Wie sage ich es ihr? (viel Text)

Hallo,

Es geht um meine Freundin. Als ich sie vor 7 Monaten kennenlernte,
war sie gerade dabei, ihre Diplomarbeit fertigzustellen. Leider
bekam sie es nicht rechtzeitig hin und es war auch schon ihre
zweite Nachfrist. Sie sprach damals von einer Schreibblockade und
es stellte sich heraus, dass sie Antidepressiva nahm. Als klar
war, dass es mit dieser Diplomarbeit nicht klappt, besserte sich
zunächst ihr Zustand. Sie suchte sich einen Aushilfsjob und setzte
die Medikamente ab (erst nahm sie die halbe Dosis und schließlich
gar nicht mehr).

Jetzt wird es Zeit, dass sie sich um ein neues Thema kümmern sollte
und auch ihre Eltern sprechen sie öfter drauf an, aber es tut sich
nichts. Sie meint, sie wäre nicht fähig so eine Arbeit anzufertigen
und bei ihrer letzten wäre auch das meiste mehr oder weniger
zusammenkopiert aus verschiedenen Texten. Ein Freund von mir, der
auch studiumsbedingt in eine Depression geraten war und Medikamente
nimmt, meint ich solle ihr raten, wieder zum Psychiater zu gehen,
aber wie fange ich es am besten an? Vor ein paar Tagen meinte sie
noch, sie hätte ja den perfekten Zeitpunkt gewählt, um die Tabletten
abzusetzen…

Ich hab für sie jetzt erstmal ein Buch bestellt:
„Keine Angst vor dem leeren Blatt“ und hoffe, sie dazu bewegen zu
können, die Studienberatung aufzusuchen.

Würd mich freuen, wenn mir jemand hilfreiche Tipps geben könnte,
wie ich am besten mir ihr umgehen soll.

Gruß, Tobias

Frage: Warum nehmen alle Medikamente wegen des Studiums?

Das scheint mir schon sehr merkwürdig, das man wegen einem Studium Antidepressiva nehmen muss. Ich denke, dass das Problem woanders liegt. Vielleicht gibt es Geldprobleme, Probleme innerhalb der Familie/Freundeskreis? Oft spielen so viele Dinge zusammen. Eine Schreibblockade ist sicherlich nur die Folge dessen, dass der Kopf voll mit anderen Gedanken ist.

Wir das Studium nicht mehr als sinnvoll angesehen? Gibt es keine oder nur schlechte Jobaussichten?

Vielleicht wird das bestehen des Diploms nur hinausgezögert (unbewusst) um nicht plötzlich vor dem „Nichts“ zu stehen.

Rede doch noch einmal ganz offen mir ihr. Es gibt eine sichlich einfache wie auch hilfreiche Diskussion und Lösung.
Wichtig: Nie mit Zeitdruck! Auch: Das Gespräch nicht mit: „Mir ist aufgefallen…“, „Andere sind auch…“. Sondern lieber damit anfangen, was Sie derzeit fühlt und denkt. Und lass Sie selbst eine Lösung finden.

Ich hoffe, dass meine Meinung zu dem Thema Euch weiterhelfen wird…

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Frage: Warum nehmen alle Medikamente wegen des Studiums?

Sie nehmen die Medikamente natürlich nicht wegen dem Studium, sondern wegen der Depression, die sich durch Misserfolg und andere Begleitsymptome (mangelnde/s Selbstbewusstsein/Selbstliebe) gebildet hat.

Das scheint mir schon sehr merkwürdig, das man wegen einem
Studium Antidepressiva nehmen muss. Ich denke, dass das
Problem woanders liegt. Vielleicht gibt es Geldprobleme,
Probleme innerhalb der Familie/Freundeskreis? Oft spielen so
viele Dinge zusammen. Eine Schreibblockade ist sicherlich nur
die Folge dessen, dass der Kopf voll mit anderen Gedanken ist.

Wir das Studium nicht mehr als sinnvoll angesehen? Gibt es
keine oder nur schlechte Jobaussichten?

Sie hat von anfang an gesagt, dass sie BWL eigentlich gar nicht interessiert und lieber etwas mit Kindern machen würde. Ich glaube, dass sie das Studium mehr für ihre Eltern als für sich gemacht hat.

Vielleicht wird das bestehen des Diploms nur hinausgezögert
(unbewusst) um nicht plötzlich vor dem „Nichts“ zu stehen.

Das könnte ich gut verstehen. Ich studier ja selber und schiebe diesen Grund auch manchmal vor. Allerdings möchte selbst ich langsam fertig werden, da ich schon über der Regelstudienzeit bin und viele meiner Kommilitonen ab nächstes Semester nicht mehr da sind. Leider brauch ich noch mindestens 3 Semester.
Bei ihr ist es glaub ich schon das 14. Semester.

Rede doch noch einmal ganz offen mir ihr. Es gibt eine
sichlich einfache wie auch hilfreiche Diskussion und Lösung.
Wichtig: Nie mit Zeitdruck! Auch: Das Gespräch nicht mit: „Mir
ist aufgefallen…“, „Andere sind auch…“. Sondern lieber
damit anfangen, was Sie derzeit fühlt und denkt. Und lass Sie
selbst eine Lösung finden.

Zeitdruck möchte ich auf keinen Fall ausüben. Ich denke das machen ihre Eltern schon genug (die wohnen direkt gegenüber).
Gestern hat sie mir gesagt, sie möchte heute zur Uni fahren, da sie dort umsonst surfen kann. Sie hat sogar erwogen, zur Studienberatung zu gehen. Vielleicht findet sie wirklich langsam einen Anfang. Ich werde sie natürlich dabei unterstützen, soweit ich kann.

Ich hoffe, dass meine Meinung zu dem Thema Euch weiterhelfen
wird…

Na klar, bin für jede Meinung dankbar!
Gruß, Tobias

Hallo Tobias,
bin selbst in einer ähnlichen Situation wie Deine Freundin.
Ich denke, wichtig ist das du ihr Verständnis für ihre Situation entgegenbringst und ihr zeigst , das du zu ihr stehst.
Eine Therapie oder vielleicht auch schon Gespräche mit einem Psychotherapeuten helfen ungemein viel. Wichtig ist auch, das du sie auf keinen Fall noch mehr unter Druck setzt. Wahrscheinlich sind ihre Ängste, Versagensangst oder kein Selbstvertrauen der Grund, warum sie nicht neu beginnt.
Versuch ihr auch eventuelle Selbstzweifel zu nehmen.
Vielleicht kannst du ihr auch klarmachen, das es sich nicht um eine menschliche Schwäche handelt, wenn man sich von anderen, außenstehenden Personen zeitweise helfen läßt.Auch wegen ihrer Depressionen!

Hoffe ich konnte helfen!

Gruß K.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Tobias,

ich weiß nicht, ob Du meine Antwort noch liest. Aber ich dachte mir, wenn ich sie nicht schreibe kannst Du sie auf gar keinen Fall lesen.

Wenn sie BWL gar nicht studieren möchte, sondern lieber mit Kindern zu tun hat, hilft es vielleicht, wenn Du sie ermunterst, ihr Studium abzuschließen, damit sie sich danach wieder den Kindern zuwenden kann. Im Moment ist sie doch eher blockiert und kann weder das eine noch das andere.

Übrigens öffnet ein BWL Studium sehr viele Türen, insofern lohnt es sich allemal, es abzuschliessen. Und ein gescheitertes BWL Studium ist ja schließlich nicht die Erfüllung. Ich kann gut verstehen, daß die trockene Materie abschreckt. Sie hat aber sicherlich auch Angst davor, was danach kommt.

Vielleicht ist sie auch ein Perfektionist und ist unsicher, wenn sie nicht genau weiß was sie tut. Literatur zusammenzukloppen ist ein normales Vorgehen bei einer Diplomarbeit. Sie muß ja nicht das Rad neu erfinden, das muß man erst bei der Doktorarbeit. Ein paar neue Erkenntnisse sind sicherlich notwendig, aber die kommen ja oft schon beim Lesen. Und beim Ausformulieren kann man sich helfen lassen, am besten Du bietest Deine Hilfe an.

Gruß, AndyM