R&B-ad libs einfällt, reich ichs nach).
Im Amerikanischen wird diese Melismatik „swooping“ genannt. Diese Technik gehört zu der Soul-Tradition mit Gospel und R&B im Hintergrund. Im Deutschen würde ich „Melisma“ (Melismen) verwenden, mit der Präzisierung, worum es geht, da es ein Begriff mit mehreren Bedeutungen ist.
Für mich sind Ray Charles und Whitney Houston Paten für Mariah Carey, bei der dies tatsächlich zum Manierismus wird.
Gruß
in einem Interview mit den Sugababes in der SZ wurde mal ein
Fachbegriff für eine bestimmte Gesangstechnik verwendet. Es
ging um das ausgeprägte (nervige:wink: Paraphrasieren/Kolloratur
eines Tons. Das, was Mariah Carry bis zum Erbrechen mit jeder
Note macht.
Sorry, bin kein Musikexperte, hoffe, ich habe mich
verständlich ausgedrückt.
Ich kenne das unter dem Begriff „schwarze Melismen“.
Früher war das mal das Salz in der Suppe der afroamerikanischen Gesangstradition. Gänsehaut erzeugend und für Weiße schwer oder überhaupt nicht kopierbar. Heute dagegen gibt es nur noch Salz ohne Suppe. Jedes Pop-Sternchen meint, sich an dieser Technik aufreiben zu müssen. Deshalb wirkt es auch nicht mehr dahingeplätschert wie bei den Altmeistern, sondern klingt eher wie ein verzweifeltes Bestehen-wollen unter dem Diktat allgemeiner Zwangsvirtuosität.
Trotzdem - es ist eine äußerst schwierige Technik, denn die Melismen müssen erstens flott gesungen werden und zweitens blitzsauber sein, sonst wirds fürchterlich. Werden sie auch nur ein bischen „geschmiert“, ist man intonationsmäßig ganz schnell in der Nähe von besoffenen Schalke-Fans (tschuldigung).
Wen es interessiert: Die schwarzen Melismen wurden traditionsmäßig eher am Ende eines Liedes eingesetzt (ursprünglich als extatisches Steigerungselement in der Gospelmusik), dort auch eher am Ende der musikalischen Figuren und meistens in fallender Richtung. Das Tonmaterial für die Verzierungen stammt(e)aus der pentatonischen Blues-Tonleiter. In Afrika gibt es ähnliche Verzierungstechniken, u.a. auch in der arabischen Musik („Arabesken“).
(Schöne) Beispiele findet man bei Mahalia Jackson, Ray Charles, Aretha Franklin, Stevie Wonder u.a. Auch Little Richard hat in den 50ern sehr kurze und schnelle Melismen gesungen. Die früheste Aufnahme einer weißen Stimme mit Melismen die ich kenne, ist „Milkcow Blues Boogie“ von Elvis Presley (1955). Leider hat er danach nie wieder Melismen verwendet.
Gruß, Harri
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Zu einer Nebenbemerkung von dir habe ich meine Klärungsfrage.
In Afrika gibt es ähnliche Verzierungstechniken, u.a. auch in
der arabischen Musik („Arabesken“).
Ich kenne das Wort Arabeske in der Musik aussschliesslich in zwei anderen Bedeutungen - ein romantisches Stück (Schumann) und eine türkische Popmusikrichtung. Ist es jetzt dein persönlicher Versuch, die Ornamentik der arabischen Musik mit einem Wort zu beschreiben oder meinst du, in der arabischen Welt würden solche Melismen Arabesken genannt?