Wie schätzen Sie den Verlauf der Krankheit ein?

Liebe Experten,

es folgt eine etwas schwierige und auch sehr sensible Frage. Ich weiß, dass ich Antworten nicht verallgemeinern kann, ich wäre nur sehr dankbar über einige Einschätzungen über den möglichen weiteren Verlauf, da Sie sich ja mit solch schlimmen Schicksalen auskennen.

Es geht um meine Freundin. ich bin am zweifeln, ob ich es schaffe bzw. dazu bereit bin als ihr Partner weiter bei ihr zu bleiben, oder versuchen möchte mich aus der Sache herauszuwinden und „nur“ ein guter Freund versuche zu sein.

Sie hatte eine sehr schwere Kindheit. Eigentlich viel zu viel für ein Leben. ich werde nur die echt Hauptpunkte nennen, damit Sie eine Vorstellung der Dimension haben: Demütigung, Alkoholkranke Mutter, Gewalt, Vergewaltigung, Beschneidung… Sie will jetzt eine Traumatherapie machen. Es war fast ihr ganzes leben schlimm, von allen Seiten, trotzdem ist sie eine sehr fröhliche und tolle, starke Frau geworden, wofür ich sie sehr bewundere. Jetzt ist gerade ein Wendepunkt erreicht. Bei ihr muss etwas passieren, sonst kann sie nicht länger für unsere Tochter sorgen. Sie wird bald drei. Ich würde das auf alle Fälle übernehmen, nur es würde meiner Freundin selbst über alles weh tun das nicht zu schaffen.

Ich habe mich bemüht zu ihr zu stehen, doch langsam komme ich an meine Grenzen. Themen waren oft ihre schlechte Laune. Ich weiß erst seit kurzem, was bei ihr alles los war. Konnte die Launen vorher nicht zuordnen und habe sie auf mich bezogen, mich schlecht gefühlt etc.

Das eigentliche Problem ist nun, sie hat schreckliche Schwierigkeiten ehrlich zu sein. Sie hat ihre Ausbildung zum dritten mal abgebrochen und es kommen ständig neue Schuldenprobleme zu tage. Jetzt hat Sie sogar das Konto meines Bruders missbraucht, um Klamotten zu kaufen bzw Rechnungen zu begleichen (ca. 2000€). Ich weiß nicht, wann die Grenze erreicht ist. Ich liebe sie, aber ich möchte auch eine Zukunft mit dieser Frau. Wenn das Ganze einigermaßen schnell „zu regeln“ ist, das heißt für mich innerhalb ca. ein-anderthalb Jahren (natürlich mit therapie - notfalls auch durchgehend), dann kann ich mir eine Zukunft mit ihr vorstellen.

Das kommt alles etwas banal rüber, die ganze Geschichte kann ich schlecht in dem Rahmen schildern. Ich lese oft, dass menschen 10-15 Jahre oder ihr ganzes Leben brauchen um solche Ereignisse zu verarbeiten bzw. zu einem normalen Leben zurückzukehren. Ich weiß, dass meine Freundin immer einen Ansprechpartner (Psychologen) brauchen wird, was auch ok ist, aber wie schätzen Sie die Schuldensache ein (die story mit dem Konto meines Bruders ist nicht die einzige - Schufa etc ist jetzt schon da - und jetzt folgen gerichtlich weitere Probleme wegen Betrugs). Denken Sie da besteht eine Chance, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben ohne, dass es ständig nur Probleme gibt?

Ich verurteile sie wirklich nicht, ich weiß, dass alles seinen grund hat und dass sie im Grunde noch gut damit umgeht, aber ich weiß nicht ob ich die Verantwortung übernehmen kann und will…

Herzlichen Dank im Voraus für ihre Mühen und ich würde mich sehr über Einschätzungen Ihrerseits freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
kirikuu

…jeder ist „nur“ für sich selbst verantwortlich. Das allgemein und vorweg.

Ein Neuro-Biologe (nach Dr. Klinghardt) kann das innerhalb weniger Sitzungen auflösen, aber sie muß das natürlich auch wollen. Hier der Link: http://iye.shli.de/

Viel Erfolg

Albrecht Henze

Lieber Kirikuu,

ich fände es fahrlässig, aus cer Ferne das Beschriebene einzuschätzen nähere mich deshalb mal andersherum:

Ich kann ein Gespräch anbieten, mit mir als selbst betroffener Angehörigen einer traumatisierten Tochter mit 5 Jahren Kranken- und Heilungsgeschichte oder besser (auch) noch mit meinem Partner, der als Traumatherapeut arbeitet. Er wäre sicherlich bereit, unverbindlich telefonisch auf Ihre Fragen einzugehen und vor seinem Erfahrungshintergrund etwas zu sagen.

Aus meiner Erfahrung ist es 1. wichtig, dass jemand, der traumatisiert ist, überhaupt Veränderungsbedarf hat und selbst Therapie möchte.

Normal für Traumatisierte ist, dass sie das eigentliche Trauma als Schutz weit weg schieben und es möglichst vermeiden, ggf. spalten sie sogar Persönlichkeitsanteile ab und haben es wirklich vergessen. Es ist also schwierig, als Traumatisierter zu sagen, ich brauche die Therapie aus den und den Gründen, ein Teil wird nur die Umgebung rekonstruieren können.

Das Trauma führt tendenziell dazu, dass der Betroffene seine Struktur verliert und dadurch Schwierigkeiten bekommt, seinen Alltag zu gestalten und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen/aufrecht zu erhalten.

Deshalb arbeiten die herkömmlichen Therapien alle als Erstes mit „Stabilisierung“, um den Betroffenen nicht weiter zu destabilisieren oder gar zu retraumatisieren. Die eigentliche Aufarbeitung kommt anschließend. Es gibt Methoden, wie z.B. Emdr, die u.U. effektiv zur Auflösung der Symtome führen.

Z.B. mein Partner ist jedoch der Überzeugung, dass es für die entgültige Ablösung(Nicht nur Symtombekämpfung) einer „Konfrontation“ bedarf. Natürlich in Begleitung und unter Anleitung. Und zum geeigneten Zeitpunkt. Da scheiden sich die Meinungen der Gelehrten und jeder ist ja auch unterschiedlich weit bereit, sich auf Therapie einzulassen. Will ich im Alltag wieder gut funktionieren und wirklich eine sichere Basis erlangen?

  1. ist wichtig, dass er auf Therapeuten trifft, die Ahnung von solchen Themen haben und sich dem nicht mit der üblichen kassenverordneten Gesprächstherapie nähern. Trauma „sitzt im Körper, in den Zellen“ und verschwindet nicht allein durch Reden.

Außerdem kommt es darauf an, ob jemand diese Dinge als Kind erlebt oder als gefestigter Erwachsener.

Wir haben in den letzten Jahren Kontakt zu einigen Kliniken gehabt, auf der Suche für eine geeignete Therapie, falls Klinik in Frage käme, könnten wir sicherlich auch dazu etwas sagen, wobei es relativ wenig Traumatherapeuten gibt, die aus unserer Sicht diesen Namen verdienen, also auch langfrisig helfen können.

Sie haben ja eine längere Zeit mit einander verbracht, sich also auch als „Familien-System“ mit dem Gesamtthemenkomplex auseinandergesetzt. Es gibt in Paaren ja liebgewordenes Verhalten mit einander. Neben Trauma scheint mir auch Sucht und Coabhängigkeit ein mögliches Thema zu sein, das es näher anzuschauen gibt.

Ein paar Fragen, die Sie sich stellen könnten:
Was sind Sie selbst bereit zu tun, um eine glückliche Beziehung mit dieser Partnerin zu leben?
Können Sie Grenzen setzen? Klare Ansagen auch durchhalten?
Wo liegen Ihre persönlichen Grenzen?
Wie wichtig ist es Ihnen, wie ihre Partnerin sich fühlt (Kind bei Ihnen…muss ja nicht für immer sein)?
Würden Sie sich ebenfalls in Therapie begeben wollen, als Paar, Familie?
Welche finanziellen Möglichkeiten haben Sie beide?
Krankenkasse, Selbstzahlen
Welche Einstellung zu Therapie haben Sie/Ihre Partnerin? Klassisch, oder auch alternative Methoden, Körpertherapie
Neben einem Terapieplatz sollten Sie sich nach einer guten Schuldenberatung umschauen, wenn der Schuldenberg zu hoch ist, die Gläubiger nicht in Ratenzahlung einwilligen, hilft schlimmstenfalls Privatinsolvenz, die dauert z.B. in GB nur 1 Jahr, nicht etliche Jahre wie in Deutschland. Das wäre aber sicher auch ein Thema,dass der Therapeut mit beaufsichtigen könnte, das „Aufräumen“ wird ja wahrscheinlich länger dauern…
Ich an Ihrer Stelle würde aus Schutz für Sie und Ihr Kind sämtliche finanziellen Verpflichtungen entflechten und darin sehr klar bleiben.

Wenn Sie den Eindruck haben, ein Gespräch könnte Sie weiter bringen, melden Sie sich gern per Email.
mina-miranda (at) gmx.de

Alles Gute für Sie und Ihre Familie

Ihre

Angel

Lieber kirikuu
Ich empfehle Ihnen dringend, geeignete Hilfe für Sie selbst zu suchen. U.U. kann Ihnen der/die (neue) Traumatherapeut/in dabei helfen, jemanden für Sie zu finden und/oder eine/n Paartherapeuten/in. Ihre Situation ist komplex und benötigt Entwirrung und Vereinbarungen mit klaren Grenzen.
Bleiben Sie dran!
Herzlich und viel Glück, eitschei

Hallo Kirikuu,

zunächst einmal möchte ich mich für Ihr Vertrauen bedanken, dass Sie mir dies schreiben. Es ist keineswegs banal, was Sie da erleben. Sie durchleben sehr harte Zeiten. Und in harten Zeiten ist es gut, wenn man weich mit sich umgeht und auch von aussen, von anderen Menschen Unterstützung braucht.

Vieles schaffen wir gar nicht alleine. Aber das tun Sie ja bereits. Sie holen sich Rat von aussen. vielleicht können Sie viel mehr Unterstützung brauchen, als einen Rat? Vielleicht tut Ihnen der Austausch und vielleicht auch selbst Beratungsgespräche sehr gut. Denn Sie klingen verzweifelt und das braucht auch Platz…

Ich höre drei Wichtige Themen aus Ihrer Beschreibung heraus: a) Ihre Grenze. b) Die Unehrlichkeit Ihrer Partnerin (Hintergehung, Zahlungsunfähigkeit) c) Die Zukunftsfrage und wie das mit der Tochter werden soll.

zu c) wenn eine Frau merkt, sie kann nur WENIG für ihre Tochter tun, und merkt, wie sie die Sorge immer weiter zurückschraubt, und sie merkt, dass das innerlich der richtige Weg ist, aber auf der anderen Seite diese Nicht-Fähigkeit nicht zulassen will, dann könnte es sein, dass sie an ihren eigenen Schmerz heran kommt, den sie erlitten hat, wenn ihre eigene Mutter ihr nicht das geben konnte, was sie so dringend gebraucht hat. Das heisst, mit dem aktuellen Schmerz käme auch ein alter Schmerz hoch. Hier würde ja helfen, wenn Sie ihr sagen, dass sie die Sorge fürs Kind gerne übernehmen, so gut wie Sie können, dass es vorübergehend ist, und dass es danach, wenn sie zu Kräften gekommen ist, wieder ihren vollen Platz als Mutter einnehmen kann. In der Zeit kann sie sich um ihr eigenes, ich sage mal „inneres Kind“ kümmern, dass wahrscheinlich auch viel Liebe und Zuwendung von IHR SELBST braucht. Eigentliche Stärke und Kraft entwickelt sich eher aus der Hingabe und der Ohnmacht, als aus künstlicher Mobilisierung.

zu a) wenn Sie für Ihre Partnerin und die Tochter sorgen wollen, haben Sie dann noch die Kraft, für sich zu sorgen? Gut, wenn jeder wirkliche Unterstützung woanders erhält. Sie will Traumaarbeit machen. Das klingt ganz gut. Haben Sie auch Pläne?

b) hier kann ich wenig sagen, es gibt zu wenig Informationen. Drohen gerichtliche Urteile „nur“ finanzieller Art? Oder soll sie „sitzen“?..
Haben Sie selbst ein Einkommen? Wie sind ihre beruflichen verhältnisse, Perspektiven…wie ist ihr gemeinsames privates Umfeld? Gibts Eltern oder Geschwister, die helfen können? Kann das Kind in einen Kindergarten? …welche Pläne gibts bei Ihnen? Resultieren daraus Fragen?

Oft wird zunächst Krisenintervention gebraucht. Später erst, wenn mehr Sicherheit da ist, können die tieferen psychischen Themen bearbeitet werden…aber es kann sich natürlich auch vermischen.

Können Sie sich in Ihrem Umkreis über Kriseninterventionen erkundigen , ggf Jugendämter?

Gerne beantworte ich weitere Fragen.
Alles Gute!
PK

Hallo lieber Kirikuu,

Was Sie da beschreiben ist in der Tat eine ziemlich schwierige Situation. Das tut mir auch wirklich sehr Leid für Sie und ihre Freundin. Es ist verständlich, das Sie ihre gemeinsame Zukunft etwas anzweifeln. Ich kann Ihnen allerdings nur sagen, dass es gut wäre wenn Sie zusammen bleiben würden. Sie lieben Sie ja und das ist das wichtigste. Außerdem haben sie eine gemeinsame Tochter, die sowohl Vater wie auch Mutter braucht. Sie haben übrigens absolut recht. Ihre Freundin ist eine sehr starke Frau. Es gibt viele Fälle, in denen Menschen, die solch eine Vergangenheit erlebten, psychisch daran zerbrochen sind und Dissoziative Identitätsstörungen (mehrere Persönlichkeiten) entwickelt haben. Also seien Sie stolz auf ihre Freundin, dass es ihr gelungen ist damit umzugehen, ohne in solche seelischen Extremzustände zu geraten. Das was sie gemacht hat trägt natürlich nicht zu einer harmonischen Beziehung bei. Dennoch bin ich mir sicher, dass sie durch die Therapie, ihr Verhalten in den Griff bekommen kann. Lassen Sie ihr Zeit und geben Sie nicht auf. Und sagen Sie ihr öfters, dass Sie sie für eine starke Person halten. Wenn Sie an sie glauben, kann das ihr Selbstbewusstsein tatsächlich stärken. Dadurch wird sie in der Lage sein ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft und falls Sie noch Fragen haben sollten, stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen,
Mrs.Childish

Hallo Kirikuu,

zunächst einmal möchte ich meine Bewunderung ausdrücken, dass Sie trotz der Erlebnisse mit Ihrer Freundin, noch zu ihr halten und ihr helfen wollen. Das ist heute nicht mehr alltäglich.

Aus der Beschreibung ist sicherlich eine Traumatherapie angeraten. Dazu sollten Sie sich zunächst in Ihrem Ort umschauen, ob es eine Familien-Beratungsstelle gibt, an die man sich wenden kann und die dann einen passenden Therapeuten vermittelt, bzw. welches Vorgehen überhaupt möglich ist.

Sie können sich als Kindesvater auch an das Jugendamt wenden und um Hilfe bitten (§ 8a SGB VIII - Gefährdung des Kindeswohles) mit der Maßgabe eine Hilfe zur Erziehung nach § 27 SGB VIII einzuleiten. Der Sozialarbeiter sollte dann auf die Mutter einwirken, eine eigene Therapie durchzuführen.

Diese beiden Möglichkeiten sollten Sie aber auch mit Ihrer Freundin ansprechen, dass sie Hilfe braucht, um ihren Alltag in geordnete Bahnen zu bringen. Versuchen Sie bitte dabei sachlich zu bleiben und weiter Geduld zu haben. Durch eine geduldige Wiederholung könnte es gelingen, dass sie einlenkt. Mit Druck erreichen Sie oft das Gegenteil.

Aus Erfahrung kann ich Ihnen mitteilen, dass z.B. durch eine systemische Familientherapie auch ein Effekt möglich wäre, wenn Sie zunächst nur für sich selbst Unterstützung holen und alleine mit einem Therapeuten arbeiten. Durch Veränderungen bei Ihnen kann es auch eher möglich werden, dass Ihre Freundin die Hilfe akzeptiert.

Ich hoffe Ihnen eine kleine Anregung gegeben zu haben und dass Sie einen geeigneten Weg finden. Auch wenn es schwer fällt, kämpfen Sie sanft.

Gruß, tekriemue

Vielen Dank an Euch alle für die tolle Hilfe und Eure Einschätzungen!

Bitte entschuldigt, dass ich so lange nicht geantwortet habe. Trotzdem habe ich Eure Antworten stets dankbar gelesen.

In den letzten Wochen bin ich zu nicht viel gekommen. Habe viel geschlafen und versucht mir einen klaren Kopf zu schaffen. Manchmal klappt es, manchmal zieht es mich dann wieder hinunter…

Es geht aber voran. Am Montag habe ich für mich einen Termin bei einem Therapeuten ausgemacht. Ich werde einfach mal versuchen mit ihm die Sache genauer zu besprechen. Auch meine Freundin müsste in den nächsten zwei/drei Wochen einen Therapieplatz (stationär) in einer Traumaklinik bekommen. Bei einem Aufenthalt in einer Tagesklinik hat man bei ihr ein komplexes PTSD diagnostiziert. Sie hat nun auf alle Fälle verstanden, dass es so nicht weiter gehen kann. Zum ersten mal hat sie verstanden, dass es gefährlich für sie werden kann und, dass sie auch nicht für unsere Tochter wird sorgen können, wenn sie irgendwann wegen diesem quatsch im Gefängnis landet…

@ tekriemue: Danke für deine mutmachenden Worte. Ich werde es wirklich versuchen einfach zu ihr zu stehen, obwohl es mir gerade sehr schwer fällt. Ich wünsche mir einfach eine normale Beziehung und nicht so viel trouble drumherum. Aber es kann ja noch so werden… Ich denke ich werde mir so hart es klingt zeitlich eine Grenze setzten… Erschwerend kommt evtl. hinzu, dass wir noch sehr jung sind, sie ist 24 und ich 21. ich studiere noch und sie hat ihre ausbildung immer wieder abgebrochen bzw. konnte sie aufgrund der Belastung (was wir ja jetzt erst wissen) nicht abschließen. Ich bin jemand, der etwas vom leben sehen will, ich möchte gerne andere Länder kennen lernen etc. und ich weiß zum einen, dass dies nur mit ihr an meiner seite wirklich ginge, da sonst die Kleine lange keinen dad hätte. Es sind also auch teils sehr egoistische Motive, weshalb ich bei ihr bleibe denke ich… Schwer zu einer erwachsenen Entscheidung zu kommen, bzw. so stark zu sein, diese Entscheidung wirklich durchzuziehen.

Mal schauen, was die zukunft bringt. Nochmals vielen Dank für Eure Unterstützung.

Liebe Grüße,
kirikuu

Hallo kirikuu,
erstmal Entschuldugung dafür, dass meine Antwort etwas länger gedauert hat. Ich war verreist.
Nun zu Ihren Ausführungen und Fragen: Natürlich läßt sich Ihre Situation in diesem Rahmen nur begrenzt darstellen, und ebenso kann ich nur in Ansätzen darauf Stellung beziehen.
Als erstes zu Ihrer Freundin: Eine Traumatherapie bei vielfältigen und schwersten Erlbnissen, wie von Ihnen geschildert, ist immer ein langwieriger oder vielleicht sogar lebenslanger Prozess. Die traumatisierenden Geschehnisse können nicht rückgängig gemacht werden. In der Traumatherapie geht es darum, das Erlebte zu integrieren und damit mit möglichst geringen Belastungen leben zu können. Die Wunden bestehen weiter, wirken sich aber nicht mehr (so stark) aus. Es ist wie bei ebenso schweren körperlichen Verletzungen. Es bleiben mindestens Narben zurück und ein amputiertes Bein wächst nicht nach. Trotzdem kann man auch mit so einer Beeinträchtigung durchaus gut und glücklich sein und leben. Ich möchte Sie mit diesen Sätzen nicht erschrecken. Und es erscheint mir insofern wichtig zu sein, um klar auszudrücken, dass niemand sagen kann wann „etwas geregelt“ ist. So oder so wird Ihre Zukunft, die ja schon durch Ihre Tochter auf jeden Fall zum Teil eine gemeinsame ist, auch immer von den traumatischen Erlebnissen Ihrer Freundin (mit-) geprägt sein. Wie schnell und gut ein therapeutischer Prozess voran schreiten kann hängt von unzähligen Faktoren ab. Eine stabile soziale Situation mit einer funktionierenden Partnerschaft ist dabei ein durchaus nicht zu unterschätzender Teil. Aber ebenso kann eine unklare Beziehungssituation zu zusätzlichen Belastungen führen.
Damit komme ich zu Ihnen und Ihrer Situation: Wann Ihre Grenzen erreicht sind, kann ich natürlich nicht beurteilen. Wichtig ist, dass Sie es selbst rechtzeitig mitbekommen wann Ihnen etwas zuviel wird und sich angemessen um die Wahrung Ihrer Grenzen kümmern. Das heißt nicht, dass Sie sich gleich trennen müssen oder sollen. Ganz im Gegenteil, je mehr Sie sich selbst auch schützen, desto mehr Kraft haben Sie mit den schwierigen Umständen klar zu kommen. Sie können sich und Ihrer Freundin nur helfen, wenn Sie die Verantwortlichkeiten auseinanderhalten. Ihre Freundin ist, mit all ihren Schwierigkeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten, für ihr Handeln selbst verantwortlich. Und ebenso sind Sie, mit Ihren Problemen und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, für sich verantwortlich. Wie können Sie sich (und Ihren Bruder) vor weiteren (wirtschaftlichen) Übergriffen schützen UND Ihrer Freundin helfen? Wie und wo können Sie Unterstützung in Form von Beratung, Therapie oder ähnlichem erhalten, um mit der Situation umgehen UND Ihrer Freundin helfen zu können?
Wenn sie noch weitere Fragen oder Gedanken äußern wollen, bin ich gerne zu einem weiteren Austausch bereit und würde mich darüber freuen.

Viele Grüße
Thomas Kühn

Hallo, bereits die Frage überfordert! Sehr komplexes Thema - Welche Verantwortung fällt Ihnen zu? Es wird sicherlich ständig weitere Herausforderungen geben, in höherem Maße als bei unbelasteten Menschen! Wenn Sie selbst schon Zweifel haben, zeigt das eher, dass sie nur noch verstandesmäßig Gründe suchen, um dabei zu bleiben, emotional aber schon auf Abstand sind, also unbewußt schon klar haben, dass Sie die Beziehung so nicht weiterführen können.
Alles Gute Ihnen Sabine