Wie 'schlechte Gegend' überprüfen?

Wie schon in einem anderen Artikel beschrieben, überlegen wir ein Haus in Dortmund-Eving zu kaufen. Neben seinen technischen Mängeln, die über einen günstigen Preis und entsprechende Maßnahmen abgegolten werden können, bedrückt uns, dass diese Gegend als „russisches Istanbul“ bezeichnet wird.

Nun sind wir eher schmerzarm was die Herkunft unserer Nachbarn angeht, müssen aber auch an unsere kleine Tochter denken, die dann da mal zur Schule gehen müsste. Wenn dann mehr als die Hälfte der Mitschüler kein Deutsch spricht, ist das sicher nicht unbedingt ein guter Start.

Doch wie das mit so Gerüchten über Stadteile immer so ist: Sie sind meist ziemlich übertrieben und stammen von Leuten, die aus ihrem Ortsteil sowieso nie wegziehen würden, selbst wenn eine 6-spurige Autobahn an ihrem Haus entlang gebaut wird.

Deshalb die etwas unscharfe Frage: Wie könnten wir im Vorfeld ermittel, ob eine Gegend wirklich unakzeptabel schlecht ist?

Wir haben bisher nur die dortigen Supermärkte „beschattet“ und sind ein bisschen spazieren gegangen.

Gibt es vielleicht funktionierende andere Quellen? Im Internet waren die enstprechenden Foren meist nur schwach genutzt und es hab nur Einzelmeinungen. Habt ihr Tipps?

Danke schonmal

Gibt’s von Düsseldorf die Ergebnisse der letzten Wahlen (z.B. Europawahlen) im online je nach Wahlbezirk einzusehen? Ich finde, dass man anhand der Wahlbeteiligung und gewählten Parteien schon gewissse Rückschlüsse ziehen kann.

Hallo,
wenn man die Gegend bei allen Tageszeiten und an verschiedenen interessierenden Orten erkundet, muesste sich ein umfassenderes Urteil bilden lassen. Dazu kann der Besuch morgens am Kindergarten und an der Schule beitragen, auch mal die Leute ansprechen. Besonders rund um die Immobilie mit Leuten reden, Nachbarn, Geschaeftsleute.
Gruss Helmut

Hallo,

wenn ihr ein kleines Kind habt, würde ich euch auch den Besuch eines Kindergartens oder einer Schule in der Wohngegend empfehlen.

Ich wollte unsere Mini damals - mit unter 3 Jahren - in einer Kita unterbringen. Die Situation in Deutschland für die Kinderbetreuung unter 3 Jahren ist bekanntermaßen nicht die beste, daher habe ich sie vorsorglich erst einmal in allen 9 in meinem Wohnort befindlichen Kitas angemeldet und mir bei dieser Gelegenheit auch vor Ort einen Überblick über die Zustände dort verschafft. Es gab tatsächlich eine Kita, in der es ausschließlich deutsche Kinder gab. Diesen Umstand beklagten selbst die Erzieherinnen, denn das Bild, das die Kinder dort von multikulti erhalten, ist verzerrt - wir hätten den Platz zwar genommen, aber ein Nationalitätenmix wäre mir schon lieber gewesen. Dann gab es eine Kita, in der war das krasse Gegenteil der Fall; sie lag in einer Gegend wie von dir beschrieben. Die Erzieherinnen bestätigten mir dann auch, dass diese Belegungsstruktur ein massives Problem sei: Integrationsschwierigkeiten en masse, sprachliche Probleme, fehlende Unterstützung der Eltern (kein Interesse, nicht der deutschen Sprache mächtig, anderes Verständnis), der Kindergarten war total heruntergekommen, alles war ziemlich kaputt etc. pp. Keine Ahnung, worauf das letztlich zurückzuführen war. Ich habe dann unsere Anmeldung zurückgezogen - in diese Kita hätte ich unsere Tochter niemals gegeben.

Ich finde deinen Hinweis auf die Entwicklung deines Kindes extrem wichtig. Und ich denke, man sollte so gut es eben geht sicherstellen, dass die Gegebenheiten, die zu ihrer Entwicklung nun mal beitragen, so gut wie möglich sind. Selbst wenn ihr als Erwachsene euch noch mit den Umständen arrangieren könntet, muss es auch für euer Kind passen. Die Lütten haben es heutzutage schon schwer genug, dafür sorgen schon unsere Ego-Gesellschaft und das nachlassende oder falsch verstandene Verantwortungsgefühl der Eltern. Da ist es schon wichtig, dass wenigstens das soziale Umfeld einigermaßen stimmt, auch wenn man ab einem gewissen Alter zunehmend den Einfluss auf die Kids verliert.

Ich denke wirklich, ein Besuch in der anliegenden Schule oder entsprechend dem Kindergarten könnte euer Puzzle vervollständigen.

Oder schau dir mal die Spielplätze an, die sich im Stadtteil befinden. Sind sie gepflegt oder stapeln sich dort Bierpullen und Spritzen? =:frowning:

In Düsseldorf gibt es übrigens auf der städtischen Homepage die Möglichkeit, sich eine Kurzinfo zu den Stadtteilen anzuschauen. Vielleicht gibt es das für Dortmund ja auch?

Oder du schaust mal, ob es einen Immobilienführer gibt - auch dort wird meist gut beschrieben, welcher Stadtteil wie besiedelt ist. Der Mietspiegel ist auch ein wichtiger Indikator.

Eine weitere Möglichkeit besteht in einem Anruf bei der lokalen Zeitung. Lass dich einfach mal mit einem Journalisten verbinden, der viel in der City unterwegs ist… die können sicherlich auch so einiges berichten.

Oder - unser Freund und Helfer - die Polizei. Die sind wahrscheinlich noch am nähsten dran. Auskunft geben die sicherlich gern; und eine solche Frage stellt sicherlich mal eine angenehme Abwechselung im Arbeitsalltag dar. :smile:

Mehr fällt mir im Moment nicht ein. Viel Glück jedenfalls bei eurer Entscheidung und eine gute Portion Einfühlungsvermögen! ;-D

Viele Grüße
Kirsten