Wie schlecht sind Kaltstarts?

Hallo,

man nehme an, A und B fahren das gleiche Auto. A fährt täglich 10 km, B fährt einmal im Monat 300 km - die Jahresfahrleistung ist also gleich, nur bei A mit 365 Kaltstarts und bei B nur mit 12 Kaltstarts. Wir nehmen einmal an, dass die Fahrweise sowie die Streckenbeschaffenheit ähnlich ist.

Wieviel länger (bezüglich Kilometer und Alter) hält das Auto von B wenn es ein Benziner, Diesel oder Elektroauto ist?

Wieviel Unterschied macht die Größe des Autos und die Größe des Motors? Welchen Unterschied macht es, ob es ein modernes oder älteres Auto ist?
Welche anderen Faktoren machen einen Unterschied?

Gruß und Danke schonmal

Stefan

Hi Desperado,

  1. Frage:
    kann man nicht sagen. Wenn die Fahrtweise nach den Kaltstarts schonend ist, kann die Maschine auch 500.000 Km halten.

Beim Diesel wird man im Kurzstreckenbetrieb irgendwann Ärger mit DPF und AGR bekommen.
Probleme mit OPFs im Kurzsgtreckenbetrieb sind mir bislang nicht zu Ohren gekommen.

  1. Frage:
    Die Größe des Autos und des Motors ist in Bezug auf den Kaltstart nicht allzu spannend.
    Wichtig ist eine niedertourige, schonende Fahrweise nach dem Kaltstart bis der Motor und somit dann spätestens auch die Abgasreinigungssysteme auf Betriebstemperatur sind.

  2. Frage:
    Ein älteres Auto ist nicht per se haltbarer als ein neueres, insbes. in Bezug auf den Motor.
    Speziell Mercedes V8 Saugmotoren sind bekannt für astronomische Laufleistungen bei normaler Pflege (Literleistung 50-70 PS), während ein Fiat 2-Zylinder mit einer Literleistung von 105 PS natürlich schneller verschleißt. Aber heute sind die Qualitätsstandards bei den Motoren für Massenautos höher als früher, allein schon wegen der höheren Literleistungen. Z.B. ein Ford Focus 1.0 3-Zylinder mit 100 PS wird bei vernünftiger Fahrweise mindestens genauso lange halten wie früher ein Ford Focus 1.6 Saugbenziner mit ähnlicher Leistung (ich bemühe den Ford, weil er im Gegenstz zu VW keine Serienfehler über mehrere Motorengenerationen und -Klassen mitschleppt).

Bei vernünftigen Fahrzeugen gilt nach wie vor, dass der Motor bei normaler Behandlung und Pflege den Wagen üblicherweise überlebt.

Frage 4:
Ein Auto wie einen Mercedes W126 280 SE, der mit seinem 180 PS Reihensechszylinder-Motor und gut 60 PS Literleistung, seiner trägen, soliden Wandlerautomatik und seinem insgesamt hohen Qualitätsstandard auch bei Fahrwerk, Karosserie, Sitzen, Elektrik, Klimatisierung u.s.w. über Jahrzehnte wirtschaftlich genutzt werden konnte, gibt es heute nicht mehr.
Der alte Benz kann auch heute noch mit einfachen Mitteln fit gehalten und ggf. repariert werden.

Ein neues Auto, selbst eine aktuelle S-Klasse, werden schon nach 10 Jahren unwirtschaftlich. Elektronikfehler häufen sich, Komfortfeatures „sterben“, Fahrwerke sind wegen der höheren gewichte heute irgendwann verschlissen und die auch schon in der Kompaktklasse immer öfter auftauchenden adaptiven Stoßdämpfer sind sehr teuer im Austausch.
Doppelkupplungsgetriebe halten 50.000 - 180.000 Km. Dann sind sie für mindestens 1.500 Eur zu warten (neue Kupplungen). Das ist dann oft schon ein wirtschaftlicher Totalschaden.

Auch Ausfälle der vielen Steuergeräte werden im Alter zum teuren Problem. Vieles wird in Zukunft nur noch die vorgeschriebenen 10 Jahre als Ersatzteil lieferbar sein, wenn überhaupt.

Es profitieren heute die Vielfahrer, würde ich sagen. Die 30.000 Km Serviceintervall und 5L / 100 Km Dieselverbrauch bei sportwagenähnlichen Fahrleistungen eines BMW 320d z.B. gab es noch vor 10 Jahren nicht. Solch ein Auto kann man in 10 Jahren 500.000 Km fahren und dann immer noch für ein paar Tausender als Teileträger veräußern.
Ein BMW 320i aus 1981 war da schon seit 350.000 Km auf dem Schrott…

Hilft das?

Gruß,
M.

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N’Abend,

ich lehne mich mal etwas weiter aus dem Fenster und sage, dass bei exakt gleicher Behandlung das Langstreckenauto länger hält. Auch der zarteste Gasfuß kann nicht verhindern, dass der Verschleiß im Kaltlauf höher ist und ein Auto, dessen Motor immer nach 10 km wieder abgestellt wird, ist faktisch nie auf Betriebstemperatur. Das führt zu Ölverdünnung, die ihrerseits den Verschleiß vor allem bei höheren Temperaturen erhöht.

Bei E-Autos wird es hingegen keinen so signifikanten Unterschied geben. Ein Elektromotor ist sowieso unempfindlicher, in erster Linie der Akku entscheidender Faktor. Der verschleißt hauptsächlich durch hohe Temperaturen und lang andauernde hohe (etwa > 85 %) oder sehr niedrige (< 20 %) Ladestände. Bewegen sich beide Vergleichsautos bei gleichen Umgebungstemperaturen und gleichen Landezuständen (das Langstreckenauto müsste dann alle 10 km laden, damit es identische Bedingungen hat), wird es wirklich keine bedeutenden Unterschiede geben. Das Langstreckenauto wird im Betrieb höhere Akkutemperaturen sehen, weil es nicht zwischendurch immer nach 10 km wieder abkühlen kann. Punkt für das Kurzstreckenauto. Dafür fährt dieses viel mehr elektronikbelastende Temperaturwechselzyklen. Also Unentschieden!

Je größer der Motor und je kleiner das Auto, umso weniger gefordert ist der Motor bei gleicher Fahrweise, was ihn länger leben lässt. Untermotorisierte Autos muss man für passables Fortkommen recht hart rannehmen. Das passiert dann auch in der Kaltlaufphase, wo es umso mehr schadet.

Dem Alter würde ich keine so große Bedeutung beimessen, wenn die Wartungszustände gleich sind, was in der Praxis meist nicht erfüllt wird.

Benziner können Kurzstrecken etwas besser ab als Diesel, weil sie durch schlechtere Wirkungsgrade schneller warm laufen.

Gruß
Marius

Hallo,
den kommenden modernen Autos machen die Kaltstarts wenig bis gar nichts aus. Du laesst ja Deine Bohrmaschine auch nicht minutenlang warmlaufen. Immer nur ein Loch (hier 10km) und wieder wird der Antrieb kalt. Solange das Auto batterieelektrisch faehrt. Bei Hybriden wird bisweilen der Verbrenner dazu anspringen, dann hast Du das alte Problem wieder, aber seltener. Und beim Wasserstoffauto soll die Brennstoffzelle erwaermt sein, kostet der Kaltstart also vermutlich auch etwas Verschleiss.

Kurze Strecken bei niedriger Temperatur mag der Akku nicht, dieser benötigt ebenfallse eine Warmfahrphase. So lassen viele E-Autos die volle Leistung erst ab ca. 15 min Fahrt abrufen, bzw. der Akku erhält eine Konditionierung in dem dieser mit einer Heizung schneller auf Temperatur gebracht wird. So ohne ist das nicht wie gerne behauptet.

Das mag sein, wenn das Auto draußen in der Kälte steht und es im Winter mal wirklich sehr kalt ist. Aber 10 km Reichweite schafft praktisch jeder Akku immer spielend und schaden tut ihm das außerdem nicht. Es schränkt nur die Nutzbarkeit ein. Insofern ist das kein passendes Argument.

Gruß
Marius

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finde deine Antwort interessant, vor allen im Bezug auf Empfehlungen und richtlienen die die Hersteller geben, bzw einprogramieren um den Akku so lange wie möglich in seiner Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Da wird viel Aufwand getrieben um den in einer optimalen Temperatur zu halten um diesen eben nicht zu schädigen. Dazu muss es nicht mal Winter sein. Herbst und Frühling langt da auch schon um die Heizung des Akkus zu starten. Im Sommer ist das Problem dann genau anders herum, es muss den Akku aktiv kühlen.

Da bieten einige Hersteller nicht umsonst die Möglichkeit die Abfahrtzeit ins Auto zu hinterlegen, damit der Stromspender konditioniert wird.

Das gleiche Problem ist beim Laden natürlich auch.

den kommenden modernen Autos machen die Kaltstarts wenig bis gar nichts aus.

naja - das kann man so sehen oder auch nicht.
Gut warm gefahren und Vmax bis der Tank leer ist schadet eigentlich nie.
wenn man etwas langsamer unterwegs ist - umso besser.
Die Dinger halten ewig.
Morgens, wenn es noch schön kalt ist, gestartet, Brötchen geholt, und zurück und ende.
Das ist Gift für jeden Motor.
oder noch besser für jeden Turbolader. das sind so rechte sensibelchen.
Zügig auf der BAB und abgestellt mögen si auch ganz und gar nicht.

Hab jetzt 300.000KM runter. und Vmx as often as possible. Pedal to the Metal.
Beides kann ich aus eigener Erfahrung nachhaltig belegen.
Auch das dabei 6Ltr./100Km reines Wunschdenken sind. Aber das ist eine andere Geschichte.
Mein ganz pers. Rat für ein langes Leben. Sutsche Warmfahren und dann immer 10% unter Vmax bleiben. Die Karre hält ewig und drei Tage.
Die 300 TKM habe ich aber nur mit Vmax geschaft. as often as …

Hat der Poster nach E gefragt?

Moin,

Mal ernsthaft nachgefragt:
Wir haben hier in D grob 47 Millionen zugelassene PKW. Möchtest du aufgrund deiner definitiv begrenzten Erfahrung so eine Aussage für alle Motoren treffen?

-Luno

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nein, nicht fuer jeden Motor, nur fuer Verbrenner. Moderne Autos haben nur Elektromotoren

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Unglaublich!

dann sag ich es noch einmal mit anderen Worten:
Das größte Problem für den Motor/das Auto ist der Fahrer.

Da muß man nur mal mit den Verwaltern von größeren Fuhrparks sprechen, manchmal
kann man sich aber auch selbst ein Bild machen.

Ja
und andere Motoren auch
laesst sich oben nachlesen

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Kaltstart ist das schlimmste was man eine Auto antun kann.

Ich dachte das wäre die Schrottpresse…