Guten Morgen,
vorweg - ich lieben Menschen, die irgendwas gedruckten zu anderen Menschen bringen. Also: toi, toi,
toi. Ebenfalls vorweg: Dass Du gar keine Ahnung vom Verlagsgeschäft hast, macht es für Dich natürlich
extrem schwierig. Und so arg kannst Du Dich auch noch nicht damit beschäftig haben, das zeigen
Deine Fragen. Einfach mal der Reihe nach:
ich denke, dass die zeitschrift über anzeigen finanziert
werden müsste.
Der Vertrieb soll ja über Kiosk erfolgen, dann müssen um die 70 % der Kosten durch Anzeigen gedeckt
werden.
ich habe schon nachliteratur darüber gesucht, aber bin nicht wirklich fündig
geworden.
Dann brauchst Du unbedingt einen Mitarbeiter, der Recherche für Dich macht. Es gibt Dutzende von
Büchern über das Verlagswesen. Kennst Du Amazon? Das ist ein Online-Buchhandel. Gibt da mal das
Stichwort ein.
(Meine Empfehlungen, wenn es nichts Aktuelleres gibt: Wirtschaftsunternehmen Verlag von Thomas
Breyer)
wieviele mitarbeiter bräuchte man?
Das kann man so nicht sagen. Kommt auf die Inhalte an. Wenn Du jede klassische Abteilung einmal
besetzt, da brauchst Du einen Anzeigenverkäufer* (wahlweise eine Verkäuferin). Einen Menschen für die
Anzeigenverwaltung. Einen Verantwortlichen für die Redaktion**. Einen für die Produktion. Einen für
den Vertrieb. Evtl. einen für den Abo-Vertrieb. Die anderen Dinge wie Buchhaltung, Personal etc.
bleiben mal außen vor. Vergessen darf man nicht, dass man auch Werbung in eigener Sache machen
muss. Je nach Zielgruppe, heißt das: Messeauftritte, PR, Eigenwerbung, Mailings, Repräsentation, Events
…
wieviele leute braucht man für das layout?
Das erledigen heute die Redakteure meist selbst. Entsprechende Hard-/Software plus Know-how
vorausgesetzt. Ist auch keine so große Geschichte … wenn das Grundlayout steht. Und das sollte
wirklich professionell entwickelt worden sein. Passend zur Zielgruppe, zum Thema, zum Land … Das
heißt, die Blindseiten sind alle angelegt und werden „nur“ noch gefüllt.
wie werden artikel in so schneller folge (monatliche herausgaben) recherchiert?
Monatlich ist ja eher langsam (siehe Tageszeitungen). Das kommt darauf an, welches Thema die
Zeitung hat und wie exklusiv man sein will. Wenn jeder Artikel einzeln recherchiert wird, evtl. noch im
Ausland, dann ist das eine sehr aufwändige Sache und kann schon mal Wochen oder sogar Monate
dauern (National Geographie ö.ä.)
Darüber hinaus gibt es Nachrichtendienste, bei denen man sich (kostenpflichtig) anmeldet und deren
Informationen man verwenden kann.
Außerdem erhalten Redaktionen von freien Pressebüros oder Journalisten Artikel angeboten (exklusiv
oder nicht). Und, bei Fachzeitschriften, werden sie auch von den Firmen angeschrieben, die eine
vernünftige PR betreiben.
wieviele artikel kann ein mitarbeiter im monat schreiben?
Es gibt durchaus (Montats-)Zeitschriften, die werden von zwei Mann/Frau in der Redaktion betrieben
und die haben dennoch eine erstaunliche Qualität. Ansonsten: Siehe letzte Frage.
wie funktioniert eine druckmaschine?
Überlass das den Druckern. Du lieferst die fertigen Druckdaten, den Rest machen die. Vorher natürlich
Angebote vergleichen, nicht nur hinsichtlich Preis, sondern auch hinsichtlich der anderen Leistungen.
Unbedingt Spezialisten nehmen, die sich auch mit Zeitschriften/Zeitungen auskennen. Drucken alleine
reicht noch lange nicht.
kann man das alleine machen?
Äh, nee.
wie schafft man distributionswege?
Das ist eine sehr auf das Land bezogene Frage. Du sagtest ja bereits, dass das Baby am Kiosk verkauft
werden soll. Dann musst Du schauen, wie das in dem Land funktioniert. In der Regel schaffen die
Verlage es nicht mehr alleine, einen guten Platz am Kiosk zu bekommen. Das Angebot ist zu groß und
die Chance, dass Du einen Titel hast, der in entsprechender Frequenz explizit nachgefragt wird, ist
gering. Das heißt, man muss hier einen Spezialisten zur Rate ziehen. Firmen, die eben das alles
übernehmen. Meist holen die die Zeitschriften schon bei der Druckerei ab, verteilen sie an die Kioske
(oder wohin auch immer), sorgen für die Platzierung, überwachen das Remittentensystem …
Alle diese Angaben beziehen sich auf Deutschland. Sie mögen in anderen europäischen Ländern ähnlich
sein, müssen das aber nicht. Die Unterschiede können eklatant sein, vor allem in monitärer Hinsicht: O-
Ton eines italienischen Kunden, als er die Anzeigenpreise einer deutschen Fachzeitschrift erfuhr: „Ich
möchte inserieren, nicht die Zeitschrift kaufen.“
viel Erfolg
Richard